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Jüdische Wochenschau · 1960-03-29 · 1765 (29.3.1960) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1765 (29.3.1960)
Date
1960-03-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
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Martes, 29 de Marzo de 1960 T. E. 83 - 2613 PUEYRREDON 21901. St. Bankier findet ron HAIM SHACHTER Dreiundzwanzig Briefe, die vor etwa 64 Jahren von Dr. Theodor Herzl an den Grossherzog Friedrich von Baden, den Onkel Kaiser Wilhelms XI. geschrieben wurden, sind im Staatsarchiv von Baden, Deutschland, aufgefunden und Kopien dieser Briefe dem Herzl-Archiv in Jerusalem übergeben worden. Unter diesen 23 Briefen befinden sich achtzehn, auf die in Herzls Tagebüchern Bezug genommen ist, und deren Entwürfe in Herzls Privatarchiv aufbewahrt sind. Von fünf dieser Briefe war bisher nichts bekannt. Diese neuen Funde, die jetzt dem Herzl-Archiv in Jerusalem einverleibt wurden, bilden einen geeigneten Auftakt zu den Feiern des hundertjährigen Geburtstages von Herzl, die in diesem Jahr in der jüdischen Welt begangen werden, und die in Jerusalem, anschliessend an den Tag der Unabhängigkeitserklärung, ihren Anfang nehmen werden. BEMUEHUNGEN EINES BANKIERS In einer Unterhaltung mit Dr. Alexander Bein, dem Direktor des zionistischen Zentralarchivs in Jerusalem und dem Herzl-Biographen, und seit vielen Jahren auch Kurator des Herzl-Archivs in Jerusalem, erfuhr der Schreiber dieser Zeilen, dass bereits im Jahre 1951 eine Anfrage an das Staatsarchiv in Baden gerichtet wurde, ob nicht irgendwelche Dokumente vorhanden seien, die die Beziehungen von Herzl zum Grossherzog betreffen, von dem Herzl in seinen Tagebüchern als „dem guten alten König aus dem Märchen” spricht. Die Antwort war, dass kein derartiges Material gefunden werden konnte. Im letzten Jahr besuchte der telaviver Bankier Hermann Ellern Mitglied einer »ehr bekannten Bankfirma in Baden in der Vorhitlerzeit seine Vaterstadt Karlsruhe, um Familienangelegenheiten zu ordnen. Gelegentlich eines Aufenthaltes dort sprach er vor einem Kreis von Freunden über die Beziehungen des Staates Israel und Baden und las Auszüge aus Herzls Tagebüchern über Karlsruhe vor, wie dieser es j zur Zeit »eines Besuches vor 1 64 Jahren fand. Dabei kam ihm der Gedanke, dass einige von Herzls Briefen an den Grossherzog Friedrich, im Staatsarchiv aufgehoben sein könnten. Er wandte sich an den Markgrafen Berthold von Baden, den Sohn von Prinz Max von Baden, dem letzten Reichskanzler des Deutschen Reiches, und bat ihn um Hilfe bei der Nachforschung. Dieser veranlag ♦e den Kurator des Famir Kenarehivs, nach solchen Dokumenten zu forschen, ®nd vor einigen. Monaten erhielt EHern die Nachricht, «lasseine Anzahl von Brieftn- Heraus gefunden wurde. Bllern schickte sofort seine "rau nach Baden, wo Markgraf Berthold persönlich einen alten Kasten mit Dokumenten öffnete und die Epistel hervorzog. Ellern sagt, dass seine Frau beim Anblick derselben so bewegt war, dass sie das traditionelle „Shehechyanu” sprach. DER GROSSKERZOG UND DER ZIONISMUS Die Geschichte von Herzls Kontakt mit dem Grossherzog Friedrich ist interessant. Her zl hatte die Bekanntschaft von Pastor Hechler gemacht, der Lehrer im Haushalt des Grossherzogs war und, von messian Lehen Begriffen erfüllt, in Herzl die Verkörperung messianischer Prophezeiung sah. Auf Herzls Ersuchen arrangierte Hechler eine Audienz für ihn bei dem Grossherzog, durch den Herzl an den Kaiser und den Zaren hera-nzukommen hoffte. Es wird berichtet, dass der Grossherzog bei dem ersten Zusammentreffen so beeindruckt von Herzl war, dass er sich mit seinem ganzen Herzen in den Dienst der zionistischen Sache stellte. Es lag Herzl besonders viel daran, einen Weg zu finden, um dem Kaiser seine Pläne vorzutragen. Deutschland war seinerzeit die einzige Macht, che die Türkei unterstützte, und er hoffte durch den Einfluss des Kaisers in der Lage zu sein, vom Sultan den begehrten Charter für die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina zu erhalten. Dank der Vermittlung des Grcssherzogs empfing Kaiser Wilhelm tatsächlich Herzl in Jerusalem, als der Kaiser das Heilige Land besuchte, um bei den Eröffnungsfeierlichkeiten der Dormitio-Kirche auf dem Zionsberg in Jerusalem anwesend zu sein. Der Grassteerzog war den Plänen Herzig so sehr zugetan, dass man ihn. einmal den „einzigen Zionisten in Baden“ nannte. Als guter Freund seiner jüdischen Untertanen drückte er den Wunsch aus, dass die örtliche jüdisehe Gemeinde nichts von seiner Unterstützung des Zionismus erfahre, damit seine guten Absichten nicht missverstanden und als Zeichen ausgelegt würden, dass er sich ihrer entledigen wolle. Grossherzog stehen sollte. Durch diesen Plan hoffte Herzl, das ottomanische Gesetz zum umgehen, das die Erwerbung von Land durch die zionistische Bewegung verbot, sondern dies nur Privatpersonen erlaubte. Die türkischen Behörden fühlten, dass dieser Plan einen Umweg für zionistisches Eindringen bedeutete, und so sah die deutsche Regierung auf das Protektorat des Grossherzogs über die Gesellschaft nicht mit wohlgesinnten Augen. Das Telegramm informierte Herzl, dass der Kaiser nicht imstande wäre, ihm wegen der Gründung dieser Gesellschaft eine Audienz zu gewähren, und riet ihm, diese Angelegenheit einem seiner Minister zu unterbreiten. Das Bündel Briefe ist das erste einer Reihe von Schriftstücken, die sich möglicherweise noch im Staatsarchiv von Baden befinden. Man sucht jetzt nach dem Briefwechsel über die jüdische Frage zwischen dem Grossherzog und anderen Staatshäuptern, wie dem Kaiser und dem Zaren. Werden diese Korrespondenzen gefunden, so werden sie sicherlich ein Licht auf die. hinter den Kulissen geführten Verhandlungen während der frühen Jahre der zionistischen Bewegung werfen. EIN SCHMUCK SEINES HEIMES Einer der Briefe von Herzl, der bisher nicht bekannt war, ist ein Dankschreiben an den Grossherzog für dessen Porträt, das er Herzl durch Pastor Hechler schickte. In. diesem Brief schreibt Herzl: „Möge es dereinst mein oder meiner Kinder Haus im Heiligen 'Lande schmücken.” Ein anderes bisher unbekanntes Dokument ist ein Telegramm des Kaisers an Herzl. Dieses Telegramm betrifft Herzls Pläne, eine Gesellschaft zwecks Landkaufs in Palästina zu errichten, an deren Spitze der NACHRICHTEN AUS ISRAEL FISCHERBOOTE IM ROTEN MEER Der Landwirtschaftsmlnister genehmigte einen Plan, im Roten Meer vom Hafen Elat aus drei gTosse Fischerboote in Betrieb zu stellen. Der Plan beruht auf der Annahme, dass jedes Bot jährlich 15 Mal in See sticht, 20 Tage lang dem Fischfang nachgeht und jährlich 300 Tonnen Fische fängt. Die Durchführung dieses Planes würde den Beginn eines neuen Kapitels in der israelischen Fischerei bedeuten. UMSCHLAG VON GUETERN Im Jahre 1959 wurden im Hafen von Elat 130.000 Tonnen trockener Güter von Scniffen gelöscht oder auf Schiffe verladen Da es im Jahre 1958 nur 56.500 Ton nen waren, ist eu; Steigerung von 130 Prozent zu verzeichnen gewesen. AUFLOESUNG VON MAABARA In Ramat Josef, zwischen. Bat Jam und Cholon, werden jetzt 1.200 Wohnungen fitr die Insassen der Maaba- ,tVt» LJ90.P— Vfo t9* rawfr ym uram Sv •* rrm 2 VDtvh am jnjN rvxrm ‘ T l S X « n**nn 1 f 3 ■* jf u fs»nna rrmr oto (Vfo ’‘raSs nvmS « i* »*•» *uumu4j m m Sun w mm *4 pJFap» .pmab ia» vw mfm j? î < Van .runa ran» otacn Sw ranoS - - C i 1.1 «pS ■uyo» oniuftS oxnro ji!fi * 4» i,1*- -■*“ ofcV'»io a«. umj »tV •£ C 5 Ä S I xqjiKwr <¡awj < m&täv | am nun rai ai «Kur ai «eo'oto f -on« «I CfiiCu (MvJ> wub tft 00M0O So sieht eine Obligation der israelischeu Gesellschaft CHA1L aus, die von der Jewish Agency gegründet wurde, um eine neue Form der privaten Kapitalbeteiligung am Aufbau Israels zu schaffen. — Die Hälfte aller Obligationen dieser Serie wird zur vorzeitigen Rückzahlung ausgelost und zwar mindestens zum doppelten Betrag des eingezahlten Nennwertes. — Nähere Auskünfte; Jewish Agency, Sektion Chail, Lavalle 1464, 2. Stock, Tel. 40-7106 Die „Alliance" und Crémieux n In diesem Jahre 1960 ist ein Jahrhundert vergangen, seit die „Alliance Israélite Universelle” geschaffen worden ist, und es jährt sich zum 80. Male der Todestag eines ihrer Mitbegründer, Isaac Adolphe Crémieux, dessen Wirken ein Ruhmesblatt in der neueren Geschichte des jüdischen Volkes bildet. Am 23. April 1796 in Nîmes (Frankreich) als Sohn eines talmudiseh, gebildetem sefardischen Juden geboren, wurde Crémieux Advokat, der es zu hohem Ansehen brachte. Man wählte ihn ins Parlament, und zwei Mal war er Justizminister. 1875 war er Senator. In seine Ministerzeit fallen wichtige Justizreformen, für die er die Verantwortung trug. Doch weit wichtiger als sein Wirken für sein Land wurde für uns Juden sein Kampf gegen jüdische Not. Schon im Jahre 1840, als die gegen unschuldige Juden verübten Greuel von Damaskus in allen Kulturs1 aatenallgemeine Entrüstung hervorriefen, erkannte Crémieux die Notwendigkeit, eira (Uebergangalager) von Bat Jam fertiggestellt. Ferner wird dort ein Markt errichtet, auf dem es 60 Geschäfte geben wird. BAUMWOLLE In der kommenden Saison wird man im Lande 100.000 Dunam Baumwolle gegenüber 70.000 in der vorigen säen. FISCHZUEGE In den ersten neun Monaten des abgelaufenen Jahres wurden um 700 Tonnen mehr Fische gefangen als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. ERWERBT DEN SCHEKEL nen Verband zu schaffen, der die Juden aller Länder umfassen und überall dort eingreifen müsste, wo Juden ihrer Abstammung und ihres Glaubens wegen leiden würden. Dieser Verband sollte die Bedrohten mit Rat und Tat unterstützen und ihre Lage durch die Errichtung von Volks-, Ackerbau und Handwerkerschulen bessern. Doch erst zwanzig Jahre später, 1860, gelang die Gründung dieses Verbandes, der „Alliance Israelite Universelle”. Dieser Organisums sollte fortan im Namen der Juden sprechen und bei den Staatsbehörden intervenieren, wo immer sich dies als notwendig heraussteilen sollte. Es ist eine geschichtliche Tatsache — wenn es auch heute etwas seltsam klingt —, dass von ihr, der „Alliance”, die späterhin eine antizionistische Haltung einnahm, das erste grössere Erlösungswerk für unser Volk ausging. Im Jahre 1869 verkündete Cremieux: „Nur durch die Bodenarbeit kann Juda und Israel geholfen werden. Ihr werdet unseren Brüdern einen Unterkunftsort schaffen, eine Wohnstätte fftr diejenigen, die heute oder morgen ihren jetzigen Wohnort verlassen müssen, weil der Hass ihrer Nachbarn sie vertreibt.” Der Vertreter der „Alliance”, Carl Netter, erlöste den ersten Boden in Erez Israel für das jüdische Volk und gründete dort im Jahre 1870 die landwirtschaftliche Schule Mikw-e Israel. Er trug das Ideal in seinem Herzen, einst um diese Schule herum einen Kranz jüdischlandwirtschaftlicher Siedlungen zu errichten. Doch das Schicksal wollte es anders: Carl Netter starb vor der Zeit (1882). Naturgemäss wurde der Einfluss der „Alliance” geringer, als um die Jahrhundertwende die verschiedenen jüdischen Bestrebungen territorialer Art Zunahmen. Doch durch Jahrzehnte ist die Tätigkeit der „Alliance” wertvoll und segensreich gewesen, obwohl man ihr den Vorwurf nicht ersparen konnte, ihre Kultuarbeit häufiger unter französischen als unter jüdischen Aspekten gesehen z-u haben. Crémieux opferte viel Zeit und Mühe für dieses sein Lebenswerk. Es sei daran erinnert, dass er im Zusammenhang mit der Blutbeschuldigung yon Damaskus im Jahre 1850 in Begleitung von Sir Moses Montefiore, dem damaligen Präsidenten des „Board of Deputies” der britischen Juden, in den Orient reiste, um durch Vorstellung bei den Behörden schlimmeres Unheil zu verhüten und die Freilassung der Unschuldigen zu erwirken. Die „Alliance” hat auch oftmals im Verlaufe der Judenverfolgungen in Ost- und Südosteuropa eingegriffen, sich der Pogromflüchtlinge angenommen und den in trauriger Notlage lebenden Juden Nordafrikas geholfen. Ihr Schulwerk in den Lä0> dem der Levante, auch im Palästina der türkischen Zeit, war bedeutend und trug zur allgemeinen Förderung des Lebensniveaus bei. Auch in Deutschland bestand bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges eine Abteilung der „Alliance”. Heute setzt diese Hilfsorganisation mit dem Zentralsitz in Paris ihre Täigkeit auch in Amerika fort Crémieux hatte noch die Genuuung, zu erleben, wie, als erstes Ergebnis der Anstrengungen der „Alliance”, der Berliner Kongress von 1878 die Anerkennung der staatsbürgerlichen Gleichstellung der Juden in Rumänien durchsetzte. Seine Begeisterung und Ooferfreudigkeit für seine jüdischen Brüder, seine Bemühungen, ihnen zu helfen, sichern ihm ein bleibendes Gedenken in seinem Volke. Er starb im Februar 1880 in Passy. Curt Wilk

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