Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1757 (26.2.1960)
- Date
- 1960-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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ta- S « 10 C c h, O ® îj [) Ol B M # < U FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 26 DE FEBRERO DE 1960 No. 1757 EL EJEMPLAR« en toda la República J i Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 T. E. 83 . 2613 wq. acht und Ohnmacht eines Her grosse Sturm um Boris Pasternak hat sich gelegt. Darum können wir jetzt einige der Dinge, die dabei zum Vorschein kamen, in die rechte Perspektive riikken. Worin besteht zunächst einmal die wahre Bedeutung der Proteste, die sich in den meisten Ländern der Welt erhoben als Pasternak in der Sowjetunion mit. massiven Drohungen und Anfeindungen unter Druck gesetzt wurde? Diese Proteste waren nach meiner Ansicht die einzig richtige Antwort auf die erbärmlichen Ausreden mrt denen der Dichter se'bst gezwui.genermassen den .Nobelpreis für Literatur zurückweben musste. Das er ste Motiv, das Pasternak zur Begründung seines Verzichts anführt bezieht sich auf den besonderen Charakter der Volksgemeinschaft, der er angehört und auf die er bei realistischer Betrachtungsweise Rücksicht nehmen muss. Aber die starke Anteilnahme und die stürmischen Proteste, die diese 'Episode in der gesamten zivilisierten Welt hervorrief, bezeugen. dass es zumindest potentiell noch eine andere, grössere Gemeinschaft gibt, der Pasternak als Mensch und überragender Künstler ebenfalls voll und ganz zugehört. Uns allen war bei der Erörterung des Falles Pasternak bewusst, dass wir uns Amtszeit des Rabbinerrats Jerusalem. — Das Kabinett bevollmächtigte den Minister für religiöse Fragen, die inzwischen abgelaufene Amtszeit des Rabbinerrats nm weitere 5 Monate zu verlängern. Es handelt sich um eine Kompromisslosung zwischen der von Minister Toledano vorgeschlagenen Verlängerung von 3 Monaten und der von einem Jahr, welche die Mitglieder des religiösen Blocks gefordert hatten. In den nächsten 5 Monaten sollen die Dispositionen für die Wahl von zwei Oberrabbinern verfügt werden, da eines dieser Aemter seit dem Tode von Oberrabbiner Herzog vakant ist. (ITA) von IGNAZIO SILONE nicht unbefugt in die inneren Angelegenheiten eines fremden Landes einmischei. Pasternak ist unser Kollege. Er gehört ebenso zu uns wie zu den Russen. Er ist ein Stück der Weit üeratur im Sinne Goethes. Die grenzenlose Gemeinschaft der Künstler und der Freien fühlte sich durch das schandbare Verhalten des sowjetischen Kulturbürokraten beleidig* und verletzt. Wc haben c.äs Recht und die Pflicht zur Stellungnahme. Durch Pasternak erhielt die Sache der Tieiheit der Kunst ganz unerwartet einer. Namen und ein Gesicht. Mit ihm stard' unsere Würde und Ehre ais Schriftsteller auf dem Sp5-1!. Die simple Tatsache, dass ein Romsr in den Mit*eipunkt des Interesses der Weltöffentlichkeit rückte, beweist eindringlich, welche Bedeutung wahre Kunst noch immer im Leben der Völker besitzen kann. Nach Budapest, nach Warschau jetzt „Doktor Schiwago”. Wer künftig über die Rolle der Intellektuellen in der Gegenwart sprechen will, kann diese fundamentalen Ereignisse nicht ignorieren. In diesem Sinne ist der Fall Pasternak zum Prüfstein geworden, um den sihh kein literarischer Kreis im Westen herumzudrücken vermag. Feigheit, Doppelzüngigkeit. Haarspaltereien und scheinheilige Ausflüchte in die „mangelnde Distanz” ent hüllten wieder einmal die Verlegenheit, die noch immer viele Literaten des Westens überkommt, wenn sie sich genötigt sehen, eine Verantwortung zu übernehmen, die ihre Ruhe stört. Das ist eine Lehre, die wir beherzigen müssen. Der Fall Pasternak hat uns auch zu einer klareren Vorstellung vom gegenwärtigen Zustand des kulturellen Lebens im Sowjetimperium verholten. Wir wussten bereits, dass das „Tauwetter“ nur von kurzer Dauer war. Wir wussten auch, dass sich bei den Kulturinstitutionen, den Verlagen, den Schriftsteller- und Künstlerverbänden, den •Zeitschriftenredaktionen nichts geändert hatte. Ihre Leitung lag nach wie vor in den Händen der von Shdanow eingesetzten Leute. Aber wir hätten niemals Voraussagen können. dass die Anmassung dieser Herren solche Formen annehmen würde, die uns geradezu wahnwitzig Vorkommen. Gewiss befiirwoi'ten wir deswegen noch immer nicht den Abbruc h der kulturellen Beziehungen zur Sowjetunion; wir sind nach wie vor für die Freizügigkeit in Verkehr und Ideenaustausch. Aber wir werden die Namen jener sowjetischen Literaten nicht so bald vergessen, die die schändliche Kampagne gegen Pasternak inszenierten und dafür verantwortlich sind, dass der Moskauer Schriftstellerverband die Regierung ersuchte, Pasternak das Recht abzusprechen, in der Sowjetunion leben und arbeiten zu dürfen. Wir müssen warten, bis einer dieser Herren zu einer internationalen Konferenz in Venedig. Rom, Zürich oder Paris erscheint, um vor,;hm Rechenschaft für dieses Bubenstück zu fordern. Gewiss haben sich in neuerer Zeit und in der Vergangenheit auch andere Schriftsteller unrühmlich aufgeführt. Aber die Literaturgeschichte keines Landes kennt ein erbärmlicheres Schauspiel als dasjenige der Verdammung eines Romans durch eine Versammlung von 800 Literaten, die ihn noch nicht einmal gelesen haben. Selbst die spanische Inquisition in ihrer dunkelsten Periode ist solch abgrundtiefer Niedertracht und Borniertheit nicht fähig gej wesen. I Anscheinend haben sich | einige Sowjetschriftsteller, reitete vielen Bewunderern des „Doktor Schiwago” eine Enttäuschung. Aber wer will dar über richten? Wir müssen unsere Phantasie zu Hilfe nehmen, um uns die Lynchatmosphäre zu vergegenwärtigen, die Pasternak etwa zehn Tage lang umgab. Der Brief ist freilich merkwürdig genug. Trotz seiner Kürze beteuert Pasternak in viermaliger Wiederholung, dass er diese Erklärung aus freien Stücken ganz ohne Gewaltanwendung, Erpressung oder Veranlassung von anderer Seite abgegeben habe. „Man hat mich weder bedroht noch gezwungen”, lesen wir. „Nichts kann mich veranlassen, meinem Gewissen zuwiderzuhandeln...’' — „Ich habe auf den Preis verzichtet, ohne dass mich irgendjemand dazu gezwungen hätte”, und so fort. Ist das nicht zu dick aufgetragen für einen freien Mann mit ungetrübter Seelenruhe? Pasternaks Brief basiert auf der Verherrlichung seiner Heimaterde und erinnert damit bedenklich an die notorische Blut- und Boden- Sentimentalität, die in schroffem Gegensatz zu der internationalistischen Tradition der Begründer des russischen Kommunismus, welche fast alle das Exil kennengelernt haben, aber auch zu Pasternaks eigenem Werk steht. Niemand verlässt sein Heimatland leichten Herzens, aber im Notfall kann man dennoch auswandern. Bevor man Italiener Deutscher. Russe ist, ist man ein Mensch. Schliesslich entsprechen die Angaben des Pasternak- Briefes über die Umstände, unter denen die Veröffentlichung des „Doktor Schiwago’’ zustande kam, nicht der darunter verschiedene be- I Wahrheit. Der Verleger Felriihmte Dichter, nicht an der j trinelle hat gut daran getan, allgemeinen Hetze gegen Pae’ne Richtigstellung zu Stimmenmehrheit für Ben Gurion Jerusalem. — Drei Anträge der Opposition, die Militärregierung in den von Arabern bewohnten Gebieten Israels abzuschaffen, wurden nach einer Rede Ben Gu rions in der Knesset abgewiesen. Der Ministerpräsident unterstrich die „aussergewohnliche Loge, die die Aufrechterhaltung des Militärregimes erheischt, um dem inneren Aufruhr und grösserer Infiltration zuvorzukommen.” Er bemerkte, die Bestimmungen seien gelockert worden, und der arabische Status solle weiter verbessert werden. Die Anträge wurden von der Cherut, den Allgemeinem Zionisten und den Kommunisten gestellt. Die Abstimmung ergab 42 Jastimmen gegen 24 Neinstimmen bei 27 Stimmenthaltungen. Die Mapai wurde von der Arm du t Israel und verschiedenen Deputierten der Mir •::rbi unterstützt. UTA) sternak beteiligt. Wir wollen hoffen, dass man darüber noch mehr erfährt, und zwar bald. Es erhebt sich jedoch die Frage: Ist es angesichts des Konformismus des Schriftstellerverbandes denkbar, dass er einberufen wurde und diese wahnwitzigen Beschlüsse fasste, ohne von den obersten politischen Instanzen den ausdrücklichen Befehl dazu erhalten zu haben? Nein, das ist undenkbar. Wie soll man es sich dann aber erklären dass diese Beschlüsse nicht vollstreckt wurden? Mir will scheinen, als sei die offensichtliche Reue von den Nachrichten über die interverzichten — denn wer würde mit einem Gefangenen polemisieren wollen? Doch sei uns gestattet, an eine Episode aus der Zeit der grossen Stalin-Prozesse zu erinnern, die uns in diesem Zusammenhang in den Sinn kommt: Ein Angeklagter, zu dem Geständnis gezwungen, dass er sich mit dem Sohne Trotzkis in einem Kopenhagen er Hotel getroffen habe, gab damals einen frei erfundenen Hotelnamen an — und daraus, dass dieses Detail nicht stimmte, konnte man im Ausland die Unglaubwtirdigkeit der gesamten Aussage ableiten. Leider war Pasternak in nen und internationalen jenen Tagen von dem hyste: Rückwirkungen des Skan- 'rischen Geschrei der mosdals ausgelöst worden, die kauer Literaten zu sehr beinzwischen bei Krutschew nommen, um zu begreifen, eingegangen waren. Er muss dass er dank des Alarmzugemerkt haben, dass ihm die Standes der Weltöffentlich- Shdanowisten im sowjetikeit stärker war als seine sehen Kulturapparat ihr Spiel aufgezwungen hatten, und so bot er Pasteraak die Hand zum Vergleich. Der Brief, den Pasternak an Krutschew schrieb, be- Indirekte Diskriminierung o Washington. — Die USA-Regierung hat der Forderung nachgegeben, keinen Juden in das Personal ihrer Botschaft und Wirtschaitsmission in Moskin (Pakistan) aufzunehmen. Wie die ITA aus zuverlässiger Quelle erfahren konnte, ist ein „Gentlemen-Agreement” zwischen Pakistan, dem State Department und der Adminisration für internationale Zusammenarbeit geschlossen worden. Die Poliik, nur Christen nach Pakistan zu entsenden, stellt eine Verletzung des Morse-Javits-Zusatzes zum Sicherheitsgesetz vom Jahre 1959 dar. Der Zusatz gestattet es dem Präsidenten der USA, den Staaten welche eine religiöse Diskriminierung gegen amerikanische Bürger durchführen, die USA-Hilfe zu entziehen. Die neue Abmachung ist nicht schriftlich niedergelegt worden, doch liegt ein mündlicher Befehl in die sem Sinne vor. Der Presse-Attaché der Botschaft von Pakistan äusserte, sein Land gestatte zwar die Einreise jüdischer Touristen, doch liesse es keine „Israelis und Zionisten’ herein, denn „wir erkennen Israel nicht an.” _ Das State Department stellt in Abrede, dass eine antijüdische Diskriminierung, mit Ausnahme von der im Falle Saudi Arabien geübten, existiert. Die Administration für internationale Zusammenarbeit lehnte jeden Kommentar ab. Der ITA ist bekannt, dass verschiedene Juden aus den kürzlich en Ernennungen für Pakistan ausgeschlossen worden sind. MILTON FRIEDMAN Aus aller Welt Gegner. Aber der „Doktor Schiwago” wird alle Polemik überdauern; das ist die Re- ¡vanebe, die keine Diktatur dem Dichter verweigern kann. Wieder Bräutigam Bonn. — Dem Generalkonsul Dr. Otto Bräutigam beim Generalkonsulat der Westdeutschen Bundesrepublik in Hongkong ist das Grosse Verdienstkreuz verliehen worden. Ausgerechnet zu einer Zeit, da die Welle der Naziprovokationen die ganze Welt in Alarmsiimmung versetzt, erhält damit ein Mann einen der höchsten Orden der Bundesrepublik, gegen den vor vier Jahren schwere Beschuldigungen wegen seiner Tätigkeit während des Naziregimes erhoben worden sind. Bräutigam musste damals wegen dieser Vorwürfe von seinem Posten als Leiter der Unterabteilung Ostfragen }m Bundes . Aussenministerium abgelöst werden. Obwohl die gegen ihn eingeleitete Untersuchung nach Auskunft des Bundesaussenministers Heinrich von Brentano zur „völligen Rehabilitierung” Bräutigams geführt haben soll, blieb so viel im Dunkeln, dass der ehemalige Ostexperte im Bibbentrop- Ministerium nicht auf seinen Posten Ina Bonner Aussenamt zurückkehren konnte, sondern auf einen Auslandsposten im fernöstlichen Hongkong abgeschoben werden musste. (AWZ) Zunahme der israelischen Bevölkerung Jerusalem. — Eine Zunahme der israelisdien Bevölkerung um 400.000 Personen während der nächsten 5 Jahre ist in den Fünfjahresplafc für die Entwicklung Israels eingerechnet, wie Finanzminister Levi Eshkol ip der Knesset bekanntgab. (WA) Südamerika-Reise Goldmanns New York. — Dr. Naehum Goldmann wird in Küize eine mehrwöchige Südamerika-Reise unternehmen, wie jetzt mitgeteilt wird. Man nimmt an, dass Goldmann über die Frage der jüdischen Organisationen verhandeln dürfte, die ihren Anschluss an die Zionistische Weiter ganisation vollziehen v; erden. (ITA) Hakenkreuze in Budapest Wien. — Die Synagogen von Budapest und anderen ungarischen Städten sind mit Hakenkreuzen und faschistischen Parolen beschmiert worden, wie die wiener Zeitung „Express” mitteilt. Das Blatt bezieht sich auf Berichte von Juden, die in letzter Zeit aus Ungarn kamen und erzählten, der ungarischen Presse sei es vei boten worden, diese Verfälle bekanntzugeben. (ITA) Dajan dementiert Paris. — Mosche Dajan, der frühere Genera) Stabschef Israels und heutiger Ackerbauminister, stellte energisch in Abrede, dass die Anschuldigungen Nassers» Israel mobilisiere seine Streitkräfte, auf Wahrheit beruhen. Er leugnete rundweg, dass Israel die Absicht habe, die VAR anzugreifen, wie Nasser in Damaskus behauptet hat. Dajan fügte hinzu, dass Israel in der Zukunft mit seinen Nachbarn in Friede leben werde, doch dies offensichtlich eine Frage der Zeit sei. Registro de la Propiedad Intelectual N* 624.07t* Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 311t