Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1791 (1.7.1960)
- Date
- 1960-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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S « IS-a FRANQUEO PAGADO Concesión 908 a * V O? § < o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES. VIERNES 1? DE JULIO DE 1960 No. 1791 EL EJEMPLAR toda la República en 3, Buenos Airea PUEYRREDON 2190 19 T. E. 93 . 2613 ixq. Den " „ 1 ehern auf der Spur ,'on JOEL BRAND Arabische Propaganda in USA Paris. Die Arabische Liga besitzt einen Apparat der 10 Millionen Dollar für antiisraelische und antijü’ dische Propaganda in den USA verausgabt, wie in einem detaillierten Bericht vor der Konferenz jüdischer Gemeinden Arnold Foster aus New York, der Direktor der Abteilung für Menschenrechte der Liga gegen Diffamierung der Bne Brit, feststellte. Unter anderen Beweisen zeigte Foster die Fotokopie eines Briefes des Präsidenten der VAR Nasser an Lincoln Rockwell, den Führer der Nazibewegung in USA, in dem er Kritik an den Amerikanern übt, weil sie „die jüdische Emigration nach Israel finanzieren.” Die zweitägige Konferenz wurde vom Präsidenten der Bne Brit, Label Katz eröffnet, der auf die Notwendigkeit verwies, „die Bekämpfung des Antisemitismus und der arabischen Bemühungen, nicht nur gegen Israel sondern auch gegen die in den USA lebenden Juden Hass zu erwecken”, auf einer weltweiten Basis zu koordinieren. (ITA Dieser Artikel ist eine Fortsetzung des Berichtes „Auf der Suche nach Eichmann", der in unserer Ausgabe von- 17. Juni veröffentlicht worden ist. ★ Nachdem mir Oberstaatsanwalt Wolf eine Liste der im Auschwitz . Verfahren schon verhafteten Angeklagten übergeben hatte, wurde ich in die Büros der Sachbearbeiter für das Auschwitz- Verfahren und den UDgarn. Prozess geführt. Die Assesoren Kückel und Vogel bearbeiten das Auschwitz - Verfahren. Sie sind jung, ehrliche Antinazisten und versuchen mit aller ihrer Kraft soviel Material gegen die angeklagten Nazis zusammenzutragen wie nur möglich. Sie gaben mir eine Liste von 599 Beschuldigten, betonten aber, dass diese Liste noch nicht vollständig sei. 599 Menschen, die nur wegen Mord und Totschlags- Delikten, in Auschwitz begangen, angeklagt sind! Davon sind jedoch leider bis jetzt nur 9 in Haft. 13 weitere Haftbefehle „sollen noch heute erlassen werden.” Vogel und Kückel beruhigen mich. Sie hoffen, in kürzester Zeit genügend Material zu haben, um noch einen grosen Teil der restlichen Beschuldigten verhaften lassen zu können. Ich soll die mir übergebenen Listen veröffentlichen und b-i ehemaligen KZlern, die in Israel oder sonstwo leben, Zeugen ausfindig machen. Dabei sind sie nicht an Milieuschilderungen interessiert. Scisie haben sie zu Hunderten. Zeugen brauchen sie, die konkret aussagen können; dann und dann habe ich gesehen, dass dieser oder jener Nazi dieses oder jenes Verbrechen begangen hat. Solchen Zeugen würde man sogar, falls sie wirklich Konkretes aussagen können die Reise und andere Spesen nach Deutschland bezahlen. Ich verabredete mit den zwei Herren weitere Treffen. Der Staatsanwalt, der den Ungarnkomplex bearbeitet, heisst Dr. Steinbacher. Ich schätze ihn auf etwa 50 Jahre. In seinem Gesicht sind Narben von studentischen Duellen. Es entwickelte sich folgendes Gespräch zwischen ihm und mir: Staatsanwalt: „Unser grösstes Hindernis ist, dass die Amerikaner die meisten Akten über die Nazis nach Amerika geführt haben. Wir können sie von dort nicht zurückbekommen. Die Polen z. B. lieferten uns, obwohl wir keine diplomatischen Beziehungen zu Polen haben, im Lidice-Fall über Krumey sehr überzeugendes Material Hätten wir noch einige kleinere Dokumente, welche wahrscheinlich, in Amerika sind.- so könnten w:r Krun-eys ’?ordsehuld lückenlos: nnc'v.' * ’ Ich: „Haben Sie überhaupt mal versucht, dieses Material von Amerika zu bekommen? Oder haben Sie wenigstens versucht, Fotokopien von diesem Material in Amerika herzustellen? Ich weiss, dass ein israelischer Anwalt (während des Kästner-Prozesses) nach Amerika geflogen ist und dort Dokumente, die er für einen Prozess brauchte, fotografieren liess.” Staatsanwalt: „Ich kann mich nur an unser Aussenministerium in Bonn wenden. Die beantworten :neine Anfragen sehr höflich und geben mir das Material, welches sie haben. Ob sie aber in Amerika angefragt haben, weiss ich nicht. Auch weiss ich nicht, ob sie jemanden zu den Archiven Amerikas geschickt haben, um die Dokumente fotografien zu lassen. Ich kann es doch nicht tim. Das würde ia wochenlang dauern. Gerade jetzt erhielt ich Nachricht, dass es auch in England eine Unmenge von dokumentarischem Material gibt, und dass dieses jetzt auf Mikrofilm aufgenommen wird. Aber ich hörte, das werde 3 Jahre dauern. Die Naziverbrecher werden uns noch auslachen. Bis wir das Material gegen sie in unsere Hände bekommen, wird schon alles verjährt sein.” Diese Unterhaltung mit Staatsanwalt Dr. Steinbacher liess mich darüber nachdenken, wer die Kräfte sein könnten, die die Suche nach Nazikriegsverbrechern erschweren. Brachte mein Gespräch mit dem Hessischen Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer die Antwort? Das Zimmer des hessischen Generalstaatsanwaltes ist ungefähr genau so eingerichtet wie das des frankfurter Oberstaatsanwaltes. Aber Dr. Bauer ist ein anderer Typ. Er macht eher den Eindruck eines Arbeiters oder Gewerkschaftsführers als den des Obersten Anklägers des Staates Hessen. Dr. Bauer war öfter in Israel. Er spricht sogar etwas Hebräisch. Wir haben gemeinsame Freunde und Bekannte. Er sieht, dass ich Pfeife rauche. So offeriert er mir eine gute Zigarre und beschwert sich darüber, dass er seine Zigarren in Israel immer vermisst hatte. Zigarren wären in Israel so teuer, dass er sich keine hätte kaufen können. Er begann das Gespräch wie folgt: „Ich kenne Sie, Herr Brandt und weiss, wer Sie sind. Wir beide haben ein gemeinsames Ziel im Leben. Wir beide wollen die grossen Nazi-Verbrecher zur Strecke bringen. Das war einer meiner Hauptgründe, als ich 1940 aus der Emigration nach Deutschland zul iickkehrte. Wenn ich Eichmann und Genossen erwischt habe, bin ich gerne bereit, meine Karriere als Staatsanwalt zu beenden. Uebrigens, würden Sie Eichmann wieder erkennen? Geben Sie mir bitte noch die Namen einiger Menschen an, von denen Sie glauben, dass diese Eichmann bei einer Konfrontation wiedererkennen würden. Machen wir eine Probe. Beschreiben Sie ihn mir mal jetzt.” Ich tat es. Ich beschrieb seine Gesichtszüge, seine Haltung, seinen Gang, seine Sprechweise, das nervöse Zucken seiner Augen. Ich behauptete, dass, wenn ich in dieses Zimmer hereingekommen wäre und 20 Menschen darin gewesen wären und ich keine Ahnung gehabt hätte, dass auch Echmann unter ihnen sei, ich mich sicherlich im ersten Moment auf ihn gestürzt hätte. Ich gab auch eine Liste von Menschen an, von (Schluss von Seite 1) Aufenthalt des Kriegsverbrechers Joseph Mengele in Argentinien erbringen könne seine Regierung bereit sei, diesen auszuliefern. Er fügte hinzu, sein Land „habe nicht die Absicht, notorischen Verbrechern Unterschlupf zu bieten, jedoch sei Argentinien „immer ein 'Land gewesen, in dem Menschen aus aller Welt Aufnahme gefunden haben“. „Wir müssen Beweise haben, dass Mengele wirklich der ihm zur Last gelegten Verbrechen schuldig und die betreffende Person ist“, erklärte Dr. Frondizi den deutschen Journalisten. „Wenn die deutschen Behörden beweisen können, dass sich Mengele in Argentinien befindet, so werden wir ihn suchen und an die Bundesrepublik ausliefern, damit er abgeurteilt werden kann. Wir wollen nichts mit Diktaturen zu tun haben. Wir haben v eder Naz:„ noch Faschisten in unserem Land, und wir wollen auch keine haben. Wenn wir welche finden, so werden wir gegen sie entsprechend Vorgehen.“ ■ KEINE INTERVENTION ADENAUERS Bonn. — Der Präsident Argentiniens, Dr. Arturo Frondizi, erklärte vor der Presse, Argentinien sei bestrebt, die freundschaftlichen Beziehungen mit Israel aufrecht zu erhalten, obzwar es zu einem Streit wegen der Festnahme des Kriegsverbrechers Eichmann gekommen sei. Er fügte hinzu, man habe Israel ersucht, es solle eine „angemessene ’Wiedergutmachung“ für die zugegebene Verletzung argentinischen Territoriums denen ich glaube, dass auch diese Eichmann erkennen würden. „Im übrigen’, sagte ich: „Warum stellen Sie diese Fragen? Wissen Sie, wo Eichmann ist? Wissen Sie überhaupt, dass er noch lebt?“ „Dass Eichmann noch lebt, dessen bin ich sicher“, erwiderte der Generalstaatsanwalt. „Aber nicht an einem Platz, an dem wir ihn leicht fassen können. Dabei können Sie mir glauben, dass wir ihn von Tokio bis zum Südpol dingfest machen könnten. Und glauben Sie mir, und ich spreche hierbei für unsere Regierung, dass ich alles tue, um ihn zu bekommen. Aber es gibt Kräfte, die stärker sind als die Bundesregierung und Israel zusammen, welche Eichmann und noch andere in seiner Grössenordnung schützen.” „Wen meinen Si mit fieser Grössenordnung“ ”, fragte ich, „vielleicht den Gauleiter Martin Bormann, der im Fall Eichmann Vorschlägen, wie dies in der Resolution des Sicherheitsrates empfohlen wurde, die den Antrag Argentiniens „voll befriedigt“ habe. Dr. Frondizi kam mit Bundeskanzler Adenauer zusammen. Unterrichtete Kreise äusserten, Adenauer habe darum ersucht, die Verhandlungen über den Auslieferungsvertrag zwischen beiden Ländern einzuleiten. Weiter heisst es, dass Adenauer die Frage der argentinisch-israelischen Differenzen im Fall Eichmann nicht zur Sprache brachte. Er unterliess dies, weil, wie verlautet, die Bundesregierung sich nicht einzumischen wünscht, obwohl sie es vorziehen würde, dass Eichmann vor ein deutsches Gericht gestellt wird. Dagegen habe Dr. Adenauer über den Fall mit Feliz- Shinnar, dem Chef der israelischen Einkaufsmission in Westdeutschland, diskutiert. ■ IN BUENOS AIRES Die argentinische Regierung stellte durch Aussenminister Dr. Mac Kay an den Botschafter Israels in Buenos Aires das Ersuchen, sich offiziell darüber zu äussern. welche Massnahmen die Behörden seines Landes zu der Resolution des UN . Sicherheitsrates über den Fall Eichmann zu ergreifen gedenken. Dr. Levavi gab keine Erklärung hierzu ab, doch das Aussenministeiium teilte im weiteren mit, dass der Botschafter um Bekanntgabe des Datums ersucht wurde, an dom die Regierung Israels ungefähr die vom Sicherheilsrat a»empfohlene' Massnahme bekanntgegeben werde, um den Anspruch Arzuletzt Hitlers Stellvertreter war?” Generalstaatsanwalt Dr. Bauer schnappte scharf zurück: „Wie kommen Sie auf Bormann Was wissen Sie von ihm?” Ich sagte, ich wüsste nur, dass Martin Bormann im Oktober 1952 mit einer spanischen Identitätskarte auf den Namen Jose Pessea in einer deutschen Kolonie in Zentral-Brasilien verschwunden sei. Der Generalstaatsgentiniens auf eine angemessene Wiedergutmachung zu befriedigen. Das Aussenministerium teilte ferner mit, dass das von Westdeutschland angestrengte Auslieferungsbegehren gegen den Nazi Mengele der Presidencia de la Nación zugeleitet wurde. Falls die Regierung diesem Begehren stattgeben sollte, sollen die Akten dem amtierenden Bundesrichter für den letzten in Argentinien bekannten Aufenthaltsort Mengeles übergeben werden. ■ ISRAEL ERSUCHT UM AUFKLAERUNG Jerusalem. — Der israelische Aussenministerium erwartet einen Bericht des Botschafters in Buenos Aires Dr. Arie Levavi, über die Entwicklung der argentinisch-israelischen Beziehungen nach der letzten im Sicherheitsrat der UN über den Fall Eichmann gefassten Resolution. Israel wünscht zu wissen, welche „angemessene Wiedergutmachung Argentinien von der israelischen Regierung verlangt, um diesem diplomatischen Zwischenfall ein Ende zu setzen. ■ BESCHLUSS EHEMALIGER KZ-HAEFTLINGE Warschau. — Das Internationale Comité ehemaliger KZ-Häftlinge von Auschwitz nahm auf dem vom 25. bis haltenen Kongress eine Re. 28. Juni in Warschau abgesolution an, in der es seiner Genugtuung über die Festnahme des „grössten Kriegsverbrechers“ und der Ueberzeugung Ausdruck gibt, dass Eichmann von dem israelianwalt beruhigte sich, aber meine nächste Frage, was er über Eichmanns Kinder wüsste, löste wieder eine sehr scharfe Reaktion aus: „Heraus mit der Sprache! Sagen Sie mir, was Sie über Eichmanns Kinder wissen. Das war doch keine zufälli. ge Frage von Ihnen. Uebri. gens was wollen Sie? Die Kinder sind doch noch klein. Der Aelteste 20, die beiden anderen 13 und 15 Jahre alt.” Als ich berichtigte, das» Eichmanns Kinder jetzt 24, 22 und 20 Jahre alt sein müssten, merkte ich sofort an dem versteckten Lächeln Dr. Bauers, dass die falschen Altersangaben nur ein Trick gewesen waren, um zu prüfen, ob ich schnell darauf reagieren würde. > So ging das Gespräch et. wa eine Stunde lang hin und her. Es gelang mir nicht, den Generalstaatsanwalt zu veranlassen, mir konkret zu sagen, wer die Kräfte seien, die Eichmann, und Genossen schützen. Meinte er die verschiedenen neonazistischen Organisationen, die überall in Europa und der ganzen Welt wie Pilze aus dem Boden schiessen? Meinte er die Kräfte, die sich um Nasser geschart haben? Meinte er alte Nazis, die in verschiedensten Ländern der Welt leben und über ungeheure Reichtiimer verfügen? Wollte er den Sowjetblock beschuldigen, dass dieser diese Eiterbeule offen hält? Fragen über Fragen! sehen Gericht, das ihn aburteilen wird, „eine gerechte und strenge Strafe erhält“. Die Resolution bedauert, dass „gewisse Länder in Südamerika und Nahost Kriegsverbrechern Asyl gewährt haben“ und e^nige von ihnen heute noch in Ostdeutschland frei herum, laufen. Andererseits be. schloss das Comité sich an die UN zu wenden, die dafür sorgen sollen, dass alle Nazis, die Verbrechen gegegen die Menschlichkeit begangen haben, ausgeliefert und vor Gericht gestellt werden. Die Resolution richtet einen Aufruf an alle Men«, sehen guten Willens, die Jugend über den Nazismus und die von ihm verübten Verbrechen wahrheitsgemäß* aufzuklären. ígistro de la Propiedad Intelectual N? 624 070 «-»/■VT f/"9T FVPA Faschisten sind unerwünscht