Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1766 (1.4.1960)
- Date
- 1960-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o « JB ST3 î* C u *{ o *î .9 a g O H O < o FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 1? DE ABRIL DE 1960 No. <766 EL EJEMPLAR en toda la República 3.- Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 i*q. T. E. 83 . 2613 HEI mil i. mil von KURT KAISER-BLUETH 1. APRIL 1933 IN BERLIN Der Tag des üudenboyliottE. zu dem die neuen Machthaber ihre SA-Stoss- U'U'pps mobilisiert haben. Seit mehr als vier Wochen bin ich illegal und in dieser Nacht war ich, immer ambulant, immer in einem anderen provisorischen Notdomizil, um den Häschern zu entgehen, bei Freunden in einer Seitenstrasse des Berlines Westens. unweit des Kurfürstendamms. Als ich gegen 9 Uhr vom Fenster auf die Strasse sehe, sind vor dem Modeartikel- Geschäft auf der anderen Strassenseite zwei stämmige SA-Posten angetreten. Das Schaufenster ist mit Farbe verschmiert und mit grellen Plakatstreifen beklebt: „Deutsche, kauft nicht bei Juden!” „Dies ist ein Judengeschäft!” — „Deutsche wehrt Euch — Boykottiert die jüdischen Provokateure!" Und mit Kreide sind schlecht geratene Davidsterne an die Tür gemalt. — Das Gescnäft ist trotzdem geöffnet. Die Besitzerin, eine ältere Frau, die sich indessen nicht einschüchtern lässt, tritt, bebend vor Entrüstung vor die Ladentüre. „Sie können doch meine Kunden nicht bedrohen!” ruft sie den SA-Leuten entgegen, „was sind denn das für Manieren!” — „Rein in ter von Verdun”. „Die Engländer”, s.? er, „sind entschlossen ch^rehzuhalten. Bis zum letztet Franzosen, versteht sich. Sie selbst bleiben, Egoisten, wie sie es immer gewesen sind, auf ihrer Insel. Was zum Teufel gingen sie Danzig und die Polen an?!” Wohin man hört, defaitistische IV orte, bösartige Witze auf die Alliierten, die aus dem Goebbelsschen Propagandaministerium stammen könnten. Alles ist unterminiert und vergiftet von der 5. Kolonne. Ein hoher Funktionär sagt mir: „Wir naben wahrscheinlich zu wenig Flugzeuge und nicht genügend Tanks. Aber das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass die Moral so tief steht, d*tss das nicht mehr aufzuholen ist. In dieser Etappe wenigstens nicht. Wenn die Nazis morgen angreifen sollten...” Er macht eine Geste, die nicht zu missdeuten ist. Knapp sechs Wochen später begann der Zusammenbruch. 1. APRIL 1942 Illegal in Marseille. Man übernachtet bei völlig Unbekannten, deren Adresse man bekommen hat, weil eine herrliche Solidarität alle die verbindet, die an eine bessere Zukunft glauben. Man schläft auch en Gurion sprach mit Adenauer Deinen Stall, Judensau!” im Freien und aui den Gar‘ kreischt der eine der Teutonen und gibt der alten Dame einen so heftigen Tritt vor das Schienbein, dass sie zu Boden fällt... 1. APRIL 1946 Wegen „anerkannter Loyalität” aus dem Lager befreit, in das übervorsichtige Bürokraten ausgerechnet die Emigranten gesteckt haben, finde ich mich in Paris nicht mehr zurecht. „Dieser Krieg ist eine Schande”, sagt mir ein Taxichauffeur. „Ja, diese Nazis....” beginne ich. ,Wer epricht von Nazis! Das ist alles absurd. Die Engländer haben uns da reinmanövriert weil wir ihnen die Kastanien aus dem Feuer holen sollen. Und dann stehen auch die Juden dahinter.. Mein Hotelier ist ein „Al¬ Empfang illustrer Gäste Jerusalem. — Aussenminister Goiaa Meir gab ein Essen zu Ehren vom Richter J. M. Proskauer aus New York, der in Begleitung seines Nelfci.. des Marine-Kommandanten Anthony Smith, zu Besuch in Israel weilt. Dem Bankett wohnten der Präsident des Obersten GerHiuhrfas, Richter I. Olshan, U3A-Botschafter Ogden Reid tmd M:tgliede des Tiabirmtis bei. TTA) tenstühlen der Strandrestaurants, die kreuz und quer unweit des Meeres im Sand stehen, wenn man einmal kein Obdach findet. An diesem Tage gehe-ich in eine Hafenkneipe im Viertel des „Vieux Port”, des alten Hafenquartiers, das die Nazis ein Jahr später in die Luft gesprengt haben, und hole mir unter falschem Namen ein Paket ab, das mir unter eben diesem falschen Namen meine Familie aus Brüssel an eine Adresse geschickt hat, die nicht die meine ist. Das Paket wurde über die Grenze geschmuggelt und von einer französischen Grenzstation mit der Post verschickt. Es enthielt Lebensmittel, einige Zigarettenpakete und sogar drei Schlipse — kurz, die Möglichkeit, wieder einige Tage zu leben. Von den Schlipsen abgesehen, für die ich damals wenig Verwendung hatte. Wunder über Wunder. In einer Zeit, in der selbst eingeschriebene Pakete zu 50 Prozent verloren gehen und gewöhnliche Sendungen fast ausnahmslos gestohlen werden, erhält ein von Vichy und der Gestapo gesuchter Emigrant unter falschem Namen ein Paket ordnungsgemäss und unbeschädigt ausgehändigt, obwohl der Empfänger noch nicht einmal ein Domizil hat. Ueberflüssig, besonders darauf hinzuweisen, dass der Patron der Kneipe ein Mann der französischen Widerstandsbewegung war. Er war noch mehr — Gip- Die Wirklichkeit ist oft seltsamer als menschliche Phantasie es sich vorstelien kann. Wer würde vor zehn Janren gedacht halben, dass eine so dramatische und gleichzeitig historische Zusammenkunft im Jahre 1960 zwischen dem Manne stattfinden würde, der die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes in einem Staat symbolisiert, der aus den Trümmern der Galut und dem Blut seiner Söhne erwachsen ist, und dem Manne, der das Nachkriegs- Deutschland verkörpert, das sich aus Trümmern zu einem mächtigen westeuropäischen Staat entwickelt hat und sich bemüht, die Welt davon zu überzeugen, dass dieses Deutschland ein gänzlich anderes ist? Zusammenkünfte von solcher Bedeutung sind im menschlichen Leben selten. Kein Wunder daher, dass dieses Zusammentreffen die Aufmerksamkeit der ganzen Welt erregt hat. DIE POLITISCHE BEDEUTUNG Indessen war die Zusammenkunft zwischen Ben Gurion und Bundeskanzler Adenauer auch von höchster politischer Bedeutung. Der Ministerpräsident Israels hat u. a. seine Reise unternommen, um Staatsmänner und Persönlichkeiten, die entscheidenden Einfluss in der internationalen Politik haben, zu sprechen und sie mit der Lage im Mittleren Osten bekanntzumachen, ihnen die Haltung Israels und seine Notwendigkeit darzulegen und Missverständnisse zu beseitigen, soweit sie Israels Beziehungen zu anderen Staaten betreffen. Es kann kein Zweifel darüber fei der Ironie: er arbeitete auch im Fremden Überwachungsdienst der Polizeipräfektur. .. 1. APRIL 1945 Wir sitzen in den Räumen der frisch installierten „Auslandspresse” in Paris, die damals unweit der Madelai ne provisorisch untergebracht war und warten auf die Endrunde. Da kommt der Korrespondent einer schwedischen Zeitung hereingestürat und ruft: „Es ist so weit! Wisst Ihr es noch nicht? Vor fünf Minuten hat es der Rundfunk durchgegeben: Die Deutschen haben kapituliert!” Und als wir an die Telefone stürzen, um Näheres zu erfahren, da sagt er lachend: „April! April!” „Das war kein Aprilscherz”, ruft Victor Schiff, der frühere aussenpolitische Redakteur des Berliner „Vorwärts”, der auch der Vertreter seines Blattes im Völkerbund in Genf war und nun schon viele Jahre tot ist, „das ist bereits die halbe Wahrheit von heute und die ganze Wahrheit von morgen!'* von DOW JOSEPHI bestehen, dass Ben Gurion gewünscht hätte, auch den russischen Ministerpräsidenten Nikita Krutschew zu treffen, aber dieser zeigte für die Zusammenkunft kein Interesse. Weder Ben Gurion noch sonst jemand in Israel übersieht die Tatsache, dass sich im Herzen vieler Menschen noch ein bitterer Kampf über die Frage der Beziestärken, genau so Seme fofr-artM** M Deutschland pflegen. Trotz der Tatsache, dass keine diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland bestehen, ist jedem die freundliche Haltung Deutschlands Israel gegenüber bekannt. Sehr wenig Leute sind sich indessen der wirklichen Bedeutung solcher Beziehungen seine Unterstützung durch Deutschland auch später fortgesetzt weiden solle, mit ■ ' '~i aufger nommen haben. Westdeutschland und Israel Bonn. — Eine der grössten westdeutschen Zeitschriften, „Der Spiegel”, fordert die unverzügliche Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel. Auf diese Weise nimmt diese Wochenzeitung die Polemik mit der Mehrzahl der Bundeszeitungen auf, die sich befriedigt erklärten, dass dieses Thema bei dem newyorker Treffen zwischen Bundeskanzler Adenauer und Ministerpräsident Ben Gurion nicht berührt wurde. In einem Bericht über diese Zusammenkunft, in dem auf die arabischen Drohungen gegen Westdeutschland verwiesen wird, greift „Der Spiegel” den „Anachronismus der Hallstein-Doktrin” an, die das deutsche Auswärtige Amt als Argument gegen diplomatische Beziehungen mit Israel benutzt. Die genannte Doktrin besagt, die Bundesrepublik werde mit allen Staaten, die Ostdeutschland anerkennen, die Beziehungen abbrechen. „Der Spiegel” schreibt, da Ostdeutschland schon mit vielen arabischen Ländern durch grosse Handelsmissionen eine Art von diplomatischem Status geschaffen habe, so hätte die Bundesregierung nichts zu verlieren und alles zu gewinnen, wenn sie diplomat •sc <e Beziehungen mit Israel sfilfnimmt. (ITA) hungen von Israel Deutschland abspielt. Das ist nur natürlich. Aber ein Mann, der die höchste Verantwortung für den Frieden seines Landes trägt, das sich im Zustand der Blockade befindet, kann nicht zaudern, sondern er muss zu einer Entscheidung kommen. Eine Persönlichkeit, auf deren Schultern die Verantwortung für die Sicherheit des Staates ruht, sieht sich einer gewissen konkreten Wirklichkeit gegenüber, in der Deutschland wahrscheinlich eine führende Rolle spielen wird. Ob dies angenehm ist oder nicht — wir müssen mit der Tatsache rechnen, dass Deutschland sich zu einem gewichtigen Faktor der Weltpolitik entwickeln wird und es nicht nur sinnlos, sondern sogar ein Verbrechen wäre, dieser Erkenntnis auszuweichen und zuzusehen, dass sich diese Weltmacht in einen gegen Israel gerichteten Faktor auf dem Gebiet der internationalen Politik verwandelt. Und Deutschland kann sehr wohl zu einem Gegner Israels werden, nicht nur, weil es eben Deutschland ist, sondern auch aus dem Ginn de, weil es ein grosses T>and mit weitgehenden Weltinteressen ist. Deutschland kann genau so ein anti-israelischer Staat werden, wie es Frankreich, England oder Amerika aufgrund ihrer . politisch-w irisch af tli cheh Interessen in der arabischen Welt werden könnten. Und genau so, wie der Staat Israel ständig bestrebt sein muss, seine Freundschaft zu diesen -drei Weltmächten zu für Israels lebenswichtigste Interessen bewusst.Man darf andererseits auch die Tatsache nicht übersehen, daiss es verschiedene Kräfte in Deutschland gibt, deren Augen beständig auf die arabischen Staaten mit ihren grossen Märkten und einem weiten Feld für Kapitalsanlagen gerichtet sind. Diese Kreise, die kein sie sehr belastendes Gewissen besitzen, betrachten eine Annäherung zwischen Deutschland und Israel nicht mit freundschaftlichen Augen- Sie scheinen nur auf den Augenblick des Abschlusses zu warten, um eine Trennung der Beziehungen mit Israel und ein festeres Band mit den arabischen Staaten zu fordern. ADENAUERS ANKUEN. DIGUNG BEGRUESST Menschen, die nicht die Verantwortung für das Wehl Israels auf ihren Schultern tragen, mögen einer solchen Eventualität gleichgültig entgegensehen. Vielleicht sind sie sich dessen bewusst, was die Israelis aufs Spiel setzen, wenn sie die Beziehungen mit Deutschland vernachlässigen. Aiber diejenigen, die die Wichtigkeit guter Beziehungen wnd der Kooperation zwischen Weet- Deutschland und Israel verstehen, müssen zweifellos die von Adenauer nach «einer Zusammenkunft mit Ben Gurion abgegebenen Erklärung, dass die Zusammenarbeit mit Isrttel «öd Die Sowjet-Propaganda bemüht sich, das Zusammentreffen zwischen Ben Gurion und Adenauer mit internationalen Betrachtungen zu verknüpfen. Die Besprechung wird als eine israelisch - deutsche Machination gegen die politische Entspannung der Welt dargestellt. Dies ist nicht nur lächerlich, sondern es ist böswillig. Das Volk Israels rückt nicht nur von dieser verleumderischen Propaganda ab, sondern es begrüsst im allgemeinen die Begegnung der beiden Staatsmänner, wenn auch, ohne besonderen Enthusiasi mus. Es ist politisch reif genug, um zu begreifen, dass es sich hierbei um eine historische Notwendigkeit handelte. Das Volk akzeptiert die politische Linie der Regierung, dass man zwar die Vergangenheit nicht vergessen muss, dass es aber, besonders für die Wirtschafts- und Sicherheits-Lage des Staates notwendig;st, die Beziehungen mit Deutschland auf diesen beiden Gebietijn so eng wie mügltoh gestalten. Wie . aus Z'UverläiSsigen Quellen verlautet, ist das Resultat der Unterredung zwischen den beiden Ministerpräsidenten von grösstem Wert für Israels Interessen im Hinblick auf diese Erfordernisse. jfi Ratgeber der Königin Montreal. — Mr. Monroe Abbey, der Vorsitzende der Exekutive des Kanadischen Jüdischen Kongresses wurde zum Ratgeber der Königin ernannt. (WJA) Verlust der Ernte Tel Aviv. — Die furchtbare Trockenheit der letzten, Zeit hat die Siedlung Klar Silver um ihre Ernten beraubt. Die Getreidefelder, sowie die Gemüse- und Obstpflanzungen sind vollständig ausgedörrt. Zum letzten Mal wurde vor elf Jahren eine derartige Trokkenheit verzeichnet. (ZINS) Arabische Spione Tel Aviv. — Die Behörden kündigten die Entdeckung einer neuen Gruppe von arabischen Spionen an. Wie es heisst, werden die Mitglieder dieser Organisation beschuldigt, „kn Dienst der arobfechlen Nachbarländer’* 4U stehen. In Akko UBä Göäöäa wurden fünf Aseber von der Poli?.?i verhaftet. UTA) Registro de ia Propiedad Intelectual N9 ß24.07i> Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 35