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Jüdische Wochenschau · 1960-12-30 · 1840 (30.12.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1840 (30.12.1960)
Date
1960-12-30
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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EJEMPLAR» en toda la República^ - Buenos Aires PUEYflREDON 2190 1* iiq. FRANQ JEO P/.ví ALIO TARIFA REDUCIDA Cuniesion 1629 T. E. 83 2613 Año, xxi buenos aires, viernes an de diciembre de i960 No 1640 Die Ergrcbung Adolf Eich Manns ist nicht das Werk eines einzelnen, souuei n vitit »Hissten lange Ja ln t Zusammenarbeiten, um. dieses Krieg werbieebeis endlich habhatt, hi weiden, eihiaruauf emer Pi essekenieienz im JaU VVaschem-Geoäuoe in Jerusalem Aichitekt Simon "Wiest nthai, der heule 52jäh- »ige Gilinder "der Jüciischhistoiiscben Dokumenten- Aentrak >n Linz. die dort bis 3ÜJ65 bestanden hat und di- »en ltichis Aktenmateria! Jad Wasenem ii bei geben wuiv.o. Der jji'tktor von Jad Wa schern-, Dr. Kubovy. bestätigte, dass das von VN iesenthiii gesammelte Material als wichtiges Beweismatenal der Anklage >m Eichnr.ar.n- Prozess zur Vertilgung gestellt wuide. Simon. \\ iesenthal war selbst in 13 KZ-Lagern inhaftiert und wurde siebenmal ..btlieit zuietzt am 5 Mai 1945 in iVlauihausen, von wo aus er in die Dienste des amerikanischen Kriegsverbrecher-Armes trat. Im August 1945 hörte Wiesenthal erstund g von Adoli Eichniann und seinen Vei >- rechen. Di, eisten genauen Angaben über das Verbleiben Eichmnr.ns stammten von einem. Obersturmbannfiihi'er Hoettet. d e dieser am 2. Mai 1945. m AH Aussee zu Protokol’ gegeben batte. Im Zuge der nürnberger Prozesses Märte sich mehr und mehr die Rolle Dehmanns als eines der Hauptakteiue der Jude,.vt ,-nichtung. Durch die Angaben eines Obergtui mbarmfühiers Scheide wurde bekannt dass Eichmann u»lvr dem Namen Ett- |uanr als Lultwaiiensoldat Im amc iranischen Kriegsgefangene niagtr Deggendorf in Bayern diei Wochen inhaftiert war, ater dann bei Aufi'ä umungsarbehen flüchten knnnie. Ende 1946 nahm die von ¡tViesenthal gegründete jüdisch-historische Dokumentationszentiale in Linz selbständig die Fahndungen nach von unserem Sonderkorrespondenten i j Eichmann aut und stellte liest, dass Eichmanns Eltern ¡und Biiider noch Ende 1945 lin Linz ansässig waren. Eich. mann selbst halte das falsche Gerücht ausgestreut, ¡dass er in Saiona geboren ¡sei und hebräisch und jididjsch verstehe, damit die Ju- : den es nicht wagen sollten, jihn zu täuschen. i Frau Vera Eichmann liess sehen Betätigung iiufnam. jwie Dr. Kästner s. A 1946 in Basel Herrn Wiesenthal erzählte Der Stellvertreter 'Eichmanns in der Slowakei jWisliceny zeigte sich aber,; um seinen eigener Kopf zu retten, erbdtig. neun ehemalige Geliebte Eichmanns, von ' einem Dienstmädchen bis zu j einer ungarischen Baronin i namhaft zu machen, in de- 'sieh in Ah.Ausset rn Oester- Iren Besitz Bilder Eichmanns reich unter ibiem Mädchennamen Liebei registrieren und bezeichnet e sich als Volksdeutsche aus Budweis. In Alt.Aussee lebte Flau Eichmann mit ihren Kindern nicht zufällig, trenn dieser Ort war als letzte AlpenfesUing der Nazis vorgesehen und auch die Familien Kallenbrunners und anderer Naziführer waren hier ansässig. 1947 reichte Frau Eichmann beim Bezirksgericht von Bad Jschl eine Todeserklärung ihres Gatten Adolf Eichmann ein. gestützt auf die eidesstattliche Versicherung eints Soldaten Karl Lukas, der bezeugte, gesehen zu haben, dass t mann am 28. 4 1945 in Prag; gefallen sei. Wiesenthal protestierte sofort beim Geiicht in Ischl gegen den Antrag und erbrachte binnen drei j Wochen den Beweis, dass Lukas der Schwager Eichmanns war und seine Aussage unglaubwürdig sei. Die Todeserklärung wurde annulliert. was insoiern wichtig war. da ja alle Nachforschungen nach einem Toten zum Zwecke seiner gerichtlichen Verfolgung sofort eingestellt worden wären. Der meineidige Schwager Karl |zu vermuten waren, und so i gelang es dem heute in Tel ¡Aviv lebenden Manns Dia- rnant nach eineinhalbjähriger Bemühung, ein 18 Jahre ¡alles Bild Eicbmamis bei einer seiner Freundinnen in der Nähe von Linz zu entdecken. 1948 eruierte Wiesenthal, dass Eichmann mit beträchtlichen Fonds mehrere neonazistische Aktionen in Oesterieich finanzierte und zu Sylvester 1949 meldete sich Eichmann bei seiner Familie in Alt-Aussee 211 einem mitternächtlichen Besuch an. Das Haus wurde von Freunden Wiesenthals umstellt, ¡Eicbmann näherte sich auf Eich- ¡Pa- 4—500 m und dann passierte ein ..Malheur", über das sich Wiesenthal nicht äussern wollte, und Eichmann konnte nochmals entwischen. Eichmann witterte selbst ständig Verrat und äusserte Für einen Zusammen mit den Häuptern der katholischen und protestantischen Kirche und auch nach seiner Ergreifung den Verdacht, dass ihn sein Stellvertreter Biunner „verkauft " habe. Brunner lebt heute unter dem Decknamen Dr. Georg Fischer als Coca- Cola-Vertreter in Damaskus, Rue Hariri 9. Nach 1949 wurde es klar, dass Eic-bmann aus Deutschland und Oestereich entflohen war. VV iesenthal stellte nun fest, dass es folgende Fluchtmöglichkeiten für ehemalige Nazigrössen gab. die sich in einer Geheimorganisation „Odessa” zusammengeschlossen hatten. «Odessa ist gleich Organisation der ehemaligen SS -Angehörigen): Nach dem Orient über die Rote Halbmond-Organisation des Aegypters Dr. Ismael Hassan oder durch eine Hilfsorganisation fiir von Tito verfolgte kroatische Priester, die durch einen Volksdeutschen Bischof Hudal ebenfalls in Rom vertreten wurden. Hudal arbeitete mit einem Kapuziner zusammen. der in seinem Kloster in der Via Siziliana in Rom ein Flüchtlingsasyl unterhielt und mit einem Pater Weber der vatikanische Flüchtlingspässe ausstellen konnte, die von Spanien und südamerikanischen Staaten anerkannt wurden. W iesenthal eruierte nun. dass der damalige Mufti von Jerusalem sich bei dem New York. — „New York Times” berichtete aus Kai- 10. dass ..Nasser ei klärt hat. wenn die VAR sich davon überzeugt, dass Israel eine Atombrmbe herstelit. so würde dies den Beginn des Kiieges zwischen uns und Isiae] bedeuten."' Er kündigte an. die VAR werde in Israel einmarschieren. um „die Basis der Aggression zu zerstören, bevor diese gegen die VAR benutzt wild. Nasser hat ferner gedroht, die VAR mit Walten von anderen Nationen auszurüsten, obwohl er keine Quellen nannte. Nasser sprach bei einer Veianslaltung zur Feier des 4. Jubiläums am „Tag des Sieges'", der in Erinnerung an den Rückzug der englisch-lranzösischen Truppen aus Suez.. im Jahre 1956 begangen wird. Er führte aus, dass die VAK. Israel als erste angreifen werde, wenn sich hei ausstellen sollfe, dass die Lsraelis eine Atombombebauen. Die- Menge schrie ..Nieder mit Israel”. Nasser schloss Frankreich in seine Drohungen ein und fuhr fort: ..Wenn es. wahr ist, dass Frankreich Israel bei der Erzeugung der Atombombe geholfen hat oder helfen wird, so bedeutet dies Kijeg." Hierauf wandte er sich gegen die NATO, die er als den. Feind Nr. I seines Landes bezeichnete, weil sie Frankreich mit Waffen versorge, um die Algerier zu morden, und nunmehr daran gehe. Israel mit Atombomben zu beliefern. ..Wir werden nicht ruhen", wetterte Nasser, „bis wir Hussein 'gegen den er ebenfalls zu Felde zog), diesen Agenten des Kolonialismus vernichtet haben werden." Er behauptete, dass die USA und Grossbritannien sich des jungen Königs bedienen, um den arabischen Nationalismus zu bekämpfen, und dass die USA ihm für seine Dienste 4 Millionen Dollar in Form von Anleihen gezahlt haben. UTA) Lukas lebt übrigens heute in ,dem Leiter der Moslems in Prag als Beamter im tsche- Frankreich richtete Oberrabc-trschen Landwirtschaftsmibiner Jacob Kaplan kürzlich ■ rurterium. erklärte Herr .einen Appell an General de VV iesenthal. Anfang 3947 gab es noch immer kein Bild Eichmanns, der Tobsuchtsanfälle bekam, wenn man ihn fotografieren wollte und Fotoapparate ¡zertrümmert bat, als man ihn während seiner nazistiferiisc parif! _ Die algerische Rebellenorganisation hat die jüdischen GemeindeUibrer in Algier beschuldigt, „an den kolonialen Verbi echen beteiligt zu sein, die gegenwärtig in unserem Land verübt werden.” Dit- Anklage ei schien in der Rebellenzeitung „El Moudjanid", die einen Artikel über die „Haltung der Revolution ’zu den Juden” veröffentlichte. In diesem Artikel wird behauptet, die führenden jüdischen Persönlichkeiten Algiers hätten die jüdischen Algerier irregeführt und sie dazu veranlasst, sich nicht am Kampf Üir die nationale Befreiung zu beteiligen." Weiter schreibt das Bla», die jüngsten C.Vmmunieiues der jüdischen Führer, die wegen der Schändung und Zerstörung der Grossen Synagoge von Algier protestieren, haben sich dieses Arguments zu Zwecken der Kolonialpropaganda bedient, um Juden und Mohammedaner zu entzweien.” Die Rebellenzeitung fordert die Juden Algiers auf, die ersten zu sein, die sich der nationalistischen algerischen Organisation bei ihrer Forderung anschliessen, dass eine internationale Kommission entsandt werde, um eine unparteiische Untersuchung über die letzten Vorfälle du.chzuf¡ihren. UTA) Gaulle und die Aufständischen in Algier, sobald wie möglich den. Krieg in Algier zu beenden. Es sei dies eine Forderung der Humanität, erklärte Dr. Kaplan. Im Aufruf wird General de Gaulle ersucht, Massnahmen zu treffen, um den Folterungen ein Fndc zu setzen. In Algier fand eine Kundgebung anlässlich des 6. Jahrestages des Aufstandes statt. Vorsitzender war der Delegierte deGaulles, Delouvrier. Die Trikolore wurde bei drei Särgen von in dieser Woche gefallenen Soldaten, einem Katholiken, einem Moslem und einem Juden, aufgepflanzt. Der Oberrabbiner von Algier war ebenfalls anwesend und sprach mit den anderen geistlichen Führern die Gebete. Oft v erden israelische Diplomaten gefragt, warum Israel, das sonst immer auf der Seite der .freiheitlichen Bewegungen stehe, über Algier keine offizielle Meinung äussere. In Kairo wird diese Haltung dazu benützt, am zu erklären, Israel stehe eben auf der Seit« der Imperialisten. Eine Reihe der neuen afrikanischen und asiatischen Staaten fallen auf diese Unterstellung herein. Für Israel hat das Verhältnis Algier-Frankreich keine theoretische Bedeutung. Israel unterschreibt ohne weiteres das Prinzip der Selbstbestimmung; jedoch steht für Israel die Frage der Selbsterhaltung in vorderster Linie. Israel trat für die Befreiung Libyens, Marokkos und Tunesiens ein mit dem Ergebnis, dass diese Länder dem antiisraelischen Block der Araber beitraten. Gerät auch Algier unter den nasserischen Einfluss, so bleibt ganz Nordafrika für eine jüdische Tätigkeit verschlos. sen. Die afrikanischen Staaten sollten dabei berücksichtigen, dass die Araber in Afrika Eindringlinge sind. Die Araber haben Nordafrika mit Gewalt erobert und dort die Sklaverei eingeführt. Nasser ist nach seinem Werke „Die Philosophie der Revolution” bereit, diese Geschichte zu wiederholen. Israel will hierzu nicht die Hand bieten; deshalb ist es nach den gemachten Erfahrungen auch nievt bereit, jetzt in den Unabhängigkeitskarnpf von aussen einzugreifen, sondern vielmehr die Regelung tßs Verhältnisses Frankreich und Algier selbst zu überlassen Sohn seines Lehrers, eines in Deutschland befindlichen Arabers nach Eiehmann erkundigte. Daraus ging hervor, dass Eiehmann nicht nach dem Orient entflohen war. Eichmanns Frau und Kinder hatten inzwischen Oesterreich verlassen, aber die Kinder hatten keiae Schullabgangszeugnisse mitgenommen, woraus Wiesenthal richtig schloss, dass die Familile nicht nach Spanien übersiedelt war, wo man wie in ganz Europa, zur Wiedereinschulung solcher Dokumente bedurfte. So fiel der Verdacht auf Südamerika. Und nun tauchte ein österreichischer Baron bei Wiesenthal auf und zeigte ihm einen Brief eines deutschen Beraters der argentinischen Peron - Regier rung. In diesem Brief vom August 1953 hiess es, dass Eiehmann sich in der Nähe von Buenos Aires befindet und dort in einem Wasserwerk arbeite. Ende 1953 aber wurde es Wiesenthal klar, dass durch ein offizielles Auslieferungsbegehren nichts erreicht werden konnte, ein Verdacht, der sich auch später bestätigte, als Argentinien die Auslieferung des Naziverbrechers Mengele an die Deutsche Bundesrepublik verweigerte. Dr. Kubovy, der in der fraglichen Zeit als israelischer Botschafter in Buenos Aires wirkte, lehnte es ab, auf die Frage zu antworten, ob der israelischen Bot. Schaft etwas über den Aufenthalt Eichmanns in Argentinien bekannt sei. 1954 gab Wiesenthal auf Bitten des israelischen Botschafters in Wien Arie Eshel einen Bericht über seine Nachforschungen, in Sachen Eiehmann nach Jerusalem, und 1955 übermittelte er sein Material an Jad Waschern. Bis August 1959 ruhten dann alle weiteren Bcmmbungen, bis das Gerhent aultauchte, Eiehmann sei wieder in Oe. sterreich, das sich aber als falsch erwies. Ebenso erwies sich das Gerücht, Eichmanß sei in Damaskus, als unbegi ündet. Im September 1959 verstarb die Stiefmutter Eichmanns, und die Gattin Eich» manns beging die Unvorsichtigkeit. die Todesanzeige in einem oberöstererichi» sehen Blatt mitzuunterzeichnen, woraus hervorging, dass sie die Beziehungen zur Fa« milie nicht gelöst hafte. Zwar behauptete ihre Mutter, Frau Marie Liebei im Odenwald. dass ihre Tochter Vera wieder geheiratet habe und zwar einen Mann mit eL nem englisch klingenden Na« men Clems oder so ähnlich. Im Januar 1960 setzte siel» eine israelische Gruppe mit Wiesenthal in Verbindung, zunächst in Sachen Mengele», und im März 1960 konnte nochmals wichtiges fotografisches Material beigebracht werden, das zur klaren Identifizierung Eichmanns führte. So schloss sich der Ring um Eiehmann, dem er rächt mehr entrinnen konnte. Abschliessend wies Simon Wiesenthal daaruf hin, dass zwar viele Menschen hier Zusammenwirken mussten, dass ihm aber nicht bekannt sei. dass Tuvia Friedmann in Haifa von Wien aus, wo er zunächst tätig war, Material zur Ergreifung Eiehmann» beigebracht habe. Mit der Ergreifung Eichmanns hören die weiteren Nachforschungen nach Nazi- Kriegsverbrechern nicht auf. Erst am Vorabend von Rösch Haschanah gelang es, auf Grund von Wiesenthals Nachforschungen einen gewissen Rokita. in Hamburg; dingfest zu machen, der.allein 5.000 Juden ermordet Ihat, in jenem Bezirk uan Lemberg, in welchem 600 OOf Juden ermordet wurden. Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.SÄ Impreso en la Imprenta POLIGLOTA «— Corrientes ^11* ^0417902

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