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Jüdische Wochenschau · 1961-06-06 · 1882 (6.6.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1882 (6.6.1961)
Date
1961-06-06
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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« — Martes, 6 de Juni® de 1961 Gemeinden uw BET I S R A E I, u Conde 1.745 — .Tgl, In de" ' FRANQUEO PAGADO o í? W c TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 6 DE JUNIO DE 1961 No. 1882 EL EJEMPLAR« •n toda la Republik tt ■■ Bueno« Air«« PUEYRREDON 2190 l* isq. T. E. 93 . 2613 EIÜHMANN - PROZESS ■, ■, t'i ii«rmr (Fortsetzung auf Seite 8) der Todesmarsch durchfüh. ren lassen, in der Absicht, 20'WO Juden zu vernichten, die noch in Budapest verblieben. nachdem er bereits 450.000 ungarische Juden in die Gaskammern geschickt hatte. DER MUFTI Einer der besten Freunde Eichmanns war der Grossmufti von Jerusalem, bekannt als Faschist und Judengegner zugleich. Das war auch eines der Motive, die Eichmann bewegten, immer weitere Judentransporte in die Gaskammern zu schicken: er wollte den Wünschen seiner arabischen Freunde gerecht werden, vor allem dem Verlangen des Grossmufti Haj Amin El Hussein. Aus einem Dokument, das der Hauptankläger vorlegte ergibt sich, dass Eichmann die Auswanderung von 5.000 jüdischen Kindern aus Zentraleuropa verhinderte, die nach Palästina gehen sollten. Die Kinder wurden zurückgeleitet und in die Gaskammern geschickt, wo sie umgebracht worden sind. Oberstaatsanwalt Hausner legte dem Gericht eine Seite aus dem Tagebuch des Grosmufti vor. die aus der Kriegszeit stammt, in diesem Tagebuch befindet sich eine Eintragung in arabi-! scher Sprache, die laufet: , ,.Der beste Freund des ara-! bischen Volkes”. Darunter j steht in lateinischen Buch- . staben „Eichmann”. — Aus weiteren, von Haus, j ner vorgelegten Dokumenten ergibt sich, dass es J nicht allein Eichmann war, j der einen Druck auf die Wilhelmstrasse ausübte, damit dort keine Schwierigkeiten für die Ausrottung der Juden gemacht werden. Auch der Grossmufti, dama s die höchste religiöse Autorität der arabischen Welt und politisch eng verbunden mit dem Dritten Reich, schrieb dem deutschen Aussenminister von Ribbentrop am 13. Mai 1943 folgende Zeilen: „Machen Sie alles nur Mögliche, um die Ausreise von 5 000 jüdischen Kindern aus Bulgarien, Rumänien und Ungarn zu verhindern. Ihr erweist damit dem arabischen Volke eine unvergessliche Gunst.” , EINWAND DES VERTEIDIGERS i Der Verteidiger Servatius protestierte gegen die Vorlage des Blattes aus dem Tagebuch des Grossmufti, weil es keinen Beweis dafür gäbe, dass das Wort .Eichmann’ wirklich vom Grossmufti geschrieben worden sei. Die drei Richter des Tribunals beschlossen darauf hin. dass dieses Dokument trotz des Protestes des Verteidigers als Bei weismittel angenommen i werden solle. i Das gesamte Dokumeni tenmaterial, aus welchem ' sich ergibt, dass Eichmann i die Ausreise der Juden ver- ' hinderte und sie statt des- ' sen in die Gaskammern 1 schickte, um den Wünschen seiner arabischen Freunde gerecht zu werden, wurde ' von alliierten Truppen nach! Kriegsende am Sitze des i Grossmufti gefunden. Der Grossmufti hatte damals in Bad Gastein sein ..Hauptquartier’ ’aufgeschlagen. j Später wurde er gelangen I genommen, konnte aber — offensichtlich nicht ohne Einvernehmen der Obrigkeit | — nach Kairo entfliehen, wo er auch heute noch lebt. i Die Freundschaft zwischen dem Mufti und Eichmann war sehr eng, was sieb aus zahlreichen Dokumenten eri gibt. U. a. hat der Mufti l den Chef der Gestapo und aller deutschen Polizeitruppen, Heinrich Himmler, darum gebeten, ihm ein Mit-! glied des Stabes Eichmann zum Adjutanten und Bera. ter zu überlassen, damit er mit dessen Hilfe das jüdische Problem in Palästina ' lösen könne, sobald der Sieg der Achsenmächte ihm die Rückkehr nach Jerusalem gestatten würde. . Es liegen Beweis vor, dass Eichmann zu diesem Zweek die Dienste des Dieter Wisleceny dem Mufti angeboten hat. ANTISEMITISCHE HETZE Aus anderen, dem Gerichtshof vorgelegten Dokumenten ergibt sich die systematische Hetze gegen die Juden. Himmler regt beim Chef der Geheimpolizei, Ernst Kaltenbrunner. die Schaffung einer besonderen Radio-Station an, die nur antisemitische Programme nach Grossbritannien und in die USA senden sollte. Es! Die Staatsanwaltschaft in Bonn hat mitgeteilt, dass j das Ermittlungsverfahren 1 gegen den Staatssekretär, Herrn Dr. Hans Giobke,; wegen des Vorwurfs der Be. | teiligung an Judenverfolgungen in Griechenland ein- , gestel t worden sei. Die i Mitteilung überrascht nicht ' sonderlich. Niemand hat i ernsthaft erwartet, dass die; Graue Eminenz in Bonn angerührt werden würde. Den Ermittlungen des des Staatsanwaltes lag eine Anzeige zugrunde, die der jetzige Berliner Rechtsanwalt Dr. Merten erstattet hatte. Merten hatte behauptet, der damalige Mi- ■ nisterialrat im Reicnsinnen- I ministerium Dr. Giobke ha. ' be in einem Telefongespräch mit Eichmann 1943 gegen den von Eichmann vorgeschlagenen Plan opponiert, . 10.000 jüdische Frauen und : Kinder aus Saloniki nach; Palästina auswandern zu lassen. Das Ermittlungsver- , fahren, so heisst es. habe , auch nicht den geringsten Anhaltspunkt für die Be- hauptungen des Merten er-; geben, der nun von dersel. , ben Staatsanwaltschaft wegen falscher Anschuldigung verfolgt werden wird .. von B. B. SAMUEL Erstaunlich? Vorgänge in Bonn, könnte der ferne Beobachter erklären. Die Geschichte Merten Giobke ist unerfreulich. Der — heute ungleiche — Kampf zwischen diesen beiden ehemaligen Dienern des Dritten Reiches braucht die Oeffentlichkeif nicht zu interessieren, Merten wurde in Griechenland als Kriegsverbrecher verurteilt, dann aber bald freigelassen. Dass man Merten laufen liess, überraschte die Eingeweih, ten allerdings nicht. Er weiss zu viel, auch von ehemaligen griechischen Kollaboranten .. Für den FaU Giobke dürfte die. Episode vor dem Bonner Staatsanwalt wenig interessant sein. Der Versuch, hiermit die öffentliche Meinung zu beruhigen, wird wohl kaum gelingen. Handelt es sich hierbei nur um einen Taschenspielertrick? In Wahrheit ist es nicht erheblich, ob Giobke damals gegen den Eichmann-Plan mit den 10.000 Kindern gesprochen hat oder nicht. Ist das wirklich alles, was man der unbewältigten Vergangenheit Globkes vorzuwerfen hat? Dass der Kommentator der Nürnberger Gesetze al- I iein schon durch diese seine „Arbeit” unvergleichbar viel mehr zur Ausrottung der europäischen Juden ' durch ihre gesetzlich ge- [ normte Diffamierung beigetragen hat als durch ein I Telefongespräch, mit dem er sich einem vermeintlichen Eichmann-Projekt wi- * dersetzte, davon wird nicht gesprochen, obwohl doch | dies der eigentliche Vorwurf ist, der dem ehemali- I gen Kommentator und heu. : tigen Staatssekretär gemacht wird. Im übrigen liegt hinreichendes Material vor, um Globkes nazistisch-antisemitische Tätigkeit unter Beweis zu stellen. Es wird sich erst heraussstellen, ob die Bonner Staatsanwa.tschaft dem Staatssekretär wirklich einen Gefallen mit ihrer Entscheidung getan hat. Um nur eine Neuigkeit auf dem Giobke Gebiet zu melden: der ehemalige Justizminister Dr. Dehler von der FDP berichtete den Journalisten, er selbst könne bezeugen, dass Dr. Giobke bereits im Jahre 1923 (1) auf einem Kongress katholischer (nicht etwa nazistischer) Studenten beantragt Zu Amerikas Juden Ben Gurion sprach auch auf seiner amerikanischen Reise zu de» Leitern des United Jewish Appeal (Vereinigte Kampagne) ur.d sagte ihnen u. a.: .„Selten habe ich Judeaheiten wie in Kanada und den USA gesehen, di? sieh mit solcher Liebe für Israel einsetzen. Wir haben mehr als eine Million Juden nach Israel gebracht, da- | von 55 Prozent aus afri-! kanischen und asiati-; sehen Ländern. Die | Mehrheit dieser Juden i kamen ohne die notwen. | dige berufliche Vorbereij tung und Erziehung. Wir 1 müssen ihnen Häuser, j Erziehung und Ausbilj düng gehen, bevor sie in den Arbeitsprozess eingeordnet werden.” j Ben Gurion sagte wei- | ter: „Wir haben Euch I nicht enttäuscht, und ich! bin sicher, dass Ihr uns | nicht enttäuschen wer. 1 det.” — und durchgesetzt habe, dass jüdische Studenten nicht aufgenommen werden... Globkes Antisemitismus wurde also nicht erst vom Hitlerismus bestimmt. wurde die Anregung gegeben, man solle in besonderen Uebertragungea erklären, dass die in Grossbritannien als verschollen oder verschwunden angesehenen Kinder von Juden zu rituellen Zwecken ermordet worden seien.! Anschliessend wurde Abra- ( ham Levinzon als Zeuge vernommen; Levinzon stammt 1 aus Polen und lebt jetzt in | Israel. Der Zeuge berichtete, dass die Nazis bereits 1 zu Beginn des Krieges die; Genfer Konvention gebroc-hen haben. Die Nazis be-! gannen sofort damit, die! Kriegsgefangenen, die sämt- : lieh das gleiche Recht nach 1 der Genfer Konvention ge- , nassen haben, nach ver. ' schiedenen Gesichtspunkten j „auszusortieren”. Die jüdischen Polen wurden iso- I liert und erschossen. EIN NEUER ZEUGE | i I Israel Gurtman, der als nächster Zeuge aussagte, | | den Kontakt mit einer Wi- . derstandsgruppe aufzunehi men, die ausserhalb des Lagers arbeitete. Gemeinsam mit anderen Gefange. , nen gelang es ihm, Explosivstoffe ins Lager zu j schmuggeln. Er musste, mit! anderen in einem nahegelegenen Werk Zwangsarbeit verrichten, wo auch jüdi- I sehe Mädchen beschäftigt waren, die diese Explosivj Stoffe unter ihrer Kleidung verbargen. Als die Lebens. bedingungen im Lager Bir. ' kenau, einem Nebenlager vor Auschwitz, immer ver- I Die Wirkung des Prozesses New York. — Vor dem Club der ausländischen Presse gab der Vorsitzende des deutschen Bundesrates und Ministerpräsident des Landes Rheinland-Westfalen, Dr. Franz Meyers, bemerkenswerte Erklärungen ab. Dr. Meyers sagte ua., dass der Eichmann- Prozess auf das deutsche Volk einen weit stärkeren Einfluss als die Nürnberger Prozesse ausübe. Die Journalisten richteten zahlreiche Fragen an den deutschen Politiker. Dr. Meyers antwortete auf eine der ihm gestellten Fragen: „Ich habe niemals daran gezweifeit, dass Israel das Recht hat, über diesen Exnazi zu Gericht zu sitzen. Der Verbrecher befindet sich im Bereich der israelischen Jurisdiktion. Er wird von Israel in einer anständigen Weise behandelt, wie keines seiner Opfer von ihm behandelt worden ist.” — (ITA) gehörte der jüdischen Wi-! derstandsbewegung ira Warschauer Ghetto an. Er wur. I de von den Nazis gefangen; genommen und in verwun-! detem Zustand in das Aus- ■ rottungslager Maidanek ge- J schickt. Er schilderte die J Zustände, die in diesem La I ger herrschten, mit vie.en j Einzelheiten. Er berichtete, | wie Juden in langen Reihen, völlig entkleidet, in die Gaskammern geschickt worden sind. Er erinnerte an einen kleinen, etwa lOjährigen Jungen, der seinen jüngeren Bruder auf dem Arm trug, über den sich die SS-Posten auch noch lustig machten. Gurtman wurde von Majdanek nach Auschwit* deportiert, wo es ihm gelang, ISRAELS ARMEE Ben Gurion sprach bei verschiedenen Gelegenheiten während seines Aufenthaltes in den USA über den Frieden mit den Nachbarn Israels. Er sagte u. a.: ..Unsere wichtigste Aufgabe ist die Kolonisierung und Erziehung der neuen Einwanderer, die wir auf das Niveau der europäischen Juden bringen müssen.” — „Hinsichtlich der Beziehungen mit unseren Nachbarn, so rief Ben Gurion aus, habe ich keinen Zweifel, dass wir eines Tages zu einem Frieden gelangen. Aber noch für Jahre — und ich weiss nicht, für wie viele Jahre — müssen wir unsere Verteidigung verstärken, falls wir angegriffen werden sollten. „Das israelische Heer ist uad wird immer bereit sein, das Land zu verteidigen — und e« wird es verteidigen!” ' zweifelter wurden, sprengf ten die Gefangenen das Krematorium Nr. 2 in die Luft. Hierbei wurden mehrere SS-Leute getötet. Es folgte eine furchtbare Untersuchung des Falles durch die SS. Ein Mädchen, namens Rosa Robota, die ebenfalls Explosivstoffe ins Lager gebracht hatte, wurde den grausamsten Torturen unterworfen, damit sie j der SS Einzelheiten des (Planes bekannt gäbe und I die Namen der betei igten Gefangenen nenne. Aber I Rosa Robota schwieg. Sie weigerte sich vor allem die Namen preiszugeben, von denen sie die Explosivstoffe erhalten hatte Zusammen mit vier anderen Mädchen wurde sie erhängt; ihre letzten Worte waren: „Rächt unser Volk”. WEITERE AUSSAGEN Zwei Zeugen bestätigten, dass die Nazis die Genfer Konvention schon in den ersten Tagen des Krieges verletzt haben. Sie separierten die jüdischen von. den polnischen Kriegsgefangenen, unterwarfen sie grausamen Verhören und ermordeten sie. Der Zeuge Abraham Buch, man schilderte, wie seine militärische Einheit von den Deutschen gefangen genommen worden ist. Die jüdischen Soldaten wurden ausgesucht und in ein Lager nach Deutschland geschickt, während die Nichtjuden in andere Lager gebracht worden sind, um Zwangsarbeit zu leisten. Etwa 6Ú® polnisch - jüdische Soldaten, ein grosser Teil von ihnen noch in ihren . Uniformen, wurden nach 'Lublin gebracht und von (dort nach Dubarow in : Marsch gesetzt. Die Nacht I mussten sie in einem Schuppen verbringen, als der Befehl erging, dass sich alte I setzen müssen. Nachts kamen SS-Wachmannschaften, die blindlings auf die Gei fangenen schossen. Am nächsten Morgen mussten ’ die Ueberiebenden den Marsch fortsetzen. Die ortsansässigen Juden brachten Brot für die Gefangene«, . das von den SS.Leutea m! den Schnee geworfen wurde. I Schliesslich wurden diegefangenen jüdischen Setj da ten in zwei Gruppen -ge; teilt, die eine wurde in einen Wald geführt, wo naan alle erschoss, die andere | Grupp? am Leben gelassen, j Der Staatsanwalt fragte den Zeugen, ob sich die SeL , daten nicht auf ihr Recht! als Kriegsgefangene berui fen hätten. Der Zeuge ant- | wortete: „Wir haben das ■ getan. Aber die Deutsche« [antworteten, dass sie Befehl aus Berlin hätte«, alle , zu töten.” I Deutsch« Fach l tut« im Lihaii«ti [ Düsseldorf. — Der liba- , nesische Staatspräsident j Schehab empfing kürzlich eine Gruppe von Fa ehteu. ten des Fremdenverkehrs aus der Bundesrepublik Deutschland. [ Die deutschen VeFkehrsfacMeute folgten einer Einladung des libanesischen -Mi. f nisferiums für Wirtschaft und Tourismus. ( AW25) Registre de la Prariedad lateieetual Na 666 635 impreso en ta imprenta POLÍGLOTA — Rivadavit «61 - U

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