Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1875 (12.5.1961)
- Date
- 1961-05-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
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JÜDISCHE UIOM PUEYRREDON 2190 - )* i*q. Año XXII. JfoJkntxïitAjsàaeliicL BUENOS AIRES VIERNES 12 DE MAYO DE 19€1 T. E. 8 3 - 2 6 1 3 No. 1875 DOKUMENTE BEWEISEN DIE SCHULD FREIES GELEIT Jerusalem. — Bei der Wiederaufnahme der Ver. handlungen im Eichmann- Prozess nach der schon üblichen Pause während des Schabbat und Sonntag teilte der Generalstaatsanwalt Gideon Hausner mit, dass er gegen die Vernehmung zweier früherer Na. zis in Israel keine Einwände erbeben würde. Beiden Zeugen würden freies Gelt it zugesichert werden. Diese Erklärung überraschte. nachdem die Einreise für acht ehemalige Nazi, bonzen und deren freies Geleit abgelehnt worden war. Der Staatsanwalt hatte erklärt, dass diese Zeugen, wenn sie nach Israel kommen sollten, mit ihrer sofor. tigen Verhaftung rechnen müssten. Die beiden Zeugen, die freies Geleit erhalten, sind Wilhelm Hoettl und Walter Kuppenkothen, beide Mitglieder der Gestapo. Hierin wird allgemein ein erster Erfolg der Verteidigung gesehen, die darum kämpft, Zeugen zu präsentieren, die für Eichmann aussagen würden — Hausner hatte bei den acht abgelehnten Nazi-Zeu. gen ausdrücklich darauf hingewiesen dass diese mit ihrer sofortigen Verhaftung und mit einer Anklage gegen sie wegen Kriegsverbrechens rechnen müssten. Das Gericht hat demgegen. über festgestelt. dass die Zusicherung freien Geleits über die Kompetenzen eines Gerichtshofes hinaus-' reicht, dass hierfür vielmehr die staatlichen Exe. kutivorgane — in diesem Fall also der Generalstaatsai.walt — zuständig wären. Hausner wies darauf hin, dass die Fälle Hoettl und Kuppenkothen völlig verschieden von denen der anderen acht Nazizeugen lägen. Vorläufig seien, wie Hausner betonte, keine Verbrechen gegen das jüdische Volk bekannt, die diesen Zeugen zur Last gelegt werden könnten. Wir wissen nur, dass sie Mitglieder der Gestapo und aktive Nazis waren. Dann fügte Hausner hinzu: .,Ich bin ermächtigt, dem Gericht mitzuteilen, dass Hoettl und Huppen, kothen kommen können und das Land wieder verlassen dürfen.” — Hausner fügte hinzu, dass die Tatsache allein, dass die beiden von der Verteidigung genannten Zeugen Hoettl und Huppenkothen Mitglieder der SS gewesen sind, die Staatsanwaltschaft berechtigen würde, sie zu verhaften. Denn die SS ist nach den Nürnberger Ge. setzen als eine verbrecherische Organisation anerkannt. Nach dem israelij" sehen Gesetz gegen die i Kriegsverbrecher würde dies I genügen, um ihnen einen (Prozess zu machen. Den. noch sei er bereit, über diese Tatsache hinwegzuge- ■ hen. | Der Verteidiger gab sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Er fragte: „Können diese Zeugen auch dann das Land unbehelligt ver. lassen, wenn sich im Laufe des Prozesses und der Vernehmungen herausstellen sollte, dass die Zeugen belastet sind?” — Hausner erwiderte: „Die. st Zeugen werden hier nicht | zur Verantwortung für ihre j Taten in der Vergangenheit I gezogen werden.” — 'LEBENDIG IM GRABE! Dann wurde die Zeugin i Riwka Joselewska vernom. I men, die erst kürzlich infolge der Aufregungen einen Herzanfall erlitten hat. Sie berichtete, die Nazis hätten mehrere Schüsse gegen sie abgefeuert und sie in einem Grab liegen las. sen, das voller Leichen und i Srerbender war, weil sie | glaubten, dass auch sie bej reits tot sei. Viele Zeugen hatten be- ' reits im Laufe des Verfahrens über die entsetzlich. : s'.tn Greueltaten ausgesagt. | Aber keine hat einen sol-! eisen Eindruck auf die Zu- , hörer gemacht wie diese! Frau, die sich von Zeit zu \ Zfit ihr Taschentuch vor 1 die Augen hielt. Mitunter j surach sie mit so leiser i Stimme, dass man deutlich I das Schluchzen der Frauen | hörte, die dem Prozess als Zuhörer folgen. Auch der Generalstaatsanwalt Hausner, der diese Zeugin ver. hörte, schien stark bewegt (Schluss auf ieite 8) WIE ICH ES SEHE Nassers kubanisches Aegypten ton JEHUDA GOTTHEIMER V! Nasser, gewöhnt als Primadonna von Ost und West umworben zu werden, musste sich in letzter Zeit mit einer Statistenrolle begnügen, de andere Probleme im Vor. dergrund des Weltgeschehens standen als diejenigen, bei denen er in Erscheinung zu treten gewöhnt war. Im Kampf um die künftige Gestaltung der afrikanL sehen Verhältnisse ist Nasser und mit ihm die Arabische Liga stark in den Hintergrund gedrängt worden. Ein Diktator kann aber nur dann seine Macht erhalten, wenn er dafür sorgt, dass seine Untertanen in ständi. ge Aufregung versetzt werden, wenn immer neue Sensationen aufgetischt werden, deren Mittelpunkt der glorreiche Duce oder Füh. der der „aufstrebenden Nation” ist. Nicht nur der oberste Führer aller arabischen Länder, nicht nur der Chef der afro-asiatischen Nationen oder das Oberhaupt al. ler Moslems wollte Nasser werden oder sein, er fühlte sich bereits als der Schutzpatron der unterentwikkelten, auf seine Hilfe wartenden Afrikaner, von de. nen er als Erlöser und Be-! freier gefeiert werden wollte Aber alle Versuche Nassers, zu einem dezidieren. den Faktor der Weltpolitik zu werden und Aegypten zu J einer neuen Weltmacht zu erheben, scheiterten. Wenn Stevenson ehrt Einstein New York. — Die entscheidende Rolle Albert Einsteins für den glücklichen Ausgang des zweiten Weltkrieges, der durch seine wissenschaftliche Tätig, keit den USA half, den Krieg zu gewinnen, wurde von Adlai E. Stevenson, dem Chef der nordamerikanischen UN-Delegation, hervorgehoben. Stevenson war rer Hauptredner bei einem Abendessen, an dem 1200 Freunde der Medizinschen Fakultät Albert Ein-1 stein der Jeschiwa.Universität teilgenommen haben, j Vorher war der Grundstein für die Universitäts-! stadt der neuen Fakultät gelegt worden. Es wurde bekannt gegeben, dass bereits 7 Millionen Dollar aufgebracht seien. Insgesamt werden für diese Bauten mehr als 27 Millionen Dollar benötigt. — Stevenson erklärte, dass die Erkenntnisse Einsteins über die Relation zwischen Masse und Ener. gié den Weg zur Atomwissenschaft öffnete und allen späteren Forschern anzeigte. Einstein sei es gewesen. der dem damaligen Präsidenten Franklin' D. Roes weit nabelegte, dass diese Forschungen und Experimente gemacht werden, weil auca die Deutschen auf diesem Gebiet emsig arbeiten würden. (ITA) man ein nüchternes Fazit der Nasserschen Politik ziehen wollte, müsste man zu dem Ergebnis gelangen, dass er auf der ganzen Linie gestrandet ist. Gerade deswegen besteht die Gefahr, dass er wieder an einer Front aktiv wird, auf der er nicht so stark kontrolliert werden kann und mit Bundesgenossen rechnet, die seine verloren gegangenen Positionen und sein wankendes Prestige möglicherweise wiederherstellen könnten. Diese Front ist der Mittlere Osten, und das Objekt seiner Angriffe blieb Israel. Deswegen versuchte er zunächst, die offenen Kon. flikte im Araberlager zu beschwichtigen, und erstrebte eine Annäherung an den transjordanischen König Hussein, der einem Ausgleich mit Nasser nicht gi undsktzlich ablehnend gegenüberstand. Natürlich ist es nicht einfach, die alten bestehenden Gegensätze oh. ne weiteres zu überwinden, da Hussein immer damit rechnen muss, dass Nasser ihn nicht als einen Alliierten, sondern als einen Vasallen betrachtet, um ihn in seine panarabischen Pinne einzubeziehen. Hiermit ist jedoch Hussein nicht ein. '■erstanden, der ganz andere Absichten durch einen neuen Vertrag mit Aegypten verfolgt, dem in erster Linie nur daran gelegen ist, die Spannungen zu mindern, um ungestörter als bisher sein Land regieren zu können. Die alten transjordanisch. BORMANN LEBT Frankfurt. — Die deutsche Regierung besitzt untrügliche Beweise dafür, dass Martin Bormann, Hitlers Stellvertre- | ter, an irgendeinem Ort I ausserhalb Deutschlands i lebt. Diese Mitteilung | wurde von dem Frank. I furter Generalstaatsan- I walt Dr. Fritz Bauer ge-! macht. i Bauer hat den zentralen Auftrag, nach den! nazistischen Kriegsver. breehern zu fahnden. Die Suche nach Bormann und Josef Mengele wird noch weiter intensiviert werden. Beide Kriegsverbrecher werden von einer geheimen SS-Orga. nisation, die sich ODES¬ SA nennt. auch heute noch unterstützt. (ITA) Die rofe Oelflut wird gefaehrlkh Italienische und sowjetische Oelkaufieute und Funk, lionäre haben ihre Verhandlungen in Moskau wieder aufgenommen. Es geht zunächst nur um vier Millionen Tonnen sowjetischen Rohöls, die mit Tankern vom Schwarzen Meer nach Italien verschifft werden sollen. Später sollen noch weitere 40 bis 60 Millionen Tonnen hinzukommen. Ob der Vertrag über die 40 Millionen schon jetzt zustande komme, ist zwar zweifelhaft, dennoch zeigen sich nie westlichen Gesellschaften sehr besorgt. Sie fürchtet» eine schwere Konkurrenz, weil das sowjetische Oel um 30 Prozent billiger ist, das heisst, nicht überall, sondern nur dort wo die Sowjets einen neuen Markt erobern wollen. Noch ist die, sowjetische Oelflut alles andere als furchterregend Und in Europa mehren sich die Stimmen, die besonders den amerikanischen Oelgeseilschaf. ten Vorhalten, aus GeschäftsgrünJen den Teufel etwas zu | tot an die Wand gemalt zu haben. Was sind schon 18 Mil-! ionen Tonnen sowjetischer Westexporte im Jahr 1960 gei genüber einem Gesamtverbrauch von einer Milliarde Ton- | nen so fragen sie. | Die Gesellschaften antworten ebenfalls mif Zahlen. Sie geben zu. dass die Sowjets in den nächsten Jahre« j nicht über 25 bis 30 Millionen Tonnen nach dem Westen 1 exportieren werden, weil die Transportkapazitäten von I oen russischen Oelquelien an das Meer oder direkt an I die Verhraucherzentren nicht mehr bewältigen können. | In vier bis fünf Jahren wird es schon anders ausse. ■ hen wenn die sowjetischen Pipelines vom Ural nach Me-! mel — aas dürfte der grösste Oelhafen der Ostsee wer- | den — nach Schwedt an der Oder und nach Pressborg an der Donau voll aufgedreht werden können. Das wer-! den danr. über 30 Prozent des europäischen Bedarfs sein, j Die britischen und amerikanischen Oelgesellscbatte» i fürchten die sowjetische Flut, weil sie ohnehin einen I Grossteil ihres Europageschäfts an die junge Konkurrenz in der Sahara abgeben müssen. Um sich »bzudecken, fahren sie schwere NATO-Geschütze auf und warnen vor einer Abhängikeit in der Energieversorgung von östliche« Lieferanten. | Immerhin haben die Sowjets ihre politische Anfällig, keit im Oelgeschäft anlässlich der Suezkrise bewiesen, als! sie um die Gunst der Araber zu erkaufen, den laufenden Oe’lieferungsvertrag mit Israel einseitig strichen Später i hat der Kreml wie erinnerlich in einem Prozess abgelehnt, den von Israel geforderten Schadenersatz zu leisten. Nur in einem Punkt scheinen die Oelgesellscbaften beruhig* zu sein: Unter diesen Umständen so meinen sie, dürfte/i die Oelseheichs ihre Forderung nach grösseren Vergünstigungen zurückschraubeD. Sie hoffen ausserdem, dass sich die Araber in der Abwehr gegen den sowjetischen Konkurrenten, der ihnen ihr Oel doch of. fensichtlich versalzen will, etwas enger an den Westen anschliessen wollen. Aber das kann ebensogut ein Irrtum sein. s' rischen Kontroversen ver. schwinden nicht dadurch, dass Kairo und Amman in einem freundschaftlicheren Ton als bisher verkehren, ui d dass die gegenseitigen Verleumdungen und Verdächtigungen aufhören. Die syrischen Ambitionen auf Annektion des ‘transjordanischen Gebietes sind keines. vegs aufgegeben worden, wobei es gleichgültig ist. in d’esem Konflikt zugunsten der einen oder der anderen Seite Stellung zu nehmen. Das durch eine Jahrzehnte alte Gegnerschaft gezüchtete Misstrauen ist nicht überwunden. Selbst die geplante „Annäherung” wird die tatsächlichen Verhältnisse nicht zu ändern vermögen. Auch diese Fehlspekulation Nassers drängt ihn auf den bewährten Israel feindlichen Weg. ' Diese Platte klingt noch immer gut für aiabische Ohren, die gern die Hassgesänge in sich aufnehmen, um damit von den wirklichen Problemen der arabischen Welt abzulenken und abgelenkt zu werden. Deswegen wurde die alte Debatte über die arabischen Palästina-Flüchtlinge in den UN wieder auf. genommen, die eine Möglichkeit hat. die bekannten israelischen Angriffe zu lancieren und dabei neue antisemitische Töne aufklingen zu lassen, die im übrigen den arabischen Sprechern vor den Vereinten Nationen nicht fremd waren. Während früher meist der libanesische Repräsentant die Rolle des Vorkämpfers gegen Israel auszuführen hatte, fällt diese Aufgabe seit einiger Zeit dem saudistischen Aussenminister zu, der — Vertreter eines der rückschrittlichsten Länder der Erde — sich gern zum Apostel der Menschlichkeit und der Freiheit gegen die „Verbrechen“ und die „Aggressionen” Israels aufspielt. Nassers wichtigstes Ins'rument bei diesen schweren Debatten und Auseinan. der Setzungen ist die Arabische Liga, die er nach wie vor völlig beherrscht, ohne erreichen zu können, dass wirklich alle arabischen .Staaten diesem übernationalen Gebilde beitreten, das einst unter der Aegide des vergessenen britischen Expremier Eden von den englischen Orient-Spezialisten des alten „Kairoer Büros“ geschaffen worden ist. Immer wieder ist das Scheitern der eigentlichen Ziele der Nasserschen Politik, wie in diesem Fall die Zusammenfassung aller arabischen Staaten in der Liga, der Ausgangspunkt für seine neuen Ausfälle und Störungsversuche. die sich gegen Israel richten. Die letzte Enttäuschung war das Verhalten der nordafrikanischen Länder, die der Liga äusserst skeptisch gegenüberstehen und keinesfalls in Nasser ihren Verbündeten erblicken. Der starke und aktive Präsident von Tunis, Habib Burguiba, muss als ein Gegenspieler Nassers angesehen werden, der es bisher verstanden hat selbst die algerischen Ext'-fmisten vor einer allzu starken Kooperation mit Aegypten zurückzuhalten. Tiotzdem es Nasser auf der Konferenz in Casablanca gelungen ist. eine deutliche anti-israelische Tendenz durchzusetzen blieb es — wenigstens bis heute — unter allen Teilnehmern bei Deklarationen, während sie io der Praxis mit ihrer Israel gegenüber wohlwollenden und freundschaftlichen Politik fortfuhren. Auch das is-t wiederum ein Grund mehr, dass Nasser beginnt, auf die mittelöstliche Front a^zulenken, wodurch Israels Lege unruhiger werden muss, und gewisse Vorsichtsmassnahmen von Israel zu treffen sein werden. Neben den Sehimpftiraden auf UN-Versammlungen versucht die Liga auf zwei verschiedenen Wegen, die letzt-nendes aber dem gleichen Prinzip entsprechen ihren Kampf gegen Israel zu verstärken. Der arabische Boykott, der sich für Israel gewiss empfindlich auswirkt, (Schluss aut Seite 2> NEUE PARTEI Tel Aviv. _ Die Liberale Pariei (Progressive) und die Allgemeinen Zionisten schlossen sich zu einer Partei zusammen. Die Abgeordneten der beiden Parteien werden heitliche Fraktion bilden. Diese Mitteilung wurde in der Knesset eine ein. jetzt offiziell von Mosche Kol. dem bisherigen Ge.! neralsekretär der Libera-i len. gemacht. Die Partei wird den Namen „Liberale Partei” führen. Die Leitung der Partei wird erst nach den Wan. len gebildet werden. Bis dahin werden die beiden Präsidenten und Generalsekretäre gemeinsam fungieren (ITÄ)