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Jüdische Wochenschau · 1960-10-18 · 1820 (18.10.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1820 (18.10.1960)
Date
1960-10-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCH JfaJènvanafe\&elUa PUEYRREDON 2190 — 1’ i*q. Año XXI. T. E. 87.2613 BUENOS AIRES, MARTES 18 DE OCTUBRE DE 1960 No. 1820 Günstiges Echo in den UN Vereinte Nationen. — Israels Prestige bei Freunden und Feinden ist durch den Eindruck gehoben worden, den die Rede seines Aussen, ministers, Frau Golda Meir, hervorgerufen hat, die sich für sofortige und bedingungslose Verhandlungen zwischen Ben Gurion und den arabischen Staaten vor dem Forum der Vereinten Nationen einsetzte. Einerseits haben zahlrei. che westeuropäische, afroasiatische und lateinamerikanische Delegierte offen, wenn auch nicht offiziell, ihr Einverständnis mit „Israels aufrechter Position”, wie sie es nannten, ausgesprochen. Sie zeigten sich nicht nur von der formellen Erklärung beeindruckt, dass Israel gewillt sei, ohne Vorbedingungen unverzüglich Verhandlungen über den Frie. den aufzunehmen, sondern seinem Wunsch, einen Nichtanzwischen Israel Araberstaaten zu auch von zumindest griffspakt und den schliessen. Die arabischen Sprecher verstärkten ihre antiisrealische Haltung. Einer von ihnen beschuldigte Israel von der Tribüne der Generalversammlung aus, „Nazigreuel verübt zu haben”. Der sauditische Delegierte Achmed Schukairy gebrauchte das Wort „Nazi” mindestens zwölf Mal. Er sprach vom „Nazi-Zionismus und klagte Israel an, sich nazistischer Angriffs-Methoden zu bedienen”. Der israelische Delegierte, Michael Comay, äusserte hierzu, Israel gedenke nicht, auf die Rede Schukairys zu antworten, da die Versammlung schliesslich seit langem „an diese Art von Anwürfen seitens des sauditischen Delegierten gewöhnt sei”. — „Wir möchten nur feststellen”, erklärte er, ,dass wir gegen jedweden Menschen Widerwillen empfinden, der irgendein Volk mit den Nazis vergleicht.” Diese Worte wurden mit starkem Applaus quittiert. ROSENNE IN DEN UN UN. — Gegen die Opposition der arabischen Delegierten vor den UN wurde Dr. Shabtai Rosenne, der juristische Berater des -sraelischen Aussenministeriums und Mitglied der Israel-Delegation vor den UN, vor einigen Tagen zum Vizepräsidenten der Juristischen Kommission der Generalversammlung gewählt. Die arabischen Delegierten protestierten heftig, doch nicht öffentlich gegen Rosennes Kandidatur für die Vizepräsidentschaft und WIE ICH ES SEHE |Das Geschäft mit dem Teufelj ....won JEHUDA GOTTHEIMER Empört schreibt ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie aus Stuttgart in einem Leserbrief an eine deutsche Zeitung: „Da ist also ein Ordinarius im Amt, der mitverantwortlich ist, mindestens 46 geistesgestörte Kinder getötet zu haben. Dieses Vorgehen war, wie Kardinal Graf Galen in seinen Predigten betonte, auch nach den Gesetzen des Dritten Reiches Mord. Und ein solcher Mann, der sein Berufsethos dermassen verriet, darf sich heute noch als „Professor” bezeichnen. Ich frage: Wie stellen sich die Fakultät, die zuständige Aerztekammer zu diesem Kollegen?” Der Briefschreiber, informierte weiter: „Als noch skandalöser, falls diese Steigerung überhaupt möglich ist, empfinde ich die klägli. chen. Rechtfertigungsversuehq des schleswig-holsteinischen Kultusministers. Catel (so heisst dieser „Professor”) habe „im sittlichen Sinne nichts Unrechtes getan”, da er aus subjektiver Ueberzeugung gehandelt habe. Da hätten wir ja gleich die Verbrecherfcande des Dritten : Reiches behalten können, die auch „aus subjektiver Ueiberzeugung” fremde Völker , überfiel und das jüdische Volk auszurotten unternahm.” — Auch die weiteren Bemerkungen des Stuttgarter Arztes, der mit erfreulicher Deutlichkeit auf die Wunden zeigt, die noch heute schwären, wären interessant genug, um sie an dieser Stelle zu wiederholen. Er verurteilt die Methode, sich auf „Lehrmeinungen” zu berufen, die eine Tötung von Geisteskranken rechtfertigen, anstatt diese Ansichten als Wegbereiter der Naziverbrechen anzuprangern. „Wenn solche Leistungen zur .Bewältigung der Vergangenheit’ am grünen Holz vollbracht werden, was soll man dann vom übrigen Volke erwarten?” Dieser Leserbrief war an die richtige Adresse, an die „Frankfurter Allgemeine Zeitung” gerichtet, die, ein Hort Rabb. M. Toledano gestorben Jerusalem. — Nach kurzer Krankheit verschied der Kultusminister Israels, Rabbiner Jaakow Mosche Toledano im Alter von 80 Jahren. Rabbi Toledano, der in Tiberias geboren wurde, war Präsident des Rabbinischen Rates von Tanger, Oberrabbiner von Alexandrien und Mitglied des religiösen Tribunals von Kairo. Später wurde er Oberrabbiner in Tel Aviv und trat im Jahre 1958 in das Kabinett Ben Gurions ein. Er hat verschiedene Werke über juristische Fragen und Bücher über das Leben der marokkanischen Juden geschrieben. An der Beisetzung von Rabbi Toledano nahmen Staatspräsident Ben Zwi, Ministerpräsident Ben Gurion, lausende Beamte, Mifglieder des diplomatischen Korps und hohe geistliche Würdenträger teil. Ben Gurion und der Oberrabbiner von Tel Aviv, Isser Jehuda Unterman, sprachen am Grabe. der Demokratie, wie sie sich selbst einschätzt, bereits in der Frage der früheren nazistischen Richter einen unhaltbaren Standpunkt eingenommen hat, worauf gerade hier in einem Artikel „Vergangenheit — unüberwunden” vor wenigen Wochen hingewiesen worden ist. Wenn man so weit geht, das Vdrliegen eines Verbrechens von der verbrecherischen Absicht des Täters abhängig zu machen, zerstört man jede Grundlage nicht nur des Rechtsstaates, sondern jeder menschlichen Gesellschaftsordnung. Mit Recht weist der briefschreibende Arzt darauf hin, dass mit dieser Begründung letztlich jede Schandtat der Nazis — und nicht nur der Nazis — zu entschuldigen wäre. Die hier geführte Debatte ist in hohem Masse aktuell. Der Prozess gegen den Massenmörder Adolf Eichmann wird diese und ähnliche Fragen aufwerfen und damit die Oeffentlichkeit aufwühlen, selbst wenn sie sich bemüht, Leidenschaften zu unterdrücken und die grausame Vergangenheit von der Warte eines Historikers zu betrachten. Wir wissen nur zu gut, dass finstere Eiemente am Werke sind, um die Grundlagen jeder internationalen Justiz zu erschüttern. Umso gefährlicher sind Stellungnahmen demokratischer Kreise, die nach Entsebulöigungs- und Entlastungsgründen suchen, wobei sie meist von praktischen Erwägungen ausgehen, um alte Wunden nicht wieder aufreissen zu müssen. So bedauerlich dies auch sein mag, dass die kaum beruhigten Leidenschaften wieder aufleben, so unvermeidlich wird es sein, die Geschehnisse in ihrer einmal?, gen Furchtbarkeit noch eindrohten, ihren eigenen Kandidaten aufzustellen. Als Israel jedoch festblieb und sich weigerte, den Namen Dr. Rosennes zurückzuziehen und von der Tribüne aus für diesen Fall zu kämpfen ankündigten, falls die Araber Protest einlegen soll, ten, brach der arabische Widerstand zusammen, und Rosenne wurde durch Ak. klamation gewählt. ARABISCHE LOGIK UN. — In seiner Rede vor den UN erklärte der irakische Aussenminister, die Ausrottung Israels sei die einzige Lösung für die Entspannung im Mittelosten. „Die Palästinafrage”, führte er aus, „kann solange nicht geregelt werden, bis keine radikale Lösung gefunden wird, und der einzige Weg hierzu ist die ausschliessliche Ansiedlung von Arabern in Palästina. Israel ist ein Fremdkörper im arabischen Organismus und hat kein Recht auf Fortbestand auf dem Boden des arabischen Orients.” Der Redner beschuldigte „gewisse Mächte”, unter denen er die USA und Frankreich namentlich nannte, Is- | rael ökonomische Hilfe zu leisten, um es zu „einer Festung gegen die Araberstaaten” zu machen. Die jüdische Einwanderung in Israel, so fügte er hinzu, beweise Israels Expansionsdrang, während die Ausbildung der UN ESTUDIO INTERESANTE Jerusalem. — El Inslituio de Fibras y Productos Forestales de Israel, dependiente del Ministerio de Industria y Comercio, realizará un trabajo de investigación por encargo del ministerio de agricultura de los Estados Unidos sobre las propiedades físicas de las fibras de algodón, en especial sobre su estructura ondular. El contrato firmado entre representantes de ambos gobiernos es por un período de cinco años. La investigación se concentrará en el problema de qué es lo que determina la onda de la fibra de algo, dón y se realizarán esfuerzos para producir fibras muy onduladas, que dan tejidos livianos y suaves y que también pueden adaptarse mejor a los nuevos métodos en la industria del tejido. La creciente competencia que enfrenta el algodón por parte de las fibras sintéticas es uno de los factores que ha impulsado a la realización de este trabajo. Según los expertos, e^le proyecto de investigación coloca a Israel en la primera línea en lo que a investigación del algodón se refiere, SCHLOMO S. TANGER Interessante Untersuchung o Jerusalem. — Das Institut für Fasern und Forstpredukte Israels, das dem Industrie, und Handelsministerium untersteht, wird im Auftrag des Ackerbauministeriums der Vereinigten Staaten eine Forschungsarbeit über die physischen Eigenschaften der Baumwollfasern, im besonderen über ihre Kräuselung durchführen. Der von Vertretern beider Regierungen unterfertigte Vertrag gilt für einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Untersuchung wird sich auf die Frage konzentrieren, wodurch die Kräuselung bedingt ist, und man wird sich bemühen, besonders stark gekräuselte Fasern zu produzieren, die leichte und weiche Gewebe ergeben und sich auch besser den neuen Methoden in der Textilindustrie anpassen. Die wachsende Konkurrenz, der sich die Baumwolle durch die synthetischen Fasern gegen übersieht, ist einer der Faktoren, die die Durchführung dieser Arbeit bedingt haben. Nach Aussage von Fachleuten stellt dieses Forschungsprojekt Israel in die erste Reihe auf dem Gebiet der Untersuchungen über Baumwolle. SCHLOMO S. TANGER israelischen Armee und ihre Bewaffnung Teil der Vorbereitungen Israels zum Angriff gegen seine arabischen Nachbarn seien. ISRAEL STIMMT FUER RUSSISCHEN ANTRAG UN. — Israel unterstützte einen sowjetischen Antrag, in der jetzigen Vollversammlung und nicht in einer Kommission über einen Bel Schluss zu debattieren, der die Beendigung der Kolonialpolitik und die Befrei ung aller abhängigen Terri torien fordert. Die USA ujk Grossbritannien hatten veargeschlagen, diesen Punkt a* die Politische Kommissiei zu verweisen. Frau Meir begründete Israels Stimmabga. be mit dem Hinweis, das: die Resolution die Zustim mung einer überwiegender Mehrheit unter den afroasia tischen Ländern habe. (ITA mal vor den Augen der Welt Öffentlichkeit zu entrollen. Nur durch letzte Klarheit und unbedingte Wahrheit wird die Vergangenheit überwältigt werden, von allen, die beteiligt gewesen sind, mögen sie nun Träger und Bestimmer eines Schicksals oder nur dazu verurteilt gewesen sein, als Opfer in einem ungleichen Kampf zu fallen. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches haben sich manche Kreise darum bemüht, die begangenen Verbrechen zu leugnen oder in ihrem tatsächlichen Umfang zu verkleinern. Zunächst wollte man „beweisen”, dass die Zahl der jüdischen Opfer nicht sechs Millionen betragen habe, sondern geringer gewesen sei. Man behauptete einfach, es waren „nur” zwei oder drei Millionen. Als würde hierdurch die ungeheuerliche Schuld „entlastet"! Die Mörder selbst haben Ziffern genannt, die über die fünf Millionen Ermordeter hinausgingen. Wir sind der Auffassung, dass die Verbrechen nicht grösser oder kleiner werden, wenn es nicht sechs, sondern nur drei Millionen Juden gewesen wären, die von den Nazis umgebracht worden sind, nur weil sie Juden waren. Leider aber sind die von den jüdischen und nicht nur von den jüdischen Stellen angegebenen Zahlen zutreffend. In Dachau wurde jüngst ein junger Mann verurteilt, :der am Ende des Hitler-Reiches erst zehn Jahre alt war. Er hatte zu einem ehemaligen Insassen des Lagers, der heute dort als Wächter tätig ist, gesagt, die Verbrennungsöfen seien von den Amerikanern aus Propagandagründen nach dem Kriege errichtet worden. Als der Wärter den jungen Mann auf seinen Irrtum hin wies, meinte dieser, dass man wohl dann vergessen habe, diesen Wärter zu verbrennen. .. Das Deprimierende an diesem Vorfall ist nicht die brutale Ansicht eines Unverbesserlichen, sondern die überraschende Tatsache, dass hier ein Mann gesprochen hat, der selbst nicht durch die braune Mühle gegangen ist, sondern seine Auffassungen erst nachher geformt hat, als bereits das Dritte Reich in Asche versunken war. Die destruktiven Kräfte, die einst ein grosses Land in den Irrsini des Massen- und Rassenhas ses stürzten, müssen als> noch wirken, sie müsse; noch Macht über Mensche: haben, die unvoreingenon men und ohne Vorurteil waren, bis sie erneut in di' nazistische Richtung gestc ssen worden sind. Ohne au einem Einzelfall verallge meinernde Schlussfolgerur] gen ziehen zu wollen, bleib diese Episode doch bezeich nend genug, u,m zu forscher aus welchen Quellen diese junge Mann seine Orientic rung erhielt, in welche: Kreisen er verkehrte, welch. Erziehung er gehabt hat um wer seine Gesinnungsgenos sen sein mögen. Man muss damit rechnen dass diese Fragen auch bein Eichmann-Prozess erneut zu Debatte gestellt werden, zu (Schluss auf Seite 2) Delegierte zum Zionistenkongress Jerusalem. — Die politischen Parteien in Israel kamen überein, die Delegierten zum nächsten Zionisten, kongress aufgrund der im vergangenen November stattgehabten Knessetwahlen zu bestimmen, wie Zwi Lurie, der Direktor der Organisations-Abteilung der Jewish Agency mitteilte. In einer Pressekonferenz gab Lurie bekannt, dass der Kongress am 27. Dezember beginnen wird und 500 Delegierte aus 43 Ländern zur Teilnahme erwartet werden. Die Judenheiten aus 34 Ländern werden durch gewählte oder ernannte Delegierte vertreten sein, während die Juden der 9 übrigen Länder durch angeschlossene Mitglieder repräsentiert werden, die kein Stinamrcht besitzen. Lurie fügte hinzu, verschiedene Judenheiten würden durch brüderliche’ Delegationen vertreten sein, über deren Stimmrecht das Aktionscomité entscheiden werde. Zu diesen Delegationen zählen die der Organisation „Jimg-Israel” in Skandinavien und anderen Ländern. (ITA)

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