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Jüdische Wochenschau · 1960-07-08 · 1793 (8.7.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1793 (8.7.1960)
Date
1960-07-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE MEM PUEYRREDON / 2190 — 19 izq. JkJentcutaJMaelita Año XXI. BUENOS AIRES. VIERNES 8 DE JULIO DE 1960 T. E. 832613 No. 1793 Israels Antwortan Argentinien Zeichen des guten Willens Jerusalem. — Wenn Argentinien die Ausdrücke der Erklärung und Entschuldigung annimmt, die in der von Botschafter Levavi dem stellvertretenden Aussenminister Dr. Luis Mac Kay überreichten Note enthalten waren, und wenn man dann übereinkommt, den Fall als beigelegt zu betrachten, wird Israels Aussenminister Dr. Golda Meir in einer Mission des guten Willens Argentinien besuchen, wie jetzt bekanntgegeben wurde. Der Zweck des Besuches von Frau Meir wäre die Wiederherstellung der Beziehungen zwischen beiden Völkern auf der gleichen freundschaftlichen Basis, auf der sie vor der Ergreifung des Nazi-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann auf argentinischem Territorium und seines illegalen Abtransports nach Israel bestanden haben. (ITA) ■ Dr. AH1E LEVAVI IM AUSSENMINISTERIUM Die israelische Regierung übergab durch ihren Botschafter in Buenos Aires nunmehr ihre Antwort an die Regierung Argentiniens, in der sie ausführt, dass sie im Fall Eichmann die Erklärung nochmals bestätigt, ■welche der israelische Aussenminister Golda Meir dem Sicherheitsrat der UN über eine angemessene Wiedergutmachung abgegeben jihat. Frau Meir hatte damals darauf verwiesen, dass ihre! Regierung die ausgesprochenen Entschuldigungen für eine hinreichende Wiedergutmachung halte und gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass die freundschaftlichen Beziehun. gen zwischen beiden Ländern fortgesetzt würden. Dr. Arie Levavi erschien am Montag nachmittags im Palacio San Martin, wo er am Eingang vom Chef des Zeremoniells des Aussenministeriums, D. Jaime Augusto Joy, empfangen und sofort zum stellvertretenden Aussenminister, Dr. Luis R. Mac Kay geführt wurde. An der Unterredung nahm Unter dramatischen, aber wenig erfreulichen Umständen liess der russische Diktator Krutschew die Pariser Gipfelkonferenz scheitern. Einige Wochen später kamen die Delegierten des Ost. blockes auf einen Wink ihres Herrn und Meisters zu der Ueberzeugung, dass die Verhandlungen auf der Abrüstungskonferenz zwecklos seien und reisten aus Genf ab. Die Frage dürfte nicht unberechtigt sein, ob hinter diesem merkwürdigen, man kann schon sagen, ob hinter diesem teuflischen Spiel nicht eine Absicht waltet und ein System politischer Schachzüge zum Vorschein kommt, über das nachzudenken für alle ratsam ist. Man braucht nicht von einem Extrem sofort ins andere zu fallen, wenn man die lange Skala der Gefühle betrachtet, die von den überschwenglichen Reden vor der Gipfelkonferenz bis zu den unwürdigen Schimpfkanonaden hinführt, über die wir in den letzten Wochen informiert wurden. Lm Grün, de genommen dürfte sich nicht allzu viel in der inter, nationalen Situation geändert haben. Die Welt hat einige Hoffnungen verloren und ist um einige Erfahrungen reicher geworden. Die Fronten haben sich durch die letzten Zwischenfälle nicht verändert; sie haben sich auch nichi versteift. Man könnte eher von einer erneuten Beruhigung sprechen, die für eine kurze Zeit eingetreten 1st, in der Krut- •chew eine auffallend umauch der juristische Berater des Ministeriums, Dr. Luis Maria de Pablo Pardo, teil. Die Unterhaltung währte 15 Minuten. Nach ihrer Beendigung erklärte Dr. Levavi, er könne über den Inhalt der israelischen Note nichts sagen, die, wie er annehme, in Kürze bekannt gegeben werden dürfte. Er fügte hinzu: „Meine Regierung hegt die Hoffnung, dass die Frage gelöst werden wird und die freundschaftlichen Beziehunfangreiche Aktivität entfaltet, von Land zu Land reist und sich sogar in Wien präsentierte. Wien gehört offiziell zur westlichen Hemisphäre, obwohl es dem Osten seinen Vertrag verdankt, mit dem es mannigfache Verbindungen aufrecht erhält. Auch in Oesterreich hat Krutschew die harten Worte gegen den Westen wiederholt, die er nur drei Tage früher im fernen Osten ausgesprochen hatte. Aber was hat dies alles zu bedeuten? Reist Krutschew wirklich ohne jeden Plan durch die Kontinente und 'Länder, um seine beleidigen, den Ausführungen gegen die westlichen Staatsmänner in immer neuen Ansprachen zu wiederholen? Mit dem gleichen oder sogar noch höheren Effekt könnte er doch zu Hause bleiben und vom Kreml aus durch Radio in einer einzigen Rede zu allen Menschen und Völkern sprechen. Man darf aber nicht annehmen, das Krutschew seine grosse Arbeitskraft und seine Energien sinnlos verschwendet, weil er private Rechnungen mit Eisenhower oder Adenauer, die beiden ständigen Angriffsziele seiner Reden, auszutragen haben würde. Vergeblich wird man bei den Kommentatoren der Zeitereignisse auf einen analytischen Versuch stoben, die Absichten des russischen Diktators zu erforschen, dessen Tätigkeit einfach auf das Konto einer billigen und der üblichen russischen Propaganda geschrieben wird. Kein westligen zwischen den beiden Ländern fortgesetzt und in Zukunft noch enger gestaltet werden.” ■ OFFIZIOESE VORSCHLAEGE Einige Minuten nach Beendigung der Unterredung mit Dr. Levavi empfing Dr. Mac Kay die Journalisten, denen er mitteilte, er habe soeben den israelischen Botschafter empfangen, der die Note seiner Regierung übercher Politiker bemühte sich darum, nach dem Sinn der neuen Krutschewschen Unternehmungan zu forschen, der doch ganz offensichtlich eine Offensive gegen den Westen einleitete, ohne auch nur den geringsten westlichen Widerstand zu finden. Dass die Rechnungen der Kommunisten nicht immer und unter allen Aspekten aufgehen, war eine sichere Erkenntnis seit der Serie ernster Aufstände, die von den Arbeitern in verschiedenen Ländern hinter dem eisernen Vorhang unternommen worden sind. Bis dahin musste die westliche Welt damit rechnen, dass der Osten ein geschlossenes Ganzes ist, ein wirklicher Block, in dem ein Willen herrscht, und in dessen Reihen jeglicher Widerstand ausgeschlossen ist. Dass diese Rebellionen unzufriedener Arbeiter vorerst zu keinem Erfolg führten, ändert an dem Sachverhalt nichts. Der Westen horchte erstmalig auf, seine Reaktionsfähigkeit war durch das Erstaunen über diese Phänomene, die sich ihm so unerwartet gezeigt haben, völlig gelähmt. Jetzt setzte eine Propaagnda des Westens ein, durch welche die verschiedenen Geschehnisse nicht unbedingt geschickt ausgewerlet wurden, um die Position des Kreml zu erschüttern, obwohl diese faktisch durch die Niederwerfung der Aufständd gestärkt war. Das bleibende Resultat dieser inneren russischen oder kommunistischen Entreicht habe, deren Inhalt bekanntgegeben werden würde. Er äusserte, Israels Botschafter habe ihm auch einige „offiziöse Vorschläge” unterbreitet, die von den betreffenden Abteilungen des Aussenministeriums geprüft werden sollten. Ueber die Art dieser Vorschläge äusserte sich der Minister nicht. ■ DER TEXT DER ISRAELISCHEN NOTE In der israelischen Note, die ausserordentlich umfangreich war, wird u. a. folgendes ausgeführt: Bekanntlich wurde fast gleichzeitig mit der argentinischen Note vom 6. Juni am 7. Juni ein persönliches Schreiben von Ministerpräsident Ben Gurion dem Präsidenten Argentiniens über, reicht, das die moralischen Aspekte des Falles Eichmann betonte, welche nicht unberücksichtigt bleiben dürften. Ben Gurion verwies ferner darauf, dass Eich,mann im zweiten Weltkrieg der direkt Verantwortliche für die Ermordung von sechs Millionen Juden gewesen ist. In g^nz Europa wurden die Juden verfolgt, und Eichmann ist cs gewesen, der die von Hitler geplante „Endlösung der Judenfrage” durchzufüh. ren übernommen hatte. Nach Darstellung der Einzelheiten dieser furchtbaren Tragödie des jüdischen Volkes stellte Ben Gurion fest, dass der Prozess gegen diesen Massenmörder der Juden, dessen Verbrechen selbst in der an Märtyrern reichen Geschichte des jüdischen Volkes ohne Beispiel sind, nur in Israel geführt werden kann. Im weiteren schrieb Ben Gurion, er gebe sich Rechenschaft von dem Ernst der formellen Verletzung der argentinischen Gesetze durch jene, die Eichmann dingfest gemacht haben. Doch er ver_ lieh seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass nur wenige Menschen in der Welt, die tieferen Gründe und die höchste moralische Rechtfertigung dieser Tat nicht begreifen würden. Er ersuchte den Präsidenten Argentiwicklung war die Erkenntnis, dass breite Arbeitermassen in verschiedenen Ländern mit ihrem Leben und seinen Bedingungen unzufrieden sind. Offensichtlich war es doch nicht möglich gewesen, den eisernen Vorhang in der Weise abzudichten, dass kein Lichtstrahl aus dem Westen in den trüben östlichen Alltag fiel. Ferner darf man annehmen, dass die breiten Arbeitermassen in den östlichen Ländern keinesfalls geneigt sind, sich in neue kriegerische Abenteuer zu stürzen. Die europäischen Satelliten Russlands haben unter den Schrecken des zweiten Weltkrieges ungeheuer gelitten, sodass unter keinem Gesichtspunkt der Gedanke populär sein könnte, für welches Ideal auch immer noch einmal die Lasten und Lei¬ WIE ICH ES SEHE --- Die friedliche Koexistenz ___von JEHUDA GOTTHEIMER Para la Educación Judía Paris. — La educación judía debe recibir altísima prioridad al programa comunitario en la asignación de fondos, dijo el Dr. Goldmann en la sesión de apertura de la conferencia mundial sobre educación judía. Describió el propósito de la conferencia, a la que asisten dirigentes y educadores judios de todas partes del mundo libre como doble: 'llamar la atención de las comunidades judías al papel central de la educación y hallar soluciones a los problemas de la educación judía." Expresó que las fuerzas tradicionales de la vida judía que han alentado la educación judía, han quedado "quebradas" para muchos judíos. Por ello debemos hallar un nuevo contenido para la educación judía basada en la cultura y la religión judía, que pueden resultar significativas para la nueva generación y encontrar medios para llevar estos valores a sus miembros." Otro problema no resuelto es el papel que la nueva civilización de Israel presenta. Israel debe lener un papel preponderante en el desarrollo de los programas de educación judia. Si bien Israel es un centro cultural para la vida judía, no se ha hecho todavía un intento en escala global para familiarizar a los judíos fuera de Israel con la vida cultural de allí. HANNA MEIER Fuer die juedische Erziehung Paris. — Die jüdische Erziehung muss im Gemeindeprogramm bei der Zuteilung von Fonds höchste Priorität erhalten, so erklärte Dr. Goldmann bei der Eröffnungssitzung der Weltkonferenz für jüdische Erziehung. Goldmann nannte das Ziel der Konferenz, der jüdische Führer und Erzieher aus allen Teilen der freien Welt beiwohnen, ein doppeltes, nämlich „die Aufmerksamkeit der jüdischen Gemeinden auf das Kernproblem der Erziehung zu lenken und Lösungen für die Fragen der jüdischen Erziehung zu finden.” Er verwies darauf, dass die traditionellen Kräfte im jüdischen Leben, die die Erziehung gefördert haben, für viele Juden „gebrochen” wurden. Daher müsse man einen neuen Inhalt für die jüdische Erziehung finden, die auf der jüdischen Kultur und Religion basiert, welche für die neue Generation bedeutsam werden können, und man müsse neue Mittel und Wege finden, um diese Werte ihren Mitgliedern zu vermitteln. Als anderes ungelöstes Problem bezeichnete Goldmann die Rolle, die die neue Zivilisation von Israel spielt. Israel müsse eine vorherrschende Rolle in der Entwicklung der Programme für die jüdische Erziehung bekommen, so forderte er. Obwohl Israel für das jüdische Leben ein Kulturzentrum sei, so habe man noch nicht in einem allumfassenden Ausmass den Versuch gemacht, die ausserhalb Israels lebenden Juden mit dem kulturellen Leben im jüdischen Staat bekannt zu machen. HANNA MEIER niens zu verstehen, dass das Vorkommnis nicht von einem rein juristischen Gesichtswinkel aus betrachtet werden dürfe, und verwies darauf, dass Eichimann mit seinem eigenen Einverständnis nach Israel gebracht werden sei. Schliesslich sprach er die Gewissheit aus, dass der Präsident Argentiniens die moralische Kraft der dargelegten Aspekte zu würdigen wissen verde. Hierauf wird in der Note festgestellt, dass die Regierung Argentiniens am 10. Ju_ ni — bevor die Regierung Israels Gelegenheit hatte, die argentinische Note vom 8. Juni zu beantworten — bereits den Text dieser Note dem Sicherheitsrat der UN unterbreitete und am 15. Juni eine dringende Sitzung des Sicherheitsrates beantragte, die am 23. Juni zu der Resolution S. 4340 führ, te. Im Lauf der Debatte im Sicherheitsrat hat Israels Aussenminister Gelegenheit genommen, die Position ih. rer Regierung zu umreissen und erklärt, dass Israel die Verletzung der Souveränität Argentiniens durch die Personen anerkennt, die Eichmann fortgeführt haben. Hierfür hat die Regierung Israels der argentinischen Regierung mit der Note vom 3. Juni 1960 ihr Bedauern ausgesprochen. „Die Regierung von Israel bittet darum”, führte Fra« Meir aus, „die aussergewöhnliche Bedeutung der Tatsache zu berücksichtigen, dass der Mann, welcher die Verantwortung für die Ermordung von sechs Millio- (Fortsetzung auf Seite 8) den eines Krieges auf sich zu nehmen. Hieraus erwächst ein spürbarer Verständigungswillen mit der westlichen Welt. Diese, man darf beinahe sagen: Sehnsucht zu einem Ausgleich zwischen den Men. sehen in dieser zweigeteilten Welt wurde hei Nixons Besuch in einer nicht vorher gewussten und geahnten Weise sichtbar. Spontan brachten die Polen bei verschiedenen Gelegenheiten ih. re Bereitschaft zu einer Befriedung der internationalen Situation zum Ausdruck. Auch hierin darf man ein Motiv für Krutschew erblikken, einer Gipfelkonferenz zugestimmt zu haben. Nachdem diese Gipfelkonferenz gescheitert ist, stan. den wir nicht allein im Westen erschrocken und von dem Versagen der hohen Po- * litik tief beeindruckt vor einem Rätsel und einem Va. kuum. Was war geschehen? Was wird nunmehr folgen? Diese beiden Fragen aber stellten nicht nur wir, sondern auch die vielen nachdenkenden Menschen in der östlichen Einflussphäre. Sie verlangten eine Antwort von ihrer Führung, und sie forderten diese Stellungnahme viel ernster, als man in der westlichen Erdhälfte dieses Ansinnen an seine Regierung zu stellen pflegt. Der Lebenszuschnitt ist im Westen ein anderer als im Osten. Die Politisierung des Lebens und des Denkens ist im Osten intensiver und stärker. Man begegnet einer beinahe paradoxen Situation: im Westen hat der einzelne Bürger eine viel grössere (Schluss auf Seite 2)

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