Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1843 (10.1.1961)
- Date
- 1961-01-10
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/9616703-9612115-9612134--1019-9612142- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V * § £ O! fl M « «C C FRANQ JE O P/.,;aDC Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXII. BUENOS AIRES. MARTES 10 DE ENERO DE 1961 El o 1643 EL EJEMPLA en toda la Republic '4. Buenos Aiies PUEVRREDON 2190 19 T. E. 83 . 2613 uq. Am 15 März 1939 besetzte« die Deutschen das noch verbliebene durch den Vertrag von München ohnehin zum Tode verurieiHe liumpfgebiet der tschechoslowakischen Republik. Not h zwei Tage vor dieser Besetzung war es einer Gruppe aus Brünn gelungen. die Alija anzutieten und nach Deberwindung vieler Hindernisse. aber noch immer im Frieden, der zwar kein Frieden mehr war. die Küste Palästinas ZU erreichen. Die nächste Gruppe, die bereits zur Auswanderung registriert war, konnte die Tschechoslowakei nicht mehr veilassen. denn die Nazis unierbanden im Augenblick der Besetzung jede Alija. In Hangen unu Bangen verbrachten diese Menschen 18 schwere Monate unter der Feilsche des Hitierreginiesl Bis zum 1. September 1939. den; Ausbruch des zweiten Weltkrieges. der mit Hitlers Angriff auf Polen begann war von einer Auswanderungsmdglicbkeit keine Rede. Erst nach der Zeriramj pelwig Polens Hess sich Adolf Eichmann herbei, eine Registrierung von Juden zum Zweck der Uebersee- {vandenir.g zuzulassen. Diej ser Zustimmung war ein Machtkampf zwischen der Wehrmacht und der Fartei vorausgegangen. Die Vertreter der Armee wollten die Juden nicht auswandern lassen. Sie führten Argumenie an. die wehrfähigen Männer würden sich sofort zum britischen Heer meiden. Zum Glück für den bereits lang registrierten Transport siegte in dieser Auseinandersetzung die allmächtige NSDAP, die auf der Vertreibung der Juden bestand. Mit einem ausgeklügelten System von Rassengeselzen hatte man. gegen den Willen der Tschechen, die Juden ihrer Bürgerrechte beraubt. sie von den Arbeitsplätzen aus Handel, Industrie und den freien Berufen verdrängt, sich durch rücksichtsloseste Arisierungsmetboden und durch offenen Raub ihres Vermögens bemächtigt. Dies alles genügte den ..Herren der Well“ noch nicht. Bevor sie die paar Juden, die mit dem Mute und der Ausdauer, die Verzweiflung geben kann, »m ihre Alija kämpften, entJies-en, hatte die Gestapo es fertig gebracht, diese Menschen im wahrsten Sinne des Wortes bis sum letzten Holler auszupumpen. Als öi< Auswandermigsbewilligung endlich gegeben wurde., war kein Schiffsraum aufzutreiben. Keine Reederei der Welt war bereit ihre Schiffe für eine Fahrt nach Palästina zu vermieten, denn dies bedeutete ja die Beschlagnahme uno somit «len Verlust des Dampfers, wie auch die fnm-nierung von Kapitän und Mannschaft. Fin rumänischer Kaufmann der Kommerzialrat ©ertbold Storfer, hatte es I verstanden, mit Eichmann I in Verbindung zu treten und I duichzusetzen, dass Geld I aus den gesperrten Bank- I guibaben der einst vermö-; genden tschechoslowakij bencinander lagen. Die Versorgung mit Wasser und Lebensmiltein war schon von Wien aus völlig unzureichend. Und trotzdem gaben diese Ischen Judenheit zum An- | auf Hungerration gesetzten | kaut von Schiffen freigegej Menschen an den „Perd-; ben wurde. Pierr Steifer i scho“-Transport, den sie j bi achte es fertig, mitten im ¡mitten auf «1er Donau, bei : Kriege von der Reederei! Rusczuk, ohne Nahrung i Argei inos in Athen drei! antrafen, noch einen Teil! Schilfe zu kaufen und daj ihrer Lebensmittel ab, und j mit die grösste Alijagruppe j erlebten ein paar,Tage spä-! durch das Schwarze Meer j ter die Freude, den vorsinti bis an tlie K üste des Heilii Hut Hohen Rad-Dampfer im ■ gen Landes zu bringen. j Hafen von Tulcea zu sehen,! Am 1. September 194© * wie er dem Schwarzen j machten sich die Trans- Meere zusteuerte, i poi1 gruppen auf den Weg.! Von Rusczuk aus setzten I Aus Bratislava (CSR) | die Dampfer ihre Fahrt fort i brach endlich die Prager | Ueber 3500 Menschen waren Makkabi - Hecbaluzgruppe | auf vier kleinen Flussdampanf. die dort seil Mitte De- . fern zusammengeferchl. ln zember 1939 festsass, und | Tulcea warteten die Hoehfuhr die Donau abwärts. Die j Seeschiffe der Reederei Av- Tiansporte aus Brünn. Prag I gerinos. Sie führten die dem Altreich und aus Dan- I stolzen Namen „Pacific“, zig traten arn 2. September j „Atlantic“ und „Canisfeay“ die Reise an, bestiegen in | waren aber nichts anderes, Wien die Donaudampfer, j als alte kaum noch seetiiehweiche sie bis Tulcea nach tige Getreidefrachter, die Rumänien brachten. Diese man -durch Einbau von Dampfer hatten die Aufga- Holzregalen, für den Masbe. als Rückfracht Volksj sent.ransport hergerichtet deutsche aus Rumänien I hatte. „heim ins Reich“ zu brin- I Schon im Donauhafen gen. Selbstverständlich bej Tulcea, nachdem der tschezablten die Juoen Hin- und . ehoslowakische Transport Rückfahrt der Schiffe. Die ^je „Canisbay“ bestiegen Donaudampfer, die für kur- | hatte, begann diese zu sinze Vergnügungsfahrten ein- I ken. Um Mitternacht mussgerichtet waren, wurden so j ttn die Menschen das voi¡gepfropft, dass die Pas- Schiff verlassen. Frierend sagiere wie die Heringe nevor Nässe, Kälte, Ungewiss- , heit und Hunger zitternd, ' standen sie bis zum Morgengrauen am Dooauufer. Bevor die Hafeoieuerwehr von Tulcea das Schiff leerpumpte. musste die Hälfte des Transportes., an 400 Männer. Frauen und Kinder in leerstehende« ratienverseuehten Geireidemagazinen Quartier beziehen. Die anderen mussten aufs Schiff i zurück. Der Verkehr zwischen den beiden Gi nppen konnte nur durch Bestechung der Polizei aufreebterl)aiten werden. Nac-h I71ägigem Aufenthalt wurden die Insassen der Magazine aufgefordert, das seeuntüchtige Fahrzeug zu besteigen. Das Schiff hatte inzwischen seinen Namen geändert. Aus der „Canisbay“ war die „Milos" geworden. Von ihrem Mast wehte die Flagge von Panama. Durch das alte Leck in der Scbiffswand rieselte noch immer das Wasser. Die Pumpen arbeiteten Tag und Nacht, um es zu beseitigen. Da sieh die Menschen weigerlen, nochmals auf dies Wrack zu gehen, brachten die Rumänen eine Maschinengewehrabteilung in Feuerstellung. Ohne Nahrungsmittel, mit knapper Kohlenreserve und ohne Trinkwasser, fuhr das i Schiff aus. Der griechische j Kapitän, G. Papastratopoulos, ein braver Mensch und! echter Seemann —, heute in Haifa — hochgeschätzt von den Passagieren seines Schiffes, fühlte dieses Schiff ohne Navegat.ionsinstrumente, nur .mit, sechs griechischen Matrosen, ohne einen zweiten Offizier an Bord, der ihn hätle ablösen könne». durch das Gewirr der griechischen Inseln. Mit letzter Kraft erreichte die „Milos“ den Hafen von Limasol auf Zypern. Die „Atlantic“ und „Pacific“ hatten keine Kohlen mehr. Sie verfeuerten iure Bettgestelle und jedes Stück Holz, dessen sie habhaft werden konnten. Ein jüdischer Kaufmann in Limasol bezahlte die Kohle für die Transporte, der Joint versorgte sie mit Lebensmitteln. Menschen, die während der Fahrt starben, wurden in Säcke gehüllt, die mit Eisenstücken beschwert, ins Meer versenkt wurden. Auf der „Pacific“ und ..Atlantic“, wo viele ältere Menschen den Transport unter diesen unmenschlichen Bedingungen mit machten, hielt der Tod reiche Ernte. „Am 2. und 3. November 1940 wurden die „Pacific“ und die „Milos“ in den Hoheitsgewässern von Palästina von britischen Polizeibooten aufgebracht und nach Haifa gebracht. Am 23. Jahrestag der Balfour - Deklaration verweigerte die Mandatarmacht den Juden, die sich de Urteile für Neonazis Wien. — Mehrere Tage dauerte der Prozess gegen zehn Personen, die vor einem Wiener Geschworenengericht wegen neonazistischer Umtriebe angeklagt waren. Diese zehn Personen, waren cNe „Elite” der „Nationalen Jugend”, die seit ungefähr 1952 mit der Polizei und den Sicherheitsbehörden ein Katz-und-Maus- Spiel trieben. Sobald einer ihrer zahlreichen Jugendbünde nach den Bestimmungen des Vereinsgesetzes wegen Uebertretung der Satzungen durch neonazistische Betätigung aufgelöst wurde, gründeten sie sofort einen neuen Verein mit einem unwesentlich geänderten Namen. Ungehindert setzten diese Unentwegten ihre Tätigkeit fort, bis wieder ein Verbot erfolgte, worauf sie dann wieder einen neuen Verein gründeten. In ihren zahlreichen Broschüren und Zeitschriften brüsteten sie sich ihrer Erfolge und zeigten der von ihnen verführter Jugend ihre Verbindungen mit ausländischen Faschisten-Organisationen auf. Die HJ gehörte der „Braunen Internationale” an, aus deren Reihen im Jahre 1959 ein „Welttreffen der Nationalen Jugend’’ unter der Patronanz des ägyptischen Diktators Nasser geplant war. Sie wollten auch in Eurooa »in* Organisation nach dem Muster des Ku- Kluz-Klan gründen. Bei ausländislhen Tagungen internationaler Faschisten _ Oganisationen waren die Angeklagten die Repräsentanten von Oesterreich. Konrad Winiseh wurde sogar zum ersten Sprecher des „Kameradschaftsringes Nationaler Jugendverbände” Deutschlands und Oesterreichs. Was in diesem Prozess übersehen wurde, war die Tatsache, dass die „Heimattreue Jugend” (HJ) und ihre gegenwärtig angeklagten zehn Rädelsführer die Grenzen zwischen Oesterreich und Deutschland nicht zur Kenntnis genommen und die HJ gaumässig auf Deutschland und Oesterreich aufgeteilt hatten. Seit mehreren Jahren haben die IPN als einzige Pressenachrichten auf das Treiben und Wirken der Angeklagten und der von ih nen vertretenen Organisationen aufmerksam gemacht. Es kam in diesem Prozess auch wenig zum Ausdruck, wie weit es den Angeklagten gelungen war, ahnungslose Jugendliche durch einen falschen Nimbus, basierend auf Schlagworten und Nachahmung von Einrichtungen eines von der gesitteten Welt als verbrecherisch verurteilten Regimes, au verführen, Aber auch die im „Freundeskreis der Nationalen Jugend” beheimateten Hmtermänner der verführten Jugend, kamen bei der Verhandlung nicht zu ihrer wirklichen Geltung. Mit Ausnahme einiger Wiener Zeitungen verschwieg der Grossteil der Provinzpresse diesen Prozess oder brachte eine Berichterstattung von drei Zeilen, aus denen kein Mensch klug wurde. Dabei wäre es gerade für diese »Provinzzeitungen, die doch immer wieder ihr demokratisches Bekenntnis betonen, eine Gelegenheit gewesen, die Mitglieder der aufgelösten HJ in der österreichischen Provinz über das wahre Gesicht dieser Organisation aufzuklären. Dies umsomehr, als im Gerichlssaal mit Erlaubnis des Richters ein Tonbandgerät von der HJ-Prominenz aufgestellt wurde, das die Aeusserungen der Angeklagten aufnahm, (Wenn unangenehme Fragen vu*n Richter oder Staatsanwalt gestellt wurden, wurde das Gerät abgeschaltet.) Pie Angeklagten zeigten vor Gericht keinerlei Reue, sie stellten sich dumm und waren am Ende über die Milde der Urteile selbst über-, rascht. Dass diese Urteile keinerlei Einfluss auf eine Wiederbetätigung in „nationalen” Jugendkreisen haben werden, und dass demnächst eine neue Organisation die Tradition der verboten*« HJ vir Hitler gerettet, halten, den Boden des. Landes zu betreten. Sit mussten auf ihren Schiffen bleiben, bis sie in kleinen Gruppen auf die ..Patria“ gebracht wurden, um mch Mauritius deportiert zu werden. Die Demonstrationen des Jischuw wurden mit Polizeigewalt niedergeschlagen, über die Stadt Haifa ein Ansgeh verbot verhängt. Selbst der Hungerstreik auf der „Palria“ blieb ohne Erfolg. Am 24. November lief auch die „Atlantic“, die lange im Mitteimeer herumgeirrt war, irr, Hafen ein. Die Passagiere der „Pacific'’ und „Milos“ waren bereits auf der „Fatria“ interniert. ..Am 25. November in den frühen Morgenstunden, begannen die Engländer auch die „At.lantic“- Leute auf die „Palria“ zu schaffen. Gegen 200 von ihnen waren bereits an Bord, als sich um 9 Uhr eine Explosion auf der „Palria“ ereignete. ln wenigen Minute« legte sich der 17.000 Tonnen-Dampfer zur Seite. Ueber 300 Männer, Frauen und Kinder fanden den Tod in den Welfen. Hunderte von Verwundeten schleppten sich an den Strand. In den Abendstunden des 25. November eskortierte die britische Polizei eine lange Autobuskoionne mit den Ueberlebenden der „Pat.ria“ durch die menschenleeren SH $ ssen von Haifa nach dem Konzentrationslager AtHt. Die Passagiere der „Atlantic“ wurden zuerst in Masra interniert, kamen dann für 2 Tage ebenfalls nach Atlit und wurden von dort vor den Augen der entsetzen „Patria“-Leute, am 17. Dezember 1940, unter Anwendung brutalster Gewalt nach Mauritius deportiert. So endete der heldenhafte Versuch dieser Alija, noch mitten im Kriege Menschen aus Europa zu retten. fortsetzen wird, steht ausser Zweifel. Bei den Verhafteten wurden mehrere antisemitische Druck- und ‘Hetzschriften sowie reichhaltige nationalsozialistische Literatur gefunden. Als nach der Urteilsverkündung der Staatsanwalt Melnicky die Vernichtung der beschlagnahmten Naziliteralur verlangte, erhoben sich sowohl die Angeklagten als auch die Freigesprochenen und verlangten ihre Bücher als Eigentutm zurück. Die Delikte, deretwegen sie angeklagt und vor Gericht gestellt worden waren, sahen im Sinne des Paragraph 3 g des Verbotsgesetzes Strafen zwischen sechs Monaten und zwanzig Jahren vor. Auf Grund eines aussei’ordentlichen und für viele Anwesende und weite Teile der Bevölkerung unverständlichen Milderungsrechtes, wurden der Chef der HJ, Konrad Windisch, wegen nationalsozialistischer Betätigung zu neun Monaten 'Kurt Kacerovsky wegen desselben Deliktes zu acht Monaten Kerker verurteilt. Der Angeklagte Alfred Honkisz erhielt nur wegen Diebstahls und Vergehens der Geheimbündelei drei Monat*. Die anderen Angeklagte« wurden freigesprochen. (KPN) Registro de la PropieiUd inteleetusi No imereuo so 1* äbkpwsta PÖLICH.DTA --- $%rieate* Neues Programm für die Jugend Jerusalem. — Das Erziehungsmin.isterium plant gemeinsam mit der Jewish Agency die Schaffung einer neuen Abteilung für die Ausarbeitung eines Programms, welches die Ausbildung von jüdischer Jugend aus Uebersee in israelischen Hochschulen und Universitäten ermöglichen soll. Hiervon machte Erziehungsminister Abba Eban vor dem Zionistenkongress Mitteilung Eliahu Dobkin verwies darauf, dass von den. zwei Millionen jungen Juden im. Ausland, nur der vierte Tejíais Mitglied jüdischen Organisationen angehören. Rabbiner Simon Federbusch, der Repräsentant des Misrachl Hapoel Hamisrachi, klagte über den Mangel an Geldern für die Jüdische Erziehung unter dev Juden im Ausland. (ITA)