Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1763 (22.3.1960)
- Date
- 1960-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O CQ J .5 „ S 3 «¡ c C |H S ffl *1 u ® 5 Uh« < o FRANQUEOPAGADO Concesión 9G8 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 22 DE MARZO DE 1960 No. 1763 EL EJEMPLAR en loda la República Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1» T. E. 83 . 2613 3. BEI GURIOI ANTWORTET AUF FRAGEN (Fortsetzung von Seite 1) Beitrags zu unserer Volkswerdung in den ersten Phasen der nationalen Wiedergeburt.” Weiter sagte Ben Gurion: „Ich erinnere mich der Bewunderung, die ich bei meinem Besuch im Jahre 1940 in England empfand, als ich Zeuge des mutigen und unbeugsamen Widerstandes der Bevölkerung dieser Insel sein durfte, und sah, wie sie tapfer dem Tod und der Vernichtung die Stirn bot, den Hitlers Luftwaffe auf sie niederregnen liess”, und „das Volk von Israel würdigt den Beitrag, den England in der Geschichte und in der Jetztzeit asrr Zivilisation geleistet hat. und es teilt mit ihm das Streben nach demokratischen Werten, nach Frieden und nach Freiheit.” MacMillan gab zu Ehren Ben Gurions ein Frühstück, bevor die beiden Staatsmänner ihre Unterhaltungen begannen. VOR DER PRESSE London. — Ben Gurion sprach auf einer stark besuchten Pressekonferenz, zu der über 50 englische und ausländische Korrespondenten erschienen waren. „Wir ßind entschlossen, die guten Beziehungen mit der ganzen Welt zu pflegen. Unser grösstes Bemühen gilt der Herstellung des Friedens in der ganzen Region”, führte er aus. „Der Frieden ist noch fern, aber ich bin sicher, dass er kommen wird, und schneller, als man hofft, denn wir alle brauchen ihn dringend. Im Mittelostraum herrscht viel Armut, und es gibt viele diktatorische Regime. Wir vertrauen darauf, dass wir vermögen werden, unseren Nachbarn zum Wohlstand zu verhelfen. Ich bin überzeugt, dass unsere Freundschaft mit den nichtarabischen, mohammedanischen Staaten und mit den afro-asiatischen Ländern viel dazu betragen wird, den Frieden herbeizuführen.” Ueber die Möglichkeit einer Unterredung mit Krutschew befragt, entgegnete Ber, Gurion: „Ich wiird'3 nach meinen Unterhaltungen mit den westlichen Staatslenkern auch gern mit ihm sprechen.” Auf die Frage, ob er eine Abrüstungskonferenz für den Mittelosten anregen wolle, antwortete Ben Gurion, er wäre beieit, an irgendeiner Konferenz über die Abrüstung in Mittelost teilzunebmen, vorausgesetzt, dass diese unter gegenseitiger Kontrolle stehen werde. Ben Gurion wiederholte, sein Zusammentreffen mit Adenauer sei äusserst befriedigend verlaufen, und man hätte über internationale Fragen sowie über die den hi ittelosten und Israel begreifenden Probleme gesprochen. Andererseits stellte Ben Gin i' n entschieden in Abrede. d;ss Eisenhower «der ITnmmarskjold versucht hätten, nuf ihn. ei’ Qrvek «uszuiiben, damit Is ad seime Pläne zur AbLi'.ung der Wasser des Jordanflusses aufgeben solle. Einem Korrespondenten, der wissen wollte, was Israel nach Ablauf der deutschen Reparationszahlungen tun werde, erwiderte Ben Gurion: „Dann werden wir eben mehr produzieren und auch so überleben.” Er gab zu, dass Israel Hilfe im Ausland suche und hoffe, dass die USA, Grossbritannien und Deutschland sie gewähren würden. Zu den Fragen über Israels Anstrengungen, mehr Waffen zu erhalten, bemerkte der Ministerpräsident: „Ueber Verteidigungs-Fragen diskutiere ich einzig und allein mit den Chefs des israelischen Generalstabs.” Als er gefragt wurde, ob er mit General de Gaulle Zusammentreffen werde, sagte er, es sei noch nicht sicher, ob eine solche Zusammenkunft vor oder nach der Gipfelkonferenz stattfinden werde. Ben Gurion wiederholte, er empfehle nicht die Neutralisierung des Mittelostens sondern seine Abrüstung. Er bemerkte, die beste Garantie für die Sicherheit Israels sei seine eigene Stärke. Weder in seinen Unterhaltungen mit dem Präsidenten Eisenhower noch mit Premierminister MacMillan habe er die Dreier-Erklärung erwähnt, so versicherte er. Auf Fragen nach Nasser erklärte er seine Bereitschaft, mit ihm an irgendeinem Ort 'und zu irgendeiner Zeit zusammenzutreffen. Ueber die antisemitische Welle äusserte er, diese Ausbrüche besorgten ihn ebenso wie jeden anderen Menschen, ohne ihn jedoch zu beunruhigen, denn „wir sind heute nicht verloren wie wir es vor 100 Jahren waren; heute besitzen die Juden ihren eigenen Staat.” Schliesslich gab Ben Gurion über mögliche Aenderungen des Plans zur Ableitung der Jordanwasser Auskunft und betonte, Israel habe sich angesichts der vorhandenen Schwierigkeiten entschlossen, vorläufig die Wasser des Tiberias-Sees abzuleiten, obwohl dies technisch nicht einfach sei und Wasser aus einer Tiefe von 200 Metern unter dem Meeresspiegel heraufgepumpt werden müsse. Dies wolle aber nicht bedeuten, dass der ursprüngliche Plan aufgegeben werde. EINLADUNG AN MACMILLAN London. — Nach Abschluss der Unterhaltungen zwischen Ben Gurion und Mac¬ Millan kam man überein, die Besprechungen als „Fühlungnahme über die Mittelost- und Welt-Probleme''' zu bezeichnen. Im besonderen ■wurde über die Beziehungen Israels mit seinen Nachbarn diskutiert, sdvvie über ausgedehntere Aspekte im Nahen Orient, wahrscheinlich in Verbindung mit der Gipfelkonferenz. Ben Gurion teilte mit, er habe MacMillan eingeladeu, Israel zu besuchen. Man nimmt an, dass Kairos antisemitische Propaganda Radio Kairo brachte seine Unzufriedenheit über die antisemitischen Erscheinungen in Deutschland und den übrigen Ländern Europas zum Ausdruck, weil solche Vorgänge „nur dem Zionismus nützen und die Forderung nach jüdischer Einwanderung nach Israel stärken können.” Ein Kommentator des ägyptischen Senders und Zeitungen in der Hauptstadt der VAR vertraten sogar die Meinung, dass Juden und der „internationale Zionismus” die Hintermänner der Ereignisse in Deutschland seien. Auf einmal ist die ganze antisemitische Propaganda vergessen, die in den letzten Jahren von Aegypten ausging. Jetzt wollen die Politiker der VAR nicht mehr daran denken, dass sie deutschen Nazis und Antisemiten in grosszügiger Weise Zuflucht in ihrem Staate ge- MacMillan dieser Einladung Folge leisten dürfte. Ueber eine Unterredung mit Krutschew enthüllte Ben Gurion, er habe, bevor er an den Besuch in den westlichen Ländern dachte, mit dem Sowjetbotschafter Bodrow die Verbindung aufgenommen. Dieser habe ihm eine Antwort zugesagt, doch „bisher warte er noch auf diesen Bescheid”. Vor seiner Abreise nach New York, habe er Bodrow nochmals um Antwort ersucht, doch dieser habe entgegnet: „Wir werden darüber nach Ihrer Rückkehr sprechen.” Voraussichtlicn bleibt Ben Gurion 2 oder 3 Tage länger als vorgesehen in England, doch nicht in London. Es ist zu verstehen, dass er ruhebedürftig ist besonders da er noch weitere Besprechungen zu führen plant, vielleicht auch mit Sir Anthony Eden. (ITA) währten. Sie nahmen ja nicht Anti Zionisten auf, sondern alte und neue Nazis. Von dem alten Nazi Johann von Leers wird erzählt, dass er in allen Ländern Verbindungen mit antisemitischen Gruppen unterhält, Der Studienrat Zind, der erst nach dem Kriege als Antisemit bekannt wurde, schickte aus Kairo zu Weihnachten e ne Karte nach Deutschland mit der bezeichnenden Erklärung „ex Oriente lux”. „FEIND DER MENSCHHEIT” Aber es ist nicht einmal notwendig, die geflüchteten Antisemiten heranzuziehen, um sich über die Haltung der VAR ein Bild zu machen. Eß genügt, an eine Sendung von „Saut el Arab” (Kairo) in der Palästina-Ekke dieser Station zu erinnern, -die Bände spricht. In dieser Sendung hatte es u. a. geheissen: „Der Zionismus ist ein Feind der Menschheit, und wir glauben, dass der Zionismus eine Bedrohung für die Menschheit darstellt. Wäre Israel an einem anderen Orte als in Palästina als Staat entstanden, so hätten wir unsere Kritik an Israel dennoch laut werden lassen müssen. „Für diesen Glauben ist Verrätertum seit je kennzeichnend, und diese Eigenschaft liegt ihnen im Blute. In der Vergangenheit scheuten sie sich nicht, Propheten zu verraten und zu verleugnen, sie verrieten Mohammed, sie beteiligten sich an Anschlägen gegen Jesus, und sie verhielten sich sogar nicht anders gegenüber ihrem Moses und gegenüber den jüdischen Propheten. In Westdeutschland entstand eine Organisation, die die öffentliche Meinung vor der jüdischen Gefahr warnt. Diese Organisation wendet sich Bericht über ein Interview Jerusalem. — Israel „hat keine Chancen”, vom Westen die gleiche Anzahl von Waffen zu erhalten, wie sie die Araber aus den kommunistischen Ländern bekommen, so erklärte ein hoher sowjetischer Diplomat einem Korrespondenten des Blattes „Haaretz”, wie in einem nunmehr veröffentlichten Artikel zu lesen ist. Der nicht genannte sowjetische Gewährsmann soll gesagt haben: „Wir sind heute weit stärker gerüstet als der Westen. Die Raketen und anderen modernen Waffen, die wir herstellen, machen das konventionelle Kriegsmaterial unwirksam. Die alten Waffen sollte man einschmelzen oder an weniger entwickelte Völker verkaufen, um sich auf diese Weise Freunde zu verschaffen.” Ferner soll der gleiche Diplomat geäussert haben, wie „Haaretz” berichtet, dass Sowjetrussland keinem Waffcn-Embargo oder einer begrenzten Abrüstung im Mittelosten zustimmen werde, weil „das gesamte Problem nur duch ein allgemeines Abrüstungs-Abkommen gelöst werden kann.” Mit-Bezug auf frühere Informationen habe der sowjetische Diplomat schliesslich bestätigt, dass die USSR bei der kommenden Gipfelkonferenz sich nicht zu einer Garantie des Status im Nahen Osten bereit finden werde. Hierzu soll er bemerkt haben: „Es liegt bei Israel, die ausschliesslichen Beziehungen mit dem Westen aufzugeben. Israel muss eine andere Politik einschlagen, so dass es ebenso wie die Araber Waffel sowphl vom Wester wie vom Osten erhalten kann, und nicht starrköpfig auf einem Fass stehen.” (ITA) gegen diesen Krebs, der sich im Westen und im Osten zugleich auszubreiten versucht. Auch in' England ist eine Kampf - Organisation gegen den Zionismus entstanden. Israel bedroht den Frieden, und daher muss es verschwinden.” Diese Uebertragung von „Saut el Arab” zeigt deutlich, wie Zionismus und Antisemitismus bei den arabischen Propagandisten ineinanderfliessen. Sie werden die moralische Verantwortung für Beteiligung an der antisemitischen Hetze wohl kaum ableugnen können. ANDERE SORGEN? Die Minister der VAR sind eifrig mit dem Studium von Wirtschaftsplänen beschäftigt, und sie müssen sich darauf einstellen, konkrete Vorschläge für die Verwendung der vielen Millionen zu machen, die man ihnen jetzt aus Ost und West nachwirft. Nasser bereitet sich auf die grossen Feiern anlässlich des Baubeginns am Assuan- Damm vor, und er möchte eigentlich nicht durch Auseinandersetzungen mit Juden und Zionismus gestört werden. Ausserdem beschäftigt ihn die Beilegung des Streits in Syrien mehr als genug. Die Massnahmen des Marschalls Amr, der als Vertreter Nassers für völlige Eingliederung Syriens in die Vereinigte Republik sorgen sollte, führten zu einer offenen Krise in diesem Lande. Einer der Minister der Baat- Partei demissionierte, und ihm folgten bald vier weitere Minister, darunter die führenden Politiker Akram Baurani und Sale Bitar, die seinerzeit die Initiatoren der Bildung der VAR gewesen waren. Die panarabische Partei „Baat”, die sieh sozialistischrepublikanisch nannte, hat ein tragisch anmutendes Geschick gehabt. In Transjordanien beseitigte König Hussein höchst eigenhändig die Baat-Regierung unter Suleiman Nabulsi, und in Husseins Staat ist die Baat-Partei illegal. Im Irak wird die Baat- Partei seit den Anschlägen des Obersten Aref gehasst und verfolgt. Die Mitarbeiter Generals Kassem liessen die Oeffentlichkeit wissen, dass im Rahmen der Zulassung von Parteien jm Irak eine Genehmigung der Baat- Gr uppe nicht in Frage käme. Im Prozess wegen des Attentats autf General Kassem wurde die Baat-Partei ganz offen mit der Verantwortung für den Anschlag .■auf den irakischen! Staatschef beiästet. In der ganzen arabischen Welt gilt die Baat-Partei als Agentin Nassers und als Vollstrecker^ seiner ehrgeizigen imperialistischen Märe. Zweifellos sah die Partei in einem pan arabischen Staat unter Nasser die Erfüllung ihrer Ideale, und sie übergab dem ägyptischen. Präsidenten Syrien, weil die syrischen Baat-Führer den wachsenden Einfluss der Kommunisten fürchtete«. Aber die Baat-Partei erhielt in der VAR nicht den erwarteten Lohn. Die Baat-Führer wurden nicht die massgeblichen Männer im vereinigten Staat. Es kam zu Streitigkeiten mit ihnen. In Kairo wurden sie entmachtet, und ki Damaskus wurden sie von der Bevölkerung wegen ihrer Unterwerfung unter Nasser gehasst. Bei den Wahlen zu den Ortskörper schalten der „Nationalen Union” erlitten die Baat-Kandidate« eine vernichtende Niederlage, und bald darauf schickte- Nasser den Marschall Amr nach Damaskus mit dem Aufträge, die Baat-Leute gänzlich auszuschalten. Sie hatten nach ihrer Wahlniederlage sich zuerst bemüht, die Aktivierung der Ortscomités der „Nationalen Union” zu verhindern, dann setzte Marschall Amr alle Energie ein, um die Arbeit dieser Comités beginnen zu lassen.. ( ■ Allem Anschein nach waren es jedoch nicht nur innere Streitigkeiten, die Nasser zur Entfernung der Baat- Führer veranlassten. Einer der Baat-Minister blieb weiter im Amt und demissionierte nicht von sich aus. Daraufhin wurde er regelrecht zur Demission gezwungen, weil Nasser alle Baat- Leute ausschalten wollte, um sich von der Verantwortung für den Anschlag auf Kassem zu befreien. Hier spielen offensichtlich aussenpo» litische Rücksichten in innerpolitische Fragen hinein. Der Irak schiebt den Baat- Leuten alle Schuld zu, und Bagdad erklärte dass Teilnahme an Sitzungen der Arabischen Liga nicht in Frage käme, solange sie in Kairo stattfinden. Hinter Bagdad steht Moskau, und Nasser will daher nicht gänzlich die Brücken zum Irak abbrechen. Daher wurde die Baat-Partei geopfert, und die Baat-Führer selbst erklärten, dass sie „mit Rücksicht auf höchste nationale Interessen” ausgeschieden seien. Sie wollen jedoch, loyal bleiben und ausserhalb der Regierung für die Festigung der VÄR kämpfen.” Berücksichtigt man diese Pjofoleme, so ist leicht zu verstehen, dass Nasser sich durch Auseinandersetzungen um Antisemitismus und Zionismus gestört fühlen muss. Opfer eines Flugunfalles New York. — Das Opfer eines Flugzeugabsturzes wurde tel Staate Virginia Mer- >vät J. Silverman, der Gene« lateekretär des Verbandes amerikanischer Synagogen« gemeinden und Vorstandsmitglied des newyorker „Hebrew Union College.” AWZJ Registro de la Propiedad Intelectual N9 Ô24.07* Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes HH