Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 33 (14.8.1896)
- Date
- 1896-08-14
- Page
- Seite 550 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 550. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 33. zu verklären und selbst den gebildeten Stammesgenossen teuer und lieb zu machen. Man wird uns dem gegenüber entgegenhalten, daß doch schließlich nicht immer solche singuläre Erscheinungen entstehen können, daß daher auch minderwertige Publizisten das Recht haben müssen, sich für die Sache des Judentums zu begeistern. Dies mag durchaus jutveffenb sein. Es kann sich jeder das Ideal des Judentums nach seinen Anschauungen und Empfindungen zimmern; aber wir bestreiten ihm noch immer das Recht, sich an die Oeffentlichkeit zu drängen und zu unserem Führer aufzuwerfen. Ohne genaue Kenntnis des Judentums in dessen geschichtlicher und litterarischer Vergangenheit darf man sich nicht anmaßen, in der Judenheit eine leitende Rolle spielen zu wollen; namentlich halte ich es fürgefährlich, der großen Masse ein Schlagwort Hinzuwersen, welches zu nichts verpflichtet und die Juden von ihren eigentlichen Pflichten und Obliegenheiten ablenkt. Wenn ein europäisch gebildeter Jude sich Mühe giebt, die hebräische Sprache zu erlernen, sich in das Schrifttum unseres Stammes zu vertiefen, die idealen Schöpfungen Israels aus vielen Jahrhunderten zu erfassen: Dann ist dies ein Partikularismus, der dem Juden nützlich ist, aber nicht minder der Allgemeinheit. Denn schließlich ist jede Forschung, jede geistige Thätigkeit der ganzen Menschheit von unermeßlichem Nutzen. Wenn ein Jude, ohne die Fähigkeit für das oben bezeichnete Streben zu besitzen, sich wiederum befleißigt, praktisch in den Ideen des Judentums zu leben, wie es vor Jahrhunderten stets alle Stammesgenossen gethan: Dann ist auch dieses verdienstvoll und wird der Judenheit zum Segen gereichen. Hingegen ist es nichts weiter als eine krankhafte Erscheinung, eine Entartung des Judentums, wenn sich Leute ohne Wissen und ohne Streben nach Wissen vermessen, ein Wort in die Massen zu werfen, eine Parole, welche inhaltlos und ohne jede moralische Idee einen gewissen Chauvinismus in uns großziehen soll, ein Judentum, das keine Opfer erheischt, das keine Anstrengung kostet, dem man angehören kann aus Grund von lautem Schreien in den Bierkneipen, durch einen Rausch von Phrasen, durch Dummejungen-Streiche. Es liegt eine große Gefahr in einer solchen Bewegung, weil diese, inhaltlos wie sie ist, nicht von langer Dauer sein kann; und dann, wenn die Ernüchterung eintritt, der letzte Rest der noch vorhandenen Spannkraft und der Anhänglichkeit für das Judentum verloren gehen muß. Was thun die „Zionisten", um das Judentum zu neuem Leben zu erwecken? Haben sie bisher auch nur den Versuch gemacht, die Kenntnis der hebräischen Sprache zu fördern? Sind sie bestrebt gewesen, den jüdischen Familien die frühere Lebensweise wieder zugänglich zu machen? Hat das jüdische Schrifttum eine größere Verbreitung gesunden? Man wird doch nicht im Ernst behaupten wollen, daß durch die Herausgabe eines Monatblättchens, das kein zivilisierter Mensch ohne Ekel lesen kann, das Judentum gefördert würde? Es ist dies bisher weiter nichts als ein studentischer Ulk gewesen, der allen ernsten Bekennern des Judentums ein Aergernis geben mußte. -Weil uns die Erinnerung an Zion lieb und teuer ist, wollen wir sie nicht in die Kneipen zerren lassen; weil uns das Judentum eine lebensvolle Idee ist, wollen wir nicht dulden, daß sich Narren und Schelme seiner bemächtigen, um ein Extraprofitchen für sich herauszuschlagen; weil wir trotzdem und alledem an die Zukunft Israels glauben, wollen wir nicht diese Zukunft einigen zudringlichen Schreiern anvertrauen oder in Utopien auf feuilletonistischer Basis aufbauen lassen. Es mögen Männer aufstehen, welche für dieses Amt ihren Befähigungsnachweis erbracht, die durch ein Leben voll uneigennütziger Thätigkeit und ernsten Strebens, der Erforschung und der praktischen Bethätigung des Judentums gewidmet, sich als Führer legitimieren können. Voller Freude werden wir sie begrüßen und ihnen Gefolgschaft leisten. Bis aber solche Männer in Israel erstehen, müssen wir wachen, daß unser geistiges Erbe von unfähigen Charlatanen nicht auseinander getragen oder profaniert werde. Es ist eine Ruine, die uns geblieben. Können wir das Gebäude wieder neu aufführen lassen, um so besser; aber so lange dies noch nicht möglich ist, dürfen wir nicht dulden, daß diese Ruine, an die sich die Erinnerungen einstiger Größe knüpfen, beschmutzt werde. Die messianische Idee bedeutet die Hoffnung aus die Zukunft Israels, die sich jeder nach seinem Empfinden und Denken vorstellen mag. Aber diese Idee darf nicht zu einer Farce herabsinken, zu einem modernen Reporterstückchen. Vor allem fort mit den Vereinen, „wo man die Vorzeit parodiert," um mit Heine zu reden. Das Judentum besteht im Wissen und in einem Leben voller Entsagung und Pflichten. Mit den modernen Phrasen und durch Wortmacher wird es nicht gepflegt, und vor diesem Gamaschenrittertum müssen wir uns in Acht nehmen. Diesem rufen wir die Worte Gabirols zu: Was nützt die Thräne? Eitel Lug! Was bürgt die Hoffnung? Blassen Trug! Ich soll an Balsams Kraft gesunden — Und kranke schon an Todeswunden. Dr. S. Bernfeld. No» Hirsch dis Hrcuer. II. M. Frankfurt a. M., den 8. August. Dr. Breuer, Hirschs Nachfolger, steht prinzipiell, wie wir in unserem ersten Artikel gezeigt, in einem gewissen Gegensatz zu Hirsch. In prinzipieller Beurteilung spricht das aber mehr zu Gunsten Breuers als Hirschs. Breuer war der streng konsequente Hirsch, während bei Hirsch eiuc gewisse, fast möchte ich sagen: liebenswürdige Inkonsequenz nicht wegzuklügeln ist. Hirsch hat ja immer die äußerste, starre Konsequenz gepredigt, aber wenn ihm irgendwie eine Konzession wünschenswert erschien, dann verstand er es, mit Hilfe seiner großartigen Phantasie und seiner geradezu virtuosenhasten Dialektik, die Konzession eben als äußerste Konsequenz darzustellen. So hat er bei verschiedenen Gelegenheiten thatsächlich Konzessionen gemacht, das Prinzip unbeugsamer Konsequenz aber blieb immer gerettet. — Schon aus Hirschs Jugend sind einzelne biographische Daten bekannt, die stark in die Farbe der Inkonsequenz hinüberschillern, die er aber sicherlich in Nr. 33. entgegensetztem L | wiß nicht behauptet f „ein, seine Anscha | alles möglich macht I jür die Mitglieder | dingung war, ein | schuldig darzustelle | aus eine Stelle im; Hirsch war in § er gehörte einem i | Geiger und Jacob f' und Judentum" ij l schreitender (rntroid Historiker, war dc Oldenburg hat Hirs; furt hat sich Hirsch u nicht gekümmert, uni | von altem Schrot i; Geiger, Tewele Bot; einem Strange zöge I Zeiten her kleinere t! Ehrfurcht bei den £; Synagogen, zu Gu : orthodoren Separatpunkte des Rabb doch von sehr ai ,schulchan 2lr» meinde die ißetei i'te Hauptgemein und die Orgel ei «egen Schulchan Hirsch hat, Hakkophau? 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