Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1887 (23.6.1961)
- Date
- 1961-06-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Vifrnfs, 23 de Junio dr IfHil LA SEMANA ISRAELITA Año XXII. — No. 18Ü Einer von Uns, von M. Mansfeld Musik in Buenos Aires Silbernes Kanlorenjubilaeum Kein Name, mir eine Nummer, auf die Jacke genäht. oder wie bei einem t Stück Vieh in die Haut eingebrannt. war das Kennzeichen, zu dem der ..homo sapiens'' durch den Krieg herabgewürdigt wurde. Bei Remarque hatten sie noch symbolisierende Namen, bei Mansfeld haben sie auch dies;- verloren. Sie existieren eigentlich schon garnicht mehr. Man spricht nur noch von ihnen, und die . Grenze von Sein und Nichtsein verwischt sich bis ins Gespenstische. Auf der verlassenen Bahnstation. auf der kein Zug mehr ankofnnit. sitzen ein Vater. eine Mutter, eine Frau, eine Geliebte, ein „Arm der Gerechtigkeit'’, und alle war‘en auf einen und denselben Menschen, ohne es zuerst zu wissen. Man braucht keine Spannung irgendwelcher sogenannten Handlung in diesem Stück; bei aller Verlassenheit des Ortes knislert jedes Wort von dramatischr Wucht. Manchmal glaubt man, die Wartebank sei eine Anklagebank, manchmal eine Zeugenbank: aber alles wird dann wreder verschwommen, und übrig bleibt das zermiir- I bende Warten aut eine Klärung. Der totale Krieg hat alle diese Menschen zu Schemen erniedrigt, hat di? Grenzen von Gut und Bose verwischt, und allein sichtbar geblieben ist: das Sinn-! bild der Mutter, wenn sie gebrochen weinend in die dunkle Kulisse abgeht, un-1 tröstlicher Schmerz und nie versiegende Tränen. Und Angst: Zerb-ochen und der Lächerlichkeit ausgeliefert sind hier alle Phrasen von Heldentum. von Pfiicht. Men- , sehen zu morden, und allein bleibt die Angst vor der unausbleiblichen Abrechnung. Es ist eine mutige Tat und de; feste Willen, nichts zu verschleiern und zu beschönigen?« die uns Michael Mansfeld, den Autor, in die- ' sem Neubeginn einer öeutschsnrachigen Theaterliteratur-Epoehe so sympathisch machen. Er zeigte I schon im Welterfolg des aufwühlenden Films ..Die Brücke", dass in ihm eine aussergewöhnlich starke dramatische Begabung steckt. Dieser Stieifen war nur ein Beginn. ..Einer von Uns" ist die reifere Weiterführung der ausscrordentli- FRITZ MAHLER UND JORGE FONTENLA MIT PHILHARMONISCHEM ORCHESTER Nomen est ornen. Der jüdische, in USA ansässige Dirigent Fritz Mahler ist tatsächlich ein Neffe des unsterblichen Gustav Mahler; schon eine sehr entfernte äusserliche Aehnlich_ keit weist darauf hin. Fritz Mahler ist ein gediegener Orchesterleiter. der hier leider nur ein einziges Konzert absolvierte. Nach der bekannten ..Onertura sinfónica" von Antonio Tauriello hörten wir in einer innig musizierten Version das Adagietto aus der hier leider fast unbekannten 5. Symphonie seines Onkels, ARNOLD ZWEIG Bilanz der deutschen Judenheil Erste in Deutschland erschienene Ausgabe mit einem Nachwort von Achim von Barries. 328 Seiten — DM 16,80 (gebunden) HANS KOHN: und die Wiedergabe der „Fünften" von Tschaikowsky liess keine Wünsche offen. Als Begleiter sekundierte Fritz Mahler, den wir hoffentlich bald wieder, und dann mehrmals hören werj den, sehr überlegen dem : argentinischen Pianisten Jorge Fontenla im Grieg. I Klavierkonzert opus 16. in! welchem dem uns seit vie- ( len Jahren als gediegener i Vertreter seines Instruments; vertraute So.isj manche ■ glückliche und leider auch i unglückliche Momente hatj te. Mahler, das ausgezeich. net spielende Philharmonische Orchester und Fönten-' la hatten grossen Applaus. : ALBERTO LYSY IN DER ‘ „WAGNERIANA” j I Der junge jüdisch-argentinische Violinist, über dessen meteor-ähnliche Lauf. I bahn wir in vergangenen Jahren mehrfach berichten konnten. und der sowohl j kürzlich im Colon" ein I glänzendes „come back" I machen ais auch mit dem Nationalen Svmphonie-Or-! ehester Triumphe feiern i konnte, gab. von Enrique i Gebisini (wie auch im Co. K‘.i) sehr zufriedenstellend1 begleitet, ein eigenes Rezi-1 tal. -in dessen Mittelpunkt di? berühmt? Prokofieff-So-1 nate Nr. 2. opus 94 bis. stand, und bei welcher der Meisterschüler Jehudi Me. nuhics zeigte, dass sich sein chen Mittel, über die dieser Dichter verfügt. — Die Aufführung dieses Schauspiels ist eine grosse Leistung des Deutschen Theaters. Man weicht nicht von der Gewalt eines Themas zurück, sondern stellt es gerade im Gegensatz zum konventiornellcn Programm zur offenen Diskussion. Wie nötig diese Diskussion ist. ersahen wir daraus, dass einige Besucher sich sichtbar getroffen fühlten und dieser starken ¡Auseinandersetzung durch Verschwinden zu entkommen glaubten. | Klaus Jaegel ist der Regisseur dieses grossen Streben und sein Können Abends. Seine Aufgabe war we ter aufwärts bewegen, eine ausserordentlicl schwe- Sein Strich ist untadelig Í re. denn dm Charaktere der fest, sein Ton wohltönend Gestalten sind nur in einer ur.d noch gleichmässiser mühsam zu findenden Svmgeworden: jedoch darf man biose von Intellekt und Ge- { gelegentliche Oberfläehlichfiihl durch drei Akte zu | keiten in Auffassung und führen. Dies gelang ihm Durchführung des Werkes; vollkommen, genau so wie nicht übersehen. welche j die Trostlosigkeit des Ortes | freilich bei der Merdclsi einheitlich' ^tí*?" f '1‘ 1'' ”■■- JjliJpceinäss flott* war brsfíb' - Wundervoll " erklan ” die” f’ gerade in dem mit un- H-moll Sonate von J S heimlicher Spannung erfüll- Rach, und besondere Ehre ten ersten Akt d e Gedehntlegte Lvsv in die Interpre- IheR. die der Stimmung echfation der Sonate von Car-! testen Ausdruck gab. Die ,os Suffern dn die den IÓ Gruppierung der handelnpez Buchardo-Preis 1959 | den Personen war geschickt der „Asociación Wagneria- und überlegt. Klaus Jaegel. na” errang und hiermit urder uns schon als Topaze aufgeführt wurde. Es gab i durch eine besondere Begai bung auffiel, bewies nun —--——- auch als Regisseur, was ., , , .... , das deutsche Thar, (erleben Und Am 26. Juni darf der allgemein geschätzte 1. Kanj tor der „Nueva Comunidad Israelita” tChaim Weizmann-Synagoge), Herr Wal-, ter Bluhm, auf ein Viertelj Jahrhundert seiner Vorbe-! tertätigkeit zurückblicken, i denn an diesem Tage 19361 wirkte er erstmalig als Kantor in der grossen Syni agoge Liitzowstrasse zu ’ Berlin; um wenige Monate danach, nicht lange vor sei- . ner Auswanderung, als Hauptkantor eines Saalgottesdienstes an den Hohen Feiertagen zu amtieren. 1 Walter Bluhm. in Berlin geboren. hat noch die gründlich? Berufsausbildung | in der Var-Naziepoche.1 1927—30. an der Berliner ..Vorbsreitungsanstalt für , Kantoren und Lehrer” er-1 fahren können, der sich eine gesangliche Schulung für j Oper und Konzert durch damalige Meister wie Dr. Walter Krone u. a. anschloss. Da die Emigration ner wird. Als ..Land- MARTIN RUBER Sein Werk und seine Zeit Ite um ein Geleitwort des Verfassers ufid ein Nach- *ort v~n Dr. Rooert Weltsch vermehrte Auflage ca. 500 S gr. 8?, Leinen gebunden DM 24.80. MARGARETESUSMAN Frauen der Romantik 3 veränderte und erweiterte Ausgabe 178 S mit 16 Bildnissen auf Kunstdruckpapier, in Leinen gebunaen 12.80 DM. FLAVIUS JOSEPHLS Geschichte des jüdischen Krieges c Uebersetzt und mh Einleitung und Anmerkungen *e’sehen von Dr. H CL-EMENTZ tCi. B* 695 Seiler., 2 Karten aut nolztr. Papiei in J^einer geo. DM 25.— Joseph Metzer Verlag, Koeln MCZ AfiTSTR ASSE 13 von diesem jungen Künstler „ „ . , . , ’erwarten kann?er . jung und tumb, war '.Wolfgang Priewe ganz auf | Alfred Schnoes als Vat?r seinem Posten. Er erfasste ¡zeigte wieder diesen reifen seine Rohe den Absichten 1 Künstle,- als Vorbild eines , des Autors entsprechend . Sprechers und eindrucksvol-! und wirkte in jeder Szene |len Darstellers. — Margit durch klare Einfachheit : Spielmeyer hat sich nun überzeugend. — Karl Ewald ' frei gespielt und beweist hätte in seiner Rolle die ¡ohne Hemmungen ihre star- Möglichkeiten noch sehär- 'ke Begabung. Ihre Verhalfer profilieren dürfen und tenheit und klare Auffassung j dadurch noch überzeugen- I einer schweren Rolle waren der, als er es tat, wirken I die anerkennenswerte Leikönnen ¡stung die speziell in ihren! wieder gilt es. das Büh- I Gefuhlsausbruchen zum'nenbl]d von Reimundozu Ausdruck kam. - Momca;ihnen welches j„ Bau i Bes1s,eLr’ *.a't ,UPd «d°ch!"• und Beleuchtung den ideanerheh glühend spielte die Jen Rahmfn für das Spiel Ehefrau mit allen Nuancen. bildete ¡überlegen, ergreifend, und | besonders im letzten Akt ®er ergriffene Beifall des über sich hinausvvachsend. vo"en Hauses bewies, wie Maria Ilollmann als Mutter sehr sich das Publikum beherrschte in gewohnter durch diese meisterhafte Weise diese Rolle. Sie hat Aufführung angesprochen sich zu einer Darstellerin , fühlte. für Lysy und seinen Mitarbeiter grossen Applaus. „OKTETT DER BERLINER PHILHARMONIE” IN MOZARTEUM UND COLON Die acht Solisten, di? uns 1954 zum ersten Mal beiiichtcn. machten in geringer Abänderung ihr glanzvolles Rentree in zwei Konzerten. in denen sie dem bonaerenser Publikum und ebenso seinen Musikern eine I.ektion erteilten, bis zu welcher Höhe ein restlos . aufeinander eingespieltes Ensemble gelangen kann, i In leider nur zwei Konzerten wurden uns ausschliesslich Standard Werke der Kammermusik - Literatur vorgesetzt. Gleichgültig, ob es num Mozarts Horn-Quintett es-dur K V. 407 war. in ü.l,. Ko pp . mit—seiner —enormen. sclilackenlosen Technik frappierte, oder das unj sterbliche Beethoven-Septett in gleicher Tonart, opus 20 oder das wundervolle -Schubertsche Forellen-Quintett (der Fagottist der Vereinigung, Oskar Rothensteiner, leitete es in seiner Eigenschaft als Pianist vom Flügel aus), oder das wehniii. j (ige Schubert-Oktett, opus 166, alles war vollendet, abgerundet und einmalig. Ein besonderes Lob der Interpretation des Oktetts 1958 von Paul Ilindemith, jenem Propheten und Wegweiser in die Zukunft, der eine ganze neue Musik.Ae- 1 sthetik gründete, welches den Künstlern nicht nur enorme Ausdrucks-Probleme, sondern auch technische Schwierigkeiten entge. : genstellte, die sie mühelos „spielend" meisterten. I Nicht enden wollender Applaus belohnte*die ..Berliner" nach jedem Stück in jedem Konzert. c-n ihn zunächst nach Sao Paulo führte, wirkte er bereits 1937 an de,- damals gerade gegründeten „Congregacao Israelita Paulista” als 1. Kantor. In dem folgenden Jahre stand er im Dienste der JKG-Gottesdienste von Buenos Aires an den heiligsten Tagen des Jahres. Am 27. Oktober 1939 trat er sein Amt als 1. Kantor der NCI an, das er mit einer Unterbrechung von etwas über zwei Jahren seither ausgeübt hat. (Damals hatte Walter Bluhm u. a. als Gastkantor für die Hohen Feiertage im Saalgottesdienst der ..Nueva Congregación Israelita de Montevideo" fungiert. Wenn ¿er Gottesdienst der .Arcos" zu denen gezählt werden darf, die schönst? liturgische Traditionen mit zeitgemiisser Anpassung an das moderne Empfinden verbinden, wenn dort Ueberlieferung und gepflegt? Vortragsweise harmonisch Zusammentreffen, so ist' dies zum grossen Teil das Werk dieses Kan- 1 tors, der unermüdlich an ¡ sich arbeitet, um immer tiefer durch Gebet und Gesang auf Seele und Gemüt unserer Menschen zu wirken. Vor einiger Zeit erfüllte sich sein Wunschtraum : durch di? Schaffung eines Chors, den er zu einer bt- . deutenden Leistung heran-; bilden konnte. Seine päda- . gogischen Fähigkeiten nutzend, hatte der Gemeinde- . verstand Herrn Bluhm auch mit der Leitung der Religionsschule betraut. die heute 130 Schüler und Schülerinnen umfasst.! Seir.e vielen Freunde gratulieren Oberfcantor Bluhm zu seinem 25jährigen Amtsjubiläum. beglückwünschen . aber auch die ..Nueva Comunidad Israelita" zu ih- / MI*Jr /*on ..Äc Zibur” und hoffen auf weitere Jahrzehnte glücklichen | Zusammenwirkens zum > Woh’e der Gemeinde und zur Freude und Erbauung ’ der Betenden in der sc-hö- 1 nen Synagoge, d«e mit Stolz ¡ den Namen Chaim Weiz-! mann trägt. C. W. Teatro Solei! CORRIENTES 315« T. E. S8-2307 Täglich um 22 Uhr Sonntag 18 und 22 Uhr Paul Burstein Lilian Lux in der jüdischen Operette WER IST MEIN MANN? ♦ ♦ 4 ♦ entwickelt, deren Spiel im- H. D. im TEATRO ODEON 1 ¥ T BOLOGNE SUR MER 547 T. E. 88 9420 SONNABEND 22 UHR DIE FAMILIE KUBICH von PETER KARVAS (gespielt in jidai-eher Sprache) Regie und Leitung: YIRAIR MO**SIAN SONNTAG 18 UHR KONZERT DES VIOLINISTEN ALBERTO LYSY SONNABEND, den 24. Juni, 21 Uhrl5 SONNTAG, den 25. Juni, 15 Uhr 15 EINER VON UNS das packende Zeitstück von MICHAEL MANSFELD Regie: KLAUS JAEGEL WIEDERHOLUNGEN: Donnerstag, den 29. Juni, um 19 Uhr 45, Freitag, den 30. Jura, um 19 Uhr 45. Eintrittskarten an der Theaterkasse, Esmeralda 367,< T. E. 45-3591, werktags von 10—12 und 15—19~ Uhr.! Samstag von 10—13 Uhr ’