Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 44 (1.11.1895)
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 718 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 718. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 44. kleine Gemeinde gründeten und damit den Grundstein zu der heute mächtig emporblühenden Synagogengemeinde gelegt hatten, die am 4. März 1861 die Korporationsrechte erhielt. Rabbiner hätten dort gewirkt, deren Ruhm über Stadt und Land verbreitet gewesen wäre. 1000 Jahre seien es her, daß Rabbi Abram in Köln die berühmte Hochschule gegründet habe. Im Jahre 1010 wurde die neue Synagoge eingeweiht, die 400 Jahre später, am 8. Septemder 1426, zu Ehren Unserer Lieben Frau zu einer Kapelle geweiht wurde; es ist die heutige Rathauskapelle, die jetzt von den Altkatholiken in Benutzung genommen ist. Später erhob sich in der Glockengasse die neue Synagoge, die 1861 der Bestimmung übergeben wurde. In dem neu zu erbauenden Gotteshaus solle das Wort Gottes gelehrt und erklärt, vaterländische Gesinnung gehegt und Menschenliebe und Brüderlichkeit^gelehrt werden. * t. Aus Oesterreich-Ungarn. Der soeben erschienene „Bericht über die Verwaltung der Armcn-Anstalt der israel. Kultusgemeinde in Wien im Jahre 1894" verzeichnet die Thatsache, -daß während Wien mit Umgebung im Jahre 1857 14000 bis 15000 israelitische Einwohner zählte, nach der Volkszählung im Jahre 1891 aber deren 132,000 besitzt, die Mitgliedsbeiträge der Anstalt seit dem Ende der Fünfzigerjahre um fast den dritten Teil ihrer damaligen Höhe herabgesunken sind. — (Die Erklärung für diese bedauerliche Erscheinung liegt sehr nahe: Unsere reichen Glaubensgenossen in Wien spenden zu viel für interkonfessionelle Anstalten und behalten für die konfesssonell-jüdischen nur wenig übrig. Red.) — Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Friedrich Elbogen in Wien hat soeben unter dem Titel „Die neue Aera" einen Aufruf veröffentlicht, in dem er u. a. fordert: „Ein allgemeiner österreichischer Judentag möge in Wien zusainmentreten. Eine Versammlung, beschickt von der Gesamtheit österreichischer Juden, die Vereinigung als dessen, was die österreichische Judenschaft an hervorragenden Männern besitzt, soll beraten und beschließen, wie der Rot der Zeit zu steuern sei. Außerordentliche Zustände erfordern außerordentliche Maßregeln, und ich besorge, daß schon die nächste Zeitfolge genügenden Anlaß bieten wird, diesen Vorschlag in Erwägung zu ziehen." — (Wirren in einer isr. Gemeinde.) Der Rabbiner der Ungvarer orthodoxen isr. Gemeinde, Lazar Löw, ist seit Monaten bemüht, seinen Schwiegersohn Chaim Sofer der orthodoxen isr. Gemeinde in S. A. Ujhely als Rabbinatsverweser aufzudrängen, und da es ihm, trotzdem er alle Hebel in Bewegung setzte, nicht gelang, den hartnäckigen Widerstand der resoluten Gemeinde-Majorität zu brechen, setzte er hier persönlich mit Umgehung des autonomen Wahlrechts der Gemeinde seinen Schwiegersohn eigenmächtig zum Rabbinatsverweser ein. Infolgedessen haben in S. A. Ujhely die Gemeindewirren einen besorgniserregenden, den Bestand der großen Gemeinde gefährdenden Charakter angenommen. In der Hoffnung, daß es vielleicht gelingen werde, auf friedlichem Wege dem Wunsche des fremden Rabbiners Geltung zu verschaffen, erschien dort eine von der orthodoxen 'Durchführungs - Kommission in Budapest entsandte Untersuchungs-Kommission. In einer unter Vorsitz des Gemeindepräsidenten Josef RotMattgehabten Konferenz, an der auch Anhänger der zur Minorität gehörenden Rabbiner-Partei teilgenommen haben, referierte M. Markus Reichard namens der die Wahl des vom Rabbiner aufoktroyierten Kandidaten bekämpfenden Majorität über die Genesis der Gemeindewirren und den Stand der strittigen Angelegenheit. Auf Grund dieses erschöpfenden Referats gewannen die Budapester Delegierten die Uebcrzeugung, daß der Majorität während der ganzen Dauer des beklagenswerten, in den Annalen des jüdischen Gemeindelebens beispiellos dastehenden Konfliktes die Wohlfahrt der Gemeinde, die Gebote des Rechts und der Wahrheit vor Augen schwebten. Die Delegierten begaben sich demnach unverrichteter Sache nach Budapest zurück. Kier und dort. - Herr Professor Lazarus, der am Montag seine Wintervorlesungen an der hiesigen Universität über „Psychologie nebst den Grundlinien der Völkerpsychologie" beginnen wollte, ist plötzlich daran verhindert. Er hat sich Tags vorher durch einen schweren Unfall den rechten Arm ausgerenkt. Professor Israel hat die Wiedereinrenkung zwar glücklich vollzogen und hofft, daß Professor Lazarus seine Lehrtätigkeit bald wieder aufnehmen kann, doch ist der Patient von den ausgestandenen Schmerzen noch sehr angegriffen. — Herr Kantor S. Cohn ist von Lobsens nach Tarnowitz versetzt. — Rabbiner Joachim Stern in Strelno ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Verstorbene war 44 Jahre, bis an sein Lebensende, im Amte thätig. Die Trauer über den Heimgang des hochgeachteten Greises war eine allgemeine, wie durch das feierliche Leichenbegängnis bewiesen wurde. — Dr. Lueger ist mit 93 Stimmen zum ersten Bürgermeister von Wien gewählt. Er hat die Wahl angenommen. Kries- und FrageWeu. — Hierdurch möchte ich vor einem Herrn mit rotem Bart, Mitte Zwanziger, warnen, der hier unter dem Namen eines Theologen Dr. Levi für ein geringartiges Bild „Die 5 Moses" einen möglichst hohen Preis dadurch zu erzielen suchte, daß er vorgab, die gewonnen Summe solle zur Gründung einer Zeichenschule in Breslau verwand werden, an welcher unbemittelte Schüler unentgeltlich Unterricht erhalten sollen. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal in Breslau, ans welchen sich obiger Schwindler berief, teilte mir auf meine Anfrage mit, daß er weder von der Existenz dieses Dr. Levi, noch von seiner beabsichtigten Gründung eine Ahnung habe. M. Abraham, Lehrer, Leobschütz. — Herren Gebr- W., Borgholzhausen. Die Bittsteller sind ausnahmlos prosessionierte Schnorrer. Vier dieser Briefe scheinen von dem berüchtigten „Rabbiner" Kroner in tSkala herzurühren. — Herrn Hauptlehrer H„ Lissa. Vorsitzender des Bayrischen Vereins ist Koll. Goldstein, Heidingsfeld (Unterfrank.) — Herrn M- I., Neutom. und St., Hochberg (Wrt-) Es war ein Versehen der Erpedition, das Sie fr. entschuldigen wollen. rvsetzeir- Nov. 1895. Cheschw 5656. Iireitag . . . 1 14 XT! (Sabb.-Ausg. 5,15). Sonnabend . . 2 15 Sonntag. . . 3 16 Montag . . . 4 17 Dienstag . . . 5 18 Mittwoch . . 6 19 Donnerstag . . 7 20 Areitag . . . 8 21