Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 20 (1959)
- Issue
- 1743 (31.12.1959)
- Date
- 1959-12-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Jueves, 31 de Diciembre de 1959 LA SEMANA ISRAELITA Año XX. No. 1743 Seine geschichtliche Bedeutung Am 25. Dezember 1834 starb in Berlin David Friedländer nach einem langen ¡Leben (er war am 6. 12. 1750 zu Königsberg geboren), das der sogenannten „Aufklärung” und dem Kampf um die radikale Reform im Judentum gewidmet war. An seinem Wirken ist oft — und sicherlich mit Recht — heftige Kritik geübt worden, doch scheint es ein Akt der Gerechtigkeit zu sein, sich mit dieser Persönlichkeit von Zeit zu Zeit auseinanderzusetzen, und ein solcher Augenblick dürfte die 125. Wiederkehr seines Todestages sein. Seit Moses Mendelssohn und dem Beginn der Emanzipationsbestrebungen im damaligen Preussen - Deutschland waren die Juden begeisterte Anhänger aller Bemühungen um die Verbreitung allgemeiner Bildung, wofür Mendelssohn selbst seine ganze Autorität eingesetzt hatte. Für die Reichen brauchte er nicht zu sorgen, die wussten ihre Hauslehrer zu finden, aber die Kinder der Armen entbehrten der Anleitung und des guten Vorbildes. Da war es der wohlhabende Seidenfabrikant David Friedländer, der gemeinsam mit anderen die „Jüdische Freyschule” in Berlin begründete, der anderwärts ähnliche Institute folgten. Sie alle waren, ganz im Geiste der Zeit, neben dem Unterricht der Förderung der Humanität gewidmet. Und es war im Sinne Mendelssohns, dass hier die deutsche Sprache einen wichtigen Platz einnahm. Es war jene Epoche, da die gesellschaftliche und kulturelle Annäherung der Juden an ihre Umgebung Fortschritte machte, da jüdische Häuser Mittelpunkt für literarische und gesellige Unterhaltung wurden. (Henriette Herz, Rahel Levin (Zum 125. Todestage David Friedländers) etc.) Doch diese begabte und hochstrebende Generation sollte eine schwere Erschütterung erleben: Für alles Gute und Edle begeistert, hatte sie nicht die geringste Beziehung zum Judentum. Das war die Kehrseite der Medaille, des plötzlichen Uebergangs vom Ghetto zur grossen Welt, die sich ohne Wegweisung vollzog. Das Geschlecht von Moses Mendelssohn verwarf das jüdische Religionsgesetz als eng, bedrückend, hemmend und ¡verlor damit den Boden un- 'ter den Füssen. Uebertritte, i besonders unter den Wohlhabenden der Grossgemeinden, waren an der Tagesordnung. Selbst Mendelssoh-s Sohn Abraham hatte es für richtig gehalten, seine Kinder „religionslos” zu erziehen und sie schliesslich dem Christentum zuzuführen, das seine Schwestern aus romantischer Schwärmerei annahmen. Es ist nicht wahr, dass David Friedländer den Uebertritt der Juden zum Christentum vorgeschlagen hätte. Wahr ist vielmehr, dass er die uns absurd erscheinende Idee vertrat, eine neue Form des „Juden-Christentums” zu suchen, ohne j Aufgabe jüdischen Wesens j den Christen auf gleicher ■ Ebene zu begegnen. Er erwartete hierbei die Mitarbeit der christlichen Welt. In einem „Sendschreiben an Seine Hochwürden, Herrn Oberkonsistorialrat und Probst Teller, zu Berlin”, das 1799 anonym erschien aber später von David Friedländer als sein Werk anerkannt wurde, erklärte er ganz offen die Bereitwilligkeit zur Taufe, falls beim Uebertritt auf das Bekenntnis zu den spezifisch christlichen Dogmen verzichtet werden wür- HOTEL I AC0nt^3 Río Ceballos Sierras de Córdoba Casilla Correo 34 Inh. LEO KAHN | Auskünfte: 70-7018 rwwv wwmwrg»mm■ »»»»»»»i H. ROSENZWEIG j TÄILOR HENRY Tucumän 563. piso I ,i Neues Telefon: 32-0913 j> „ ..!! Grösste Auswahl in imp. und hiesigen Stoffen! [ DAUNENDECKEN! -GARDINEN! IMPORT. CHINTZ und VOILE BENNO DE LEVIE S R.L. T E. 76.4155 NUR: ECHEVERRIA 2242 j STEUER- UND WIRT¬ SCHAFTSBERATUNG Buchhaltungen — Bilanzen RODOLFO HIRSCHFELD GUILLERMO FORD ANSKI 25 de Mayo 489, 4’ p.} Escr. 20 T. 1. 32-9770 Buenos Aires CANTJES: TMCOMARde. Es war dies ein ganz eigenartiges Dokument der Verworrenheit und der inneren Zerklüftung unter den gebildeten Juden jener Zeit, vielleicht weniger eine Absage an das Judentum als ,,Stammesgemeinschaf t” als eine Absage an das „verhasste Zeremonialgesetz”, dessen tiefe Bedeulung man nicht mehr verstand. Aber David Friedländer war eben ein „Aufklärer”; ihm erschien i amals logisch, was wir heute als geradezu unsinnig betrachten. Man predigte in seinem Kreise e'ne Art „abrahamistischcs” Judentum, suchte seine Moral in Propheten und Psalmen ausschliesslich, träumte von einem „geläuterten” Judentum der Zukunft. Wie erklärt man jedoch jene Verwirrung? Zunächst aus einer gewissen Verzweiflung heraus über die immer wieder hinausgeschobene Gleichberechtigung der Juden, doch auch aus völl’ger Verkennung des religiösen Gehalts des Judentums, das, nach Beiseiteschiebung der Traditionen und Zermonien, farblos erschien, ohne besondere Eigenart. Friedländers „Sendschreiben” wirkte ungeheuer sensationell: Was die Kirche in einem Jahrtausend des Kamfes nicht erreicht hatte, schien ihr jetzt kampflos in den Schoss zu fallen, doch von allen Seiten erfolgte hef. tige Ablehnung. Entschieden bestritt Probst Teller, dass „aufgeklärtes Judentum” und „aufgeklärtes Christen- Offizielle irakische Delegation London. — Die erste offizielle Delegation des Irak seit der Revolution 1958 hielt sich zu einem dreiwöchigen Besuch in Grossbritanmen auf. Die Delegation aus drei Mitgliedern wurde vom Generaldirektor im irakischen Planungsministerium, Abbas, geführt. (AWZ) Auf der „Schwarzen Liste” London. — Die irakische Regierung hat insgesamt 101 Schiffe ausländischer Reedereien auf die „Schwarze Liste” gesetzt, weil sie angeblich die arabischen Boykott _ Bestimmungen gegen Israel verletzt haben. An erster Stelle der Liste stehen britische Reedereien mit 34 Einheiten. (AWZ) Erlös der USA. Einheitskampagne New York. — Insgesamt 69.300.000 Dollar in bar wurden bisher im Jahre 1959 von der USA-Einheitskampagne gesammelt. Dies wurde am Schluss einer Sitzung bekannt gegeben, der Führer der Gemeinden aus dem ganzen Land im Statler Hilten-Hotel beiwohnten. — (ITA) Ostdeutschland kauft Schuhe München. — Die sowjetzonale Handelsmission in Kairo hat die erste Lieferung von 5.000 Paar Schuhen ägyptischer Fertigung übernommen. Insgesamt bestellte die Sowjetzone eine halbe Million Paar Schuhe bei der ägüptischen Genossenschaft für Bekleidungsherstellung. (AWZ) tum” dasselbe wären; mit Recht empfahl er den aufgeklärten Juden, die Erleuchtung ihrer Glaubensgenossen zu bewirken, oder aber, sofern sie den christlichen Standpunkt teilten, sich nicht zu bedenken, das Bekenntnis und , die Zeremonien der Kirche anzuerkennen. Man hat von David Friedländer später gesagt, er habe seine Zeit verpasst, und es sei kennzeichnend für das Judentum des neunzehnten Jahrhunderts, ein „Glaube der verpassten Gelegenheiten” geworden zu sein. Die Glaubensfrage war für die Juden Deutschlands nicht gelöst, der allgemeine Wirrwar nur noch vergrössert worden. Als Friedländer den Misserfolg seines Unterfangens sah, widmete er sich fortan nur noch der Reform des jüdischen Gottesdienstes, der Verfassung von Schriften, einer Gebetbuchübersetzung sowie dem Kampf um die bürgerliche Gleichberechtigung. Im Oktober 1812 veröffentlichte er ein kleines Büchlein über die „in den preussischen Staaten notwendig gewordene „Umbildung” des Gottesdienstes in den Synagogen, der jüdischen Unterrichtsanstalten und des jüdischen Erziehungswesens überhaupt. Sein Programm war die Herstellung einer vollen nat'onalen und religiösen — deutschen — Einheit, die Einfügung der deutschen Gebe‘spräche und die Beseitigung aller „messianischen Gebete”. Der Staatskanzler Hardenberg begrüsste die Schrift wärmsten, während der preussische König Friedrich Wilhelm III. sie mit der Begründung ablehnte: „Solange Juden Juden bleiben wollen, deren eigentümlicher Glaube auf Anerkennung der mosaischen oder alttestamentarischen Gesetze beruht, kann ich Umbildungen, welche, sowohl in ihren Gottesdienst als in ihren religio. Neue Nazipartei in den USA Washington. — Eine neue Organisation, die sich selbst als die „Amerikanische Nazi-Partei” bezeichnet, hat die Hauptstadt des Landes mit einer Propaganda überschüttet, in der die amerikanischen Juden mit der Gaskammer bedroht werden! Die amerikanisch :n Nazis werden aufgerufen, den Kampf gegen die Juden in den USA aufzunehmen. Der Höhepunkt der Propaganda wurde in d r Weihnachtswoche erreicht. Tausende Flugblätter und Broschüren gelangten zur Verteilung. George Lincoln Brockwell, der sich selbst offen als Nazi bezeichnet und als der „Führer” auftritt, hat schon seine pol.tische Vergangenheit im Staate Virginia. Was die amerikanischen Juden am meisten aufregt, ist die Tatsache, dass Brockwell noch immer aktiver Kommandant der amerikanischen Marine in der Reserve ist. Er selbst brüstet sich mit seiner Stellung in der Marine. Die Antidiffamierungsliga der Bne Brith drückte ihre Besorgnis darüber aus, dass Brockwell noch immer in der Marine ist, obwohl er sich offen als Nazi beze'chnet. Die Marine nahm Stellung. Sie ist der Meinung, dass Brockwell als Reserveoffizier das Recht der freien Meinungsäusserung in allen politischen Fragen habe. Die Liga hat demgegenüber erklärt, dass es sich hier um einen Fall von geistiger Erkrankung und unverantwortlichen Fanatismus handeln würde. Die jüdische Gemeinde in Washington hat ihr Missfallen darüber bekannt gegeben, dass die Verbreitung antisemitischer Flugschriften in der Aera des „guten christlichen Willens” erlaubt wird. Die Flugblätter werden überall verteilt und in die parkenden Autos geworfen. Die jüdische Gemeinde in Washington hat das Einschreiten der Behörden gefordert. (ITA) sen Unterricht und in ihre Erziehung eingreifen, nur insofern billigen, als sie mit obigen, dem Wesen und den Grundsätzen der jüdischen Religion gemässen Häupter, fordernissen nicht in Widerspruch stehen.” In fast allen jüdischen Kreisen erfuhr Friedländers Radikalismus Ablehnung, wenn auch, sogar von rabbinischer Seite, anerkannt wurde, dass gewisse Missstände vorhanden und Beratungen über ihre Beseitigung erwünscht wären. In die Geschichte geht dieser Mann ein als träumerisch und weltfremd, aber zielbewusst. Nur, dass seine Ziele schon seit langer Zeit keinerlei Geltung mehr haben. Curt Wille f JETZT IM NEUEN HAUS Pension Familiar M. Flamm 1 Quader von der Laguna! ¡CHASCOMUS! > F. C. N. G. R. unter Aufsicht Sr. Ehrw. Rabbiner Dr. Oppenheimer Zimmer mit priv. Bad CHASCOMUS, CORDOBA 38 Inf. in Buenos Aires: T. E. 76-2312 und 70-5805 Rechtzeitige Anmeldurg erbeten </) kEREMKAYEMETH SUJ DIE BRUECKE ZWISCHEN UNS UND ISRAEL IST DIE BLAUE BUECHSE DES KKL