Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1806 (23.8.1960)
- Date
- 1960-08-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Bericht eines A ugenzeugen JÜDISCHE UIOCH faJeétoXinjCíJsAazliia von BORIS SMOLäR Perspectivas de Autosuficiencia Tel Aviv. — "Si leñemos tranquilidad en las fronteras y una inmigración no superior a 60.000 personas por año, creo que obtendremos independencia econó. mica en 1968 ', declaró recientemente el ministro de industria y comercio, señor Pinjas Sapir. Sobre la base de las tendencias actuales el ministro predijo que en 1964 Israel cubrirá el 75 % de sus importaciones con lo que obtenga por sus exportaciones. "Tendremos un mercado ilimitado para nuestros productos en los Estados Unidos y Europa, si seremos capaces de cumplir con sus exigencias en lo que a calidad se refiere", agregó. Dijo’que las perspectivas para las inversiones en Israel han aumentado grandemente, habiéndose invertido en los primeros cuatro meses de 1960, 32,5 millones de dólares y 23 millones de libras israelíes en 124 empresas, en comparación con 9,5 millones de dólares y 23 millones de libras israelíes invertidas en 56 empresas en el mismo período del año anterior. SCHLOMO S. TANGER Die Selbstversorgung Israels Tel Aviv. — „Wenn wir Ruhe an den Grenzen und eine nicht höhere Einwanderung als 60.000 Menschen im Jahre haben, dann werden wir, so glaube ich, im Jahre 1968 unsere ökonomische Unabhängigkeit erlangen”, erklärte kürzlich Industrie- und Handelsminister Pinchas Sapir. Auf der Basis der heutigen Tendenzen sagte der Minister voraus, dass im Jahre 1964 Israel 75 Prozent seiner Importe mit dem decken werde, was es aus seinen Exporten erlösen könne. „Wir haben einen unbeschränkten Markt für unsere ”Erzeugnisse in den Vereinigten Staaten und Europa, wenn wir fähig sein werden, dessen Forderungen mit Bezug auf die Qualität zu erfüllen”, setzte er hinzu. Sapir bemerkte, dass die Aussichten für Kapitalsanlagen in Israel erheblich gestiegen seien und in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres 32,5 Millionen Dollar und 23 Millionen IL in 124 Unternehmungen investiert wurden, im Vergleich zu 9,5 Millionen Dollar und 23 Millionen IL in 56 Unternehmungen in der gleichen Periode des Vorjahres. SCHLOMO S. TANGER Wer sich ein Bild von dem Leben der Juden in Russlands unter Krutschews Regime machen will, sollte das Buch „Die Zukunft ist unser, Kamerad” lesen, das Gespräche mit Russen enthält. Sein Verfasser ist Joseph Nowak (ein Pseudonym), der Russland bereist hat und die Gelegenheit wahrnahm, sich dort mit aller Art Menschen zu unterhalten und sie auch in ihren .Wohnungen zu besuchen. Die Beschreibung, die er von der Lage der jüdischen Sowjetbürger aller Klassen gibt, ist wenig erfreulich. Nowak selbst war Zeuge einer Szene, die sich in einer Strassenbahn abspielte. Dort rempelte ein Mann einen Juden mit den Worten Russland wie USA melden neue erstaunliche Erfolge auf dem Gebiet der Raum- Schiffahrt. Schon kreist ein mit Lebewesen beladener Satellit der Sowjets um die Erde und konnte wieder lan. den, aber auch die Amerikaner haben mit ihrenForschungen überraschende Erfolge aufzuweisen. Alles deutet darauf hin, dass die Stunde naht, in der zum ersten Mal ein Mensch die Erde verlassen kann, um in die Unendlichkeit des Raumes vorzustossen. Natürlich ist damit noch nicht der Weg gefunden, die Schwerkraft der Erde zu überwinden, jedenfalls nicht für ein Raumschiff, das mit Menschen bemannt ist. Aber der erste Schritt bei diesen Versuchen dürfte getan sein, um ganz neue Perspektiven für Technik und Wissenschaft zu er. öffnen. Diese unbestrittenen Erfolge stehen aber in einem nicht zu vereinbarenden Gegensatz zu der Situation auf unserer Erde, auf der das politische Chaos in einem beängstigenden Umfang wächst. Der Genius des Menschen, der die Weiten des Kosmos » zu durchforschen und in den Weltraum an: „Du lausiger Jude, warum gehst Du nicht in Dein Israel;--mach, dass Du hier wegkommst, Du Drecks jude...”. Die anderen Leute in der Strassenbahn lachten schallend bei dieser antisemitischen Anpöbelei. Hätte jemand vor dem zweiten Weltkrieg sich derartige antisemitische Reden in einem öffentlichen Verkehrsmittel erlaubt, so wäre er auf der Stelle als Konterrevolutionär verhaftet worden. Aber heute ist das nicht der Fall. Heute, so berichtet der Verfasser, sind die Juden in der Sowjetunion verängstigt, unruhig und von Hass umgeben. Vornehme ältere Christen, zu gelangen sich anschickt, vermochte bis heute nicht, im eigenen Hause Ordnung zu schaffen. Die permanente Unruhe an verschiedenen Schnittpunkten der Interessen hält an. Der Kampf zwischen Ost und West konnte nicht in eine Bahn gelenkt werden, die auf einen friedlichen Ausgleich zwischen berechtigten und unberechtigten Ansprüchen schlie-' ssen lässt. Im Herzen Europas wird ebenso wie in Fernostasien mit dem Feuer gespielt. Druck und Gegendruck stehen in einem verhängnisvollen Wechsel und trüben den Blick für die wirklichen Aufgaben, die unserer Generation angesichts des schnellen Wachstums der Erdbevölkerung gesetzt sind. Von einem echten Fortschritt auf dem Wege der Läuterung der Menschheit und der Errichtung eines stabilen Friedens unter den Völkern kann garnicht gesprochen werden, auch wenn man mit viel Optimismus an die Bildung seines Urteils schreiten wollte. Der Prozess der Emanzipierung der afrikanischen Völker, der sich anfangs in normalen Bahnen bewegte, hat inzwischen eine chaotimit denen Nowak sprach, berichteten ihm, wie die Juden „gejagt, gestossen und von ihren Mitbürgern unter drückt werden.” Ihre Kinder wei'd?n von nichtjüdischen Kindern , mit ordinären Spottname! gerufen, erniedrigt, angespukt und tyrannisiert.” Und dabei lieben die Juden aas Land nicht weniger als die nichtjüdischen Russen und bemühen sich, für das Gemeinwohl zu arbeiten, ohne eine Belohnung hierfür zu erwarten. Nowak stellte fest, dass es heute rund 30.000 jüdische wissenschaftliche Arbeiter in der Sowjetunion gibt. Doch ihre Namen werden nirsche Entwicklung genommen. Die alten Interessen der kolonialen Mächte sind ganz offensichtlich mit dem jungen und vehementen Nationalismus der neuen Länder nicht zu vereinbaren. Die stürmische Entwicklung ist aber bereits über diese erste Phase hinweggegangen und stellt die gesamte Völkergemeinschaft vor ernste Probleme, von deren Lösung zu — einem Teil jedenfalls — heute der weitere politische Verlauf des internationalen Lebens abhängt. Die Frage, ob Kongo — um nur ein wichtiges Beispiel herauszugreifen — seine staatliche Selbständigkeit erhalten soll oder nicht, befindet sich garnicht mehr auf der Tagesordnung. Niemand bestreitet das Recht der Kongolesen auf ihre Unabhängigkeit und Souveränität. An der Heftigkeit, mit der von der ersten Regierung des Kongo auf die Massnahmen der Vereinten Nationen reagiert wird, kann man den Grad der Unterdrückung ermessen, unter welchem dieses Land bisher — wenigstens subjektiv — gelitten hat. Der Schritt von der Sklaverei zur Freiheit setzt ein hohes Mass sittlicher Reife voraus, das nach den Eindrücken, die man bei der Beobachtung dieser Entwicklung empfängt, noch nicht vorhanden ist. Die afrikanischen Völker und Stämme sind auch u” ter sich weitgehend uneinig und verfem, det, so dass es zu Zersplitterungen kommt, die es zweifelhaft erscheinen lassen, ob die meisten dieser jungen Staaten überhaupt lebensfähig sind oder nur Objekte neuer Einflussphären sein werden. Die allgemeine internationale Unruhe wird in diesen Auseinandersetzungen spürbar. Hinter den Schritten und Entsehliessungen der jungen Länder stehen die alten Kräfte, stehen gends genannt. Die Ergebnisse ihrer Leistungen werden anonym veröffentlicht, und es geschieht recht oft, dass sie unter dem Namen eines nichtjüdischen Wissenschaftlers publiziert werden, Ein jüdischer Gelehrter kann seine Arbeit nicht einfach unter seinem Namen herausgeben, sondern sie wird immer mit einem anderen Namen, gewöhnlich mit dem irgendeines russischen Wissenschaftlers gezeichnete Die Diskriminierung bei der Zulassung jüdischer Studenten ist gross, und es ist unmöglich für einen jüdischen Hochschüler, sich an einer kollektiven wissenschaftlichen Arbeit zu beteiligen, weil die anderen Studenten dies einfach nicht gestatten, wie Nowak enthüllt. Er verweist auch darauf, dass der Antisemitismus in I Sowjetrussland durch Krutschews Freundschaft mit den Arabern stark zugenommen hat. Der Autor stellt eine grosse Anzahl von Tatsachen über die Misshandlung von Juden in der Sowjetunion zusammen, die denen, die an dem Schicksal der russischen Juden Anteil nehmen, interessante Aufschlüsse geben. Das Kapitel des Buches, das über die Juden handelt, enthält Informationen, die bisher noch nicht bekannt waren. Ost wie West, die eifersüchtig darüber-..>wachen, dass keiner von ihnen ein Mitgestaltungsrecht erhält, das zu einem Uebergewicht einer der beiden Seiten führen könnte. Keinesfalls nur im Kongo können wir beobachten, wie die auseinanderstrebenden Kräfte stärker als die einigenden sind. Der Senegal hat sich aus seiner bisherigen Föderation gelöst, sodass zwei neue Kleinstaaten übrig blieben, die sich nun darum bemühen, ein Eigenleben aufzubauen. Die ungeheure Gefahr, die sich anbahnt, hat mehrere Gesichter. Die Errichtung vieler Kleinstaaten mit eigenen Regierungen, Wirtschaften,, Schulen und allen sonstigen 'Lebensäusserungen eines normalen Staates verlangt ungeheure Reserven an Menschen und Mitteln, die natürlich von aussen kommen müssen. Das hat zur logischen Folge, dass diese Län. der sich in eine wirtschaftliche und damit in politische Abhängigkeit von den grösser«! Mächten begeben müssen, wa„ wiederum eine freie, nationale Entfaltung dqr eigenen Möglichkeiten behindern wird. Der Separatismus, der dort offenkundig wird, muss den Prozess der Emanzipation und der Bildung unabhängiger Staaten, der gerade begonnen hat, aufs schwerste behindern. Er öffnet einer neuen Form des Kolonialismus oder Imperialismus alle Tore, ob nun. die europäischen 1,ander, die USA oder die Sowjetunion als die Protektoren dieser Spitterstaaten auftneten werden. Selbstverständlich spielen auch die bevorstehenden Wahlen zur amerikanischen Präsidentschaft eine Rolle in diesem unruhigen Panorama zumal der äussere Druck dieses Mal ohne Vorbehalte die Entscheidung des amerikanischen Volkes über seinen künftigen Weg belastet. In einer auch in der Form unerhörten Weise hat der grosse Polterer Krutschew in einem übertriebenen Machtgefühl zur Frage der Präsidentenwahl Stellung genommen, wobei er in der ihm eigenen rauhen Art den jetzigen Präsidenten beleidigte. Die grosse Frage, Nixon oder Kennedy, wird in der nächsten Zeit nicht nur in den USA die Gemüter bewegen. Mit Kennedy würde ein junger Mann ans Ruder kommen, mit allen Nach- und Vorteilen, die Jugend besitzt. Aber man soll sich nicht bei diesem Argument zu lange aufhalten, das nur immer dann vorgebracht wird, wenn bessere Gedanken fehlen. Noch niemals war eine Idee oder Sache besser oder schlechter, weil sie von jungen Menschen postuliert oder vertreten wurde. Und schliesslich ist die Frage der Jugend nicht allein nach den Lebensjahren eines Menschen zu berechnen... Kennedy hat schon manche interessanten Gedanken geäussert und Pläne entwikkelt, was er tun wolle, wenn er zur Präsidentschaft gelangen würde. Zu den seit vielen Jahren ungelösten Problemen unserer Zeit gehört auch die Befriedung des Mittleren Ostens, einer der berühmtesten Wetter- .ecken der Geschichte. Hier, •an ist nicht nur Israel, Bondern das ganze jüdische Volk brennend interessiert, das »ich mit Israel aufs tiefste verbunden fühlt. Gewiss herrschte seit dem erfoioi-aioV-an Sinai Feldzug eine relative Ruhe an dieser Kampffront, ohne dass es gelungen wäre, den wirklichen Frieden herzustellen, nach dem sich Israel und: manche arabischen Völker ehrlich sehnen. Die Faktoren, die eine vernünftige Regelung der offenen Fragen verhinderten, sind bekannt, sodass man sie hier nicht noch einmal zu wiederholen braucht. Immerhin kann man in diesem Zusammenhang darauf verweisen, dass die unglückselige Politik der Regierung Eisenhower-Dulles ein gerütteltes Mass an Schuld an der betrüblichen Entwicklung der israelischarabischen Beziehungen trägt. In keinem Augenblick seiner Regierung hat Eisenhower unter dem dominierenden Einfluss von Foster Dulles, sicherlich einer der stärksten Persönlichkeiten der amerikanischen Politik während der letzten Jahrzehnte, auch nur den ernsten Versuch zu einem Ausgleich, der divergierenden Zielsetzungen und Wünsche der im (Schluss auf Seite 2) Truppen für den Kongo Paris. — Israel hat das Angebot gemacht, Truppen nach dem Kongo zu entsenden, doch Hammarskjöld hat dies abgelehnt, um die arabischen Länder nicht zu verärgern. . Hammarskjöld gab dem Druck Nassers, der Truppen schicken wollte, nach und akzeptierte schliesslich 500 VAR-Soldaten, weil er fürchtete, Nasser könne sonst auf eigene Faust ausserhalb des Rahmens der UN handeln und mit Ghana zusammen vorgeben, wo. durch die Lage eine noch grössere Verwirrung erfahren haben würde — (ITA) Zusammenarbeit mit Nepal Jerusalem. :— Der Ministerpräsident von Nepal, B. P. Koirala, hat mit der israelischen Regierung Verhandlungen angebahnt, um eine wirtschaftliche Zusammenarbeit auf breiter Grundlage aufzunehmen. Der nepalesische Premierminister kam nach Israel, um an der Internationalen Konferenz über die Rolle der Wissenschaft in der Entwicklung der jungen Staaten teilzunehmen. Er hofft, es werde ihm möglich sein, zwischen seinem Land und Israel ähnliche Beziehungen herzustellen, wie sie zwischen Birmanien und dem jüdischen Staat bestehen. Unter den Projekten, über die beraten wird, figurieren die Entwicklung der nepalesischen Landwirtschaft, die Organisation von Kooperativen der Produzenten und Konsumenten, sowie Pläne für die Errichtung von öffentlichen Bauten UTA) WIE ICH ES SEHE I Zustände wachsen von JEHUDA GOTTHEIMER LEO BAECK INSTITUTU NEW YORK