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Jüdische Wochenschau · 1961-02-21 · 1854 (21.2.1961) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1854 (21.2.1961)
Date
1961-02-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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4 — Martes, 21 4« Pekrtr» 4« WOT LA SEMAXA ISRAELITA AU* XAH. _ *«. lte4 f In Tel Amal, dem ärmli- , j eben Bezirk von Haifa, wo •' die Schwarzarbeiter der Fa-' briken „Schemen” und „Ne. ■ scher” wohnten, ist der ab- I getretene Stabschef Raw | Aluf Chaim Laskow aufge-; wachsen. Sein Vater war Fuhrmann, der älteste Bruj der half ihm bei seinem schweren Handwerk, der | zweite Bruder arbeitete als Schweisser. der dritte lernte Tischlerei und ihn, Chaim, schickten die Eltern in die Schule, lernen. ..Damit ' es wenigstens einen .Intelligenten’ in der Familie gifet.”' Laskow erinnert sich noch heule wie die Pferde seines Vaters hiessen, und er spricht ihre Namen mit Zärtlichkeit aus: .Lawan’ i ,Adom\ Ach, was für prächtige Tiere das wa- ■ rer!”, entzückt sich Las-! kow. ..Ar. freien Tagen ritt; ich aus. Am Schabbat | pflegte ich das glänzende Fell der Pferde zu schrub- | ben, wusch und bürstete. ' fütterte und tätschelte sie.”; Dann brachen die bluti- : gen Unruhen aus. Der Vater wurde von den Arabern ermordet, Chaim wurde eine Waise und blieb allein mit seiner Mutter zurück. Geld gab es im Hause Laskow nie, aber den Chaim nahmen sie aus der Schule nicht heraus. Die äl. teren Brüder zahlten für ihn das Schulgeld und taten das wie die selbstverständlichste Sache von der Welt. Chaim Laskow war ein Musterschüler im Realgymnasium. „Wie weit das alles schon zurückliegt!” Aber die vielen Jahre habe ihn der Jugend nicht entrückt. Er fühlt sich ihr nahe: „Espresso-Generation?” — sagte er dieser Tage in einem Gespräch mit Freunden, „leeres Gerede! Ich kenne die Jugend durch und durch. Sie ist nicht schuld. Sondern wer? Das sag’ ich Ihnen ganz genau: in erster Linie die Schulen, die das ihre nicht tun, dann die Strasse und Gesellschaft, in der kein Puls öffentlichen Leben-- schlägt, und die Eltern. die sich einbilden, jemand anderer — als sie selbst — hätte ihre Kinder zu erziehen! Nehmen Sie Chaim Laskow -- der Soldat mich: zu meiner Zeit gab es keine Espresso-Genera. [ tion, dafür die Salonjugend :i von RAPHAEL BaSCHAN d. h. die Jungen und Mädels, die Salontänze lernten ...! I „Es ist immer dasselbe. Immer gibt es solche und solche. Auf die Erziehung ■ im Haus kommt es vor al- , lern an. Ich? Ich schäme mich nicht, mein Lieber. Ich hab’ in meiner Kindheit nicht wenig gehungert. Ordentliche Kleider und Schuhe hatte ich nie. In die Schule nahm ich mir eine trockene Pita und eine Orange mit. Ich hatte einen Freund in meiner Klasse, Schimon Nachmani, heute ist er Bauer. Wirklich schon eine Ewigkeit, dass ich Schimon nicht gesehen habe! Wissen Sie. er brachte mir immer in die Schule etwas zu essen mit. Was ist dabei? Warum schauen Sie mich so an? Das ist doch keine Schande. Das ist die Wahrheit! Ich wusste, was das Lernen meine Familie kostete und ich verhielt mich dementsprechend. Ob ich die Schulkameraden be-; neidete, die gut angezogen waren, Sandwichs in der Pause assen und Taschengeld bekamen? Gewiss be- 1 neidete ich sie. Doch ich vergass iie das Wörtchen meiner Mutter: ,Arm, aber ehrlich!“ ” STRASSE — HEIM — SCHULE „Yes Sir! Das ist das Dreieck, in dem sich die Seele des Kindes bewegt. Sie muss sich doch aus der umgebenden Atmosphäre nähren, sie einatmen wie die Lungen die Luft. „Ich wusste also, was das heisst, ein Paar Schuhe kaufen, ich wusste wieviel Opfer jedes Heft für mich, jedes Buch, jede Schultasche kostete. Wie oft blieb ich zu arbeiten beginne. Meine Schuld habe ich bis zur letzten Pruta beglichen. Die letzte Rate zahlte ich schon von meinem Sold als britischer Soldat.” „VERLASS DICH AUF MICH!” ..Ich hatte einen grossen Lehrer — Dr. Biram. Er pflegte immer zu sagen: .Mir ist es ganz gleich, was für einen Beruf ein Mensch hat. Nur gut ausüben muss er ihn. Meinetwegen mag er auch Stiefelputzer sein. Macht er seine Sache gut — Hut ab vor ihm!” Dr. Biram! Noch heute ist er das Muster, das Lieblingsvorbild für Laskow. Er brachte es dem rundgesichtigen Jungen mit dem energischen Kinn und dem scharfen Blick bei, was Disziplin und Ordnung ist. Auch geistige Disziplin und Ordnung: er konnte es nicht ausstehen, wenn man sich chaotisch Wissensbrocken! aneignete. Er forderte tie- I feres gründliches Verstand-! nis und Systematik. Eine Stunde bei Biram über das 1 „Hohelied” oder .Kohelet”, . das bleibt fürs Leben un- I vergesslicn Einmal passier. i te es, dass Chaim Laskow l bei einem Tanach-Wettbepressten Lippen, was mir dieser eingefleischte Soldat plötzlich über Religion und; i Ach. ja — Wingate! Auch j er gehört, zu den von Las- 1 kow verehrten Gestalten. j« einen grossen jüdischen Gott im Himmel: er blendete die Augen der Engländer und sie sahen das ver hängnisvolle Fläschchen nicht! LAUFBURSCHE UND Ein seltsames Band knüpf. I VERBINDUNGSMANN te sich zwischen dem breit. Juneen Glauben sagt: „Alle Ach. 1 schultrigen Jungen aus den Gläubigen. Tei Amal und dem ei§entung vor mein Herr. Ich verehre sie.“ so erklärte der Stabschef, : und etwas wie ein weicher , Abglanz leuchtete in seinen j stahlharten Augen auf. Ob- ' zwar — ich selber glaube! nicht auf die fromme Art. . Aber Gott hat doch den Menschen in seinem Eben. : bild geschaffen, das lässt j sich nicht verleugnen, j Stimmt s?! \ DUR GLAUBEN - EINE GROSSE KRAFT „Ich bin überzeugt“, sag-; te Laskow. „dass der j gläubige Soldat einen sehr j starken Rückhalt hat. Was ihm das hilft?! Oho! — mein Lieber: stellen Sie sich nur 'or. es gibt Situa- | tionen im Kampf, die ein- , fach sinnlos sind und aus i denen es praktisch keinen \ Ausweg gibt. Und da erwacht irgendeine innere Kraft und drängt zur Tat 1 tümlichen Engländer an. Zum erstenmal kamen sie im Bet Weizmann zusammen und fühlten sich sofort zueinander hingezogen. Laskow erzählt, der Mann mit den brennenden Augen habe oei jener Begegnung ein Buch über die Messias-Idee in der Hand gehalten und ihn, den Realschüler mit aller Kraft zu überzeugen gesucht: Jesu sei auch der Heiland der Juden. Aber der Junge aus Tel smat blieb unerschüt- Laskow als ziviler Bürger? Es ist unmöglich, sich vorzustellen, er wird noch Wochen als Zivilmann in Israel umhergehen, 24 Jahre hindurch trägt er doch die Khaki Uniform und hat sie noch nicht einen Tag abgelegt. 17 war der Junge als er seine militärische | Laufbahn begann. Als j Laufbursche und Verbindungsmaan Doris, des ersten Zahal.Stabschefs, Etappe B: Hagana, Freiwilliger in Sarafand, Zyrenaika, Offizier, Eintritt in die Bri. gade, Rettung von Juden in terlich und hartnäckig auf i Oesterreich, Frankreich, seinem Standpunkt: ,,Lo!“ Interessant, ausgerechnet ihm, dem Pedanten musste das passieren! Fast hätte er von den Briten Strafarrest aufgebrummt bekommen für... Schlamperei. Die Geschichte war so: Chaim Laskow sollte zu Ue. Belgien und Holland. Man erzählt sich als Witz Chaim Laskow kann keinen militärischen Kurs sehen, ohne ihn auch mitzumachen. Er soll mehr Kurse als zehn Zahal-Offiziere zusammen hinter sich haben. Berufssoldat? Nein, diese Definition lehnt er ab. Er bungen heraus. Er war j versucht, es mir auf alle um der Tat, um der Mission willen und ein ganz unerwarteter Durchbruch gelingt wider jede Logik! Man schätzt den Glauben gering; und ich denke, das __ ist ein Fehler. Der Glaube werb neben Arnos Ben Gu-! ®’ne grosse, eine grosse Der hatte seine Kra“. Da haben Sie z. B. Mosche Rabenu. Er schritt nicht vor dem Volk. Er stellte sich nur auf den Hügel, hob die Hände und Israel gehorchte ihm. Was ist das sion sass. Bibel zur Hand und verfolgte darin das Frage- und Antwortspiel genau. „Wieso sitzen Sie eigentlich mit leeren Händen da?”, wandte er sich erstaunt an Laskow. „Wo haben Sie denn 1 wenn nicht der Ihre Bibel?” Der Angerede- , Auch Cromwell, te stellte sich beleidigt und i waren Gläubige.“ erwiderte: „Brauch ich denn ein Buch zur Gedächtnisstütze? Ich orientiere mich auch so ganz genau!” „Aber mit dem Buch fühlt schon fix und fertig, hatte bei den Vorbereitungen auf dem Gelände mitgemacht — da merkte er plötzlich: sein Fläschchen mit den Augentropfen war weg. Es musste ihm bei der Arbeit auf dem Platz herausgefallen sein, und wie zum Trost fingen die Engländer an, das Terrain genau durchzu-; kämmen. Aus seinem | Fläschchen, das wusste! Chaim sehr gut, stand auf : einem weissen Zettel in den Buchstaben der heiligen Glaube? j Schrift sein Vor- und Nach- Wingate : r.ame geschrieben „Chaim 1 Laskow“. Aber wir haben mögliche Weise klarzumachen, dass ein grosser Unterschied zwischen Militarismus und dem besteht, was die Engländer „Soldatenleben” nennen. Im Interview, das mir Laskow sofort nach Antritt seines Amtes als Generalstabschef, genau vor drei Jahren gewährte, stellte er fest: „Bei Juden hat der Begriff Soldat einen verächtlichen Beigeschmack. Das ist ein Ueberbleibsel aus der Gela, aus der Zeit, da sich die Juden verstümmelten, um (Fortsetzung auf Seite 5) ich in der Klasse zurück, . man sich doch immer sicheum die Aufgaben aus Bü_ 1 rer”, entgegnete Arnos B.G. Kinder zu ehern anderer machen .. „Die letzten beiden Jahre im Realgymnasium zahlte ich überhaupt kein Schulgeld. Ich verpflichtete mich, es dann abzuzahlen, wenn Glückwunsch-, Blumen-, Geschenk- und Beileid- ABLOESUNGEN zu Gunsten der Asoc. Filantrópica Israelita j Cangallo 1479 V 40-4900 40.9535 » KEHILLA PASTEUR 633 | T. £. 47.>096—M * _ ♦;-♦ Die Jüdische Gemeinde von Buenos Aires * fordert alle deutschsprechenden Juden auf, der* X Kehilla als Mitglieder oder Protektoren beizutre-J X ten, der die Organisationen der deutschsprechenf den Juden «^geschlossen sind. f Es ist die Pflicht eines jeden Juden, der Jüdi-e sehen Gemeinde von Buenos Aires als Mitglieds O ... r, . , _ , o hören sie nur, was mir aa ♦ anzugehoren. Informationen und Antragsformu-o j dieser Mann mit den kraus X lare in unserem Büro, Pasteur 633, 1. Stock. X „Im Tanach verlassen Sie sich auf mich”, schnitt Laskow die Diskussion ab. Der zurückgetretene Generalstabschef hat seinen ganz eigenen Slang: ein Gemisch aus saftigem Jiddisch, schmissigem Englisch und klarem, lakonischen, schneidigen Iwrit. Aber unter der Khaki-Uniform geistern die Bibelstunden Dr. Birams .mmer noch weiter. auch wenn er militärische, technische Fächer vorträgt und Disziplinen liest so trocken wie Heu. Bei einem kürzlichen Treffen der Reserveoffiziere sprach Laskow über den guten ZahaLKommandanten, den idealen Befehlshaber und sagte: „Er muss sich vergewissern, ob seine Befehle sofort und strikt ausgeführt werden, und sie müssen so klar und kurz gefasst sein wie... — natürlich! in der Bibel: Und Gott sprach: es werde Licht. Und es ward Licht. Apropos Bibel: Hören Sie nur, was dieser Mann in der pedantisch gebügelten Uniform, dieser harte und kurzangebundene, mit den schweren schwarzen blitzblanken Schuhen und -der braunen Pfeife, die ewig zwischen seinen Zähnen steckt, zu mir gesagt hat: hören Sie nur, was mir da zusammengezogenen Brauen. den festaufeinander ge- I Israel - Marken und Marken aller Laender — Neuigkeiten — “Temáticos" ln groesster Auswahl: u. a. VIERERBLOCKS — MARKEN MIT PLATTEN¬ NUMMERN — MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (planchas) — VOLLSTAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABEN — ERSTE SERIE VORHANDEN — VERTRAUENSWUERDIGE BERATUNG!ts ALFONSO MORITZSON Guatiacache 2351, tlep. 2 esq. CABILDO D I E El E 5TEHT VOR DEM ABSCHLUSS WER BISHER SEINE BEISTEUERUNG NOCH NICHT GELEISTET HAT, ERFUELLE RASCHEST SEINE PFLICHT. WER MIT SEINEN ZAHLUNGEN NOCH IM RÜCKSTAND IST, WIRD ERSUCHT, SEIN KONTO NOCH IN DIESEM MONAT AUSZUGLEICHEN. Nicht vergessen: BEISTEUERN Nicht vergessen: ZAHLUNGEN LEISTEN ES IST PFLICHT FUER ISRAEL ANNAHMESTELLEN CAMPAÑA UNIDA PRO ISRAEL Comité Centroeuropeo. Sarmiento 2376. 3*. T. E.: 47-2320 und sämtliche Seleretariate der angeschloesenen O r g anisa tionen und Gemeinden.

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