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Jüdische Wochenschau · 1960-01-26 · 1748 (26.1.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1748 (26.1.1960)
Date
1960-01-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — I? i*q. JfoJentâJtaJshiaelUa T. E. 83.2613 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 26 DE ENERO DE 1960 No. 1748 Kampf dem Antisemitismus DIE SCHULD OBERLAENDERS Den Haag. — Die Schuld des deutschen Vertriebenen- Ministers, Theodor Oberlaen. der, der fiir den Massenmord in Lemberg vom Jahre 1941 verantwortlich gemacht wird, ist noch nicht erwiesen worden, Diese Erklärung wurde der ITA von Joop ßwart, dem Sekretär des internationalen Comités für die Untersuchung des Falles Oberlaender abgegeben. Die Zeugen, die hinter dem Eisernen Vorhang leben, sind wohl zitiert worden, jedoch nicht erschienen. Rund 250 Zeugen wurden von dem Comité vorgetaden, das seinen Bericht an März zu veröffentlichen gedenkt. EISENHO WER VERUR¬ TEILT ANTISEMITISMUS New York. — Präsident Eisenhower nannte den Antisemitismus den „Bazillus des Vorurteils”, der bekämpft werden müsse, dam:t er „auch nicht einen Zoll amerikanischen Bodens erobern könne.” Die Botschaft des Präsidenten wurde vom Weissen Haus aus telefonisch an Dr. Joachim Prinz, den Präsidenten des Amerikanischen Jüdischen Kongresses übermittelt. Auch der Gouverneur von New York, Nelson Rockefeiler, und hohe katho. lisehe Geistliche verurteilten den Antisemitismus. ANTIDEUTSCHE GEFUEHLE IN ENGLAND London. — Die westdeutsche Botschaft gab bekannt, dass drei englische Firmen ihre deutschen Angestellten aus Protest gegen die antisemitischen Vorkommnisse in Westdeutschland entlassen haben. Hans von Herwart der westdeutsche Bo.- schafter in London, teilte seiner Regierung mit, er betrachte das Anwachsen der antideutschen Einstellung als „äusserst ernst”. Man nimmt an, dass eine deutsche Beschwerde gegen die Entlassungen vorgebracht werden dürfte. Ein bekanntes londoner Warenhaus hat aus seinen Schaufenstern und von den Verkaufstischen alle in Deutschland produzierten Artikel entfernt, u. a. auch Schreibmaschinen, Mäntel und Schuhe. Gleichzeitig wurden die in Deutschland laufenden Bestellungen rückgängig gemacht. PROTEST IN PANAMA Panama. — Eine Gruppe von 50 jüdischen Kaufleuten in Colon nahmen aus Protest gegen antisemitische _— * Zwischenfälle die zeitweise Schliessung ihrer Geschäfte vor, nachde: i die Wände einer Synagoge mit Hakenkreuzen verschmiert worden waren. Sie behaupteten, alle diese Vorfälle seien die Folge einer international aufgezogenen Verschwörung. Berichte aus der Kanalzone sprechen von Unruhe unter den Arbeitern, da die Unternehmer sich der Annahme eines Gesetzes über den Mindestlohn widersetzen, was von antijüdischen Elementen für ihre Zwecke ausgenutzt wird. KUNDGEBUNG IN BELGIEN Brüssel. — Das Jüdische Comité für die Opfer der Rassengesetze und die belgische Liga für Menschenrechte veranstalteten eine Protestkundgebung, der Mitglieder beider Kammern des Parlaments beiwohnten. Einstimmig gelangte eine Resolution zur Annahme, in der Deutschland und die anderen Länder aufgefordert werden, energische Massnahmen gegen die Hetzer zu ergreifen. Der Erziehungs-Minister legte allen Schulen nahe, in einer besonderen WIE ICH ES SEHE- Des Kanzlers Garantie __ von JEHUDA GOTTHEIMER Nicht nur die Juden in der UV’eit sind über die letzten Vorgänge bestürzt. Wer hätte geglaubt, dass das hätte passieren können... Das ist der Tenor aller Kaffeehaustmd Marktgespräche. Die Stammtischpolitiker und die Diplomaten der Badeorte an den Küsten des Atlantik haben ihr Gesprächsthema. Niemand wird behaupten, dass irgendjemand der Beteiligten auch nur das Geringste zugelernt hätte: nicht die Nazis, die sich wieder in ihrem Element des Schmutzes tummeln und ihre Hakenkreuze an die Wände schmieren können, nicht die anderen Völker, die blindlings alten Hassparoden folgen und sich vom Bazillus der Massenpsychose anstekken lassen, weil es ihnen gefällt, irgendjemanden zu finden, der die Schuld an ihrem Unglück hat, und schliesslich auch die Juden nicht, nein, auch die haben nichts zugelernt, trotz all der schrecklichen Erlebnisse, die jeder von ihnen gehabt hat. Besonders unfreundlich waren die Schmierschriften in Piriapolis, jenem wunderschönen Badeort an der Küste Uruguays, von dem man Goldmann bei Adenauer Bonn. — Dr. Nachum Goldmann, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses und der Zionistischen Weltorganisation hatte eine einstündige Unterredung mit Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, bei der die letzten antisemitischen Vorfälle z.ur Sprache gelangten. Dr. Goldmann lehnte «s ab, nach der Zusammenkunft eine Erklärung abzugeben. (ITA) während des Krieges scherzhaft sagte: die Uruguayer verlangen Piriapolis zurück, so viele Juden pflegten sich dort aufzuhalten... Schon immer traf man dort auf eine unfreundliche Haltung gegen die allzu vielen Juden. Jetzt aber war es besonders schlimm, als die grosse antisemitische Hasswelle bis an die Ufer des Rio de la Plata schlug. „Queremos jabón judío”, war plötzlich an den Wänden des Badeortes zu lesen. Wir wollen »jüdische Seife”, mussten die erschreckten Juden zur Kenntnis nehmen. Das war die Nazipest! Das war die dirigierende Hand der deutschen Nazis! Das waren keine Argentinier und keine Uruguayer. Das war die Erinnerung an die schrecklichsten deutschen Barbareien, wo man jüdische Leichen zur Fabrikation von Seife verwandt hat! „Sie wollen also wieder jüdische Seife!” Sie wollen neuen Mord, neue Opfer, neue billige Profite. Das ist die „grosse Linie” der Politik, die hinter dieser antisemitischen Hetze der letzten Wochen zu suchen und zu finden ist. Gewiss gibt es nicht nur Antisemiten in Deutschland. Dort aber sitzt der Lehrmeister und dort befindet sich die bewegende Kraft. Kein Volk ist so empfänglich für die antisemitischen Lügen und Irrlehren wie das deutsche. Das ist eine historische, objektive Feststellung, die durch unser eigenes Erlebnis bekräftigt wird. Gewiss waren nicht alle Deutschen Nazis, aber es war doch eine gewaltige Mehrheit, die den Kurs mitmachte. Und wenn nicht alle Nazis waren, so will das durchaus noch kein Alibi dafür sein, dass sie nicht Antisemiten gewesen sind. Die Begriffe Nazis und Antisemiten decken sich nicht, obwohl jedec Nazi wohl auch Antisemit war. Da hatten wir im Weimarer Deutschland eine grosse Partei, die alles daran gesetzt hat, die Grundlagen der Demokratie zu zerstören und die republikanische Staatsordnung zu bekämpfen. Das waren die Deutschnationalen. Sie waren keine Nazis, wenn sie auch einen Pakt mit Hitler schlossen, durch den sie sich ihr eigenes Grab schaufeln sollten. Sie stützten sich in erster Linie auf Industrie und Grossgrundbesitz, aber auch auf die grossen Handelsherren, auf die Lehrerschaft und auf weiteste Kreise der Beamten. Sie waren in ihrem Programm antijüdisch. Sie verkörperten einen wohl organisierten politischen Antisemitismus. Sie waren für den numerus clausus und den Ausschluss der Juden aus allen verantwortlichen Positionen. Sie betrieben einen heftigen gesellschaftlichen Antisemitismus. Aber Nazis waren sie nicht. Sie wollten nicht die Herrschaft der Strasse. Sie wollten keine Massenmorde. Aber sie waren durchaus stramme Antisemiten. Deswegen ist es irreführend, wenn man, wie der Bundeskanzler in ’ einer seiner letzten Reden ausführte, apodiktisch erklärte, dass das deutsche Volk nicht mit den Nazis zu identifizieren sei. Um Hakenkreuze zu ma. len und eine antisemitische Politik zu betreiben, ist es nicht erforderlich, das brutale Naziprogramm zur Grund, läge seiner politischen Handlungen zu machen. Aber so einfach liegen die Dinge nicht, wie Adenauer sie jetzt darzustellen behebt. Seine Begründung für die eigene Haltung wirkt für uns eher beschämend als ermunternd. Dass es zwei Juden gewesen (Schluss auf Seite 8) seien, die ihm in seiner Bedrängnis mit materiellen Mitteln beistehen wollten, besagt doch gar nichts. Das ist ein Grund dafür, gegen die Nazis Stellung zu nehmen? Die von Adenauer mitgeteilte Episode erinnert daran, dass jeder Deutsche einen Juden gekannt hat, der zu ihm gut und anständig war. „Na, wenn alle Juden wären, wie Sie...”. — Im Grunde genommen haben derartige Erfahrungen mit anständigen Juden wohl mit dem alten Juden problem ebenso wenig zu tun wie mit dem jetzigen Hassausbruch. Dr. Adenauer gab dann seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Justizbehörden die Uebeltäter aburteilen werden. Die ganze Schwere des Gesetzes solle sie treffen. Haben wir solche Worte nicht schon früher und nicht schon oft genug gehört? Damit, dass wirklich einige Verbrecher oder einige irregeleitete Jugendliche eine Strafe erhalten werden, ist das Problem nicht gelöst. Die Welt, und nicht nur wir Juden, hätten gerade vom deutschen Bundeskanzler eine ganz andere als diese Reaktion erwartet. Nehmen wir also an, dass nicht 20 oder 30 Verhaftungen stattgefunden hätten, sondern eine Mehrzahl davon, damit hört Nazismus und Antisemitismus in Deutschland auf? Wenn dies die Ueberzeugung des Bundeskanzlers ist, dann müssen wir feststellen, dass er entweder das Problem noch immer nicht versteht, oder wir müssen zu dem Ergebnis gelangen, dass er es nicht verstehen will. Eine andere Möglichkeit ist nicht vorhanden. Adenauer meinte weiter. DE LOS ARABES EN ISRAEL Tel Aviv. — Semanas alrás, tuvo lugar en Tel Aviv una reunión literaria de escritorss árabes y judíos, gracias a la iniciativa de un grupo de escritores judíos. Durante esa reunión se intercambiaron puntos de vista sobre temas literarios, así como sobre la cooperación dentro del dominio de la literatura y la cultura. Se contaron, entre los participantes, los escritores y poetas judíos Abraham Shlonky, Moshé Shamir, Haim Guri, Mati Meged y Benjamín Tamuz. y los poetas árabes Rashed Hussein, Issa Lubani und Hann Abu Hann. Estos tres poetas árabes escriben tanto en hebreo como en árabe. Algunos de sus poemas han sido publicados recientemente en dos periódicos de lengua hebrea. Hace poco, se organizó en Jaffa un seminario para diplomados de escuelas secundarias árabes en Israel que han de seguir la profesión de maestros. De 300 candidatos solamente 46 pasaron con éxito los exámenes de admisión, (28 musulmanes, 11 cristianos y 7 drusos). Los cursos tendrán una curación de dos aoñs. El seminario está destinado a preparar maestros para escuelas elementales. SCHLOMO S. TANGER Von den Arabern in Israel Tel Aviv. — Vor wenigen Wochen fand in Tel Aviv ein literarisches Treffen von nrab?sehen und jüdischen Schriftstellern auf Initiative einet Gruppe von jüdischen Literaten statt. Bei dieser Versammlung wurden Gesichtspunkte über literarische Themen sowie über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Literatur ur.d Kultur ausgetauscht. Unter den Teilnehmern befanden sich die jüdischen Schriftsteller und Dichter Abinhsm Shlonky, Moshe Shamir, Haim Guri, Mati Meg-d und Benjamin Tamus und die arabischen Dichter Rashed Hussein, Issa Lubani und Hanna Abu Hanna. Diese drei arabischen Schriftsteller schreiben sowohl in Hebräisch wie in Arabisch. Einige ihrer Gedichte wurden kürzlich in zwei in hebräischer Sprache erscheinenden Zeitungen veröffentlicht. Vor kurzem wurde in Jaffa ein Seminar für Absolventen arabischer höherer Schulen in Israel organisiert, die den Lehrerberuf ergreifen wollen. Vor 300 Kandidaten bestanden nur 46 mit Erfolg die Aufnahmeprüfungen (28 Musulmanen, 11 Christen und 7 Drusen). Der Lehrgang hat eine Dauer von 2 Jahren. Das Seminar soll dazu dienen, Lehrer für die Elementarschulen vorzubereiten. SCHLOMO S. TANGER dass die meisten der verzeichneten Zwischenfälle sowohl in Deutsehlalnd wie im Ausland „Flegeleien” gewesen seien, ohne jeden politischen Hintergrund. Warum spricht der Bundeskanzler in einer nicht allein für die Juden, sondern vor allem für die Zukunft Deutschlands so wichtigen Frage in unklaren Ausdrücken? Was soll das bedeuten, die „meisten”. ’Will die deutsche Regierung die Vorfälle verharmlosen? Will sie sich selbst, die Juden, die Welt über den Ernst der durch die antisemitische Hasswelle heraufbeschworenen Situation hinwegtäuschen? Wir wissen es nicht. Wohl aber ist uns bekannt, dass hinter der gesamten Aktion vernichtende Kräfte stehen, die auf die Stunde ihrer Wiederauferstehung warten, um mit der politischen Parole des Kamp, fes gegen die Juden der Welt erneut den Fehdehandschuh hinzuwerfen, um die demokratischen und freiheitlichen Grundlagen des modernen internationalen Lebens zu erschüttern und ein neues Regime der Gewalt aufzurichten. Die Rede Adenauers zwingt uns dazu, eine ernste Debatte im eigenen Kreis, im demokratischen 'Lager, mit den konstruktiven Kräften und gerade mit denen aufzunehmen, die sagen, dass sie unsere Freunde sind, und an deren Freundschaft wir auch nicht zu zweifeln brauchen. Schon einmal hat sich ein (SchluM auf Sette 3) Erklaerung Ben Gurions Jerusalem. — Ministerpräsident Ben Gurion erklärte vor der Knesset, er habe dem Büro der israelischen Behörden, das „über die Mittel hierzu verfügt”, Auftrag erteilt festzustellen, ob hinter den antisemitischen Ausbrüchen eine einzige Organisation stehe, die die Aktion in 25 Ländern von 3 Kontinenten zentralisiert hat. Die Bemerkung verweist, wie es sich versteht, auf den israelischen Spionagabwehrdienst. Der Premiermniister gab seine Erklärung in Beantwortung von Anträgen der Kommunisten und der Cherut ab, die forderten, das israelisch-deutsche Waffenabkommen solle nach den letzten Vorkommnissen annulliert werden. Die Mehrheit stimmte gegen die Anträge, wobei Mapam und Achdut Awoda sich in Uebereinstimmung mit ihrer festen Opposition gegen das Waffengeschäft mit Westdeutschland der Stimme enthielten. Trotz der jüngsten Ereignisse, so erklärte Ben Gurion, gedenke er nicht „ein einziges Wort” von dem zu widerrufen, was er über Bundeskanzler Konrad Adenauer und die Deutsche Bundesrepublik vor 6 Monaten in der Debatte geäussert hat, die auf die Enthüllung des Verkaufs von israelischen Kleinwaffen an Bonn folgte. Damals hatte er versichert, dass, obwohl es Nazis gäbe und„viele von ihnen in leitenden Aemtern sässen, das heutige Deutschland nicht cras von Hitler sei”. Jetzt sagte er: „Es hat antisemitische Exzessen gegeben, und die Juden wären kurzsichtigt, wenn sie den Ernst der Lage verkennen wollten. Aber ich bin nicht damit einverstanden, wenn man auf das jetzige Deutschland Ausdrücke wie „Volk der Mörder” anwendet, denn solche Worte gebrauchen die Rassenhetzer. Jeder Mensch und jede Regierung müssen nach ihren eigenen Handlungen beurteilt werden. (ITA)

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