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Jüdische Wochenschau · 1960-05-27 · 1781 (27.5.1960) · p. Seite 9

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1781 (27.5.1960)
Date
1960-05-27
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German, Spanish
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Viernes, 27 de Mayo de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI, No Ï7M — t DIE EREIGNISSE DER WOCHE Der Besuch Abba Ebans Dieser junge, dynamische lind sympathische Repräsentant Israels, der heute Mitglied des Kabinetts ist, wurde von seiner Regierung zum Chef der Sonderdelegation ernannt, die Israel nach Argentinien zur Feier des 150. Jahrestages der Revolution des 25 de Mayo geschickt hat. Abba Eban ist ganz gewiss eine seltene Erscheinung. Seine Begabung ist eine ungewöhnliche. Er ist nicht nur Israels bekanntester Diplomat, der mit einem ausserordentlichen Geschick und grosser Würde den junden Staat in dem ersten Jahrzehnt seiner Existenz in den USA und vor den Vereinten Nationen vertreten hat, er ist einer der bekanntesten Diplomaten der UN überhau. . und einer ihrer besten Sprecher gewesen. Mit einer bewundernswerten diplomatischen Begabung hat er die Interessen Israels gegen die grossen und kleinen Mächte wahr- -genommen, die im Laufe der Jahre aufgestanden sind, um unseren jungen jüdischen Staat auf diplomatischem Wege zu erledigen. Aber sie hatten nicht mit Abba Eban gerechnet, der sich allen Situationen gewachsen zeigte und immer wieder die Bewunderung und die Sympathien auch seiner Gegner gewann. Dieser Mann weilt nun unter uns. Seine angenehme Umgangsart und seine jugendliche Erscheinung machen überall Eindruck. Dass er ein vorzügliches Spanisch spricht, ohne jemals in einem spanisch sprechenden Lande gelebt zu haben, war ebenfalls eine Ueberrasc+iung, aber nur ein Beweis mehr für ein ungewöhnliches Talent. Es fanden bereits verschiedene Zusammenkünfte mit Abba Eban statt. Er sprach -in* Macabi und als Gast der •Bondsaktion, wo er in kurzen Strichen die Bedeutung der wirtschaftlichen Konsolidierung Israels in seinem politischen Kampf hervorfaob. Die israelische Botschaft veranstaltete einen Empfang für den nohen Gast -und die übrigen Mitglieder der Delegation, hei dem in einer angenehmen geseUschaftlichen Atmosphäre, wie sie Batschafter Dr. Le- Vc. vi und :«me Gattin zu schaffen wessen. Gelegenheit zu einer Unterhaltung mit dem jungen israelischen Minister gegeben war. Ueber die Pressekonferenz mit Abba Eban werden wir in der nächsten Ausgabe dn J. W. berichten. Am Sonntag wird ai'en Gelegenheit geboten sei.i. Eban zu holen. Wir machen auf seinen Vortrag aufmerksam, des sen Besuch ganz gewiss für jeden ein Ereignis sein wird. Einzelheiten sind aus der Anzeige der Vertinigten Kampagne zu entnehmen. Mitglied der israelischen Sonderdelegation ist auch Herr Jehuda Jaari, der Kulturreferent des israelischen Aussenministeriums. Wir hatten Gelegenheit mit diesem fein gebildeten Manne zu sprechen. Es ist bedauerlich, dass er so schnell Argentinien verlässt, sodass keine Möglichkeit besteht, ein Referat von ihm in einer unserer Organisationen zu hören. Dr. Pczner nach Schweden Der Botschaftsrat für wirtschaftliche Fragen bei der israelischen Botschaft in Argentinien, Dr. Chaim Pazner, wird in kurzer Zeit seine Mission in dieser Republik beendigen, um in gleicher Eigenschaft sein Ar.t in Schweden und den anderer nordischen I,ändern anzutreten. Der Amtssitz von Dr. Pazner wird Stockholm sein. Wir haben bereits in ei nein anderen Zusammenhang die wichtige Arbeit gewürdigt. die von Dr. Chaim Pazner unter schweren Be dingungen in Argentinien und vor allem auch in Uruguay geleistet worden ist. Dr. Pazner ist Wissenschaftler. Mit einem ungewöhnlichen Erfolg und glanzenden Noten hat er seine Studien in Königsberg kurz vor seinem Doktor-Examen wegen des Naziregimes abgebrochen. Aufgrund seiner überragenden wissenschaftlichen Leistungen erhielt er einen Sonderauftrag der damaligen deutschen Reg'erung. wirtschaftswissenschaftliche Studien in Russ land zu betreiben. Der Auftrag wurde nach der Machtübernahme der Nazis zurückgenommen. Fazner ging nach^Danzig, wo er wichtig-- zionistische Funktionen erfüllte, um scniiesalich in die Schweiz zu übersiedeln, wo er eine überragende zionistische Arbeit eistete und Dozent an der Universität in Genf wurde. Sofort nacn Gründung des Staates Israel wurde Pazner ins F-- nanzministerium berufen w er sehr wichtige Aufgaben auch heute noch erfüllt. Dankbar werden auch di“ Organisation?,! unseres Sektors anerkennen, in weich uneigennütziger Weise sich Dr. Pazner für Vorträge zur Verfügung stellte, obwohl er mit Arbeit überhäuft war. Wir wünschen diesem hervorragenden Manne und seiner sympathischen Gattin, die ihn in seiner Arbeit und bei seinen Bemühungen stets begleitete, weiterhin Erfolg in seiner Tätigkeit. Dass Dr. Pazner Argentinien verlässt, wird in allen Kreisen bedauert. Umbau des JKG-Heims Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, wird die JKG noch in diesem Jahr mit dem Umbau ihres Heimes in der Aräoz beginnen. Der endgültige Termin hängt noch von der Genehmigung der Pläne durch die entsprechenden Behörden ab. Die Pläne sind von einer bekannten jüdischen Baufirma der Stadt ausgearbeitet worden, welct 3 auch die Arbeiten selbst durchführen wird. Wie wir hören, ist auf die Ausgestaltung der Kultur- und Jugendarbeit besonders Rücksicht genommen worden und grosse ISRAEL - BRIEFMARKEN!!l AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUSGAi BEN ZUM OFFIZIELLEN PREIS j¡ Agencia Filatélica oficial } del Estado de Israel, j VIAMONTE 550, I/B — Buenos Aire», Rep Argentina .Räume dafür vorgesehen. Nachdem die JKG sich in den letzten Jahren manche Gelegenheit zu Neubau und Erwerb hat entgehen lassen, ist es besonders erfreulich, dass der derzeitige Vorstand gewisse Arbeiter, durchführen wird, die schon seit längerer Zeit sich als notwendig erwiesen haben. Wir sind sicher, dass die zahlreichen Mitglieder der JKG den Plan ihres Vorstandes verständnisvoll aufne’rmen und solidarich un'erstützen werden. Festgottesd'ensi zum 25. Mai Am Freitag abend fand im Tempel der “Congregación“ ein Festgottesdienst anlässlich der 150-Jahrfeier der Mai-Revolution statt, an welchem hohe Regierungsvertreter sowie die israelische Sonderdelegation mit Minister Dr. Abba Eban an der Spitze und der Botschafter Israels in Argentinien, Dr. Levavi, teilnähmen. Vor mehr als 1500 Personen begrüsste, nach dem Schabbosgottesdienst, Rabb. Dr. Schlesinger die Ehren: gäste Argentiniens und hob die Bedeutung der Geschehnisse vom Mai 1810 für die Entwicklung der Menschheit hervor. Wenn an diesem Schabat, so führte der Rabbiner aus, aus der Thora das Gebot vom Jobeljahr verlesen werde, durch das alle Bewohner des Landes Freiheit und Besitz zuriiekererhielten, so führe von hier ein Weg zur Errichtung der Gottesherrschaft von der Freiheit zu allen Völkern, und heute ze'ge sich an vielen Bespielen, wie der Kampf für Freiheit, Menschenrecht und -Würde die Völker einige. Die Festpredigt ging über in ein Gebet für die Wohlfahrt dieses grossen Landes, seines Volkes und Aller, die zu seinem Besten arbeiten. Kantor und Chor trugen zur besonderen Ausges'altung des Gottesdienstes bei, nach dessen Beend;gung das Publikum auf der Shrsse den argentinischen und israelische« Ehrengästen leb- I hafte Ovationen bereitere. I Feierstunde in der ¡ ACIBA | Zu einer Jom Haatzmauth- Feier, die zugleich dem hundertsten Geburtstage Theodor Herzäs und dem hundertjährigen Bestehen jüdischen Gemeinschaftsleben in Argentinien gewidmet war, hatte die IKG eingeladen. Diese gut vorbereitete Veranstaltung fand starkes Interesse bei der Zuhörerschaft, die gemeinsam die beid:n Nationalhymnen sang und dann eine längere Ansprache des Herrn Manfred Anspach mit lebhaftem Beifall aufnahm. Herr Anspach ging von der Unabhängigkeitserklärung Israels aus, die nicht möglich gewesen wäre, wenn das jüdische Volk sich nicht diesen entscheidenden Charakterzug bewahrt hätte, n ärmlich, trotz 2000jähriger Trennung vom Heimatboden die seelische Kraft zur Rückkehr zu besitzen, um den alten national-religiösen Traum zu verwirklichen. Der Redner erinnerte an historische Beispiele, daran, dass zuweilen Nichtjuden das jüdische Problem besser begiiffen als Juden, dass ein Mann wie Herzl, tieferschüttert durch das Erlebnis der Dreyfusaf faire, mehr ¡Verständnis für die Idee des („Judehstaates** bei einem LEBENSFREUDE UND SCHAFFENSKRAFT ■* ■! - ' , , ERSCHLOSSEN DAS LAND ISRAELS ¡mm ÜSl mm anglikanischen Geistlichen, bei -einem deutschen Bundesfürsten gefunden habe-als bei hochstehenden Juden, bei Rabbinern und Philanthropen. Der Funke, den Herzl in das damalige jüdische Dasein warf, wurde zu einer lodernden Flamme, die nicht mehr gelöscht werden sollte, denn er schuf eine Weltbewegung, die fünfzig Jahre nach ihrer Gründung den Staat Israel verwirklichen konnte. Im weiteren Verlauf seiner wohldurchdachten Ausführungen erinnerte der Redner an die ebenfalls vor hundert Jahren erfolgte Schaffung der „Alliance Israélite Universelle“, an den 100. Geburtstag des grossen Historikers Simon Dubnow und an die ersten jüdischen Gemeinschaftsbildungen in Argentinien. an das Werk des Barons Hirsch, die allmähliche Gestaltung der Gern rinden und des sozialen Lebens in diesem Lande, das vor nunmehr 150 Jahren seine Unabhängigkeit erkämpfte. Das jüdische Volk, so sagte Herr Anspach, habe den Kampf um die Emanzipation gewonnen, die vor hundert Jahren vie.fach noch auf dem Papier stand. Wird es aber auch die völlige innere Gleichberechtigung erlangen ‘ die darin besteht, dass man nicht nur alle Bürgerrechte besitzen, sondern sieh auch als Jude voll ausleben, seine jüdische Eigenart bewahren könne? Juden müssten verstehen, dass es schwerer sei. in guten Zeiten jüdisch zu bleiben als in Tagen des Druckes und der Verfolgung. Medinqt Jisrael sei das Rückgabe eines Lüsegekles London. — Die Baronesse von Rothschild, die in England geboren wurde, gjwa n in erster Instanz den Prozess auf Rückgabe des gri's tca Lösegeldes, das wohl jemals gezahlt worden ist. Die Familie Rothschild gab Hi-'l r 20 -Millimen Dollar, um d e Freilassung von Baron Louis de Rothschild -zu erlangen. Die 66j':.hrige Barones~e Clarke, die Witwe des Baro'S Alphonse de Rothschild, erzielte in einem Vorgesuch an die Kommission für ausländische Entschädigungen eine Regelung über eine Zahlung von 250.000 Dollar für ir Polen gelegene ImmobiLen Das Besitztum, zu dem e n Schloss mit einer äussersf wertvollen Einrichtung u d 500 Hektar land gehört, badete Teil des an Hitler bezahlten Lüsegeldes, (ITA) Sir Hersch Lauterspacht gestorben London. — Im Alter vou ,62 Jahren verschied hier in- | folge eines Herzschlags S.r i Hersch Lautersr acht, einer j der 13 Richterdes Jnt.rnaj tionalen Gerichtshof , s in Den Haag und eine anerkannte Autorität für in‘erna7 tio»ales Recht. _ Sir Hersch wurde in der Ukraine geboren und .studierte an verschiedenen europäischen Universitäten, bevor er zum Professor fiir intern tionales Recht an der londoner Universität und Fa-; kauliiit für Volksw'rts h'ft , ernannt wurde. Er gehörte j der Gruppe der br't:s’hen | Ankläger bei dem Niirnber- , “er Prozess gegen die Kriegsverbrecher an und war der Herausgeber des britischen Jahresbuches für internationales Recht, das 19 M '45 erschien. (ITA) starke Rückgrat allen jüdischen Daseins in der Zukunft und jüdische Zukunft aussichtslos ohne die Erneuerung des geistig-kulturellen Lebens in der Diaspora in enger Anlehnung an Israel, das sich in einem ständigen Weiterbildurgsprozess befinde. Mit einem starken national - religiösen Appell an alle Juden und besonders di« Jugend schlossen die Ausführungen, die eine Fülle von Anregungen und interessante geschichtliche Details brachten. Der zv/eite, der künstleri* sehe Teil des Abends gab der ausgezeichneten israelischen Sängerin Raquel Zipris Gelegenheit, eine Reihe israelischer und spanischer Lieder zum Vortrag zu bringen, die mit stürmisc'em Beifall aufgenommen wurden und die Künstlerin zu einer Zugabe veranlassten. Schliesslich klang der Abend in der Vorführung eines ganz neuen Farber-Tonfüms des Keren Kajemet Lejisrael aus. der dessen Bedeutung für Israel an Beispielen bis in die jüngste Gegenwart klar machte. Diese Jom Haatzmauth-Feier, seres Sprachsektors in die- Festwoche fiel, darf aber für sich in / r~’r>rucv> nehmen, zu den eindrucksvollsten un serer Sprachsektors in diesem an Jubiläen so reichen Jahre zu gehören. C. W.

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