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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 7. (1900) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 7. (1900)
Date
1900-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 7. - 1900 Jahrg. XXIV Jüdisches Litteratur-Blatt. Zur Beleuchtung aller Judenthum und Juden betreffenden litterarischen Erscheinungen auf dem Gebiete der Philo- Sophie, Geschichte, Ethnographie, Theologie, Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Vera 11twörtlicher Redacteur: Rabbiner i)r. 31. Rahmer in Magdeburg. Verlag und Expedition: Siegfried Cronbaeh in Berlin W. 57. Bücher der einscldägigen Litteratur, deren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe und Manuskripte sind an die K e d a c t i 0 n , Inserate u. Beilagen an die E x p e - d i t i o n franco einzusenden. Das ,,Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint monatlich im Umfange eines ganzen Bogens und kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durch Siegfried Cronbaeh in Berlin W. 57) vierteljährlich eine Mark. — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ״Israelitischen Wochenschrift“ (Redacteur M. A. Klausner), welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 2.50 M. kostet, erhalten das ,,Jüdische Litteratur-Blatt“ als Gratis-Beilage. — Inserate werden mit 30 Pfg. die viergespaltene Zeile berechnet und sind an die Expedition in Berlin zu senden. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte Ist nicht gestattet. 4W Das Jahr 1848 und die Juden. Ein Beitrag zur Emancipationsgeschichte. Von Max "Weinberg in Magdeburg. Ludwig* Mathy, ein Neffe Karl Mathy’s, hat jüngst im Verlage von S. Hirzel in Leipzig unter dem Titel ״Aus dem Nachlass Karl Mathv’s, Briefe aus den 4/ Jahren 1846—1848“ mit Erläuterungen vom Herausgeber, ein sehr lesenswerthes Buch, erscheinen lassen, das mancherlei werthvolle Notizen und Beiträge znr Geschichte der Juden jener Zeit enthält, aus dem ich, um die Aufmerksamkeit der betheiligten Kreise darauf zu lenken, hier Einiges mittheilen möchte. Der Herausgeber sagt in der Einleitung, Karl Matliy habe einen grossen Schatz von Briefen, Tagebüchern etc. hinterlassen, die nur theilweise von Gustav Freytag in seiner vortrefflichen Biographie benützt worden seien und die als Beitrag zur Geschichte der deutschen Bewegung von 1847/48, an der Mathy mit seinem Freundeskreise einen hervorragenden Antheil gehabt, von Werth seien, die einen werthvollen Beitrag zur Geschichte und Vorgeschiehte des Jahres 1848 liefern und so mancherlei Notizen für und gegen die Emancipationsbestrebungen der Juden enthalten, dass ein Hinweis bezw. ein Auszug aus denselben an dieser Stelle wohl gerechtfertigt erscheint. ״Da wo die Briefe, Tagebücher Entwürfe zu Reden und Berichten Karl Mathy’s bezw. die Briefe politischer Freunde und Gesinnungsgenossen an ihn allein nicht ausreichen, ein zusammenhängendes Bild jener Zeit zu geben, wenn z. B. Mathy mit den Freunden in der Paulskirche zusammen tagte und ein Briefwechsel dadurch überflüssig war, sind, soweit nicht Briefe Mathy’s an seine Frau in die Lücke treten, das ,,Tagebuch Dr. Leopold Ladenburgs*), Rechtsanwalts, juristischen Schriftstellers• und treuen Freundes unseres Onkels benutzt worden, wozu uns von dessen Söhnen gütigst die Erlaubniss gegeben worden ist“, bemerkt der Herausgeber in der Vorrede. Aus Ladenburgs Tagebuch. —,,Mannheim, den *)Leopöld Laden bürg, geh. 11. August 1809, Jurist und National- Ökonom in Mannhein, Vorstand des vaterländischen Vereins, starb am 24. Juli 1889. 8. März 1848. In München begann die Bewegung am 2. d. Mts. Das Volk verlangte die Einberufung der Stände. Der König wollte nicht nachgeben. Da wurde das Zeughaus gestürmt, Waffen ausgetheilt u. s. w. Nun berief der König die Stände auf den 16. d. Mts., versprach Pressfreiheit, Schwurgerichte, Beeidigung des Militärs auf die Verfassung, neues Wahlgesetz und Besserstellung der Juden‘.1 ,,Mannheim, den 10. März 1848. — Beklagenswerthe Auftritte gegen Juden fanden in Bruchsal, Müllheim, Emmendingen, Heidelsheim, Neckarbischofsheim, Lampertheim, Lorsch und an andern Orten statt. Der Wucher der Juden soll dazu Grund (oder Vorwand?) gegeben haben. In vergangener Nacht ist Militär von hier nach dem Odenwald, wo man dem Adel droht, abgegangen. Wohin soll das Alles führen? Zum Besseren, vielleicht? In Hamburg ist die Gleichstellung der Juden bereits ausgesprochen.“ Aufruf*). ,,Mit tiefem Schmerze, welchen alle wahren Freunde der Volksfreiheit und Vaterlandes theilen, vernehmen wir die Nachricht, dass die Tage, welche die Herzen aller wackeren Bürger mit hehrer Begeisterung erfüllen, die Tage, welche unser ganzes Volk erlösen sollen von dem Drucke der Knechtschaft von Jahrzehnten, ja von Jahrhunderten, entweiht werden sollten durch blinde Zerstörungswut]! und Gefährdung der Personen und des Eigenthums unserer Mitbürger jüdischen Glaubens, dass das leuchtende Panier der Freiheit besudelt werden will durch schmähliche Excesse. Die Feinde der bürgerlichen Freiheit, die Gegner der freien Entwickelung unseres Volkes, die V olksfeinde, welche den alten Zustand der Unterdrückung gerne zurückgeführt sähen, sie werden sich schadenfroh die Hände reiben und frohlocken, sie werden solche Excesse anregen, schüren, herauf beschwören, um dann ausrufen zu können: Seht, das Volk ist nicht würdig der Freiheit; denn ein Volk, was wahrhaft frei ist, missbraucht die Freiheit nicht, um des Anderen Freude und Glück zu vernichten. *) Erschienen unter anderen in der Mannheimer Abendzeitung. Kedigirt unter Verantwortlichkeit von J. P. Grolle.

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