Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1838 (23.12.1960)
- Date
- 1960-12-23
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO 8 ®?!* Concesión 908 H £ h U « < o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES VIERNES 23 E>£ DICIEMBRE DE I960 No, 163b EL EJEMPLAR» ea lode la República jj «■ Buenos Aires PUEYHREDON 2190 19 Uq. T. E. 83 . 2613 Deutschland und Israel (Fortsetzung von Seite 1) die israelischen Kernfor- ^eher Gelfgenehit, in Franktekh zu studieren, und Israel sei laufend von den wich, ♦igsten französischen wissen- Inhaltlichen En ungenschaflen und Erfindungen unterarichtet worden ATOM-REAKTOR IN DER IMEGE W-WUESTE; Jerusalem. — Ministerpräsident David Ben Gurion 8e<ite mit, dass Israel $nnen Heuen Atommeiler im Negew inam. Er betonte allerdings, dass der Reaktor nur friedtiehen Zwecken dienen soll •*mä fügte hinzu, ..wenn .der #tau febtiegestellt ist, wird die Atomanlage den Wissenschaftlern aller Länder of- #en stehen“. ' Auf die Anfrage eines Ma- |»ai-Abgeoidneten entgegnete fic •n Gurion: ..Bekanntlich £at;en wir mit Hilfe der SA-Regierung einen kleiden -Atomreaktor zu Schu- «mgszwecken in Nabi Rubin erstellt, dessen Kapazität i.®00 kW beträgt Für die Ein israelisches ¡Wort i Tel Aviv — Auf Vorschlag eines jungen israelischen Wissenschaftlers ist sum ersten Male ein he- »räisches Wort in die intet nationale wissenschaftliche pysikalische Nomenklatur aufgenornmen worden, lieber Aufforderung der Universität von Kalifornien Vorschläge lür ein neues .Wort, das ähnlich der Bezeichnung „supersonic” zur ■Kennzeichnung von Geschwindigkeiten dienen soll, ie grösser sind als die des ichtes, schlug der israeli- ■ho Wissenschaftler das lWort „superoric“ vor, das l&uch durch eine speziell eingesetzte Jury angenommen Wurde. ,.Or” ist die hebiäi- $che Bezeichnung fiir Licht, ♦AWZ) ,Entwicklung des Negew, die wir als unsete vordringlichste Aufgabe im nächsten Jahrzehnt betrachten, haben wir ein weites Forschungs- I Programm aufgeslellt. Zu ¡diesem Zweck wurde in Beer Schewa von uns das Institut^ fiir die Erforschung von. Wüstengebieten gegründet, und wir sind auch dabei einen Versuchsmeiler mit einer Kapazität von 24.000 ¡kW zu erstellen, der den Beleih fnissen der Landwirt- | schaft.' der Volksgesundheit ¡und Wissenschaft dienen ¡wird, und den israelischen ¡Forschern und Technikern für den Bau eines mäebtigeien Atomreaktors in der Zukunft die nötigen Erfahrungen vermitteln soll.“ .,Der Versuchsreaktor, den wir im Negew errichten, dürfte in 3 bis 4 Jahren fertjggesteUt sein“, fügte Ben Gurion hinzu. „Ich betone, dass dieser Reaktor ausschliesslich friedlichen Zwecken dient. Seine Konstruktion f geschieht unter Leitung israelischer Fachleute, und wenn er fertig gestellt sein wird, so wird er den Spezialisten aller Länder zu Studienzwecken zur Verfügung stehen.“ Ben Gurion erwähnte, dass der im Bau befindliche Atommeiler dem ähnlich sei, den Indien mit Unterstützung der kanadischen Regierung errichtet hat. Der Minist ei Präsident erinnerte im weiteren an seine Erklärung in der Knesset, dass Israel das erste Land sei, welches die Abrüstung im Mittelosten gefordert hat. Hierbei wies er darauf hin, dass dieses Verlangen ausgesprochen wurde, noch bevor vor dem internationalen Forum über die allgemeine Abrüstung debattiert wurde. Zu den wiederholten Behauptungen, Israel baue einen Atomreaktor zu Angriffszwecken, erklärte Ben Gurion kurz, dass sich diese Nachrichten „unabsichtlich oder bewusst auf falsche ’Quellen stützen.“ (ITA) r- Um die Memoiren Eiefomanns Tel Aviv. — „Es ist viel Wahres an den Memoiren ’.¡chmanris, die die Zeitschi ift „Life“ veröifentlieht hat, ber sie enthalten auch viele Entstellungen. Der Text ist tark gekürzt und verworren. Aber ich bin sicher, dass Life“ die Artikel über Eichmann guten Glaubens geruckt hat”, erklärte der Kölner Anwalt, Dr. Robert Seratius. nach seiner zweiten Unterredung mit seinem Dienten. Servatius besuchte Eichmann am Vor- und lachmittag des gleichen Tages. Ein israelischer Beamter wohnte den Zusammenkünften bei. Eichmann zeigt keine Reue, so berichtete Servatius, enn er ist der Ansicht, dass Worte des „Bedauerns” über eine Taten kindisch wären. „Man kann nicht so etwas un und nachher sagen ,ich bedauere es’,” soll Eichmann eäussert haben. Servatius fügte hinzu, Eichmann sei berzeugt, die Befehle seiner Vorgesetzten gutgläubig auseführt und nur seine Pflicht erfüllt zu haben, „aber man at den Eindruck, dass der Mann die Wahrheit sagt”, bemerkte Servatius. Eichmann ist ruhig. Er liest viel, hauptsächlich Romae. Bisher hat er rund 4.000 Seiten seiner Memoiren gechrieben und alle Blätter gezeichnet. Ueber das Copyight für „Life” befragt, entgegnete Dr. Servatius, Eichlann habe bisher die Papiere noch nicht gezeichnet, denn ie müssten erst dem Büro des Staatsanwalts vorgelegt /erden, doch er werde sie später unterschreiben. (ITA) Es gibt wohl weder auf israelischer noch auf deutscher Seite Menschen, die so ¡naiv sind oder waren, zu ¡denken, dass die Annäherung Deutschlands und Israels eine Angelegenheit, sei, ¡die unter Ausseraehtlassung ¡der Vergangenheit mit gut- I gemeinten Aktionen oder ¡Verträgen hergestellt weiden ¡kann. | Es gibt eigentlich zwei ¡Gruppen von Menschen die die Annäherung erschweren. Die einen, die giauben. dass man nie mit Deutschen und Deutschland Beziehungen haben könne und dürfe, und die anderen, die der Ansicht I sind, man könnte die JBezie- I Lungen herstelien, wenn die ¡JHden einmal endlich .-„vergessen“ könnten. Gerade die. jjenigen, die guten Willens I sind, die Beziehungen zwischen, dem anständigen Deutschen und dem Juden, der zwar nicht vergessen kann, aber trotzdem aus humanistischen Gründen nicht hassen und nicht Hass fortpflanzen möchte, auf anständiger menschlicher Basis neu zu schaffen, sind sich be wusst. dass dies nur Schritt für Schritt geschehen und auch nur eine Frage von Generationen seii. kann. Fiir den jüdischen Menschen in Israel war es ein gutes Zeichen und ein Schritt, vorwärts in dieser Beziehung als der staatliche israelische Rundfunk an einem Samstagvormittag aus den Werken Kurt Tucholskys gesendet hat, und sehr vielen Tausenden. die Ignaz Wrobel, Theobald Tiger, Peter Panter kannten, — Pseudonyme, unter denen Kurt Tucholsky schrieb — war das ein Klang aus der Vergangenheit, in der Juden die reiche deutsche Kultur mitschufen. Für die vielen, die dies nicht kannten, war es eine gute Lehrstunde jüdisch _ deutschen Schaffens, Am meisten begriisste man es vom jüdischen Standpunkt aus, dass der israelische Rundfunk einen Ausschnitt aus deutscher Literatur geben konnte. Aber nicht so angenehm berührten einen die Zeitungsüberschriften „Deutscher Experte für Kühlhausbau erwies sich als unfähig“, im Falle eines Dr. Dennis, der unter Vorspiegelung von Fachkenntnissen sich eine Spezialistenstellung in Israel verschafft und sich danh als vollständig imfähig herausgestellt hatte. Wenn aber in Stuttgart die Zeitschrift „Neue V\ eltschau“ einen Bericht publiziert über ein angebliches Zusammentreffen eines Bonner Sonderbeauftragten mit Ben Gurion zu dem Zweck, dass frühere Nazis* die jetzt wichtige westdeutsche Persönlichkeiten sind, im Eichmann-Prozess geschont werden sollen, d. h. dass eventuelle Enthüllungen Eichmanns unterschlagen werden müssten, so bedeutet das eine solche Beleidigung der israelischen Justiz, dass man diese eine Zeitungsente nur mit Verachtung stillschweigend von M. KILA] übergehen sollte. Da es sich ¡aber im Falle Eichmann um einen Prozess handelt, bei dem sowohl die jüdische wie auch die nichtjiid.sce Welt mit Spannung jede Kleinigkeit aufmerksam aufnimmt und notiert, musste das Aas. senministerium Israels durch seinen stellvertretenden Leiter, Gideon Raphael, ein scharfes Dementi vei lautbaren. Es ist ganz klar, dass die Zeitungsente dieser wenig seriösen Zeitui g eint sehr faule Ente war. E..- gibt aber Menschen in Israel, die sich ¡fragen, geht es dieser Zeitjschrift vielleicht garnicht darum, Israel in den Augen der Weit zu diskreditieren, umsomehr, da ein ernstzunehmendes, sehr vielgelesenes und weitverbreitetes Woebenmagazin in dieser Beziehung ein guter Lehrmeister gewesen ist. Nach der Verhaftung Eichmanns hatte dieses behauptet, dass Ben Gurion einen Eichmann- Schauprozess zu dem Zweck veranstalten wolle, um von Deutschland noch grössere Reparationszahlungen zu bekommen. Wenn solche Journalisten viele gutgemeinte Bestrebungen auf beiden Seiten durch solchen aus den Fingern gezogenen Quatsch nur schwieriger gestalten, und gerade in einer Zeit, wo einige Gruppen Jugendlicher aus Deutschland in Israel sehr freundschaftliche Aufnahme fanden, worin man einen Schritt vorwärts in der Gestaltung freundschaftlicher Beziehungen sehen konnte, so ist das bedauerlich und verwerflich. Bedauerlich ist es auch, wenn israelische Zeitungen dicke Schlagzeilen bringen, „Israelisches Aussenministerium hat kulturelle Beziehungen mit München abgelehnt“ und wenn dies hervorgerufen wurde durch Menschen auf beiden Seiten, die ohne jeden Zweifel nur gute Absichten hatten, Und deren Briefwechsel entweder verfrüht war oder von der Presse unkontrolliert und unau. torisiert veröffentlicht wurde. Zeitungen brachten in Israel den Briefwechsel des Münchner Bürgermeisters mit dem Jerusalemer Bürgermeister Isch Schalom über die Herstellung kultureller Beziehungen zwischen München und Jerusalem, Sehr viele Zeitungen brachten diese Nachricht ohne Kommentar. Der Haaretz polemisiert dagege in einem kultivierten Ton gegen Beziehungen Jerusalem-München. Er lässt die Fragen der Juden in Deutschland aus, sagt aber: „Der Bürgermeister Jerusalems muss wissen, dass die Tore Israels und erst recht Jerusalems noch nicht fiir solche Beziehungen offen sind. Niemand von uns kann verlangen, dass wir vergessen sollen, was die Deutschen uns angetan haben. und nur allein deshalb, weil 15 Jahre verflossen sind, kann rnan keine solchen Beziehungen ankniipfen Es ist gut, dass die Frage so in der Oeffentlichkeit behandelt wui de. Sollen d/ese diese Deutschen, die glauben, dass wir Hitlers Massaker vergessen hsben, an unsere wahren Gefühle erinnert werden.“ Die Diskussion in der Oeffentlichkeit über München hatte auch politische Hinter, gründe. Als die Ausschnitte laus der miineheuer Jüdischen Zeitung bekannt wurden, war der Biii^errreister lisch Schalom in Ferien. Die |Cherut und die Poale Aguriat (Israel sammelten Unterschriften für Einberufung ■einer Stadtverordnetenversammlung. Bei der Sitzung ¡erklärten sie. Bürgermeister ¡lsch Schalom hätte kein ¡Recht gehabt, sich in Dinge ¡einzumischen, die ganzstaatlich zu regeln sind. Biir_ germeister Isch Schalom erklärte, dass er aus Höflichkeit dem münchener Bürgermeister ein zu nichts vei- .pflichtendes" Antwortschreiben geschickt habe. Er war ¡auch der Meinung, dass die Herstellung von Kulturbeziehungen die Sache der Abteilung für Kullurbeziehungen iim Auswärtigen Amt sei und ¡die Stadt Jerusalem selbst |habe keine Absicht,, sich mit ¡der Angelegenheit weiter zu befassen. Es ist klar, dpss solche missglückten Verhandlungen keinesfalls zu einer Verbesserung der Atmosphäre in den Beziehungen zwischen Deutschland und Israel führen. Es ist kein Zufall, und sicher ist es politisch ange.- bracht und klug gewesen, dass einige Tage nachher Dr. Schinar, der Leiter der Israel-Mission in Köln, sich veranlasst sah, der weit verbreiteten Abendzeitung „Mariw“ ein ganzseitiges Interview zu geben. In diesem In. terview versucht Dr. Schinar in grosser Offenheit mit viel Material und Ziffern die Illusionen, die auf beiden Seiten vorhanden sind, zu zerstören und die jetzigen Beziehungen Israel-Deutschland im richtigen Licht darzustellen. Dr. Schinar geht in diesem Interview auf die Vorgeschichte des Haagener Vertrages ein, gibt das historisch-dramatische Gespräch der Begegnung Adenauers und Mosche Seharetts wieder und zeigt, wie die Deutsehen achteinhalb Jahre den Vertrag gehalten und ihre Verpflichtungen erfüllt haben (was man anzuerkennen den Mut haben soll, ohne dass man aber verpflichtet ist, den Deutschen dafür ein besonderes Lob zu zollen) Dr. Schinar glaubt, dass die Zahlungen Deutschlands an Israel sich auch ohne die Schilumim entwickelt hätten, wenn auch untef viel grösseren Schwierigkeiten. [Diese fast bistoi isehe Dar. Stellung des anerkannteu Wirtschaftlers und versierten I Diplomaten ist besonders hervorzuheben, da die Version, Deutschland habe Israel mit den Zahlungen wirtschaftlich gerettet, meistens von Israelgegnern und geschulten arabischen Propagandisten im anti-israeli. sehen diplomatischen Kampf gebraucht wild. Dr. Sch.nar macht in diesem Artikel kein Hehl daiaus, dass er bei der’ deutschen Regieiung als höchstrangiger Diplomat Israels akkreditiert ist und sein diplimatiseher Staius und seine Rechte tüeseibeii sind wie die der anderen akkreditierten Diplomaten. Dr, Schinar glaubt nicht, dass die Beziehungen und insbesc nceie die freundschaftiichen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel davon abhängen, ob es einzelne wollen oder nicht ¡sondern dass dies ein sehr ¡langer Prozess ist und die Normalisierung soJclier BeiZiehungen nur stufenweise I und Schritt für Schritt hergesteltl weiden kann. Er rgiaubt nicht an künstliche! Hilfsmittel. Er stellt mit Zufriedenheit lest, dass man sagen kann, wenn man rückschauend die Situation analysiert, dieser Prozess hat sich bis "-jetzt zufriedenstellend abgewickelt. Er glaubt ferner, dass in der Frage der Entwicklung der diplomatischen Beziehungen die Zeit das ihrige tun wird Das Interview von Dr. Schinar war sehr aufschlussreich, hat aufklärend ge. wirkt, und sicherlich werden viele in Israel nach Lesen dieses Artikels dem Ruf der Vernunft und der sehr abgewogenen Politik der Is~ rael_Regierung und ihres akkreditierten Diplomaten in. Bonn, Dr. Schinar, eher folgen als den sensationellen 'Zeitungsüberschriften, Es wäre gut, wenn man auch in Deutschland wissen würde, solche Zeitungsenten, wie diein der „Neuen Weitschau’V nicht nur nicht zu beachten, sondern zu missachten, damit jenen Kräften und Menschen, denen das Wohlwollen und die Beziehungen der bei. den Staaten am Herzen liegen, nicht durch unverantwortliche Journalisten, die an sich schon genug schwierige Mission noch schwieriger gemacht wird. Beteiligung an Konferenzen Singapore. — Israel beteiligt sich an zwei internationalen Gummikonferenzen, die in Singapore und in Kuala Lumpur (Malaya) stattfinden. Die erste wird sich mit Standardfragen und Verpackung befassen, während die zweite eine ausgesprochene Studienkonferenz ¡1st. (AWZ) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 imnreto eu la Imnrenta POLIGLOTA — Corrientes 3114