Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1846 (20.1.1960)
- Date
- 1960-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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, » c 1 N < U FRANQJEOPAGADO Concetióa 90* TARIFA REDUCIDA CoMc«>ióa 1629 ISRAELITA Ano XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 20 DE ENERO DE 1961 No. 1846 EL EJEMPi.Af’J en toda la Rapubltr - Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? iaq. T. E. 83 - 2613 Die ersten zehn Jahre einer Grenzsiedlung Seit der Gründung Israels kamen etwa 8000 Olim aus den Ländern Südamerikas Von ihnen befinden sich I heute ungefähr 4.500, d. h. | 00 Prozent, in den Arbeiter-1 det Zimmer, an Mahlzeiten im Speisesaal teilnimmt und die Menschen betrachtet. Dennoch will das nicht besagen, dass Eja Haschloscha von keiner Vielfalt Siedlungen, zum Grossteil j drängender Sorgen belastet ln denen der Kibbuzbewej Ist. Die Frage der Sicherung des Ortes steht voran. Obgung. Und einer ihrer Kibbuzim, Ejn Haschloscha, feierte jetzt sein zehnjähriges Bestehen. Er gehört ln die Reihe der zehn rein südamerikanischen Siedlerkollektive im jüdischen Land. Wendet man sich im Negew von Bet Re'im weitere sechs Kilometer südwärts, kommt man direkt nach Ejn Haschloscha und ist die Sicht nicht verhangen, erkennt man mit blossem Auge von dort die Stadt Gaza und den danebenliegenden Ort Dir-Balla in dem von den Aegyptern besetzten Küstenstreifen. Die Grenze verläuft nur zwei Kilometer westlich der Siedlung. Aber Jehuda Kirschenzweig der Sekretär von Ejn Hasehloscha fügt berichtigend hinzu: ,,In der Nacht ist die Umzäumung unseres Kibbuz dieser Grenze gleichzusetzen.” Dass hier einer der wirklich blühenden Negew-Kibbuzim entstanden ist, zeigt sieh dem Ankömmling sofort, wenn er die schön gebauten Häuser bewundert, die reichhaltige Ausstattung Akten des Volksgerichtshofes gefunden Hunderte von bisher unbekannten Urteilen, darunter auch Todesurteile, die vom berüchtigten NS-Volksgerichtshof ausgesprochen wurden, entdeckte man in einem Panzerschrank, der beim Ausbaggern in der Nähe der Sektorengrenze in Berlin gefunden wurde. Die Westberliner Polizei übergab das Material dem* Landesarchiv zur Auswertung. Ein Teil der Akten ist beim Aufschweissen des Schrankes stark angesengt und beim Herausfallen noch vom Regen aufgeweicht worden. Vor einigen Wochen wurde schon einmal ein Panzft«chrank gefunden. Er enthielt Dokumente der ehemaligen Reichsschriftumskammer, die dem amerikanischen Document Center ¡ Herde „Juan Perón“, übergeben wurden. wohl es an der Gaza-Grenze seit geraumer Zeit vergleichsweise friedlich zugeht, macht Ejn Haschloscha den Eindruck einer abwehrbereit gesicherten Grenzsiedlung. Weder fehlt es an „Emdoth“, den für diesen Notfall entsprechend ausgebauten Stellungen, noch an einem Gesamtplan, für solche Stunden der Ge' fahr. Jeder einzelne weiss natürlich genau, was ihm dann an besonderen Aufgaben obliegt. Aber nicht nur um das Dann geht es, sondern um den heutigen Alltag. Der Gazastreifen befindet sieb wie gesagt in unmittelbarer Nähe, und dort leben weiterhin die arabischen Palästinaflüchtlinge in erzwungenem Müssiggang und beträchtlichem Elend in ihren Lagern und versuchen mithin wieder und wieder auch in dieser Zeit der Entspannung, als Grenzwilderer zumindest einige Kühe zu stehlen, oder widerrechtlich von den Feldern Getreide zu ernten. Jehuda, der Sekretär von Ejn Haschloscha, gibt hierzu folgenden chronologischen Ueberblick der Jahre seit der Staatsgründung: 1948: Der „Keim“ (Gar’inj von Gefährten, aus denen dann die Siedlung hervorging, nimmt am Kampf um Nisanim teil. Drei von ihnen liessen ihr Leben — die Erinnerung an sie lebt im Namen Ejn Haschloscha weiter —, und die übrigen wurden damals von den Aegyptern gefangengenommen 1950: Die Siedlungsinstanzen entscheiden sich für die „Stellung 112“ als den Ort zum Aufbau des Kfbbuz. Infiltranten belästigen die junge Siedlung ständig. 1951: David Wolfin, der Hirt von Ejn Haschloscha, wird hinterrücks durch den Dolchstich eines Arabers ermordet, sein Gewehr wird ihm fortgenommen und die Herde weggetrieben. 1952: Infiltranten,, die in den Kuhstall eindringen, rauben zwei milchgebende Kühe und den Bullen der wie folgung wird aufgenommen. Dabei gerät der Lastwagen der Siedlung auf eine Mine, die sie gelegt hatten. Der Lastwagen geht in Trümmer, aber glücklichervreise blieben die Chawerim auf ihm unverletzt. Heute, fügt Jehuda schmunzelnd hinzu, sieht das Skelett dieses Lastwagens vor dem Kinderhaus, und die Kinder spielen damit „Fahrt übers Land.“ er genannt wurde. Ihre Ver- Ein neuer Bericht der „Times" London. — Trotz der Sicherheiten, die der Thronerbe von Marokko Moulay Hassan den Juden gegeber. hat, wächst die Agitation gegen die Judenheit i in diesem Land, wie die „Times” berichtet. Sie ' schreibt, dass während der kürzlichen arabischen oipfelkonierenz in Casablanca eine antiisraelische Resolution gefasst und die Judenheit Marokkos beschuldigt wurde, Demonstrationen gegen den Besuch les VAR Präsidenten Nasser organisiert zu haben. Die Behörden in Marokko, so teilt die „Times” mit. sind der Ansicht, die Tatsache, dass vor einit,.; Tagen 43 Juden vor der marokkanischen Küste e’itrunken sind, ..kein Milderungsgrund für ihr Vergehen ist, das Land illegal zu verlassen versucht zu haben.” Der Konprit)7 versprach den jüdischen Führern, dass die für die antijüdischen Vorkommnisse verantwortlichen Personen ..streng bestraft” werden würfe,,. (ITA) 1953: Der Traktor von EJü Haschloscha gerät auf eine Mine, aber niemand wird verletzt. Wir umzäumen den Kibbuz mit Stacheldraht ur.d montieren einen Schein- 1 werfer in der Hoffnung, di* Infiltranten künftig abziisehrecken und abzuhalten, 1954: Der Traktorist wird nachts, als er mit seiner Maschine auf den Feldern arbeitet, von einer fünfköpfigen Fedayim-Gruppe angegriffen. Abraham Elkabas, ein Oie aus Marokko, wird getötet, Schmuei R. an einer Hand verwundet. Zwei der Fedayims finden den Tod, als eine Handgranate explodiert, die sie werfen wollen, der Rest flüchtet über die Gaza-Grenze. 1955: Die Aegypter be schiessen Ejn Haschloscha mit ihrer Artillerie. Das Kinderhaus, das buchstäblich eine Minute vorher ge räumt worden war, wird von den Geschossen zerstört Auch die Hühnerställe und andere Wirtschaftsgebäude erhalten schwere Einschlä ge. Den Chawerim geschieht nichts. 1956: Während des Sinai- Feldzuges leisten viele un serer Siedler im Nachal Dienst als Fallschirmjäger. Fedayim-Gruppen gelingen Sprengstoff-Anschläge auf die Wasserrrohrleitungen und Sabotageakte auf die Telefonleitung vor der Siedlung. Wir erleben es als be glückte Zuschauer, wie Zahal den Gaza-Streifen besetzt. 1957: Un-Streltkräfte über nehmen die Wacht an der Waffenstillstandslinie. Als einziger „Zwischenfall“ die ses Jahres ist zu vermelden, dass wir in einem Fussbillmatsch mit 1:0 gegen kolumbianische UN-Soldaten siegen. 1958: Am Jom Haatzmaut gerät der Traktor auf eine Mine. Der Traktorist Jochiel wird schwer verwundet von indischen Soldaten ins UN-Krankenhaus nach Raffia gebracht. Eines seiner Beine muss amputiert werden: er wird dann nach Tel Aviv transportiert. Der Traktor und der Anhänger sind völlig zerstört. 1959: Die Infiltranten kommen wieder und stehlen dies und das, z. b. Bewässerungsrohre und landwirtschaftliche Geräte auf den Feldern, die sie zugleich abernten. Zwei von ihnen, einer davon ein schwerbewaffneter Araber, werden gefasst, nachdem wir ihnen einen Hinterhalt gelegt haben. TJnd 1960: Immer wieder Diebstäle der Infiltranten. Und wir fragen uns: wie lange soll das noch so weitergehen? Die Siedler Sjn Haschloschas sind nicht zu vtrken wohl sie heute gut hebräisch sprechen, hat ihr Iwrit doch weiterhin unüberhörbare spanische Nebenklänge .und von Fall zu Fall wechseln sie ins Spanische über, wenn sie sich miteinander unterhalten. Ferner — sie sind hier im Land die einzigen Sachkenner und geschworenen Liebhaber der südamerikanischen Fussballer. Ausserdem — abends wenn sie beieinander sitzen, schlürfen sie aus getrockneten, ausgehöhlten Kürbishälften Mate, das berühmte, südamerikanische Nationalgetränk, mit zierlichen silbernen Röhren, Schluck für Schluck. Aber ich rate gut: wer Mate nicht gewohnt ist, versuche sich lieber nicht daran, wenn er sich kein Bauchgrimmen etc. zuziehen will. Ja, dies Ejn Haschloscha! Es gibt buchstäblich keinen Diplomaten aus Südamerika oder andere illustre Gäste von dort, die dem Ort nicht die Ehre ihres Besuches antun; er hat sich, möchte man sagén, in eine Zweigniederlassung des süd-1 amerikanischen Judentums j verwandelt. Wandert jemand; von dort ein, harren seiner keine Verwandten in den! Städten, oder glaubt er j nicht, sich anderwärts im! Le ade wohler zu fühlen, so : kommt er unweigerlich hierj her und bleibt zumindest soj lange, bis er sich im Staate Israel heimisch fühlt. j Selbstvei’ständlich regnet e? dauernd Besuche von Familienangehörigen. Mancher Stesseufzer entlockt diese Fülle von Besuchern den Chawerim im geheimen, aber sie führen keine Klage — sie wissen als gute Zionisten nach ihrer Erziehung und als gute Juden, die das Gebot der Gastfreundschaft hochhalten, was sich ziemt. Die Siedlung gehört zu den sieben Kibbuzim — und wie überhaupt alle im Landessüden — hat auch Ejn Haschloscha seine Tagessorgen. Die Dürre hat jetzt Winter hindurch so schweren wirtschaftlichen Schaden angerichtet, dass er durch alle Subsidien besonders hier, in einem rein auf Landwirtschaft angewiesenen Meschek, nicht ausgeglichen werden kann. Im Zusammenhang damit Steher die nicht weniger drükkenden finanziellen Schwierigkeiten, die teilweise mit den unzureichenden Zuwendungen aus dem Entwicklungsbudget Zusammenhängen. Das führt zu immer weiterer Verschu.dung, und damit natürlich zu immer neuen Defiziten. Hinzu tritt endlich der Mangel an Menschen. Auch aus Ejn Haschloseha sind manche Chawerim fortgegangen — und nur ein halber Trost ist es, wie Jehuda Kirschenzweig hii zufügt, dass sie wenigstens nicht ausgewandert sind. Nebenbei bemerkt liegt der Grund hier nicht in wirtschaftlichen, sondern in sozial-gesellschaftlichen Komplikationen. Lenn vielfach handelt es sich bei den Siedlern von Ejn Haschloscha um Söhne oder Töchter wohlhabender Eltern, die bereit sind, ihren Kindern I die Stadt ziehen. Häufig j sind die Siedler auch frühe- ■ re Akademiker oder ausgej bildete Fachleute mit Diplom. Zw'ar hat §idh der j Fortzug in der letalen Zeit j gelegt, und doch wären neue Arbeitshände hoch er- | wünscht. I In Ejn Haschloscha lebt j übrigens auch ein Arzt, Dr. I Jizchak Arkader, der in! Brasilien einer der Führer des Haowed Hazioni war. I Er ist indessen dem Bezirk Ider benachbarten Kibbuzim zugeteilt und gibt .am Orte selbst nur dann ärztliche Hilfe, wenn Not am Mann ist. Wie das gekommen sei, will ich wissen. Er lächelt nur: „So ist es sympathischer, der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande”. Im übrigen wird Dr. Arkader als Siedlungsmitglied tagtäglich zu den üblichen Arbeiten herangezogen. Nur dass er einen Jeep zur Verfügung hat, deutet j auf seine besondere Funk- . tien hin. j Jehuda w'anderte vor sie-' ben Jahren ein. Auf die | Frage, wie sich Ejn Hasch-! lcscha in diesem letzten j Jahr entwickelt habe, ant-; wortet er: „Nun, nicht j schlecht. Wir bauten einen neuen Speisesaal, nach zweijähriger Arbeit haben wir ferner unser Schwimmbassin fertiggestellt — es hat einen Umfang von 26 mal 11 Metern —, einen Getreidespeicher haben wir gebaut und ein neues Haus für die Schule, die Industriewerkstätten von Ejn Haschloscha erweitert und in der Milchproduktion der Kühe Rekorde geschlagen. Vor allem aber auch — vier Hochzeiten fand statt und acht Kinder wurden geboren. Ejn Haschloscha kann jetzt auf 70 Kinder blicken.” Als ich mich am Vorabend ihrer Zehnjahresfe^r von den „Südamerikanern von Ejn Haschloscha” verabschiedete, gaben sie hÜi* ■ ir - ATTENTAT AUF SYNAGOGE Johannesburg. — Terroristen verübten einen | Dynamit - Anschlag auf | die hiesige Synagoge.! Die Polizeibehörden teil- I ten mit, dass niemand ' verletzt w'urde. Das Büro der Synagoge wurde I völlig demoliert, und ] das Gebäude weist er- | hebliche Schäden auf. : Die Explosion war so stark, dass die Fensterscheiben im Umkreis von drei Häuserblocks platzten. (ITA) folgende Mahnung mit auf den Weg: „Schreib in Deiner Zeitung, dass wir nicht nur feiern, um uns zu erbauen, sondern auch, um aller Welt in Israel und in der Gola aus diesem Anlass zu demonstrieren, wie sehr wir auf weitere Menschen angewiesen sind. Dass wir die Jugend aufrufen, mit oder ,Zionut’ zu uns und in sämtliche übrigen Kibbuzim zu kommen. Schreib es!” Was hiermit geschieht. Wieder „Aktien Siiknezeichen” Athen. — ln dem mazedonischen Marktflecken Ser- ‘ wia, der 1942 während des Krieges von Italienern eingeäschert worden war,, wurde eine grosse Zisterne an die Gemeinde übergeben. Die Zisterne wurde im Rahmen der von der Evangelischen Kirche in Deutschland geförderten „Aktion Sühnezeichen” in siebenmonatiger freiwilliger Arbeit von 35 jungen Deutschen errichtet. Die Zisterne stellt ■ die Wasserversorgung sicher. Die deutschen Freiwilligen haben ausserdem m4)irere Musterhäuser in Seis wia gebuat. <AW£) Ein wichtiger UN-Beschluss Vereinte Nationen*. — Die UN unternahmen einen „Riesenschritt” —■ wie einige Delegierte es ausdrückten — zur Verhütung der Art von religiöser Diskrimination, wie sie in Russland geübt wird, wo die religiöse jüdische Erziehung verboten ist. Die Massnahme trägt die Form einer Resolution, die von der aus 12 Mitgliedern bestehenden Subkommission für die Verhütung von Diskrimination und den Schutz der Minderheiten mit 11 Stimmen angenommen wurde. Die Sowjetunion enthielt sich der Stimme. Der praktisch einstimmig gefasste Beschluss proponiert eine internationale Konvention gegen die Diskriminierung in der Erziehung, die u. a. alle, die sie unterschreiben, zur Schaffung von „getrennten.Erziehungsanstalten aus sprachlichen oder religiösen Gründen verpflichtet oder zur Unterhaltung von Institutionen, die eine Erziehung bieten, welche den Wünsche der Eltern oder des gesetzlichen Vormunds der Schüler entspricht.“ Die internationale Konvention, die 90 -Tage, nach Unterfertigung (und Ratifizierung) durch zumindest drei Länder in Kraft tritt, ist von der UNESCO aufgesetzt worden. Nach den vorgesehenen Bestimmungen würden sich die Unterfertiger bereit erklären, erstens „das Verständnis, die Toleranz und Freundschaft unter allen rassischen, religiösen oder nationalen Gruppen” zu fördern, zweitens das Recht aller Angehöriger nationaler Minderheiten anzuerkennen, das sich auf das Gebiet der Erziehung, ein: schliesslich der Unterhaltung von Schulen, bezieht. Nach der sowjetischen Verfassung sind die Juden eine nationale Minorität. (ITA) M Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 Silla inútil ZU VtlKWl- UflCll auiu, imcil nmuciu-j «---=■- 7,TT\*rnA Vj 2 “ ¡ ~ *>o I Zunächst dies — ob-zu helfen, wenn sie nur in i Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Kivauavia y-