Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1885 (16.6.1961)
- Date
- 1961-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — J? irq. £Cu JkwiCUfJCb ZfehCJbUiCL T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 1« DE JUNIO DE 1961 No, 1885 E VERBRECHEN DER INHALT DER | TONBAENDER j Bisher wurde der Inhalt j der Tonbänder, wie auch' die Art und Weise, auf dl« j diese in den Besitz Israels ' •gelangten, geheimgehalten. I Aber ein Gewährsmann,1 der ihre 716 Seiten lange Ueberti agung gelesen hat,' erklärte, Eichmanns Vertei. | diger, Dr .Robert Sarva- ‘ tius, hätte sich sehr geirrt, j ais er behauptete, es handle sich ,um verstaubtes Maie-' rial”, da die Tonbänder nur ' eine Wiederholung der Aus sagen seien, die schon vor dem Gericht gemacht worden sind, denn aus ihnen gehe folgendes hervor: 1. Ein Geständnis Eich, manns, dass er niemals Gewissensbisse gespürt habe, weil die Juden in die Gaskammern geschickt wurden, denn sie hätten den Deut sehen den ,,Lebensodem” geraubt, 2. seine Theorie, die Verbrennung der Leichen von tausenden Juden auf freiem Fe’d sei gerechtfertigt, weil viele Deutschen bei den Luftangriffen der Alliierten ums Leben ka. men, 3. eine Erklärung Eichmanns, dass die Ausrottung der Juden ihm Befriedigung verschafft habe und er nur bedauere, dass' es nicht 10 Millionen gewesen seien, wie es im Plan der Nazis vorgesehen war. ANKLAGE-ERHEBUNG ABGESCHLOSSEN Jerusalem. — Am «2. Tag nach Eröffnung des Eichmann-Prozesses hat der Ge. richtshof die Erhebung der Anklage gegen den früheren Chef des Büros 4-B-4 des NS.Sicherheitsdienstes, das mit der .Endlösung” der Judenfrage betraut war, in der Theorie f-ür abgeschlossen erklärt. Der Prozess wurde seit Ende Mai 1960 vorbereitet, nachdem Eichmann auf is- I raelisehes Territorium über- I führt und dort gefangen ge- | setzt worden war. Die Sei. j tenzahl der fotografierten; Dokumente, die als Beweis-! material vorgelegt wurden,; beläuft sich auf 3.563. j Im April 1961 erklärte der Gerichtshof, im Besitz von 800 Beweisstücken zu sein und 39 Zeugen vorzuladen. Dtas jetzt vorgelegte letzte Dokument trug die Nummer 1402, und der letzte Zeuge die Nummer Ul, nachdem verschiedene Personen, die ¡sich zur Aussage gemeldet ■ hatten, abgewiesen werden .-mussten, um die Sitzungen l aicht noch weiter zu ver- 1 länger h. WIE ICH ES SEHE von JEHUÜA GOTTHEMER TONBAENDER TEIL¬ WEISE ANERKANNT Jerusalem. — Die ‘Anklage gegen -Adolf Eichmann wegen der Ermordung -von i sechs Millionen Juden kann als abgeschlossen gelten, , nachdem das Gericht zwei | Monate lang das Beweismaterial geprüft und Zeugen vernommen hat. Das Gericht verfügte, dass Teile eines „Geständnisses”, | welches der Angeklagte vor fünf Jahren gemacht hat, als Beweis zugelassen werden. I Die drei Richter, die den Gerichtshof bilden, verfügten die Einsetialtung einer einwöchigen Pause in den Verhandlungen. Am letzten Tag hatten Generalstaatsan. walt Gideon Hausner und ' der Verteidiger Dr. Robert! Servatius, über die gesetzliche Zulässigkeit der er j wähnten ..Geständnisse” ih-! re Stundpunkte vertreten. I Diese Aussage Eichmanns; ist in der 716 Seiten füüen-; den Tonbandaufnahme ent. | halten, die der in Buenos Aires lebende ehemalige SS Hauptmann Willem Sas- I sen. ein Holländer, herge-! stellt hat. Eichmann hat in I der Uebertragu-ng der Ton.; bänder Korrekturen vorgei nommen und Kommentare SO IST ES GEWESEN Dr. W.: — Als die Bilder aus den Sehreckensiageru der nazistischen Hölle gezeigt wurden, erklärte der israelische Staatsanwalt Hausner den Richtern im Eichmann-Prozess: , So ist es gewesen!”. Blass-, empört, entsetzt und angeekelt über die Verbrechen, die von den deutschen Nazis volbracht werden sind, verschliesst die Welt ihre Augen vor dem, was damals geschah. Resigniert sagte der Staatsanwalt: ,So ist es gewesen'” Herr Staatsanwalt, Sie haben mit Würde und grosser Sachkenntnis die Anklage gegen einen der wichtigsten Exponenten der nazistischen Mordmaschine erhoben. Ihre Geduld ist bewundernswert, die Schuld e.ne,s ■ Mannes zu beweisen, der sein Leben tausend-, nein mii-! licnenfach verwirkt hat. Mit diesem „So ist es gewei.gen!”, Herr Staatsanwalt, haben Sie nicht Recht. Denn ■ nicht so, sondern viel schlimmer ist es gewesen, w« die Nazis taten. i Nicht so, sondern viel schlimmer war, was in den Konzentrationslagern geschehen ist, weil kein Bild die I Gefühle, die Schmerzen und die Schreie wiedergebea Ikann. Diese Bildstreifen und Fotografien lassen nur ahnen, was wirklich vorging, nicht nur an ausser ichen I Begebenheiten, sondern an inneren Kämpfen, an Angst, ' Not und Verzweiflung. | Die Bilder zeigen nur das Ergebnis des nazistischen Wiitens. Sie berichten aber nichts von dem wie es hiec- ■ zu kam. wie man die Menschen aus ihrer Geborgenheit in die Vernichtungslager trieb, wie Kinder ihren Müttern entrissen wurden oder in deren Armen erschossen worden sind. Ich kenne solche Frauen, die weiter leben mussten, die von den SS-Männern in die Viehwagen ge. worfen worden sind, nachdem die Henkersknechte Hitlers, Himmlers, Eichmanns, Säuglinge am Mutterherzen getötet hatten. Hunderte' ehemalige KZ.ler befinden sich unter uns: sie alle haben in sieh die ganze Tragödie unseres Volkes durchlebt. Ihr Blick und ihr Wort klagen an. So war es und noch viel schrecklicher . an den Rand geschrieben. Die 83 Seiten mit Anmerkungen in der Schrift Eichmanns befinden sieh gegen. 1 wärtig im Besitz der Staatsanwaltschaft. j Nach fünfstündigen Bera- ] tungen beschlossen die j Richter mit zwei gegen eine Stimme, nur die von | Eichmann geschriebenen Bemerkungen und die Teile der langen Tonbandaufnah. me zuzulassen, die zur Erklärung dieser Bemerkungen notwendig sind. Nach j Verkündung dieses Beschlusses war keine Zeit mehr, das in diese»- Form! zugelassene Beweismate, ¡rial zusammenzusteilen. und Hausner erklärte der Presi se er werde dieses Material dem Gericht im Laufe ei- | rer Stunde unterbreiten, wenn der Prozess am 20. Juni wieder aufgenommen ¡wird. Hiernach werde Dr. 1 Servatius sofort Gelegenheit haben, seine Verteidi. jgungsrede zu halten. DIE LETZTEN BELASTUNGSZEUGEN i In der letzten Sitzung wurden die letzten drei Be'a- ■ stungszeugen verhört. Im (Fortsetzung auf Seite 8) Vor kurzem Besuchte eine Delegation ägyptischer Farlamentariar Moskau. Sie wurde von Krutschew emp. fangen, der soeben von seiner Begegnung mit Kennedy zurückgekehrt war. Obwohl nicht sehr viel über den Inhalt der Besprechungen bekannt gegeben wor. den ist, die von den beiden Chefs der gegnerischen Blockmächte in Wien geführt worden sind, herrschte doch ein spürbarer Optimismus. Unzweifelhaft atmete die We t ein wenig er. leichtert auf wenn auch konkrete Ergebnisse bisher nicht gezeigt werden konnten. Umso auffallender dürfte d.e Ansprache sein, die Krutschew seinen „quasi”- Verbündeten aus Kairo gehalten hat, die mit einer deutlichen Warnung verbunden war. Diese, in die Weltöffentlichkeit hinausgetragene Spannung zwischen der Sowjetunion und dem arabischen Land, das immer wieder die Führung für sich beansprucht, ist keine interne Angelegenheit, sondern eine Frage, die alle anderen — und nicht nur die arabischen — Völker angeht, besonders aber Israel, das ständig im Blickfeld der sowjetisch.ägyptischen Politik liegt. Aus diesem Grunde ist es nicht nur gerechtfertigt, sondern erforderlich, sich mit diesem Problemkreis auseinanderzuset. zen. Jahrhunderte hindurch war der Mittlere Osten, von den 1 früheren Politikern als Ori- I ent bezeichnet, ein Kauf- ' und Handelsobjekt der in- 1 ternationalen Politik. die j sich stets für dieses Gebiet j vor allem aus geographischen und strategischen Gründen interessierte. Als ' dann der Faktor Petroleum in die Weltpolitik als eine! entscheidende Kraft eintrat, Geheime arabische Beratungen Kairo. — Die Generalstabschefs der arabischen Armeen wurden dringend nach Kairo berufen, um als Sachverständige am Obersten Rat der arabischen Verteidigung teilzunehmen, der gegenwärtig Geheimsitzungen über alle militärischen und politischen Aspekte der Palästinafrage abhält. Auf dem Programm dieser Tagung figuriert die Beratung über die militärischen Massnahmen, die von den arabischer, Staaten ergriffen werden so llen, um die Ableitung der Jordanwasser durch Israel zu verhindern, sowie die Aufstellung eines gemeinsamen palästinensischen Heeres, das aus den Palästina- Flüchtlingen gebildet werden soll. Diese Truppe wür. de von der Arabischen Liga bewaffnet und ausgebildet werden. Die Beratungen des Obersten Rates für die arabische Verteidigung über politische Fragen sind nicht weniger wichtig. Es handelt sich hauptsächlich um die Anerkennung eines unabhängigen Palästina-Staates. an dessen Spitze eine provisorische Regierung, die von allen arabischen Staaten anerkannt würde, stehen soll. Diese Regierung soll den Oberbefehl über die neue Palästina-Armee erhalten und die direkte Initiative ergreiren, um die Verantwortung für die Lösung des gesamten Palästina-Problems zu übernehmen. (ITA) .wurden die Kämpfe auf der Tribüne der internationalen j Auseinandersetzungen und j hinter den Kulissen ernster und schwerer. Die Engländer waren die ersten, die I von der hohen Bedeutung des Orients überzeugt wa- | ren, zumal der Suezkanal für sie eine lebenswichtige ■ Wasserstrasse war, die Jahr-! zehnte hindurch die ver-! schiedenen Teile des Bri- ¡tish Empire zusammenhielt oder näherbrachte. Die Engländer waren ■nicht die einzigen Interessenten. Franzosen und Preu- {ssen, Oesterreicher und ' Russen rivalisierten mit den | Briten um Einfluss und Macht, die gleichzeitig nicht ■ nur Ansehen und Sicherheit,! sondern auch ernebliche I wirtschaftliche Möglichkeiten und Reichtum verspra- . eben. Jeder Versuch einer anderen Grossmacht wurde | von den Engländern nicht nur als eine Intervention in ¡ihre eigene Sphäre, sondern als ein Angriff auf die Sicherheit des Empire betrachtet. Nach dem Ersten Weltkrieg klärte und verschärf- I te sieh die Lage im Orient, I da alle Grossmächte den (Arabern — ebenso wie den I Juden — nationale Unab- I Bangigkeit versprochen hat. | ten. Immerhin befand sich j der Orient fest in englischer! Hand, wenn Downingstreet ¡auch nicht hatte vermeiden können, dass sich die Franzosen in Syrien festsetzten. Die für die britische Politik charakteristische Unsicherheit ihrer Aktionen zwischen den beiden Weltkriegen führte allmählich zu einer weiteren Spaltung und zu Kämpfen, deren Ziel die Unabhängigkeit der bisher als Kolonien angesehenen, praktisch nicht existenten arabischen Staaten war. So entstanden Syrien und Libanon unter französieher Kontro 1?, Transjordanien, Irak und Ategy'pten, das Seit langen Zeiten zunächst von 1 Konstantinopel und dann I von London aus regiert wurde. Ohne Zweifel Cer stärkste Staat. war Aegypten ¡dennoch der letzte, der seine völlige Souveränität erlhielt, sogar erst Jahre r ach der Schaffung des Staates Israel. I I Erst als die Engländer Suez räumten und die Verwaltung des Kanals den j Aegyptern in einem hart I umstrittenen Vertrag übergaben, waren die Aegypter Herren im eigenen Hause, j Diese Entwicklung ging I nicht ohne Schwierigkeiten vor sich. Der König, arpebj lieh das Zentrum all;r Kor. : ruptiorren, wurde von seinem General Naguib ge. i stürzt, der dann selbst das j Opfer einer zwei'."»»» Muitär- Revolte wurde an oeren I Spitze Nasser stand, der I sich bis heute an der Macht 'behauptete. Trotz aller grosspreche rischen Reden I und der nach aussen hin ¡verkündeten Erfolge haben es die Aegypter nicht verj standen, eine eigen? Po itik , Zu betreiben sondern Hessen sich viel mehr als andere kleinere (kind-er in die wechselnden Interessen der Grosmächte einspannen. Sicherlich war es für Aegvpten nicht einfach, einen klaren Weg zur Ueberwin. dung der Probleme zu finden, die durch eine sich durch Jahrhunderte hinziehende Feudal- und Kolontalwirtschaft geschaffen, wor. den waren. Inzwischen waren die Amerikaner als eine aktive Weltmacht auf den Plan getreten, die nach dem Ersten Weltkrieg sich in eine „splendid Isolation” zurückgezogen und an den Machtkämpfen im Orient desinteressiert gezeigt hat. ten. DierpolitiseWe Linie, die Woodrow Wilson und seine unmittelbare« Nachfolger befolgten, konnte sich das Amerika des Jahres 1945; nicht mehr leisten. Um die ' westliche Welt vor dem Kommunismus zu bewahren, war es erforderlich, überall Positionen zu errichten, die das kommunistische Vordringen abweh. ren konnten. In diesem stra. tegischen Plan einer umfassenden Welt- und Wirtschaftspolitik musste Aegypten eine wichtige Rolle spielen. Denn hier lag eines der Einfalltore nicht nur in die arabische Welt, sondern in den schwarzen Erdteil, dessen Bedeutung vie.leicht erst in den letzten Jahren deutlich hervortrat. sich aber schon lange vorher ab. gezeichnet hat. Die Fronten der weltpolitischen Auseinandersetzungen waren nach dem Zweiten Weltkrieg klarer geworden als jemals zuvor. Nur nebenbei sei bemerkt, dass sie sich allmählich wieder zu komplizieren beginnen, was in erster Linie durch die Erstarkung China« und den Eintritt zahlreicher neuer Länder in die Verein, ten Nationen zu erklären ist. In dem Augenblick at»er, als die Aegypter ihre Souveränität erhielten, standen sich die beiden Bloekfiihrer Russland und Nordamerika in aller Schärfe gegenüber. Ihre Position gegenüber dem Mitt'ercn Osten war aber nicht dieselbe. Die Amerikaner hatten die klare Fiihrungsrolle übernommen. die bisher von den Engländern gehalten worden war. Sie ooerjerbm zwar nicht geschickt, wie sieh die amerikanische Politik überhauot den komo!zt»r. ten Problemen der we’tnolitischm Auscina»ider«e»'»ungen kaum an einer Siede gewachsen zeigte. Immerhin war ihre Kooperation, was Prädominhini bedeutete, keinesfalls bestritten Oie Russen standen drei» ssen. Sie hatten kaum eine Chance. i« absehbarer 7eit die Amerikarer an dieser Stelle zu verdrä»»<*en. Nasser ist ein schlauer Po- (Schluss auf Seit? 2» .1 ENGLAND NICHT GLEICHGÜLTIG i London. — Premierminister Harold MacMillan' erklärte im Unterhaus, er freuesich, Gelegenneit zu der Versicherung zu haben, dass sein Land und seine Regierung dem Schicksal der Juden nicht gleich-* gültig gegenüber stellen. MacMillan gab diese Erklärung in Beantwortung einer Anfrage des Labour Abgeordnete« Henderson»- ab, der i« der vorigen Woche die Regierung auleefordert hatte, über ihre Haltung im Zusammenhang mit den PKinen zur Evakuierung dcr Juden aus Europa in den Jahren 1939 bis 1945 ein Weissbuch herauszugeben. Der Premierminister, der diesen Fragenkomplex als „äusserst verwickelt” bezeiehnete, fügte hinzu er habe noch keine Zeit gefunden, um den Vorschlag, ein Weiasbueh zu veröffentlichen, gründlich zu prüfen. Er versprach, dom Abgeordneten 'Henderson Neuigkeiten in dieser Angelegenheit bekanntzuceben. (ITA)