Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1881 (2.6.1961)
- Date
- 1961-06-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 2 de Junio de 1961 LA SEMANA ISRAELITA Año XXII. — No. 1881 — 7 Die Aussagen der Eheleute BESPRECHUNGEN (MIT EICHMANN In seiner weiteren Aussa. (Fortsetzung von Seite 1) untersucht, die in Nürnberg vor Gericht gestellt worden sind. Gilbert sagte ferner: ¡ge erklärte Brand, im Jah- Göring habe sich angeeke'lt ‘ re 1944 habe ihm Eichmann gezeigt, als er von den Verpersönlich den Austausch brechen des Wisleceny, eivon Juden gegen Lastwagen nes der Helfer Eicbmanns vorgeschlagen, der jedoch gehört habe. Aber Göring, niemals zustande gekomgesprcchen. Eichmann sei damals schon sehr ungeduldig wegen der Verzögerung der Annahme seines Angebots gewesen. Er habe ihm, dem Brand, erklärt, dass er nicht länger warten könnte und dass er die ungarischen Juden sofort in die Gaskammern schicken wird. habe hinzugefügt: Wenn (men ist. Der Vorschlag womit er bereits am näch. Wisleceny heute als der Kö-1 Eichmanns erfolgte mit die.1 nig der Unterwelt erscheint, so liegt das nur daran, dass Eichmann nicht hier ist.” Göring habe den Iloess, den Lagerkommandanten von Auschwitz gefragt, wie es möglich gewesen sei, zwei und eine halbe Million Menschen in einem Lager in nur drei Jahren zu töten. Die Antwort von Hoess wurde dann von Prof. Gilbert verlesen; sie lautete: Auschwitz war darauf eingerichtet, dass dort täglich 10.000 Leichname verbrannt werden konnten. Durch-, schnittlich 3.000 Personen wurden täglich in den Gaskammern umgebracht. Jeder Eisenbahnzug, der mit Todeskandidaten ankommen sollte, wurde vom Büro Eichmann vorher det.” — EICHMANNS TAUSCHOBJEKT Vor dem Gericht, das Eichmann aburteilt, erschien Joel Brand als Zeuge, der einer der Führer der ungarischen Juden ge. wesen ist und direkte Verhandlungen mit Eichmann über das Schicksal der Jusen Worten: ,,Was wollen Sie? Ware oder Blut?” Die Ware waren die Juden. Während dieser Aussage sass Eichmann teilnahmslos in seiner Glaszelle. Der Zeuge schilderte,, wie er verzweifelte Versu. che gemacht habe, um das Leben von einer Million Juden auf dièse Weise zu retten. Er sei. so berichtete er, vom Büro Eichmanns in Budapest bereits kurz nach der Besetzung Un- ■garns durch die Nazis gerufen worden; er habe, dort| ( eine erste Sitzung mit einem SS-Offizier gehabt der j 1 sehr elegant gekleidet war und dessen erste Worte an ihn folgendem!assen lauteten: ,.Wissen Sie. wer ich gemel.1 bin? Ich bin der Bevoll. j mächtigte der Aktion gegen [die Juden. Die Aktion wird j jetzt in dem übrig gebliei benen Europa durchseführt. Im Augenblick ist Ungarn an der Reihe.” Dieser Mann war Eichmann, der ihm später das Angebot machte, eine Million Juden gegen 10.000 Lastwagen auszutauschen, wobei er kaltblütig erklär, te: ,,100 Juden für jeden sten Tage beginnen will. 12.000 Juden werde er jeden Tag deportieren. „Die Jungen und Kräftigen können noch warten”, sagte er, „aber die Alten und Kinder müssen zuerst gehen.” DIE REISE VON JOEL BRAND Der Zeuge erklärte dann weiter, wie er in die Türkei gereist war, habe er auf Befehl Eichmanns seine Mutter, seine Frau und seine Kinder als Geiseln zul'iieklassen müssen. Die Verhandlungen Brands haben niemals ein Ergebnis gebracht, da er, wie bereits gesagt, von den Engländern verhaftet worden ist. Nach Abschluss seiner langen Aussage, die beinahe zwei Tage in Anspruch nahm, stellte der General- Zionistischen Weltorganisation Dr. Chaim Weizman und anderer jüdischer Führer ergeben, um Juden zu retten, indem die britische Regierung auf das Angebot Eichmanns eingeht und dem [Brand gestattet, nach Ungarn zurückzukehren Weiz. i man hat sich nach diesem WAS DER SOHN EICHMANNS SAGT Leitern der Jewish Agency das Angebot Eichmanns zu überbringen und zu erklären, dass auf diese W’eise eine Million Juden vor der Gaskammer gerettet werden könnten. Er sei von einem anderen ungarischen 1 Juden, Bondy Gross beglei-1 tet worden, der. so sagte Nazis sehr den in Ungarn geführt hat. j Lastwagen. Auf diese Wei- Im Laufe dieser Unterhand-! se können Sie die Juden Jungen machte Eichmann [ billig loskaufen.” Eichdas Angebot, eine bestimm, j mann erklärte ausdrücklich, te Anzahl von Juden von | dass auch solche Juden geder Deportation freizustelrettet werden könnten, die len, wenn Deutschland hierj noch zeugungsfähig sind für eine bestimmte Anzahl uncj Frauen, die noch Kin. von Lastwagen erhalten1 [ Washington. — Klaus Eichmann, der 25 Jahre alte j Sohn des Kriegsverbrechers, ist nach Washington gekommen um dort eine Propaganoa zugunsten seines Vaters einzuleiten. In einem Interview mit der „Washington , Post” erklärte der Sohn Eichruanns, sein Vater habe Juj den gerettet, die sich jetzt bester Gesundheit erfreuen und sicherlich sehr reich sind. Als man ihn fragte, ob [diese Juden zugunstei seines Vaters aussagen würden, entgegnote Eichmann junior: „Nein, das kann man von I keinem Juden erreichen.” Er fügte auch hinzu, dass er; gehört habe, die Juden würden sich in Amerika nicht wie Staatsbürger benehmen. Der Eichmann-Sprössling sagte dann weiter es seien; Brand, mit den Nazis s nicht fünf Millionen umgekommen, noch nicht einmal enge Verbindung unterhielt, zwei Millionen, Die Ziffer von fünf Millionen sei völlig Es dürfte aus der Luft gegriffen. „Mein Vater ist unschuldig. Man kann ihn nur beschuldigen, dass er den Juden geholfen habe, aus Deutschland auszuwandern. Legal und illegal half mein Vater mindestens 100.000 Juden Deutschland in der Zeit von 1939 bis 1941 zu \erlassen.” Nach Eichmann junior lebe Hitlers Stellvertreter Martin Bormann noch. ,.Er ist nur nicht so arm wie mein Vater. Auch wenn die Juden mit ihren vielen Millionen Dodar dies wollten, können sie ihn nicht fassen. Es ist immer dasselbe: wer arm ist. muss für alle büssen. Wer aber genug Geld hat. rettet sieh.” Die Behörden erklärten, sie hätten dem Sohn Eichmanns ein Visum gegeben, ca er keine Vorstrafen habe. Er befände sich in Freiheit und geniesse das volle Recht der Meinungsäuserung. (ITA1 Staatsanwalt Gideon Haus- , Dokument damals auch an ner Fragen an den Zeugen, | die Regierung der Vereinigu .a., ob die Verhaftung seiien Staaten gewandt, sie i ner Mission ein Ende gej möge das Lager Auschwitz [setzt habe. Darauf erwider. : bombardieren, um auf dielte Brand, nein, für mich se Weise die Gaskammern gab es kein Ende. Er erzu vernichten. Alle diese klärte, dass er in einem Bitten und Vorschläge sind . Sonderflugzeug von den Najedoch trotz der direkten zis nach Konstantinopel ge-1 Vorstellungen von Weizman schickt werden ist, um den un(j shertok beim damaligen wohl, seine Aufgabe gewesen sein, sagte Brand, mich zu überwachen, ebenso wie direkten Kontakt mit den Engländern und Nordamerikanern aufzunehmen. Gross lebt jetzt in Israel. I britischen Aussenminister Anthony Eden abgeiehnt I worden. Nach diesen Dokumenten haben die jüdischen; Führer in Eichmann bereits damals einen der entscheidenden Naziführer gesehen, während Gross ein ungarischer Agent der Gestapo genannt wird. FRAGEN AN DEN ZEUGEN würde, die für die deutsche Kriegsführung von Bedeutung gewesen sind. Brand hat über die Verfolgung der ungarischen Juden und sei. der bekommen kennen. Eichmann habe immer mit einer schrillen Stimme gesprochen und ausdrücklich hervorgehoben, dass die Lastwagen nur an der Ostne Verhandlungen mit Eichfront eingesetzt werden solmann bereits vor längerer Zeit ein Buch veröffentlicht. Er ist auch in zahlreichen Artikeln und Vorträgen über diesen Fragenkomplex hervorgetreten. Der Zeuge erklärte, dass das Angebot Adolf Eichmanns, eine Million Juden gegen 10.000 Lastwagen auszutauschen, in dem Augenblick gescheitert sei, als die Engländer ihn, Jcel Brand, gefangennahmen, der zum Abschluss eines solchen Abkommens geschickt werden war. Im Mai 1944, so berichtete der Zeuge, sei er in Aleppo, Syrien, von den Engländern den, als er Wege nach Palästina befand. um mit den Führern der Jewish Agency Kontakt zu nehmen und über das von Eichmann gemachte Angebote zu verhandeln. Brand wurde dann, wie er bestätigte, mehr als vier Monate eingesperrt und konnte nicht nach Budapest zurückkehren. len. Ausserdem müssten sie in einem tadellosen Zustand sein und entweder mit Schokolade. Kaffee. Tee oder Seife bis an den Rand gefüllt sein. In der weiteren Verhandlung erklärte Eichmann ausdrücklich, dass bei Abschluss des Vertrages eine „Vorschusszahlung” von 10 Prozent erfolgen sollte, d.h. 100.000 Juden sollten dann sofort freigelassen werden. Ferner wollte er den Befehl geben, die Gaskam. mern in die Luft zu sprengen. Brand hat nach seiner verhaftet wor- Darstellung, den Eichmann sich auf dem sofort gefragt, ob die Juden auch mit Geld anstatt , mit Lastwagen losgekauft werden könnten, was Eichmann aber abgelehnt hat. Das jüdische Comité in Ungarn, dem Brand die Vorschläge Eichmanns un. terbreitete, habe dieser Operation zugestimmt. Er, Brand, habe Eichmann das letzte Mal am 15. Mai 1944 (Bemerkung der Redaktion): Die Erklärung des Sohnes von Adolf Eichmann liegt auf der Linie der Verteidigung, die ihm offensichtlich von seinen nazistischen Ratgebern vorgeschrieben worden ist. Dass ein Sohn seinen Vater schützen will, mag verständlich sein auch wenn der Vater für die grössten Verbrechen der Weltgeschichte verantwortlich gemacht wird. Fom und Inhalt der Erklärungen, die der Sohn Eichmanns abgegeben hat, dürften wrenig geeignet sein, zu seiner Verteidigung beizutragen. Bedauerlich ist das Verhalten grosser Zeitungen und Nachrichtenagenturen, die derartigen Erklärungen Raum geben. Sie beweisen eine Schwäche der Demokratie. Zur Sache selbst können die „Enthüllungen” des jugendlichen Eichmann nichts beitragen. — Schliesslich stellte auch der Verteidiger Dr. Robert Servatius Fragen an den Zeugen Brand. Er wollte eine Erklärung darüber haben ob der Vorschlag, einen Vor- Anschliessend legte Haus- , schuss zu leisten, nicht von ner dem Gericht eine Reihe j der Grosszügigkeit Eichvon Dokumenten über die | manns sprechen würde. Der intensiven Bemühungen von 1 Zeuge verneinte das Eieh- Moshe Shertok. dem dama. mann habe während der lägen Chef der Jewish Agen-! Verhandlungen die Deportacy, vor Ebenso überreichte (tion keineswegs eingestellt, er Dokumente, aus denen sondern beschleunigt, sich die Er der! (Fortsetzung auf Seite 8) Unser DANY hat ein Schwesterchen bekommen PATRICIA DIANA Pablo und Inge Löwy Hocherfreut: 30. 5. 1961 Conde Zeppelin 378, dep. 4, Lomas del Palomar. x. Zt. Deutsches Hospital. i EINHEITSKAMPAGNE! Am 31. Mai entschlief nach kurzem, schweren Leiden meine geliebte Schwester, unsere liebe Schwägerin, Tante und Kusine HILDE CAMNITZER Im Namen aller Hinterbliebenen ELSE SCHWARZ geb. CAMNITZER OSCAR SCHWARZ Buenos Aires, Juramento 3255 Dto. B. Die Beisetzung hat bereits stattge-funüen. Es wird gebeten, von Beileidsbesuchen Abstand zu nehmen. 1961 Geben fuer Israel geben fuer sich Barmizwah-Jahr Israels* i bedeutet selbst Mobilisierung der Herzen und der Taschen ANNAHMESTELLEN: CAMPANA UNIDA PRO ISRAEL, COMITE CENTROEUROPEO Sarmiento 2376, 39 — T. E. 47-3820 und sämtliche seKretariate der angeschlossenen Organisationen und Gemeinden »es»««®®®»*.