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Jüdische Wochenschau · 1960-04-22 · 1771 (22.4.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1771 (22.4.1960)
Date
1960-04-22
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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O CQ 9 .5 - H C 2 FRANQUEO PAGADO Concesión 908 2 O *4 ,9 OB Uno < o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRA Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 2z DE ABRIL DE 1960 No. 1771 EL EJEMPLAR en toda la República 3, Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 izq. T. E. 83 . 2613 Ein Nazi und sei Schon im Herbst vorigen Jahres hatte Commander George Lincoln Rockwell, ein Offizier der amerikanischen Marine-Flugreserve, als Radauantisemit in Amerika unliebsames Aufsehen hervorgerufen. Wieder machte er im Dezember von sich reden, fast am gleichen Tag, da die trübe Welle der Hakenkreuz - Schmierereien in Köln einsetzte. Mit der Erklärung, er sei „der amerikanische Nationalsozialist Nr. 1‘* und (wörtlich) „The Leader”, „Der Führer” der „American Nazi Party“ wandte er sich an den Magistrat der Stadt Arlington (im Staate Virginia) und verlangte von ihm eine Lizens zur Umwandlung eines von dieser Partei gemieteten Mietshauses in ein „Centre“ in dem auf dem (geräumigen) Hof Versammlungen unter freiem Himmel abgehalten und eine Zeitschrift, „The International Nazi“ gedruckt und herausgegeben werden solle — nicht mehr und nicht weniger! Als es um ungefähr die gleiche Zeit in Washington zu den ersten Hakenkreuz- Sudeleien kam, griff der bekannte Radio-Reporter Drew Pearson diesen Genehmigungsantrag Rockwells auf, der von der Stadtverwaltung Arlington inzwischen. wie es scheint, bestätigt worden war, weil die geltenden Gesetze keine Handhabe dagegen boten. Mr. Pearsons Darstellung führte Anfang des Jahres zu einer Beleidigungsklage, die „Der Führer” gegen ihn in einer Höhe von nicht weniger als 500.000 Et'Sar Schadenersatz anstreng*;. Es kam zu einem Prozess der Herrn Rockwell Gelegenheit gab, in der Oeffentlichkeit des Gericntssaals weitschweifig über den zahlenmässigen Umfang der Faschistischen Internationale zu reden. Kaum ein eui'opäisches Land liess er aus. Und dem Beklagten versicherte er, ohne dass der Richter einschritt (!), es werde „die Zeit kommen, in der nichts Sie vom Gasofen retten wird.” Der Prozess scheint noch immer zu schweben, oder jedenfalls ist bisher nichts über den Ausgang bekanntgeworden. Bekannt wurde dagegen, dass es dem Reservekommando der amerikanischen Kriegsmarine anscheinend peinlich wurde, einen solchen Hetzer in den Listen zu führen. Die Antidiffamierungsliga des Bne Brit-Ordens hatte sich au das Kommando dieses Reservekorps mit der Frage gewandt, ob eine weitere Zugehörigkeit des „amerikanischen Nazi Nr. 1” der Würde des Militärs der Vereinigten Staaten zuträglich sei. Man überlegte hin und her, wie man die Streichung von der Liste begründen solle, und kam dann auf die Idee, Mr. Rockwell zu schreiben, er komme aus Altersgründen nicht mehr dafür in Frage, als Kampfpilot eingesetzt zu werden, | wie es im letzten Weltkrieg ■ und auch im Korea-Krieg I geschehen war; er habe zwar die Möglichkeit, dage-! gen innerhalb eines Monats ¡vor einem Marine-Ausschuss in Washington Beschwerde einzulegen; aber man rate ihm im Guten, sich als ausgeschieden zu betrachten. Rockwell verzichtete auf Einspruch — vermutlich schon deshalb, um sich in seiner Hetztätigkeit dann unbehindert von allen Rücksichten besser „ausleben“ zu können. Um ihm diesen Entschluss zu erleichtern, Erklärungen der Solidarität New York. — Dankesbotschaften an die Syndikate, die vor dem ägyptischen Schiff „Cleopatra” Streikposten aufgestellt haben, wurden von 3.000 Personen unterschrieben, die den von der Histadrut organisierten Sederfeiern im Waldorf Astoria und Commodore-Hotel beiwohnten. Der Gouverneur von New York, Rockefeller, sprach bei beiden Veranstaltungen und identifizierte sich persönlich mit der Idee dieses Befreiungsfestes. Er gedachte auch der Freiheitskämpfer des Warschauer Ghetto, zu deren Andenken sechs Lichter entzündet wurden. AUS EUROPA Brüssel. — Omer Becu, Generalsekretär der Internationalen Transportarbeiter-Gewerkschaft, lobte die USA-Syndikate, die das ägyptische Schiff „Cleopatra” im Hafen von New York boykottieren, und nannte ihr Vorgehen „gerechtfertigt”. Auch Victor Laiock, ein belgischer Sozialist, gab seiner Solidarität mit den nordamerikanischen und skandinavischen Hafenarbeitern Ausdruck, weil diese der ägyptischen Schiffahrt den Boykott erklärt haben, um dagegen zu protestieren, uass Schiffe, die mit Israel Handel treiben, auf die schwarze Liste gesetzt worden sind. „Die Freiheit der Schiffahrt in den anerkannten Wasserstrassen muss respektiert werden. Die Aegypter untersuchen nicht nur die Schiffe, die israelische Waren befördern, sondern sie halten sie auch auf. Die Geduld u:>- erer Hafenarbeiter nähert sich ihrem Ende”, führte er aus. j ging die Marineverwaltung so weit, bekanntzugeben, sie habe ihn in keiner Weise „bestrafen“ wollen sondern habe ,,im Zuge der üblichen Verwaltungsprozedur‘< verfahren. Unter der „Führung“ dieses Mannes setzte seine „Amerikanische Nazi - Partei“ ihr Treiben vor allem in Washington während des ganzen Monats Januar, da die Hakenkreuze allerorten in der Welt ins Kraut schossen, unentwegt fort. Und so geschah es, dass er mit dem 34jährigen Kenneth Morgan dem „Stellvertreter des Führers“, Anfang Februar an einer Strassenecke in Washington nazistische Hetzschriften an die Strassenpassanten verteilte. Sie wollten eines der Pamphlete dem 48jährigen Ingenieur Irving Berman aufdrängen, einem gerade vorbeikommenden prominenten Mitglied der grössten Synagogengemeinde. Berman,. verbat sich die Belästigung; und in Minutenschnelle kam es zwischen ihm und Morgan zum Handgemenge, während sich der frühere Offizier Rockwell mit dem Mut, der solchen Leuten eigen ist, in einigen Metern Entfernung passiv verhielt. Immerhin, als Poj lizei dazwischentrat, sistierte sie nicht nur die beiden, die inzwischen in einen regelrechten Boxmatch verwickelt waren. Sie nahm auch Herrn Rockwell mit auf die Wache, nachdem sein „Rudojf Hess“, plötzlich recht kleinlaut, auf den „Führer“ als den Rädelsführer verwiesen hatte. Morgan und Berman wurden gegen Bürgschaftsleistung, und der an dem Vor- —fall physisch nicht direkt beteiligte Rockwell ohne Bürgschaft von der Polizei wieder entlassen, aber die Staatsanwaltschaft leitete im Namen der Stadt Washington ein Verfahren wegen öffentlicher Ruhestörung ein. ZWEI HOECHST EHREN¬ WERTE GLAUBENS¬ GENOSSEN Als es zur Verhandlung kam, erwies sich zur Verblüffung des Richters, dass sich die zwei amerikanischen Nazis durch Vermittlung einer „Vereinigung und verwiesen vor allem darauf, dass keine städtische Verfügung die Agitation der beiden Antisemiten gesetzwidrig mache. Irwing Berman seinerseits schilderte den Hergang so, dass ein besonders grelles Schlaglicht auf den Charakter des „Führers” fiel. Rickwell war es, nach dieser Darstellung, der seinen „Stell Vertreter«* überhaupt erst veranlasst hatte, die Hetzschrift gerade ihm, Mr. Bermann als einem Strassenpassanten mit unverkennbar jüdischer Physiognomie aufzudrängen — während sich der „amerikanische Nazi Nr. 1“ nach dieser Provokation im Hintergrund zu halten versuchte. Ferner verlas Irving Berman vor Gericht das Flugblatt, um das es gegangen war, und zog zum Vergleich das parteiamtliche Programm Rockwells heran. Hier wie dort werden den amerikanischen Juden Gasöfen zu ihrer Vernichtung Ische angedroht. Hier wie dort wird die Schaffung einer „Internationalen Behörde zur Kontrolle über die Juden“, sowie zum Zweck, „alle Nichtjuden in den USA, die sich auf die Seite der Juden geschlagen haben, als Hochverräter vordem Capitol in Washington öffentlich aufzuhängen” — und was dergleichen mehr ist, gefordert. Der Richter vertagte die Verhandlung zunächst.Rockwell pflanzte sich bei Schluss der Sitzung vor den zwei jüdischen Anwälten breitbeinig auf, erhob den Arm zum Hitlergruss und schrie ihnen „Sieg Heil“ ins Gesicht, eine Lektion, die sie schon verdient hatten, wie man sagen muss. Archäologie in Transjordanien Jerusalem. — Die Suche nach einem verborgenen Schatz begann vor einigen Tagen auf der transjordanischen Seite der Klagemauer. Die transjordanischen Zeitungen gaben bekannt, dass die Ausgrabungen unter Leitung von Prof. John Allegro von der Universität Manchester vor sich gehen. Gemeinsam mit dem Antiquitäten-Amt Transjordaniens sucht Prof. Allegro, der eine Autorität für die Rollen vom Toten Meer ist! einen angeblich vor 2.000 Jahren im Zweiten Tempel’ vor seiner Zerstörung durch die Römer „verborgenen Schatz”. Der Bericht hierüber soll in den Toten-Meer- Rollen enthalten sein. Bewaffnete Soldaten der Arabischen Legion schützen die Ausgräber, denn die mohammedanischen Gläubigen betrachten die Suche an einer Stelle, an der sich eine musulmanische heilige Stätte befindet, als schwere Sünde. Kansas City. — Ein Archäologe aus dieser Stadt verlor das Recht auf Ausgrabungen bei der Suche nach den untergegangenen Städten Sodom und Gomorrha, wie mitgeteilt wird. Er war mit Erlaubnis der transjordanischen Behörden beschäftigt, den Grund des Toten Meeres zu untersuchen. Dr. Ralph Beney wurde die Bewilligung entzogen, weil er „seit fünf Wochen nichts gefunden hat”. Dr. Beney, ein baptistischer Geistlicher, hatte sich mit vier anderen Amerikanern nach Transjordanien begeben und führte Taucherausrüstungen und Fotoapparate mit sich, die eigens für Unterwasserfotografien präpariert worden waren, um der Einwirkung des Salzgehalts des Toten Meeres zu widerstehen. (ITA) Anschluss an Zionistische Weltorganisation DIE BUCHSTABEN DES GESETZES Bei Wiederaufnahme des Verfahrens erwies sich, dass diese beiden ehrenwerten Glaubensgenossen als Juristen so spitzfindig, wie als Juden minderwertig sind Dem Legal Adviser der Stadt Washington, blieb nichts übrig, als in der Tat festzustellen, dass die Verbreitung und Verteilung derartiger Hetzschriften von keiner kommunalen Verfü- Montevideo. — Das Jüdi- Zentralcomite in Uruguay erklärte in einer offiziellen Resolution den Anschluss an die Zionistische Weltorganisation. Die Entmenges mit Strafen belegt wurden. Und noch nicht 24 Stunden später waren Hakenkreuze, die sorgfältig aus Pappe geschnitten waren, in beträchtlicher Menge an die Hausfronten der Regierungsgebäude auf dem Capitol Hill geklebt worden. zum Rechtsschutz für ame- , gung verboten sei. Und so rikanische Bürger** zwei jühatte das Gericht in der für dische Anwälte zu ihrer i angelsächsische Rechtsbe Verteidigung beschafft hatten, die Advokaten David Schapira und Laurence Speiser! Diese Tatsache verbreitete sich in den jüdischen Kreisen Washingtons — wie in der nicht jüdischen Oeffentlichkeit — mit Windeseile. Aber der Sturm von Protesten, den das Verhalten der beiden Advokaten auslöste, beirrte diese nicht im mindesten. Sie plädierten aufgrund des in der amerikanischen Staatsverfassung verbürgten Rechts auf mündliche und auch schriftliche Meinungsäusserung Wahrscheinlich fehlt den jüdischen Organisationen und Synagogenverbänden in Washington und in ganz Amerika die Möglichkeit, Leute vom Schlage jener beiden Anwälte aus der jüdischen Gemeinschaft so auszuschliessen, wie es mit den Mitteln des Cherem in früheren Jahrhunderten möglich war. Hoffentlich werden sie einem vollständigen gesellschaftlichen Boykott ausgesetzt sein, und vielleicht sogar auch — obwohl wir es bezweifeln — einem Disziplinarverfahren der zuständigen Anwaltskammer, die schliesslich und endlich nicht nur auf die professionelle W ürde, sondern auch auf die charakterliche Makellosigkeit ihrer Mitglieder zu sehen _ hat was sicherlich zur „Bekenn zeichnenden \rufsethik*« gehört. Wichtiger indessen dürfte es sein, in Washington im Wege der lokalen Legislatur wie im Wege der Bundesrechtssprechung in den USA die Lücke zu schliessen, die sich bei diesem Prozess enthüllt hat. Oder soll es dahin kommen, dass das grosse, freie Amerika vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten wird? Schliessung ist auf die kürzlichen Unterhaltungen während der Anwesenheit Dr. Nachum Goldmanns in-Uruguay zurückzuführen ■ und wurde jetzt gelegentlich des Besuches von Leon Dulzin, dem Sonderdelegierten' der Z. W. O., formalisiert. In Kürze werden die Einzelheiten des Anschlusses festgelegt werden. Dulzin, der Mitpräsident des Keren Hajessod ist, proklamierte in Uruguay die diesjährige Einheitskampag. ne für Israel. Vorher wurde er vom Repräsentativen Ausschuss des uruguayischen Judentums in einer feierlichen Sitzung empfangen, bei der die vor einigen Wochen von Dulzin eingeleiteten Unterhaltungen zu glücklichem Ende geführt wurden. Am Abend des gleichen Tages trat der israelische Abgesandte als Hauptredner bei der feierlichen Proklamierung der Magbid 1960 auf, bei der beschlossen wurde, den Beitrag der uruguayischen Judenheit zur Einheitskampagne zu verdoppeln. Zum Präsidenten der Kampagne wurde Akiba Stri kowsky gewählt. (ITA) griffe so Formgebundenheit schliesslich anscheinend keine andere Wahl, als sich an den Buchstaben des Gesetzes zu klammern. Ja, im Gerichtsbeschluss wurde die Polizei Washingtons sogar aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Herren Rockwell und Morgan ihr „Aufklärungsmaterial“ künftig unbehindert auf den Strassen verteilen können. Im übrigen endete das Verfahren wie das Hornberger Schiessen, ohne dass die beiden Gegner des Handge- Entschädigungen für Holland Den Haag. — Der westdeutsche Aussemninister Dr. Heinrich von Brentano untei’zeichnete hier mit der holländischen Regierung einen Vertrag, durch den Holland als Entschädigung für die holländischen Opfer der Naziverfolgungen der Betrag von 125 Millionen DM zugestanden wird. Das Abkommen wurde nach jahrelangen Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen geschlossen. (ITA) I Registro de ía Propiedad Intelectual N? 624.078 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3118 i

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