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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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MMM Zeitschrift für die Gesaiiitiiltereffeii des Judentums. Webst dem Weibl'crtt: Jüdisches Littevcrtur-bl'crtt. Erscheint an jedem Freitag das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Redaktion und Verlag: Wertin 6., Woß- Straße 3 Telephon: Amt I, 5729. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Österreich-Ungarn 3.— Mk. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Unmmer 9. Krrlin, 3 Marx 1905. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C., Roß-Straße 3. Inhalt. Artikel: Die akademische Freiheit. — Nationalität und Humanität. Von Dr. B. Seligkowitz-Köthen. — Professor Delitzschs Hypothesen und die Wissenschaft des Judentums. — Berliner Repräsentantensitzung. — Verein der jüdischen Lehrer in den Rabbinatsbezirken Emden-Oldenburg-Bremen.— Literarisches: M. Stengel: Gedichte. — Dr. Mar kusEp stein: Prozessuale Rechtsgrundsätze der Juden in biblischer uüd nachbiblischer Zeit. — Dr. M. Margel: Deutsch-hebräisches Wörterbuch. — Dr. A. Freimann und Dr. H. Brody: Zeitschrift für hebräische Bibliographie. — Ludwig Pastor: Ungedruckte Akten zur Geschichte der Päpste. — Politik: Die Asyle für Obdachlose. — Die Kirchensteuer in Swinemünde. — Ein Schächtverbot in Wien. — Die Thronrede des Königs von England. — Das russische Preßgesetz. — Zum Sündenregister des Großfürsten Sergius. — Die Judenfrage in Rumänien. — Ein Ministerium für jüdische Angelegenheiten in Rußland. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Mitteilung der Alliance Jsraelite Universelle. — Die Judenfrage. — Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" und Adolf Menzel. — Der jüdische Leutnant. — Pücklers Jünger vor Gericht. — Königsberg i. Pr.: Jahresbericht. — Hamburg: Jüdische Rückwanderer. — Jüdischer Frauenbund. — Frankfurt a. M. Erinnerung an Fettmilch. — Nürnberg: Umwandlung einer jüdischen Schule. — Wien: Gedenktafel für Theodor Herzl. — London: Auch ein Weg zur Lösung der Judenfrage. — Petersburg: Der russisch-japanische Krieg und die Juden. — Kischinew: Russisches Recht. — Lemberg: Ausweisung jüdischer Auswanderer. — Personal nach richten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Rabtschik. Nach dem Jüdisch-Deutschen des Scholem Aleichem. — Inserate. Die akademische freibeit. Der deutsche Student ist längst ein Philister geworden. Er brüstet sich zwar gern mit den Farben der alten Burschenschaften und freien Verbindungen, er ruft zwar noch im Liede „um Hilf' die Poesei gegen Zopf und Philisterei", aber seinen Geist und sein Leben außerhalb der Kneipe belästigt er nicht mehr mit dem idealistischen Wust der Vorzeit. Streberei und Muckerei ersetzen heute in der Studentenschaft die freiheitlichen Gedanken der Väter, und es ist nichts mehr übrig geblieben von dem romantischen Nimbus der Burschenherrlichkeit. Die Universität ist eben nichts anderes mehr als eine Schule, in der man zwar ungezwungen und nach freiem Er messen lernt, aber doch nur lernt. Das ist vielleicht gut so, aber dann sage man es offen heraus und finde sich damit ab. Die akademische Freiheit ist nur noch ein Popanz ohne Bedeutung, und ich fragte mich angesichts der neulich entstandenen Studentenunruhen vergebens, warum sich vernünftige Leute darüber den Kopf so sehr zerbrechen. Die sogenannte akademische Freiheit ist überdies weder vom Kultusminister noch von irgend einer Behörde angegriffen worden, was ja auch garnicht der Mühe wert wäre, sondern die Studenten haben selbst einen i Streich verübt, der so aussah wie eine Bekämpfung akademischer ) Freiheit. Und die Volksvertreter im preußischen Landtag und \bie Presse und alle die „Alten Herren" studentischer ^Korporationen haben sich auf die Seite der klagenden Burschen und Füchse gestellt, weil sie freudig überrascht waren von dem scheinbaren Aufslackern des alten akadem scheu Freiheitstrieß^^ Sie erinnerten sich an die längst begrabenen Ideale ihrer eigenen Jugend, sie glaubten in dem Streik der Sludenten etwas wie jugendliches Feuer zu erkennen, sie sahen wieder den „freien Burschen" und hatten ihre Freude daran. Es war ein Scheinfeuer. Nicht Freiheitsliebe, nicht Jugendtrotz waren die Beweggründe der Unruhen, sondern höchst prosaischer Haß und konfessionelle Intoleranz. Die Jünglinge an den technischen Hochschulen hatten nämlich die akademische Freiheit in dem Sinne verstanden, daß man eine Hetze gegen die konfessionellen, d. h. jüdischen und katholischen Verbindungen einleiten müsse. Die jüdischen Korporationen haben sich (wie u. A. der V. I. St. in Charlottenburg) dadurch der Bekämpfung entzogen, daß sie erklärten, sie seien keine konfessionellen, sondern national-jüdische Vereine. Die katholischen Verbindungen aber hatten den ihnen aufgedrängten Strauß auszufechten. Da kamen nun die akademischen Behörden und erschwerten den deutsch-nationalen Verbindungen die Hatz gegen die Katholiken, indem sie ihnen Bündnisse mit auswärtigen Korporationen verboten. Jetzt aber schlugen jene einen Höllenlärm und jammerten ihrerseits über Verletzung der akademischen Freiheit. Hinc illae lacrimae. DÄher das große Geschrei, weil man ihnen nicht gestatten wollte, die Freiheit der anderen totzuschlagen. Den Herren war der Kamm schon zu sehr geschwollen, sie durften ja bereits in Gegenwart des künftigen Kaisers von Deutschland den Absagebrief an die Juden ausstellen. Nun können sie es nicht fassen, daß man ihnen einen kleinen Maulkorb vor den großen Mund bindet. — Freilich

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