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Jüdische Wochenschau · 1961-04-25 · 1871 (25.4.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1871 (25.4.1961)
Date
1961-04-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 - 1? izq. JûxJentâH&JsAâj&lUci T. E. 8 3-26 1 3 Ano XXII. BUENOS AIRES, MARTES 25 DE ABRIL-DE 1961 No. 1871 Er war kein Antisemit ERKLAERTE ADOLF EKHMAKN BEVOR DIE SIRENEN HEULTEN Jerusalem. — Bevor die Sirenen heulten, um den Beginn des Jom Haazmauth anzukiindigen, wurden im Eichmann-Prozess noch einige wichtige Fragen behandelt und Tatsachen der Oeft'entlichkeit bekannt gegeben, die von unserer Be. r;chterstattung erfasst werden müssen. Tiefes Schweigen herrschte im Gericbtssaal, als die Spruchbänder zur Verlesung . gebracht wurden, die von .der israe-, liechen Polizei aufgenom--(- men worden sind, als sie mit . den Vernehmungen Eiehmanns begann. Die harte und unagenehme Stimme Eiehmanns durch. sohnitt den Gerichtssaal. Vielen Zuhörern lief der kalte Schweiss vor Erregung vom Körper. Mit besonders grosser Spannung wurde allgemein erwartet, was woh] Eichmann selbst bei seinen ersten Vernehmungen in Israel gesagt hat. Jedoch niemand nahm an, dass Eich, mann bei seinen Geständnissen und Beichten’ u. a. sagen werde, dass er niemals ein Antisemit gewesen ist. ER SCHONT HITLER Bei seinen auf Tonband aufgenommenen Aussagen vermied es Eichmann, seinen .Führer’ zu belasten. Er sagte schliesslich: Jerusa!em. — In einem der sechs Bände mit den Aussagen Eichmanns, die er vor den israelischen Polizeibehöiden gemacht hatte, erklärte der Beauftragte mi dem Massenmord an den europäischen Juden: „Ich war niemals Antisemit! .Ich habe niemals die Juden gehasst. Das haben alle meine Leute gewusst, alle”.— Die Aussagen Eichmanns umfassen 3.653 Seiten; alle Seiten wurden von Eichmann zumindesten« mi' seinen' Initialen gegengezeiehnet, viele enthalten Ergänzungen und Erklärungen, die von Eichmann nach- .tra/lich hinzugefügt worden sind. Die Aufnahme der Tonbänder begann' sechs Tage nachdem Ben Gur Ion in* der Knesset die dramatische Mitteilung von der Gefangennahme Eichmanns machte. Jede Seite wurde Eichmann vorgelegt, der Zeit genug hatte, seine Erklärungen genauestens zu überprüfen und jede gewünschte Aenderung vorzunehmen. — Eichmann behauptete, dass viele Mitglieder der Familie seiner’ Mutter mit Juden verheiratet gewesen sind Er habe vielen Halbjuden zur Flucht ver holten, ln Ungarn habe er entfernte jüdische Verwandte gehabt. Er habe bis zum russischen Feldzug die Idee vertreten, die Juden politisch umzuerziehen. Als er gesehen habe, dass die Engländer die Tore Pa. läsfinas verschliessen. wollte er für die Juden ohne weitere Verfolgung eine andere Lösung finden. (ITA) LICHMANN WIRD NERVOES Der Unabhaengigkeitslag in Israe! i Jerusa cm — 30.000 Zuschauer nahmen an der Tni|». j penparade m feiusalem teil, die ai lässli' n de» 13. Unal».! liängiekeiUtages durcherelührt wurde. Die Flugzeuge der; brachst-heu Lullwaffe und der Marine konnten sich wegen der Nähe der transjordanischen Grenze nicht beteiligen. weil ihre Operaione-n nicht möglich gewesen w<. ien. ohne den transjordanischen Luftraum zu verletzten. Die Ti uppenbewegungen mussten im letzten Augenblick geändert und eingeschränkt werden, weil die UN iik-rum ersucht hatten, nachdem Transjordanien erklärt hatte dass es sich hierdurch bedroht fühle. Der Geist der Truppen die vorbeimarschierteit. machte einen ausgezC chtieten Eindruck Bemerkenswert ist. dass öie Farbe vieler Waffen von Grau aut Gelb geändert worden war. weil die Experten die gelbe Farbe für Kampfhandlungen in der Wüste für angebrach'er hielten Auf der Haupttritüp.e befanden sich der Präsident und der Ministerpräsident mit ihren Gat.innen. Minister, die hohen Miliürs unter ihnen Generalstal.schef Zwi Tsur, Obefsr Joseph Geva. der Komandant des zentralen Ab. Schnitts, sowie die Diolomaten. Ben Zwi und Ben Gurion j erhielten harken Beifall der Massen, als sie erschienen. | Auch die Gattin des ersten Präsidenten Israels, Frau Vera W izmaiin. w'ar erschienen. | Die Parade wurde durch die Uebergabe der Heeres-! tahne an den Kommandanten des Zentralabschnitts eiti- , geleitet, nachdem sie ein Jahi im Besitz der Nordzone j der Arme' gewesen war. In seinem Tagesbefehl, den Ben Gurion als Ve-tei- | digungsmicister herausgegehen hatte, hoe er als die beir! den besonderen Ereignisse die Auffindung der Bar Koch-. ba-Dokume.Ue und die Verhaltung Eiehmanns hervor. I Erstmalig in unserer Geschichte, .so sagte Ben- Gurion-, i wird das „souveräne jüdische .Volk über einensseiper ävg- I sten Feinde; zy‘Gericht. sitzen. letzt wird Israel der Wte-’t f ¡ zeigen -wohin;Artisemi.tismus fuhren kann! Sehliessl;ch_ j rief _Ben Gunorr die Bevölkerung auf, ..den Geist der ersten .Pioniere und derer wäehzühalten,-den Negew erschliess?;». — .Ich kann nicht behaup- : Schrecklichkeit des Geter. dass ich reine Hände habe .. Ich bin bereit, meine Fehler einzugestehen und weiss, dass es um mein Leben geht. Ich kann nicht um Mitleid und Begnadigung bitten denn mir steht das nicht zu. Vielleicht wäre das eine gereche Strafe für mich, öffentlich gehängt zu werden, damit die Während die Stimme i Eiehmanns von allen Anj wesenden mit grösster Spannung und Aufmerksam- | kc-it gehört wurde, fiel die steigende Nervosität des l Angeklagten auf, der unru. | big hin- und herrückte, sei- ’ r.e Brillengläser reinigte so- | wie die Kopfhörer auf. und | al-nahin. | Im Rahmen des Polizei- Verhörs versicherte Eich, mann immer wieder, dass er nicht der Autor des Ausrottungs - Programms der I Nazis -gewesen , wäre. Er haben den ihm erteilten Bei fehlen lediglich blinden Ge-! hörsam geleistet. Eich- ■ mann stellte sich selbst als--—_—.— -_ I einen empfindsamen Men.: sehen dar. der kein Blut seken über diese Anweisung ' br haupteie, zu dieser Kon- I hen konnte und der den 1 erstarrt war.” | ferenz nur deswegen er- Anblick von Toten nicht eri Dann gab Eichmann aber schienen, weil seine Gegen. it:ug. Er sei vor Schrecken zu. an einer Konferenz hoher, war*- von Hevdric-h anbe-! e: starrt, als Heydr'.ch ihm ■ Nazi-Führer teilgencmmen I fohlen war Heydrich sei zu haben, die im Berliner: der Beauftragte für die Vorort Wannsee 1941 oder ] Erlösung gewesen. 1942 stattgefunden hat. Ge-1 A1s er- Eichmann, in genstand der Konferenz . Treblinka einige Maschinen w’ar die ..Endlösung der Ju- .eines russischen U Bootes Idenfrage’’. Er sei, w'ie er (Fortsetzung auf Seite 7) : im Jahre 1941 mitteilte, Hit-1 ler habe die totale Ausrotl tung der Juden angeordnet. | Eiehmanns Stimme sagite: ..Ich fand keine Ant. ■ w’ort, weil, ich vor Schreki schehenen der ganzen Welt zum Bewusstsein kommt und sichtbar wird. Vielleicht sollte ich auch ein - Buch schreiben, um zu ver. meiden, dass die Jugend in , aller Welt diese Fehler und j Verbrechen wiederholt. Damit würde ich meine Aufgabe auf Erden erfüllt haj ben.” — Sie gaben das Beispiel von B. B. SAMVEL WIE ICH ES SEHE ►♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦a Der Ankläger im Eich. | gebracht wurden und damit [wohin er ging, um den unmann - Prozess, Generalihre Freiheit und ihr Leben garischen Juden beizusie. stratsanwalt Gideon Hausretteten. ¡hen. Dort heisst es: ..Die ner, fand am Schluss sei-J Schliesslich hob Hausner .Welt von Auschwitz und ncr mit ausserordentlicher den jungen schwedischen! Workuta ist unteilbar. Ein Sachkenntnis und einem Diplomaten Raoul Wallentragisches Schicksal Hess umfassenden Wissen vor.jberg besonders hervor, der Raoul Wallenberg zum Ungeloeste Zeitprob lerne \ ♦ i. *»eiqelasseci Die Fünfte Strafkammer des Frankfurter Landge. Leichtfertigkeit Stellung geoon JEHUDA G0TTHEIMER einandersetzungen der Ge., jenige unter ihnen, der ohlenrten früherer Jahrhunne Sünde sei, den ersten derte gewesen ist. Die.Siein — auf den Angeklag. Frankfurter Strafkammer I ten — w'erten solle. Anders hat mit einer erstaunlichen ist es schw'ei zu erklären, richts hat einen der Adjutanten des Auschwitz-Korn, mandanten Hoess. den ehemaligen Fahrdienstleiter Ro. bort Mulka ’ freigelassen. Der gegen Mulka wegen Mittäterschaft an Massenmorden erlassene Haftbefehl wurde aufgehoben. Mul. ka w'ar bis Anfang 1943 — etwa ein Jahr hindurch — Fahrdienstleiter in Auschwitz. In dieser Eigenschaft nommen, wobei in erster Linie 'die Tatsache alarmie. rend wirkt, dass sie ihre Entscheidung getroffen hat, ohne es für erforderlich zu halten, in die eigentliche Iiauptverhandlung einzutre. tön. Mit dem Eegriff des übergesetzlichen Nostandes” darf man weder jon. gaeren noch spielen. Zunächst wäre es erforderlich dass zwar hunderte Kriegsverbrecher-Prozesse vor al. len möglichen Gerichten in Deutschland durchgeführt werden, hier aber ein Mann freigelarsen wird. dem man einen „übergesetzlici:en Notstand” zubilligt, der aber mit Sicherhen in einer nicht bestreitbaren Mittäterschaft zum Mord an zahlreichen Personen bei. getragen hat; Warum eide Worte für einige Miin-.wc er ein Rettungsw'erk ne •. die unter Einsatz des' aufbaute, das nur als das eigenen Lehms den verfolg- Hohe Lied des braven Manien und totgeweihten Juden! nts bezeichnet werden Kann. Hilfe und Rettung gebracht | Viel zu wenig haben die Ju. oder zu bringen versucht den getan, um den Namen haben. Er erwähnte den .dieses Mannes zu verewibulgariseheu König Boris, I gen. In einer Zeit der Finder verhinderte, dass ..seisternis. der Verzweiflung ne'1 Juden deportiert wer. j ut.d des Unterganges leuchden, die Verschleppung der tet seine Gestalt hervor, da aröeren, au» den neuen Ge. ihn nur Menschlichkeit und bieten seines Reiches kenn-1 ein unbeugsames Gerechte er nicht aufhalten. Er lobte vor, aPem den dänischen König Christian, der ein mutiger Mann war und der. Nazis mit Erfolg die Stirn hot, obwohl sie sein Land usurpiert hatten. Das ganze dänische Volk setzte t-gkeitsgefühl beseelten. Sein Schicksal ist nicht be. kant. Man nimmt an. dass er in sowjetischen Kerkern umgekommen ist. Josef Wulf, einer der grossen jüdischen Historiker der nazistischen Katastro. werden. Während der zweiten Hälfte des Jahres 1944 geriet er durch sein Wirken in Budapest, wo er viele Tausende von Menschen vor dem sieneren Tode be. wahren und ihnen das Leben retten konnte, in das Räderwerk der abscheulichsten Maschinerie des totalitären Systems im Dritten Reich.” — Es ist interessant zu beobachten. dass es fast nur Menschen aus Nordeuropa waren, die den Juden durch ihren persönlichen Einsatz und Mut geholfen haben. Der Däne König Christian, der Schwede Rauol Wallen- ... . berg und der Finne Mar. sich n:r die Rettung der dä. | phenzeit. hat ihm ein klei-1 Sf.‘hall Karl Gustav von nisc.ioii Juden ein. die beires Buch gewidmet, das Mannerheim der sich nicht von i seine unermüdliche Tätigweniger entschlossen wie nah? aile über Nacht unterschrieb er Fahrbefehle füi die Lastwagen, in dej gewesen, im einzelnen zu nen nicht mehr gehfähige überprüfen welche Strafta- Hüftlinge zu den Gaskam. 1dem angeklagten Mul-jsf nden anderen Angeklagten mern transportiert wurden. | ^a tatsächlich zur Last ge-|und Mitschuldigen versagt wird? Hatte der Angeklagte gentlich soll für diesen An. den Danen nach Schweden keit in Budapest beschreibt. König Christian schützend geklagten der Rechtferti.! gungs- oder Entscbuldi-; gungsgrund gelten, der tau. I-- Die Strafkammer sah in' lc-gt werden müssen. Ohne dieser Tätigkeit eine objek. I hierüber in öffentlicher tive Beihilfe zum Massenmord, hielt jedoch einen dringenden Tatverdacht aus subjektiven Gründen nicht gegeben. Beim Haft. Prüfungstermin billigte die Verhandlung zu beraten und die notwendigen Ermittlungen anzustellen, wurde ei. re Ansicht durch das Geweht geäussert. die jede Schuld und Verantwortlich-! Strafkamer aus subjektiven heit von den Schultern des Gründen einen übergesetzlichen Notstand zu .. — Diese Entscheidung ist ausserordentlich bedenklich. Ohne Zweifel handelt es sich hierbei um eines der ernstesten strafrechtlichen Probleme, das nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg die Wissenschaft be. _ schüftigt hat, sondern be. j deutschen Gerichts erinnert Angeklagten nimmt. Mit d<m Hinweis auf einen ütergesetzlichen Notstand’ sollte doch wohl gemeint sein, dass eine objektiv schuldhafte Handlung durch die obwaltenden subjektiven Umstände nicht mehr stfaffühig ist. Dieses Vorgehen eines nicht die Möglichkeit, sich bei einer anderen Dienststelle zu melden, konnte er nicht an die Front gehen ooer eine andere Arbeit leisten, als Totkranke in ¡die Gaskammern zu fah-! fi.hrung ren? | Befehle Ohne diesen Fahrer, der kennen die Opfer in die Gaskam. | Fälle, i mern transportierte, und ne es 1 zugestossen Man versetzte! sie auf anderen Posten. | \ lelleicht war das nicht I immer angenehm und hätvor die Juden seines Landes gestellt hat. Merkwürdig genug, dass es die nordischen Völker waren, — unter ihnen auch drs von den Nazis überfallene und verbrecherischer zu .enveigern? Wir doch vereinzelte i denen LTntergebe ablehn ten. Befehle ohne die in die Tausende 'auszuführen, deren Unge. zahlenden anderen Gehilfen ' setzüchkcit s>e erkannten, beim Massenmord wären j Wir wissen doch — wenn diese Verbrechen nicht auch von wenigen — muti. durchznfiihren gewesen. Ge. j gen Männern, die nicht berade aus diesem Fall kann ¡reit waren, auf Wehrlose zu die Oeffentlielikeit lernen, ■ s; hiessen und an Massen, wie viele Personen einge-! hinrichtungen tcilzuneh vom Auge lblick der Ver. Haft «mg bi» zur Vergasung, um d>se Schandtaten zu vollbringen. Und alle diese Herrschaften haben in ei- \ te sogar persönliche Ge. besetzte Norwegen — die einem .ubergcselziichen Not-¡fahren mit sich bringen 1 nc-n bedingungslosen Kampf stand.’ gehandelt? Bestand j kennen. Aber deswegen war gegen die Nazis und ihre dieser .übergesetzliche Not. e-- doch möglich. Von ei-! Judenverfolgungen führten, stand darin, dass sie zu , nem .iibergesetzlichon Not-! jene nordischen Völker, die feige waren, um die Aus-; stand’ bei der Mittäter. I von den Nazis als deren schaft an Massenmorden i . Stammesbrüder” besonkann niemals die Rede sein.lclers laut reklamiert worden Die Entscheidung der s!n<^- Frankfurter Kammer ist1 Und Gideon Hausner warf bedenklich, nicht weil sie schliesslich die Frage auf, eiren einzelnen begünstigt.'" a-s geschehen wäre, wenn der bedenkenlos kranke n;°ht einzelne, sondern vie. Menschen in den Gaskammern von Auschwitz ablie ferte wie er vielleicht in Friedenszeiten Steine ver. laden hat. Hier wird nicht Pl --------- -- .«vwv..» vimiicu| vwe vieie rersonen einge-, fiumchtungcn tcuzuneh- Gegenstand der Aus-1 stark, an den Satz, dass der-1 spannt werden mussten, I men. Ihren allen ist nichts i (Schluss auf Seite 2) ie einflussreiche Persönlichkeiten die gleiche Haltung eingenommen hätten. Eine furchtbare Frage . eine unbeantwortete Frage, die an die ganze Welt ge. richtet war.

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