Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1822 (25.10.1960)
- Date
- 1960-10-25
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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< U FRANQUEO PAGADO Concesiva 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Ano XXI. BUENOS AIRES. MARTES 25 DE OCTUBRE DE 1960 No. 1822 EL EJEMPLAR« on toda la República y - Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? iiq. T. E. 83 . 2613 Seit einiger Zeit vergeht kaum ein Tag, ohne dass wir nicht von der Festnahme von Nazi . Kriegsverbrechern in der Deutschen Bundesrepublik hören. So wurden kürzlich zwei ranghohe Nazis dingfest gemacht, denen es gleich vielen anderen drei Jahrzehnte hindurch gelungen war, sich vor den scharfen Augen der Justiz zu verbergen. Es handelt sich um Wilhelm Koppe und Ludwig Hahn. Alle diese Verhaftungen sind rocht etwa ein Zufall, sondern sie müssen wahrscneinlich auf die Bemühungen einer neuen deutschen Institution zurückgeführt werden, die erst seit zwei Jahren besteht und Zentralstelle der Landesju. stizverwaltungen heisst. Bisher sipd von diesem Büro die Fälle von rund 350 Kriegsverbrechern geprüft worden, die ihre Delikte zumeist ausserhalb Deutschlands begangen haben. Man fragt sich oft, warum die deutsche Justiz diese Kampagne jetzt erst eingeleitet hat, nachdem der Termin für die Aburteilung so vieler Kriegsverbrechen abgelaufen ist und nur noch die abgefeimtesten Verbrevon Dr. NEHEMIA ROBINSON quidierung des Ghetto von Warschau betraut war, dass Hahn, der nicht unter seinem Befehl stand, während des Ghettoaufstandes die Massendeportationen von Warschau nach dem Todeslager Treblinka organisiert habe. Damals tauchten gewisse Beweise auf, dass General nen Gesetzen, und, auch dies von ihnen wagte, Hahn annur dann, wenn es sich her- ¡zuzeigen, ausstellte, dass der Verbre- Die Ergreifung Hahns war eher sich im Bereich der Junicht so leicht. Im Oktober risdiktion des betreffenden 1959 hörte ein hamburger Landes befand. Daher kam Geschäftsmann zufällig, wie es, dass die Prozessierung 'jemand erzählte, er habe dem Zufall überXssen blieb, 'Ludwig Hahn gesehen, „der obwohl die Gesamtzahl der ¡eines Tages den Befehl gege- ¡Stroop selbst die Deporta- Verfahren nicht gering war. Iben habe, ohne vorheriges tionen anordnete. Wie dem Die Länder hätten schon gerichtliches Urteil den Sohn jauch sei, der Fall Ludwig vorher eine gemeinsame des Besitzers einer Brauerei Hahn, der jetzt von der in Warschau zu erschiessen.” westdeutschen Justiz unter- Der Kaufmann machte hierj sucht wird, betrifft einen 'von der Zentralstelle der i der schwersten Kriegsver- Landesjustiz - Verwaltungen, brecher. Stelle zur Verfolgung der Kriegsverbrecher ins Leben rufen können, doch es bedurfte der Initiative verschiedener hochgestellter Persönlichkeiten, um die Schaffung eines Apparates „ohnegleichen” wie der obenerwähnten Zentralstelle zu verwirklichen. Und immer noch besser spät als nie, obzwar andererseits der i Aufschub vielen Individuen zugute gekommen ist, die hinter Schloss und Riegel sitzen sollten und sich nur vor dem Gefängnis retten sowie der Kriminalpolizei und der hamburger Staatsanwaltschaft Mitteilung. Als er feststellen musste, dass man „mangels Beweisen” seiner Anzeige nicht stattgab, wand, te er sich an die polnische Botschaft in Kopenhagen und ersuchte um die nötigen DER FALL WILHELM KOPPE Ein anderer höchst wichtiger Fall, der nunmehr Ak- 'tualität erlangt hat, ist der ¡des Wilhelm Koppe, eines ehemaligen Obergruppenführers und Generals der Beweise. Es vergingen MojNazipolizei, der als Wilhelm nate, doch dann kam der 'Lohmann in Bonn lebte. Als Tag, an dem die polnische j einer der Repräsentanten ei- Zentralkommission für die ner deutschen Firma von Nächster Zionisten-Kongress Jerusalem. — Eine Liste der Organisationen, die angeschlossene oder brüderliche Delegationen zum 25. Zionisten-Kongress zu entsenden wünschen, wurde nach der Tagung der Exekutive der Jewish Agency veröffentlicht, die mit dem Präsidium des Allgemeinen Zionistischen Rates eine Sitzung abhielt, um die Anträge dieser Organisationen zu approbieren. Folgende Organisationen haben ihrem Wunsch Ausdruck verliehen, angeschlossene Delegierte zu schicken: die DAIA, das Jüdische Comité von Uruguay, die Föderation der Jüdischen Gemeinschaft von Brasilien, die Jüdische Gemeinschaft Chiles, der Bund der Kulturgememden Oesterreichs, alle jüdischen Jugendorganisationen in Skandinavien und die Föderation italienischer jüdischen Jugendbünde. Die Entsendung brüderlicher Delegationen haben folgende Organisationen beantragt: die Föderation Jüdischer Gemeinden Italiens, der Board of Deputies der englischen Judenheit, der Repräsentative Rat der Juden Frankreichs, der Israelitische Gemeindebund der Schweiz, der Ausschuss der australischen Judenheit, der Kanadische Jüdische Kongress und die Sefardische 'Weltföderation. Zwi Lurie, Mitglied der Exekutive, erklärte vor dem Plenum, dass die Delegierten aus 34 Ländern sowie zionistische Organisationen an dem Kongress teilnehmen werden. Schatzmeister Dow Joseph legte einen Fünfjahresplan vor, der die wirtschaftliche Konsolidierung der neuen landwirtschaftlichen Kolonien durch die Bereitstellung von 350 Millionen IL vorsieht. (ITA) , NACH ZWANZIG JAHREN ¡der fall des LUDWIG HAHN eher vor Gericht gestellt werden können. Hierfür 'wir sprachen, geben werden verschiedene Grün- ¡über Aufschluss, de angeführt. Einer hiervon, wenigstens formellen Charakters, rührt daher, dass nur die Länder für die Ahnj Da ist Ludwig Hahn, ein. düng von Vergehen dieser ¡stiger Standartenführer und Art zuständig sind; da bis ¡Kommandant der Geheimpovor zwei Jahren kein geeig- | lizei im Ghetto von Warneter koordinierender Orga- ¡schau. Es ist interessant festnismus existierte, so handel-! zustellen, dass dieser Mann konnten, weil inzwischen ¡Untersuchung von KriegsjWeltruf warmer ein Mann die 15jährige Bewährungsfrist abgelaufen ist. I Wie war es möglich, dass I so viele Kriegsverbrecher so lange Zeit hindurch sich der 'Justiz entziehen konnten? Die zwei Fälle, von denen deutsche Zentralstelle hierum ersuchen sollte. Allerdings wurde trotz verschiehier- ¡dener Aufforderunegn das 1 Beweismaterial nicht über —* isandt. Das formelle Hindernis für ¡die Prozessierung Hahns war das Fehlen von Belastungszeugen. Acht Tage lang übertrug der israelische Rundfunk den Aufruf an I überlebende Zeugen des Massakers von Warschau, te ein jedes Land auf seine ¡bis vor kurzem in Hamburg 'damit sie gegen Hahn aussa. Art und Weise in Ueberein- 'lebte, wo er als Filialchef gen könnten. Alles war Umstimmung mit seinen eigebei einer Versicherungs-Gesonst. Schliesslich machte Seilschaft arbeitete, ohne sich j die deutsche Zentralstelle ei- —1 auch nur die Mühe zu ma- Jnen Zeugen ausfindig, deschen, seine Identität unter einem falschen Namen au verbergen. Gleich nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches war er von der allgemeinen Panik ergriffen Neue Zentralbank der VAR London. — Eine neue Zentralbank der Vereinigten Arabischen Republik für die aufs Land gegangen, um als jburg blieb und nicht einmal ägyptische Region ist auf- ¡einfacher Knecht bei einem jden Versuch machte zu ~ 1~ flüchten. Wenn wir der Ausgrund eines kürzlich in der : Bauern zu arbeiten. Damals Presse veröffentlichten Erlasses gegründet worden. Die neue „Aegyptische Zentralbank“ übernimmt die Funktionen der bisherigen Nationalbank von Aegypten. Nach dem Erlass wird die Nationalbank, die Anfang dieses Jahres nationalisiert wurde, danach weiter als Handelsbank fungieren. fAWZ) ¡änderte er seinen Namen. I Aber dieses Leben sagte ihm nicht zu, und, wie die „Frankfurter Rundschau” (am 13. Juli 1950) berichtete, wussten mirdestens hunderte ehrenwerte Männer in 'der Bundesrepublik, wer er war und wonv.t 'ucli der „ar- Ime Knecht” beschäftigt hatite, ohne dass auch nur einer verbrechen ihm antwortete, ¡von grossem Einfluss. Seine Isie halte die Unterlagen für ¡Tochter war Beamtin des Iden Fall bereit und werde j Verteidigungs - Ministeriums 'sie übergeben, wenn die ¡und sein Sohn sogar juristischer Berater des Bundestages. Die westdeutsche Illustrierte „Quick” berichtete, dass Koppe im Jahre 1930 in die NSDAP eintrat und vor 1933 schon Standartenführer in der SS war. 1934 wurde er Inspektor bei der Polizei und im Sicherheitsdienst (SD), und von da ab war sein Aufstieg in die höchste Nazihierarchie unaufhaltsam. Nach der Eroberung Polens wurde Koppe zum Polizeichef des Wartegaus ernannt und wurde somit Herr und Gebieter über 340.000 jüdische Leben. Seine „Tätigkeit” trug ihm mehrfach das Lob seines Chefs Himmler ein, denn er iwar es, der die Massendeportationen polnischer Juden seinem Distrikt lagen die Ausrottungslaegr Belzec und Kulmhof. | Die Festnahme Koppes ist einer anonymen Denunzia- , tion zu verdanken. Kurz vor Kriegsende war es ihm geklungen, sich falsche Papiere zu besorgen, die ihn fünfzehn Jahre lang schützten. Sein Name ist in vielen Kriegsverbrecher - Prozessen genannt worden, und erst vor kurzem hat Polen seine 'Auslieferung verlangt. sen Erklärungen jedoch ungenügend waren, um die Verhaftung Hahns zu gestatten. Das Erstaunlichste ist, .dass Hahn während dieser ¡miionen polnischer 'ganzen Zeit ruhig in Hamdurchführte, und in Um die Nachfolge Toledanos Jerusalem. — Polizeiminister Bechor Shitrit oder Ministerpräsident David Ben Gurion werden vorübergehend das Ministerium ...r religiöse Angelegenheiten verwalten, dessen Führung nach dem Tode von Rabbiner Jnakow Toledano vakant geblieben ist. Der neue Minister soll nach den nächsten Wahlen für das Amt des Oberrabbiners ernannt werden. Es ist bekannt, dass sowohl die Partei der Religiosnatioralen wie auch die Poalei Agudat Israel dieses Portefeuille beanspruchen. Die Mehrheit der Mapai zieht es dagegen vor. dass das Ministerium in Händen einer Persönlichkeit ohne parteiliche Bindung verbleibt. (ITA) sage seiner Frau Glauben schenken sollen, die in den tragischen Jahren von 1941 bis 1944 an seiner Seite in Warschau gelebt hat, so floh er nicht, weil er niemals einen Befehl gegeben habe, der dem Gesetz zuwiderlief. Vom psychologischen Gesichtspunkt aus ist es inter- ¡essant festzustellen, dass ¡Hahn mit seinem leitenden Posten bei der Versicherungs-Gesellschaft unzufrie-! den war und sich eine Position suchte, die ihm Befehls- 'gewalt gab. Er wurde in 'den Ausschuss einer studentischen Verbindung gewählt, ¡und dort beeinflusste er die Linz. — Der nachfolgend geschilderte Zwischenfall ist sehr charakteristisch für die Zeit, in der wir leben. Unter Aufwendung der grössten Zurückhaltung fragte eine Linzer Jüdin einen am gleichen Tisch, im Restaurant sitzenden Herrn, an dessen Finger sie ihren im Jahre 1940 in Krakau von der SS geraubten Ring erkannte: „Woher haben Sie diesen schönen Brillantring?“ Der so Angesprochene, durch die unerwartete Frage überrascht, antwortete kurz: „Den habe ich aus Polen.“ Als der Mann das Lokal verliess, rief die Frau einen I Wachmann herbei und zu dritt begaben sie sich dann zur Polizei. Dort gab der ¡Mann zu Protokoll, der Ring 'gehöre nicht ihm, sondern seiner Lebensgefährtin; diese wieder hatte ihn von ihrem verstorbenen Mann, der ¡während des Krieges bei ei- I ner deutschen Organisation in Polen tätig war, erhalten. * Frau J. E. schilderte, unter welchen Umständen ihr der gesamte Schmuck in Krakau von einem SS-Mann ¡geraubt wurde. Sie gab ih- ¡rer Vermutung Ausdruck, ¡dass nun nach Ermittlung ¡des Ringes, sich möglicherweise auch der restliche (Studenten, in strikter Beifolgung des Kodex Duelle I auszufechten. Dort tat et' sich keinen Zwang an, war ¡der Despot bis aut die Kno- 'chen und rühmte sich, dass alle ihn fürchteten.; Bei den Nürnberger Pro. jzessen erklärte der Nazige-;neral Stroop. der mit der Li- Freundschaf tsdienst für Jerusalem Bonn. — In der Sc'.nv iz haben sich Christen un 1 Juden zu einem besonderen Freundschaftsdienst für Jerusalem zusammengefunden. Sie wollen in einem neuen Stadtteil Jerusalems, in dem für die Bewohner der Elendsviertel neue, gesunde Heimstätten errichtet wurden. einen Henri-Dunanl- Parlc schaffen, der israelischer Jugend Raum für Spiel und Freude bieten soll. — Schmuck bei dem gleichen. Inhaber befinden könnte. Frau J. E. machte auch ei. ine ganze Reihe von Zeugen namhaft, die den Ring als j ihr Eigentum anerkennen ¡könnten, darunter auch ihre frühere Hausgehilfin. Der Ring wurde beschlagnahmt. | Einige Tage später wurde ¡sie zu einer neuerlichen 'Einvernahme vorgeladen, j Hier erfuhr sie zu ihrem ¡Entsetzen, dass bei der derj zeitigen Besitzerin des Ringes keine Hausdurchsuchung vorgenommen wurde. Der ¡Polizeibeamte weigerte sich I auch, den Namen des Man. nes wie auch den seiner Le»; bensgefährtin bekanntzuge- I ben, trotzdem Frau J. E. bei der Polizei erklärt hatte, sieh dem Verfahren ah. schliessen zu wollen. Aus dem geschilderten Sachverhalt geht klar hervor, dass die Polizei — ent-! gegen besserer Gepflogenheit I in ähnlichen Fällen — die notwendigen Massnahmen zur Sicherung des eventuell vorhandenen restlichen Schmuckes unterlassen hat. * f Der Vorfall hat unter den in Linz lebenden Juden, von denen viele auf ähnliche Weise Wertgegenstände ver. loren haben, beträchtliches Aufsehen erregt. (IPN' Nazi-Verbrecher hinter Gittern i Bonn. — Ein jüdischer Kriminalbeamter, dem es auch gelungen war, Eichmann aufzuspüren, hat in Zusammenarbeit mit der westdeutschen Polizei den Aufenthalt eines ehemaligen SS-Offiziers feststellen können, der der Eiehmann von Galizien genannt wurde. Wie hiesige Meldungen besagen, ist dieser Mann verhaftet worden. Der Staatsanwalt Dr. Angiburger identifizierte den Häftling als den SS-Oberstleutnant Richard Rokita. Hunderte von Zeugen sagten über die Massaker aus, die Rokita in Polen veranstaltet hat. Er wurde von israelischen Agenten gefunden, die aufgrund von Angaben des Britischen Büros für Kriegsverbrechen operierten. Sie machten Rokita in Hamburg ausfindig, wo er unter einem falschen Namen lebte. (ITA) Tegislro de la Propiedad Intelectual No. öäti t>35 Impreso en la Imprenta POIJGLOTA — Corrientes 3114