Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1881 (2.6.1961)
- Date
- 1961-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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SEN GURION SPRACH! MIT JOHN KENNEDY New York. _ Bereits bei seiner Ankunft in den USA gab Ben Gurion Erklärungen ab. Der israelische Ministerpräsident kam aus Kanada, wo er wichtige Bespie. chungen mit dem Ministerpräsidenten Diefenbaker geführt hat. ,,Ich freue mich auf die Begegnung mit dem Präsidenten Kennedy”, sagte Ben Gurion. Ich will auch Unterhaltungen mit den Führern der nordamerikanischen Juden führen. Unmittelbar nach seiner Ankunft hatte Ben Gurion eine Aussprache mit Dag Hammarskjold, dem Generalsekretär der UN. Ben Gurion befand sich in Begleitung von Botschafter Comav, dem Führer der israelischen UN-Dclegation. Die Unterhaltung dauerte zwei Stunden und bezog sich auf viele internationa e Probleme, auch oes Mittleren Ostens, ohne etwa einzelne Fragen anzu. schneiden. die von einem spezifischen Interesse für Israel gewesen wären. — Bei seinem Empfang war Ben Gurion, der einen jugendlichen Eindruck wie immer machte, von den Repräsentanten der USA urd Israels begrüsst worden. Eine grössere Anzahl von Kindern hebräischer Schulen bereiteten dem Ministerpräsidenten ein besonders herzliches Willkommen. Neben aem Beauftragten des New Yorker Bürgermeisters Wagner und dem israelischen Botschafter in oen USA, Abraham Harriman, waren auch der ehe. mal .“ USA-Botschafter in Israel, Ogden Red mit seiner Gatm und einem seiner Söhne erschienen. Auf die Frage eines Reporters, ob er Schwierigkeiten im Mittleren Osten voraussehen würde, antwortete Ben Gurion: „Warum Schwierigkeiten?” — BESPRECHUNGEN BEN GURIONS Ben Gurion wurde im Waldorf Asloria von einer grossen Reihe wichtiger Persönlichkeiten besucht. Der erste war der Bürgermeister New Yorks. Robert Wagner ihm folgte der Senator Jakob Javits, der Gouverneur David Lawr;nce aus Pennsyivanien. Auch eine Delegation jüdischer Führer besuchte den israelischen Ministerpräsidenten. In Philadelphia erklärte Ben Gurion, die Feindschaft mit der arabischen Ländern sei von vorübergehender Dauer Die Zukunft werde einen Frieden und eine freundnachbarliche Kooperation zwischen Israel und seinen arabisch;« Nachbarn bringen. Ben Gurion ging dann auf die Aktion für die israelische Staatsanleihe (Bonos) ein und unterstrich die Bedeutung dieser Aktion, die vor 10 Jahren begonnen worden ist. Für Israel war diese Anleihe von einer ausserordentlichen Bedeutung. DIE POLITISCHEN ASPEKTE In seinen weiteren Ausführungen ging Ben Gurion auf die politischen Probleme des Mittleren Ostens ein und sagte u. a:: „Die arabischen Staaten im Mittleren Orient sind ein legitimer Ausdruck der nationalen Unabhängigkeit ihrer Völker, ebenso wie dies Israel ist. Ich glaube, dass die Zusammenarbeit zwischen den arabischen Ländern und Israel zu einem Aufblühen des Mittleren Ostens führen wird und seinen Völkern den Rang bringen dürfte, den sie in alten Zeiten eingenommen haben. Heute muss Israel allerdings noch seine Wachsamkeit erhöhen. Ich bedauere. dass noch nichts geschehen ist, um die Verringerung unserer Wachsamkeit verantworten zu können. Das einzige Ziel dieser Wachsamkeit ist die Verhütung eines neuen Krieges.” — Ben Gurion sprach dann über die wirtschaftlichen Aufgaben des Augenblicks, wobei er vor allem auf den Negew hinwies. Dort würde Israel, so sagte der Ministerpräsident, seine Anstrengungen für seinen industriellen und kolonisatorischen Aufbau konzentrieren. Noch wartet diese weite Zone, die einen erheblichen Teil des israelischen Territoriums ausmacht, auf ihre Erschliessung. Auch zur Frage der Einwanderung nahm Ben Gurion SfePung. Nicht nur die verfolgten oder in Not be. firidlehen Juden sind nach Israel gekommen. In den letzten 13 Jahren kamen auch viele aus freien Ländern, die nicht von Not getrieben waren, nach Israel, die mithelfen wollten, den Staat Israel aufzubauen und eine freie jüdische Gesellschaft zu errichten. — BEGEGNUNG MIT DE GAULLE London. — Der israelische Premier wird auf seiner Rückreise London und Paris besuchen, wo er am 6. Juni eine Zusammenkunft mit dem Präsidenten De Gaulle haben wird. BESPRECHUNG MIT KENNEDY Der amerikanische Präsident John F. Kenndy hatte unmittelbar vor seinem Abflug nach Europa, wo er sich in Wien mit Krutschew treffen wird, eine lange Unterredung mit dem israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion. Die Unterhaltung fand am Geburtstag Kennedys statt, der 44 Jahre alt wurde. Israels Ministerpräsident ist bereits 74 Jahre alt. Wie bekannt wird, habe Ben Gurion dem Präsidenten Kennedy seine Besorgnis über die starke Aufrüstung der arabischen Länder zum Ausdruck gebracht. Die Unterhaltung dauerte SO Minuten, eine halbe Stunde länger als vorgesehen war. Wie der Pressechef des Weissen Hauses, Pierre Salinger, mitteilte, sei die Unterhandlung ergebnisreich gewesen. Einzelheiten wurden jedoch von ihm nicht mitgeteilt. COMMUNIQUE BEN GURIONS Ben Gurion gab über die Besprechungen ein Communiqué heraus, in d;m die herzlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern hervorgehoben wurden. Er unterstrich. dass ein konstruktiver Meinungswechsel über Pro b'eme gegenseitigen Interesses stattgefunden haben und Bilgemeine Fragen der Weltpolitik im Mittelpunkt der Unterhaltungen standen. PUEYRREDON 2190 - J’ «q. Jjx JkMxat&ys\aelila T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 2 DE JUNIO DE 1961 No. 1881 BLUT GEGEN LASTWAGEN EICHMANN BERICHTETE selbst ist als Kriegsverbrefessor verlas die Erklärung dass die Ausrottung der Jucher erhängt worden. von Hoess vor Gericht. : den nicht zu seinem Amts- Adolf Eichmann berichte- Der Zeuge fügte hinzu, Als beratender Arzt der bereich gehurt hat. Dies sei te den hohen Chefs der Na- Hoess hab; die Zahl der Junordamerikanischen Armee moe Aufgab; der Gestapo zipolizei, dass allein in den. dje ¡n Auschwitz verfür ane Fragen der Psychogewesen. Hierfür waren Auschwitz 2.500.000 Juden gast worden sind, auf iogje habe er, so sagte der drei Männer verantwortvergast worden sind. Diese 1500.000 geschätzt, die in Zeuge, viele’ ehemals ein. bch: Himmler. Ileydrich Information gab heute vor den drei Jahren umkamen, flussreiche Nazis vernoml,nd Eichmann. — S^M'rnhert^ei"^ in d<5nen er Lagerkomman. ' m€n und untersucht. So hat wie erinnerlich, machie Htärarzt dS Amerikaner dant,w^r' Elch™ann da°e-, er auch mit Hermann Göder Oberrichter Musmanno litararzt der Amerikaner gen hab; gegenüber mit alriRg gesprochen, der ohne vor einigen Wochen eben gewesen war und dessen ler Entschiedenheit erklärt, Zweifei der zweite Mann falls Aussagen vor dem Ge' STsf^rof^rsUv M d*SS "" "a<* «.Her *«V? rieht ^in^usa™SeSe Gübert erklärte der frühe ZT"? Und el"e halbe , Gegenwart des Richters Mi- Aussage stimmte mit «er?e Lacerkimmandlrt von Jude" df chael A Musmanno, der jetzigen Erklärung des Prof. Auschwitz Rudolf Hüss aU d'eSe Jn" heute Mitg,ied des höchsten Gilbert j?1Ien Punkten habe ihm mitgeteilt Ei*ch- W,a um*«bracht worden Gerichtshofes von Pennsyl. vollkommen überein. _ habe ihm mitgeteilt, uicn s)nd - vanien ist, hat Göring ausmann sei der einzige SSdrücklich hervorgehoben, VON IIIM SribTrTe SS" -«•» d" »«CHE» AI.I.E cter Juden führen und ha-: Prof. Gilbert, der heute drei verantwortlichen Nazi- # 1 ben durfte Er hab*» diese Professor für Psychologie führer für die Ausrottung Pro*. Gilbert sagte dann iSen aufgrund eines gean der Universität von der Juden gewesen ist. u a.: Göring. Kaltenheimen Befehls von Himm. Long Island ist, teilte dem Gilbert sagte, er habe b™"ne!'; Hess und a.le an. ler an^ele^t. Höss habe Gericht mit, dass Hoess eiauch als Dolmetscher ge. deren Nazichefs, die ich in ferner gesagt, Eichmann sei ne lange Erklärung nieder, dient, a!s Musmanno als lhr-n Ze’Ien ln Nürnberg der Mann gewesen, der die geschrieben habe, in der er Vorsitzender des Nürnber. aufgesucht habe, sprachen Ausrottung geleitet und alle alle Einzelheiten des Ausger Gerichtshofes einige von Eichmann Aus ihren Juden in die Ausrottungslarottungslagers Auschwitz Angeklagte verhört habe. fM,p A ’ - ger deportieren liess. IIöss geschildert habe. Der Pro- Göring hat damals gesagt, WIE ICH ES SEHE »»♦♦♦♦♦♦♦«•♦■»♦♦♦♦♦♦♦■»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦* Inmitten des Kalten Krieges Berichten lernte ich allmählich verstehen. dass Eichmann einer der Hauptschuldigen für die Massenmorde an den Juden gewesen ist.” Gilbert hat als ITeeresarzt für Psychologie auch die Hauptkriegsverbrecher (Fortsetzung au! Seite 71 ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ , VOtt JEHUDA G0TTHEIMER ' Setzung mit Krutschew I 1 sorgfältiger als Eisenhower! In diesen Tagen werden wesentlichen Grundzügen ren Erfüllung unsere Zeit vor, der allzu unbeholten die beiden anerkannten Fiihnicht verändert, wenn man von den Verantwortlichen die ’ Initiative der ilandlunrer der in zwei Teile zerrisauch ohne Zweitel von einer erwartet, ist die Verhindegen dem gerissenen K-utsenen Welt erstmalig eine weiteren Komplikation, vor rung des Atomkrieges, der schew überlassen hatte* Begegnung haben, seitdem allem durch die Vorgänge unzweifelhaft das Ende der Für Krutschew war es dann John F. Kennedy das Amt in Laos und in Afrika, spre- Zivilisation und den Tod nicht sonderlich schwer für des Präsidenten der Verei. 1 chen muss. Der wichtigste von Millionen Menschen be. sich und seine PolitiK wenigten Staat'n von Nord- Faktor dürfte — jedenfalls deuten würde. Auf die Daunigstens nach aussen hiri amerika übernommen hat J nach russischer Auffassung er wird sich aber dieser propagandistische Erfolge | Mit grossen Hoffnungen und.— der Wechsel der Präsivernichtende Krieg nur verzu erzielen i Erwartungen blickt die dentsehaff in den USA und meiden lassen, wenn die in- 1 Menschheit auf diese Beeine damit verbundene ternationalen Beziehungen Zu d.en grossen Weltfra. gegnung, die von grosser Kursänderung der amerikanormalisiert und solche Le. gen sind mindestens drei Bedeutung werden kann, nischen Aussenpolitik sein, bensbedingungen geschafneuesehr ernste Proble- Wahrscheinlich ist es noch Hiervon ist allerdings bis. fen werden, die einen friedme hinzugetreten die weij verfrüht, von einem Wenher wenig zu merken. Di; liehen Wiederaufbau gestat- *eren Zündstoff für eine j depunkt zu sprechen, denn ersten Schritte Kennedys ten, der nicht im Rüstungs. Verderben bringende Ex-; in zwei Tagen werden nicht auf diesem schwierigen Gewettlauf seinen Ausdruck Plosion den vielen Gefah.! die vielen ungelösten Pro. ■ biet waren nur tastend, ohfindet, wie dies heute der renherden hinzutiigten. Der i bleme geklärt werden kön. ne eine Linie oder gar eine Fall ist. ¡Prozess der kommunisti- ' nen, die unserer turbulenj andere Richtung erkennen Beide Seiten behaupten sehen Expansion in Ostj ten Gegenwart den Stempel zu lassen. ¡ von sieh, den guten Willen asien ist durch den Laosaufdrücken. | Dennoch hat Kennedy in rur friedlichen Zusammen-, Konflikt erweitert und i Unwillkürlich denkt man Einigen Fragen die Initiati-1 arbeit zu haben, den sie durch die Krise in Südko. an das gescheiterte Gipfel-¡ Ve bewiesen, um die west, dem Gegner oder Partner; rea von neuem belastet j treffen in Paris, das noch liehe Welt vor neuen Entjedoch absprechen. Beide; worden. Ganz offensichtlich I vor der Aufnahme der täusehungen zu bewahren.' Seiten haben bisher nicht spi-elt in diesen beiden An- | Besprechungen zu einem Ob diese Bemühungen von den Weg gefunden, den angelegenheiten die Sowjetschweren politischen Fiasko ¡ Erfolg gekrönt sein werderen zu überzeugen oder, unión nicht mehr die erste! wurde und mit einer diploden, kann heute noch nicht 1 Aktionen einzuleiten, die ■ Geige, sondern musste das! matischen Niederlage des beurteilt werden. Der junge ' den schlüssigen Beweis für Primat der Handluneen ih- | Westens endete, bevor es amerikanische Präsident hat ihren guten Willen unzwei-' rem grosen Bundesgenossen! überhaupt'begonnen hatte jn einer ungewöhnlich stür.1 deutig zum Ausdruck brin.1 und geheimen Gegner, der jUeber die Hintergründe der j mischen Zeit nicht nur das gen. Die internationale La- Chinesischen Volksrepublik I blamablen Affäre in Paris; Steuer seines Landes mit1 g€ wird von einem sehweüberlassen, deren Erstar. i ist seinerzeit viel gespro-' seinen eigenen vielseitigen ren Misstrauen belastet, ken in wenigen Jahren zu chen und geschrieben wor. | Problemen übernommen,1 das zu beseitigen der erste ■ einer entscheidenden Beden. Zusammengerufen zur sondern musste auch als Schritt wäre, den man wohl dohung der westlichen Welt Beschwichtigung der aufge- Führer der freien Welt eine ■ jetzt in Wien unternehmen sich entwickeln wird wenn wühlten internationalen Sischwere Erbschaft antreten, ¡ will. j es nicht rechtzeitig gelingt, tuation führte die projezier-¡ dje nicht nur das Resultat! Die Welt wird gut daran feste Fundamente für einen te Konferenz zu einer uner. grosser Irrtümer und Feh.: tun, ihre Erwartungen von Frieden im Einvernehmen warteten Verschärfung des jer seiner Vorgänger war,1 dieser ersten Begegnung mit den Russen zu le"on. kalten Krieges, der für die . sondern gleichermassen zwischen Kennedy und Heute noch haben die Sowgesamte Nachkriegsepoche , durch die unglücklichen In- [ Krutschew nicht zu hoch zu jets die Führung des Cstcharakteristisch ist. Die teressengegensätze in allen 1 schrauben, sondern sich an blocks, die im Vergleich Spannungen nahmen weiter, Erdteilen und Zonen bedie nüchternen Tatsachen mit den Chinesen eine aus. zu, die sowjetischen Provo- ■ stimmt ist. Kaum ein Be-! zu halten. Niemand braucht gleichende Haltung einrehkationen erreichten zeitwei- 0bachtcr zweifelt noch dar. I deswegen die echten Mögmen und bisher immer se eine bereits unerträglian, dass dieser kalte Krieg, | lichkeiten zu. unterschätzen, noch zu Verhandlungen beche Form, und die komder immer erhitzter ausge-jdie eine solche erste Aus.! feit gewesen sind, munistischen Aggressionen j tragen wird, in seinen For-! spräche der Welt bietet. I Die chinesische Politik schritten vor allem im Fer-, men und Auswirkungen Der Bann, der sich durch, praktisch zu einer AV.ehl nen. Osten weiter fort. I viel grössere Anforderun- Die internationale Lage, gen an die Staatsmänner hat sich zwischen der in stellt, als sie jeder bewaff Aussicht genommenen Pari-Inete Konflikt von den miliser Gipfelkonferenz und der tärischen Führern erwarten jetzigen Begegnung der bei.! würde. ¿en Staatsmänner in ihre#' Die grosse Aufgabe, dedie gescheiterte Pariser Gipfelkonferenz noch verdichtet hatte, kann gelöst werden. Das Eis ist gebrochen, mehr aber noch nicht. Vielleicht bereitet sich Kennedy auf die Auseinander. nung internationaler Besprechungen führt dürfte auch zum Scheitern der geplanten Pariser Konferenz entscheidend beigetragen ha- (Schluss aut Seite 2)