Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 13 (29.3.1895)
- Date
- 1895-03-29
- Page
- Seite 209 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4794838-9608360-9608484--0333-9608497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 13. 5 e f (^ « r « 11. Seite 209. 18!4 c. (HO,(HX) Mk. gcflcii (»80,(HM) iljf. i»l Jalne 1808; die Ililterttütztt» T^äüc bacicflcn verinchrtc» sich von 18,8.',2 im Jolne 1808 uns 20,484 im letzten Jahr, welches denn auch liectreiklicherweise mit einem Defizit von c. 80,(KK> Mk. abschlicßt. 727 TväÜc betrafen russische Einwanderer, 702 solche Petentcii, die schon in sriibcreii Jnlneii die Hilfe des Board nachqcsucht hatten, darunter 200 Lchueider, 107 Lchuhmacher, 101 Kürschner :c. Der Bericht schließt mit der Bitte an die jüdische Ojesamthcit, durch neue reichere Lpeudeu die Verwaltung des -Boa.nl vor der lllotweudigkeit zu bewahren, ihre Thätigkeit eiuzuschränken. - Den Juden in I i u n l a n d sollen, wie gerüchtweise verlautet, alle Rechte gewahrt werden, deren sich die Ausländer in Finnland überhaupt erfreuen. - In der Gesellschaft für jüdische Litteratur in Philadelphia sprach Rabb. Dr. .(trauskopf über das Thema: „'Was können die russischen Juden für das Judentum leistend" Gr prophezeite den russischen Juden eine glänzende Zukunft und sprach die Erwartung aus. daß sie die deutschen und englischen Juden bald überflügeln würden. Dr. Kr. bat bekanntlich vor einem halben Jahre Rußland bereist. ßittrratur. * Eine Rede, welche Professor Dr. W. Nomack am 27. Januar, d. I. zur Feier des Geburtstages des Kaisers in der Aula der Universität zu Straßburg über „Die Entstehung der israelitischen Religion" gehalten hat, ist soeben im Verlage von Heitz u. Mündel dortselbst erschienen. Der Verfasser vertritt die Annahme, daß die Israeliten nicht von Anfang an Monotheisten waren, sondern erst im Lause der Zeit zu der monotheistischen Gottesverehrung gelangten, und thut dar, wie diese nach und nach von der Verehrung des Gottes der Gerechtigkeit zu derjenigen des Gottes der Liebe sich durchrang, eine Erkenntnis, die dann von Jesaja weitergeführt wurde. Von besonderer Wichtigkeit sei dabei für die Entwicklung seines religiösen Lebens die Ansiedlung Israels in Palästina gewesen, wo Israel aus einem Nomadenzu einem Bauernvolke wurde. - Wir kommen aus die Schrift zurück. * Es ist eine erfreuliche Erscheinung der heutigen Zeit, daß auch die theosophischen Erzeugnisse in der Littcratur nicht mehr in Spitzfindigkeiten ihre Beweise suchen, sondern bestrebt sind, dem Stande der exakten Wissenschaften Rechnung tragend, ausgleichend in den beiden Weltausschauungen idealer und materialistischer Richtung zu wirken. In den Vorträgen über „Wissenschaft und Judentum" von Dr. Elsaß sehen wir durchweg dieses Prinzip in anerkennenswerter Weise gewahrt. Der erste Vortrag setzt in lichtvollend klarer Darstellung das Wesen des Begriffs Religion auseinander und leitet aus derselben alle höheren Bestrebungen allen geistigen Gebieten ab. In dem 2ten — Gott und Welt — wird das Dasein Gottes aus den gesetzmäßigen Bewegungen der Moleküle und Atome in geistreicher Weise bewiesen und in dem Htcn — Darstellung der Schöpfung nach Bibel und Wissenschaft — wird jeder der richtige Platz zugeteilt uud nachgewiesen, daß Bibel und Wissenschaft, bei richtiger Auffassung der Zeit der Bibel um 9000 Jahre zurück und die Zeit der 'Naturwissenschaft — etwa 300 Jahre — in keinerlei Widerspruch sich befinden können, zumal die Bibel keinen Anspruch je erhoben hat, naturwissenschaftliche Probleme — nur davon kann, die Rede sein — zu lösen, sondern daraus, ein Buch zu sein, worin sittlich religiöse Anschauungen und die daraus resultierenden Wahrheiten enthalten sind/ Wenn wir hinzusügen, daß die vollendete stilistische philosophische Darstellung der „zwanglosen Hefte" nach Form und Inhalt allen Ansprüchen genügen, so dürfte bei jedem Leser das Verlangen, denselben öfter aus seinem Büchertische zu begegnen, nicht unberechtigt erscheinen. , H e i n r i d) M ichaelis. fofr Llülttt. * 1. Nochmals das Kaddisch-Gebet. Den in diesem Blatte wiederholt gegebenen Erklärungen zum Kaddisch Gebete sei mir gestattet, noch eine anzureihen, die der vor etwa zwei Jahren entschlafene Rabbi Liebmann Adler in Chicago in seiner Gedächtnisrede aus den verstorbenen Rabbiner und Philosophen Tr. Samuel Hirsch daselbst im Jahre 1889 gegeben hat. Adler sagte: „Indem wir diese hehre Trauerfeier mit dem Kaddischgebet schließen, liegt uns dabei der Gedanke fern, damit das Seelenheil des edlen Verblichenen im Jenseits zu fördern. Das hat der Ehrenmann im Leben schon selbst bestens besorgt, eingedenk des Spruches: Im en ani li, mi li? — Wenn ich mich nicht selbst versorge, keiner sonst kann es. Indessen, wie das Herz eine Befriedigung darin findet, auf dem Grabe, unter welchem die Asche Hingeschiedener Lieben gebettet liegt, den schönsten Blumenflor zu pflegen, und wenn der Verstand fragt: Wozu thust Du das? ihm die Antwort wird: Stille! das verstehst Du nicht, das ist Herzenssache! so findet das pietäterfüllte Herz der Kinder eine Befriedigung in dem Hause, das der Seelenpflege geheiligt ist, den Seelen der Hingeschiedenen Eltern die Blume der Andacht zu widmen. — Ich nenne das Kaddisch die Blume der Synagogen-Andacht: 1. Wegen seiner mustergiltigen Kürze. 2. Wegen seiner Reinheit von jedem Egoismus, indem darin kein Lamentieren ist um Brot, Kleid, Gesundheit, Leben, langes Leben, noch weniger von Ehre und Reichtum. - Um was das Kaddisch betet, ist das Gebet aller guten Menschen: Jisgaddal wejiskaddasch sch’me rabbah — Möchte Gottes Größe und Heiligkeit immer mehr wachsen in der Erkenntnis der Menschheit und immer und immer weitere Kreise gewinnen. Wejamlich melehusseh. — Uebersetzen wir es mit dem bekannten: Zu uns komme Dein Reich. Gottesreich heißt nichts anderes als das Reich der Tugend, der Weisheit, der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der 'Nächstenliebe. Gottesreich ist keine fromme Redefloskel, ein Phantom, das erst hinter unseren Gräbern dämmert; es steht jeder darin sowohl fördernd als verzögernd in seinem Leben und Streben. Becliajeclum uwejomeclion. — So lange die Tage und das Leben noch Euer sind, fördert das Reich Gottes, und was dem Einzelnen zu schwer ist zu fördern, da werde von Gemeinden und Vereinen das Reich Gottes zu erweiteren vollbracht — uwechaje dechol bes jisrael. Endlich bietet das Kaddisch ein durchgreifendes Trostwort für alles unverschuldete Leiden: Beolmoh di wero Chi’reuseh. — Die Wett und ihre Ordnung hat Gott nach Seinem Willen geschaffen, nicht nach unserem. Und so leben und sterben wir, wird uns das Dasein schwer und leicht, zum Genuß und zum Verdruß nach seinem weisen Ratschluß. Weihen wir diese Blume der Andacht dem Andenken des Mannes, dessen ganzes Leben ein Kaddisch war, ein ernstes, opferreiches Streben, das Reich Gottes nach seiner Auffassung zu verbreiten mit Mund, Feder und Beispiel rc." * Das Thema von den Hnmans ist jetzt unausgesetzt an der Tagesordnung, es sei mir darum gestattet, wenn auch nach Purim, eine Bemerkung über den ersten Haman zu