Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1759 (8.3.1960)
- Date
- 1960-03-08
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Maries, 8 de Marzo de 1960 No. 1759 — Año XXI, amu PUEYRREDON 21901. St. T. E. 83 - 2613 Ein Vorkämpfer des Judenstaates Der Jüdische Nationalfonds in der Schweiz hat kiirzl.cn eine grosse Aktion zum Andenken an Jean Henri Dunant, den Gründer des Internationalen Roten Kreuzes und einen christlichen Vorkämpfer des Zionismus,, durchgeführt und zu seinen Ehren einen Park in Jerusalem angelegt. Am 24. Juni 1959 jährte sich zum hundertsten Male der Tag der Schlacht bei Solf.erino, bei welcher Dunant als Tourist zufällig anwesend war. Beeindruckt von den Leiden der verwundeten Franzosen und Oesterreiener publizierte Dunant seine Schrift „Souvenirs de Solferino", die ein erschütterndes Bild von den Schrekken der modernen Kriegsf tihrung gab, und in der er die Schaffung eines internationalen Sanitäts-Hilfsdienstes förderte. Es war diese Schrift, die zur Gründung des Internationalen Roten Kreuzes führte. DUNANTS JUGEND Henri Dunant war indessen auch ein Vorkämpfer des modernen Zionismus. Er war Nachkomme einer berühmten Familie, die viele1 Jahrnunderte in Genf und anderen schweizer Städten gelebt hatte, und die zu ihren Mitgliedern berühmte Staatsmänner und Beamte zählte, Jean Henry Dunant wurde am 8. Mai 1828 in Genf geboren, wo sein Vater Mitglied des Conseil Représentatif war. Er studierte in seiner Jugend Literatur, Geschichte und Archäologie. Nach Absolvierung einer Lehrzeit in einer genfer Bank trat er in den Dienst der „Compagnie des Colonies Suisses” ein und macnte Reisen nach Tunis und Algier. Schon als junger Mann interessierte sich Dunant für Prägen der Weltverbrüderung und der Vereinigung der Nationen, sowie für den Ausgleich der nationalen nnd sozialen Differenzen im Geiste der Propheten. Nach den Erfahrungen, die er bei Solferino gesammelt hatte, wandte er sich an Napoleon III. und überreichte ihm persönlicn einen Vorschlag zur Organisierung eines internationalen Hilfsdienstes für Kriegsverwundete und zum Schutz der sanitären Institutionen. Napoleon III. zeigte grosses Interesse für die Ideen Dunants und erliess eine Neutralitäts-Erklärung für Verwundete, Ambulanzen und ihr Personal in Kriegszeiten. Im Jahre 1863 wurde die erste internationale Konferenz in Genf einberufen, die die Grundlage für das Internationale Rote Kreuz geschaffen hat. ♦ ORIENT-FRAGE UND JÜDISCHES PALAESTINA Seit den sechziger Jahren interessierte sich Dunant für die sogenannte „orientalische Frage” und besenäftig- ®e sich in diesem Zusammenhang mit dem Schicksal Pavon Dr. N. M. GELBER lästinas. Im Jahre 1866 wurden Gerüchte verör eitet, dass Napoleon III. sich für die Erneuerung eines jüdischen Palästinas interessierte: Aufgrund dieser Gerüchte halten der londoner „The Mornmg Herald” und der briisseier ,,L’Orient ’ Artikel veröifentlicnt, in denen dargelegt wurde, dass die Ansiedlung der Juden in ihier alten Heimat den Schlüssel zur Lösung der orientalisenen Frage bildete. Im März 1867 arbeitete Dunant ein Projekt zur G.*hndung einer „Société Internationale des zu erleichtern. Trotz seiner Bemühungen hat jedoch die Konferenz von Brüssel das Memorandum Dunants nicht auf ihre Tagesordnung gesetzt. Dessen ungeachtet liess sich aber Dunant nicht entmutigen. Ein Janr später, 1875, gründete er in London die „Syrien and Palestina Colonisation Society”, die den ausgesprochenen Zweck-verfolgte, Juden in Palästina anzusiedeln. An der Spitze dieser Gesellschaft stand Colonel Gawler. Die Gesell-;«?haft verhandelte mit dem pour la Rénovation de l’Oritürkischen Botschafter in ent” aus mit dem Zweck der Verbreitung der „Idee zur Erneuerung des Heiligen Landes von einem internationalen Gesichtspunkt aus.” Die von ihm geplante Gesellschaft beweckte die Förderung von Ackerbau, Industrie und Handel im Orient im allgemeinen und in Palästina im besonderen. Dunant glaubte, dass die zu gründenden jüdischen Kolonien im Laufe der Zeit Zentren für die Verbreitung westlicher Zivilisation im Orient würden. MANGELNDES VERSTAENDNIS Dunant versuchte, seine Gedanken einigen jüdischen Finanziers vorzutragen und sie für seine Pläne zu gewinnen. Er wandte sien in dieser Sache auch an die Alliance Israélite, an Sir Moses Montefiore und Adolphe Crémieux, aber alle seine Versuche waren erfolglos. Es gelang ihm indessen, ein Comité zur Kolonisierung Palästinas unter dem Protek- I torat der Kaiserin Eugenie j in Paris zu gründen. Dunant i wusste damals anscheinend nicht, dass um die gleiche Zeit (1867) die Rabbiner Hirsch Kalischer und Eliyahu Gutmacner die Juden aufforderten, Palästina zu kolonisieren, und dass Moses Hess in den „Archives Israélites” sein „Projekt für di% Kolonisierung des Heiligen Landes” veröffentlichte. WEITERE VERSUCHE I In den Jahren 1873 und 1874 gründete Jean Henri Dunant schliesslich seine Palästina-Gesellschaft. Als dann im August 1874 in Brüssel ein Kongress der europäischen Mächte zur Regelung der Kriegsgefangenenfrage tagte, unterbreitete Dunant ein Memorandum, in dem er ausführlich den ’ Stand der orientaliscnen Frage darlegte und als einziges Mittel zu deren Lösung die Neubesiedlung Palästinas vorschlug, Er empfahl die Neutralisierung Palästinas, um die Kolonisierung des Lan¬ London und versuchte, durch seine Vermittlung die Türkei für ihre Pläne zu gewinnen, wobei die finanziellen Vorteile betont wurden, die der Türkei eine Kolonisierung Palästinas bringen würde. Auch diese Gesellschaft hatte keinen langen Bestand. Dunant musste allmählich einsehen, dass die Juden seine Gedanken nicht begriffen, und er gab seine Tätigkeit zugunsten einer Kolonisierung Palästinas aus. AN DEN ERSTEN ZrONISTEN-KONGRESS Als der erste Zionistenkongress im Jahre 1897 in Basel zusammentrat, richtete Dunant an den zionistischen Führer Dr. David Farbstein ein Schreiben, in dem er seine Sympathien für den Zionismus ausdrückte und betonte, dass „für die Idee der diplomatischen Neutralisierung Palästinas zwecks Gründung eines jüdischen Staates Grossherzigkeit und Toleranz erforderlich sei.” Er fügte hinzu: „Ich kann offen sagen, dass ich lange Jahre, es sind jetzt tatsächlich 50 Jahre, auf den Zionistenkongress warte.” So konnte Dunant der Begründer des Roten Kreuzes und der Vorkämpfer für ein jüdisches Palästina, noch mit Genugtuung erleben, wie das jüdische Volk die Verwirklichung seiner Ideen in seine Hände nahm. Dunant starb 1910 im Alter von 82 Jahren. Ihm gebührt ein ehrenvoller Platz in der Geschichte des Zionismus. Die von den schweizer Zionisten angeregte Anlage eines Parkes auf seinen Namen in der Hauptstadt des Staates Israel, in Jerusalem, soll der jetzigen Generation seinen Beitrag zur zionistischen Idee in Erinnerung bringen. lus zionistischer Geschieh (ZWEI GEDENKTAGE) NACHRICHTEN AUS ISRAEL FARBEN NACH DER TUERKEI Die Fabrik „Zeva” hat 20 Tonnen Farben nach der Türkei gesandt. Der Export dieser Firma wird sich dieses Jahr auf 300.000 Dollar belaufen. FISCHZUCHT Die Fischzucht ist der grösste Erwerbszweig im Tal von Bet Schaan/Beisan. Die Fischteiche bedecken heute eine Fläche von 8.000 Dunam und bald sollen weh tere 4.500 Dunam hinzukommen. Hierzu sollen Böden verwendet werden, die sich nicht für landwirtschaftlichen Anbau eignen, sowie der Ueberschuss von salzigem Wasser, das ebenfalls nicht für die Landwirtschaft verwendet werden kann. WASSERBOHRUNGEN IN TIMNA Vor kurzem wurde in Timna von der Gesellschaft „Mekorot” mit der Errichtung einer Bohranlage begonnen. Vor einigen Monaten wurde dort eine Quelle entdeckt, und diese soll an das Kupferwerk von Timna 170 Kubikmeter Wasser im Tage liefern. Der Salzgehalt des Wassers ist zu hoch, als dass es als Trinkwasser dienen könnte, aber für industrielle Zwecke ist es geeignet. KUEHLHAUS IN TEL AVIV Ein neues Kühlhaus, in dem 1000 Tonnen Ware eingelagert werden können, ist Vor fünfundzwanzig Jahren starb in Erez Israel Davis Trietsch, der 1870 in Dresden geboren war. Dieser bedeutende Wirtschaftssachverständige hatte schon am 1. Zionistischen Weltkongress zu Basel, 1897, teilgenommen und durch seine schriftstellerischen Arbeiten Aufsehen erregt. Trietsch ist auf dem 6., dem Uganda-Kongress, ein Kritiker Herzls gewesen und hatte schon 1911 ein ständiges Emigra tions-, ein Palästina - Einwanderungsamt verlangt. Seine Meinung stand im Gegensatz zu derjenigen von Arthur Ruppin, dem grossen Förderer der landwirtschaftlichen Kolonisation; diese schien ihm, Trietsch, zuviel Zeit in Anspruch zu nehmen, zu langsam vor sich zu gehen, zu grosse Mittel zu erfordern, die damals, vor 1914, und auch nach dem Weltkriege nicht vorhanden waren. Trietsch vertrat die Auffassung, dass in Gewerbe und Industrie viel rascher grosse Massen untergebracht werden könnten. Die Juden seien auch zu diesen Berufen am besten vorgebildet, und durch Schaffung von Gartenstädten würden industrielle Siedlungen mit intensiver Kleinlandwirtschaft entstehen können. Trietsch, geistig sehr hochstehend, vermochte innerhalb der Bewegung bei aller Hochschätzung seiner Sachkunde, nie die erwartete Resonanz zu erwecken, obwohl seine Schriften und „Palästina - Bilder” Verbreitung fanden. Etwas verbittert hatte er sich in den letzten Lebensjahren zurückgezogen, zumal er auch mi der politischen Führung itn Nachkriegszionismus nicht über¬ ' *****"*""*■ lia-l-L-u-ur(rif-jij-lnrifi.-jmra eine neue Form der privaten KAPITAL _ BETEILIGUNG am Aufbau Israels vor kurzem beim Engros- Markt in Tel Aviv eröffnet woden. 500 Tonr,en Kartoffeln und. Pfirsiche wurden bereits dort eingelagert. Das Kühlhaus wurde von der Firma „Azraon” errichtet. In seinen Bau wurden 750.000 TL investiert. TRAUBENEXPORT Vor kurzem wurden 150 Tonnen Trauben nach England und Westeuropa gesandt. einstimmte. Seine Treue und seine Hingabe an die nationale Sachedürfen jedoch nie in Vergessenheit geraten. ★ Um die gleiche Zeit jährt sich zum 10. Male der Todestag von Dr. Hermann Badt, der auch dem Kreise des Zionismus in Deutschland entstammte. Dieser streng religiöse Jude, Sohn eines bedeutenden Dozenten des Berliner ortho¬ Erwerb! den Schekel doxen Robbinersemii.ars, war schon früh der zionistischen Bewegung beigetrat n. In der „Weimarer Repub.ik” konnte er ein hohes Sta tsarat erreichen, das er gis zum Jahre 1932 ausübte. Er war Leiter der „Verfassu gsabteilung” im Preussiscnen Innenministerium und Ministerialdirektor, zügle, ch Preussischer Landtagsabgeordneter. Der bedeutende Jurist war der ständige Eerater seiner Vorgesetzten, aer damaligen Minister Braun und Severing, die ihn ausserordentlich schätzten, ln ihrem Aufträge hatte er auch die unangenehme Pflicht durchzuführen, die Klage Preussens beim Obers en Staatsgerichtshof in Leizig wegen der gewaltsamen Entfernung der Preussisc en Staatsregierung durch die Diktatur Hindenburg-Ptpen im Juli 1932 zu vertreten, und Badt zeigte viel Mut und Energie für eine verlorene Sache. In den letzten Jahren der „Weimarer Republik”, unter den immer bedrohlicher werdenden Demonstrationen von getarnten Nazis und Nationalisten, wurde Badts Position sehr schwierig; er galt den kommenden Machthabern als besonderer Feind; dennoch wich er nicht und tat sein Möglichstes, um die preussische Regierung; zu einer festen Haltung zu bewegen. Hermann Badt Bruder der bekannten Schriftstellerin Berta Badt-Strauss, pflegte, falls er an Sabbaten und Festen das Ministerium aus dringenden Gründen aufzusuchen hatte, dort nur diejenigen schriftlichen Arbeiten auszuführen; die wirklich unvermeidlich waren. Als Abgeordneter erreichte er eine gesetzliche Massnahme, die den jüdischen Parlamentariern erlaubte, sich nicht | selbst in das Anwesenheitsi Register — am Sabbat — einschreiben zu müssen. Praktisch hatte die sogenannte „Lex Badt” nur auf ihn selbst Bezug. Und es muss daran erinnert werden, dass er die staatliche Aufsicht über die berliner jüdischen Gemeindewahlen von 1976 hatte, auch, nachdem von jüdisch liberaler Seite aus damals bei der höchsten Regierungsstelle Zweifel an seiner Objektivität als Zionist laut wurden. Ministerpräsident Braun stellte sich schützend vor seinen hohen Beamten, der ein Vorbild von Pflichtbewusstsein und vornehmer jüdischer Gesinnung gewesen ist. Nach dem Umsturz ging Hermann Bad1 nach Erez Israel, wo er leider allzu früh abberufen wurde. Dass seine hohe Staatsstellung zwischen 1920 und 1932 Gegenstand von Diskussioner für und wider gewesen ist auch innerhalb des Zionismus, ist bekannt. Aber ebensosicher ist, dass ihm persönlicher Ehrgeiz ferulag und er von der Richtigkeit seines Weges überzeugt war. : C. W.