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Jüdische Wochenschau · 1960-11-04 · 1825 (4.11.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1825 (4.11.1960)
Date
1960-11-04
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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4* ** M 2 © «4 .9 Olfl U «4 « < ü fHANQJEO PAVIADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 4 DE NOVIEMBRE DE 19 1960 No. 1825 EL EJEMPLARh en toda la Republies y - Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 Uq. T. E. 83 . 2613 GlilStlSC N AM WERK von KURT KAISER.BLUETH Die faschistische Internationale war gewiss niemals tot. aber sie ist in letzter Zeit um ein Beträchtliches aktiver geworden. Die Verbindung zu den isolierten fa_ schistjschen Gruppen in Europa und auch ausserhalb Europas ist wieder engmaschiger geworden. Die relative Passivität der Malmöer in den letzten Jahren war vor Allem die logische Folge eines chronischen Geldmangels Jetzt sind die Manager wieder flüssig geworden, und die Kuriere sind lebhaft nach allen Teilen der Welt unterwegs. um neue Giftsaaten auszustreuen. Viele Fäden führen in das Spanien des Generals Franco, der, trotz aller Atlantikpakt- Ambitionen, gar nicht daran denkt, seine privaten Passionen fallen zu lassen und auf_ zuhören, gegen die „degenerierten Demokratien“ zu intrigieren. In Spanien, manchmal auch in Tanger, sitzt ein alter. sturmerprobter SS-Held, der Mussolini-Befreier Skorzeny. Skorzeny ist ein aktiver und erfolgreicher Geschäftsmann, der viel auf Reisen ist und offensichtlich in rauhen Mengen Geld verdient. Aber der merkantile Dynamismus ist nur ein Deckmantel Skorzeny arbeitet für Malmö und träumt weiter davon, in näherer und fernerer Zeit wieder einmal den „Befreier“ zu spielen. In Spanien sitzt auch der Faschistenführer Degrelle, der in der Vorkriegszeit in Belgien Führer des „Rex“ war und mit seiner SS-Division “Wallonie“ in Russland mit Hitlers Soldaten für den Triumph des Faschismus gekämpft hat. Aus Hitlers blutbefleckten Händen erhielt Degrelle das Eiserne Kreuz an die Brust geheftet. Die Justiz seines Landes verurteilte den Verräter zum Tode, aber es gelang ihm ebenfalls, nach Franco-Spanien zu entkommen. Degrelle hat heute nicht nur einen spanischen Pass, er hat drei Pässe und wechselt diese Papiere nach praktischer Notwendigkeit aus. Er verfügt über enorme Geldmittel und ist, unter wechselnden Namen, oft mit dem Flugzeug unterwegs. „Der schöne Léon“, wie ihn die Damen des „Rex“ schwärmend zu nennen pflegten, betätigt sich zwar auch geschäftlich, aber das bringt ihm in Wahrheit nicht sehr viel ein. Die Arbeit für Malmö ist lukrativer. Zur Zeit reist Degrell mit einem argentinischen Pass, so raffiniert gefälscht, dass er praktisch echt ist, oder auch so raffiniert echt, dass man ihn für falsch halten könnte. Die technischen Details sind ohne Bedeutung. Degrelle hat Beziehungen, er hat noch [ niemals einen Unfall bei seinen Reisen gehabt. Weder i Zöllner, noch Polizisten neh- ■ men ihn beim Wickel. Man; sagt, dass er der Leiter der gesamten propagandistischen j Arbeit der Malmöer Internationale in französischer Sprache sei. Degrelles Aufgaben sind mannigfaltig, und er meistert sie nicht ohne Geschick. Er lanciert die antidemokratischen und antisemitischen Hetzzettel, die die tragenden Slogans des internationalen Faschismus nach Frankreich und Belgien bringen sollen. Er hat auch die Sparte,, Hilfe für gefährdete Gesinnungsfreunde“ unter sich und organisiert das Herausschleusen gefährdeter Agenten in die letzten verbleibenden Staatsbastionen des Faschismus. Er ist auch Spezialist für „psychologische Kriegsführung“ gegen die Demokratien. Er legt die Minen, die die antiparlamentarische Stimmung, die immer latent ist, verstärken sollen, er muss, durch direk- I te und indirekte Einwirkung, (alles'unterstützen, was nach (Diktatur, Einschränkung der Freiheit und Auflösung der Demokratie strebt. Malmö ist heute beunruhigend solvent, und diese Solvenz hat eine sehr triftige Ursache. Den nach Südamerika emigrierten Nazis ist es gelun-! gen, einen Teil der gerettetlien Brillanten, Juwelen und Nach den Wahlen in Brasilien Rio de Janeiro. — Dr. Gerson Berger, der Präsident der Zionistischen Organisation von Rio de Janeiro, und Francisco Silbert wurden bei den letzten Wahlen in die Deputiertenkammer gewählt. Die Endresultate zeigen, dass die noz-ifreundliche Partei, „Partido Integralista ", im ganzen Lande nur 26.000 Stimmen erhielt, so dass sie keinen einzigen Abgcr .'neten in das Parlament entsenden kenn. Die Föderation der jüdischen Gemeinden Brasiliens sprach dem gewählten Präsidenten Janio Quadros offiziell ihre Glückwünsche aus. Quadros wurde während der recht heftigen Wahlkampagne von den Kommunisten beschuldigt, ein Antisemit zu sein. Er wies diese Anwürfe zurück und erklärte hierzu, er plane, die traditionelle freundschaftliche Politik Brasiliens zu Israel fortzusetzen. Der scheidende Präsident Juscelino Kubitsehek hat angekündigt, er wolle Israel nach Ablauf seines Mandats besuchen. (ITA) Goldsachen, die man den gemordeten Juden und anderen liquidierten Gegnern des Regimes in Milliardenwerten in ganz Europa abgenommen hatte, in gute Devisen umzusetzen. Diese Schätze waren bis vor noch nicht langer Zeit in Westdeutschland bei sicheren Gesinnungsfreunden zugriffsicher eingelagert, zum Teil auch in den Bank - Stahlkammern von Vertrauensleuten. Jetzt hat man sie ins Ausland geschmuggelt und sehr erhebliche Summen daraus gezogen. Der Transfer ging auf Umwegen, aber das Geld ist angekommen, die Bank, die, wahrscheinlich ohne jede Kenntnis der Hintergründe den Transfer '.-ermittelte, arbeitet in einem südamerikanischen Land. Vielleicht weiss Herr Rudel, eifriger Volkstribun der „Deutschen Reichspartei“ der aktiven Synagogenschänder, einiges über den finanziellen Wiederaufbau der faschistischen Zentralorganisation mit Hilfe von „Judengeldern“ aus grossdeutscher Zeit. Rudel hat bekanntlich die meisten Jahres seines goldenen Exils in Argentinien zugebracht. Was die Konspirateure von Malmö angeht, so sollte man sich ihre Tätigkeit nicht etwa romantisch vorstellen oder aus der Bürohaus - Perspektive des modernen, aber ehrbaren Kaufmanns sehen. Die Malmöer haben weder ein Büro, noch irgendeinen, wie immer gearteten Verein, nicht einmal unter einem harmlosen Tarn-Namen. Alleg geht unter der Hand, unter Deckadressen und in der verständlichen Absicht, der schwedischen Polizei, die gewiss keine besonderen Sympathien für diese Ehrenmänner hat, jede Verfolgung der Spuren unmöglich zu machen. Einige der Drahtzieher sitzen gewiss kurzfristig in Malmö, aber ihre „Geschäfte“ tätigen sie ausserhalb, und die Losungen für Propaganda und illegale Arbeit werden sozusagen auf Reisen ausgegeben. Man trifft sich im Eisenbahn-Coupe, im Flugzeug oder an internationalen Ferienplätzen, und da die Organisation dieser ambulanten Büros meist in Händen ehemaliger SS-Chefs liegt, so ist sie vorzüglich und sehr zweckmässig angelegt. Vor allem ist sie in erstaunlich raffinierter Weise den besonderen Bedingungen angepasst, unter denen die Malmöer arbeiten müssen. Sie haben wahrscheinlich die beste illegale Organisation, die jemals in modernen Zeiten existiert hat. Die Malmöer Faschisten haben nicht nur viel von den Widerstandskämpfern der im zweiten Weltkrieg unterjochten Ländern gelernt, sie haben auch in beinahe 15 Jahren eigene Erfahrungen gesammelt und sie zweckmässig in dStl r * %/" HL. ' c. Das teilweise ausgegrabene römische Hippodrom, das in Caesarea restaurier! wird ihre komplizierte Apparatur eingebaut. Dies wird ihnen allerdings reichlich erleichtert durch die zahlreichen Komplizen, über die sie in vielen Ländern verfügen. Diese Komplizen sind weit zahlreicher als es sich die ¡meisten Beobachter der unermüdlichen Wühlarbeit auch nur annä- | hernd vorstellen können. Es sind nur in den seltensten Fällen sogenannte einfache „Lampisten“, es sind häufig Männer und Frauen, die beachtliche Posten bekleiden und den Verschwörern sehr nützlich sein können. Man weiss, dass im Malmöer Organisationsstab zumindest drei ehemalige SS-Häuptlinge in leitender Position tätig sind. Keiner von diesen dreien tritt natürlich mit seinem wirklichen Namen in Erscheinung. Ihre Papiere sind falsch, sie haben sich eine falsche Vergangenheit zugelegt, die sie jederzeit mit vorzüglichen Unterlagen „beweisen“ können, -wenn es kritisch wird. Ihr Alibi ist so ausgezeichnet und lückenlos, dass es gewiss schwer sein würde, diesen Dschungel des Lugs und der Fälschung zu durchdringen. Der eine ist ein gewisser 'Lomnitz oder Lomitz, SS- Bonze aus Ostpreussen, der sich als Diplomingenieur aus Paraguay ausgibt. Dietborn oder Dieffenbarn kommt aus den Sudeten, er gehörte zum Generalstab Konrad Henleins und präsentiert sich heute als Zwiebelgrosshändler aus Istanbul. Brunner oder Börner war 1940 in Amsterdam Chef einer der aktivsten Gruppen der 5 Kn. lonne und hat sich als l'rkkenschützen gegen eie ' olländischen Truppen bei der Hitler-Invasion im Mai 1940 hervorgetan. In Amsterdam [lebte er unter Decknamen. Er arbeitete unter diesem Decknamen auch im ..Verein für das Deutschtum im Ausland“, Heute ist pr ein Däne, der in der alemannischen Schweiz und zwar in Zürich 'aufgewachsen ist.! Diese drei führenden Persönlichkeiten des Malmöer internationalen Untergrunds haben alle keinen festen und erreichbaren Wohnsitz. Sie wohnen und arbeiten in internationalen Hotels, in denen sie auch ihre Vertrauensmänner-Beratungen statt_ finden lassen, und soweit ihnen Büros zur Verfügung stehen, sind es Büros ihrer Unterorganisationen, auf die sie gegebenenfalls mit aller Vorsicht zurückgreifen können, die aber so geschickt in den Schatten zurückgebaut sind, dass es nur ein Zufall erlauben könnte, die Chefs bei einer Kontaktnahme im flagranti zu überraschen. Trotz dieser „ahasverischen“ Basis ihrer Existenz — um einen hier sehr unangebrachten alttestamentarischen Begriff anzuwenden — scheint es mit den Malmöern „aufwärts“ zu gehen. Ihre letzten Jahres-Stichrapporte, die wahrscheinlich nicht gefärbt sind, weil es keinen Sinn für sie hätte, sich selber zu belügen, sprachen eine optimistische Sprache. Hat die faschistische Renaissance wirklich begonnen? Man erfährt aus diesen Rapporten: „Frankreich: .. .Kontaktnahme im Anstieg... verstärkte Aktivität unserer Gesinnungsfreunde ...finanzielle Basis verbreitert sich, ...nach Algier - Revolution sichtbarer Auftrieb, ... antisemitische Slogans in komprimierter Kürze und Geballtheit gewinnen an Resonanz... Individualismus und Mangel an organisatorischer Klarheit Hindernis Üjr £en Zusammenschluss rivalisierender Freundesgruppen..., Verständnis für tfetrt&iilandS jhftiqBalsozIalistisdae Vergangenheit Jh rifley/ihgs sehr langsamem Ansteigen.. finanzielle Situation noch ungünstig, aber verbessert... Bedarf an zugkräftigen Losungen... Rückgriff auf Archive 1935-45 sehr lohnend..." „Westdeutschland: Handi_. cap 1945 scheint langsam im Abklingen... nur vorsich tiges, lavierendes Arbeiten möglich, da unter starker Weltbeobachtung durch internationalen Antifaschismus und Weltjudentum... Kontaktnahme sehr schwierig, weil viel Reserve... Isolierung nur schwer zu durchbrechen... in jüngster Zeit ermunternde Symptome verstärkter Aktivität... gute Stützpunkte in gewissen Verwaltungen... zahlreiche Gesinnungsfreunde von früher aus Gründen der Selbsterhaltung zur Distanz gezwungen ... trotzdem relativ günstige Perspektiven für die Zukunft...“ England: sehr schwieriges Terrain... Mosleys Arbeit ungeschickt und planlos.,., versuchen Methodik einz-ubauen, diese zu realisieren und spektakuläre Kräftevergeudung zu verhindern...: angelsächsischer konservati- 1 ver Charakter fiir Regenerierungsbestrebungen nicht sehr geeignet... finanzielle Lage bessert sich durch Son„ , derzuwendungen...“ „USA: verstärkt unterirdische Arbeit, aber sehr nachteilige Kräftezersplitterung;.., Arbeit in den politischen Parteien, weil zu interessengebunden, hoffnungslos, aber Ansatzmöglichkeiten in den lokalen Besonderheiten der Einzelstaaten gegeben... starke Einflussnahme des zahlen mässig beträchtlichen Judentums. das ausgezeichnete Schlüsselpositionen besetzt ¡hält, für unsere Arbeit sehr hinderlich... finanzielle Lage verbessert sich... Gesamtposition: positiv ansteigend ... “! „Argentinien: uninteressant vom zentralpropagandistischen Standpunkt aus, aber organisatorisch als Aus_ Strahlungsbasis ausgezeichnet ...Zellen hi Buenos Aires arbeiten gut, aber stagnieren, ...mancherlei Hfüglichkeiten für die Zukunft... finanzielle Lage nicht sonderlich, da keine Systematik in dev fijnanziellen Erfassung...“ Registro de la Propiedad Intelectual No, 666 635 an Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 8114

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