Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 27 (1903)
- Issue
- No. 3. (1903) Exemplar LBI
- Date
- 1903-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3.—1903. Jüdisches Ji!ü: Litteratur-Blatt. Zur Beleuchtung aller Judentum und Juden betreffenden litterarischen Er- «cheinungen auf dem Gebiete der Philosophie,•Geschichte, Ethnographie, Theologie, Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rahm er in Magdeburg. Verlag und Expedition: Arthur Scholem, Berlin C., Rossstr. 3. Bücher der einschlägigen Litteratur, deren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe und Manuskripte sind an die Redaktion, Inserate u. Beilagen an die Espedition franco einzusenden. Rahmer’s ״Jüdisches Litteratur-Blatt“ erscheint monatlich zwei Mal und kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durc‘ Arthur Scholem, Berlin, Rossstr. 3) vierteljährlich eine Mark. — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ״Israelitischen Wochenschrift‘1[ welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 3.— NI. kostet, erhalten das ,Jüdische Litteratur-Blatt“ als Gratis-Beilage. — Inserate werden mit 20 Pfg. die viergespaltene Zeile berechnet und sind an die Expedition in Berlin zu senden. Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe:!»Aus Rahmer’s JUd. Litteratur-Blatt“ gestattet. Die sieben Jahre der egyptischen Hungersnot.; Von Heinrich Brugsch. (Schluss.) Madiri machte sich auf den Weg, um zum Hofe des Königs in Memphis zu gelangen und seinem Herrn und Gebieter persönlich Bericht abzustatten. Seine Schilderung ist fast von dichterischem Schwünge und verrät im Einzelnen manches Altertümliche in Form und Fassung. Er leitet sie mit den Worten ein: ״Es liegt eine Stadt inmitten des Stromes, bei welcher der Nil zum Vorschein kommt. Elephantine heisst sie von Alters her. Es ist die erste Stadt und der erste Gau, nach dem Negerlande Wawa zu, des egyptischen Reiches. ״Sie ist die hohe gewölbte Treppe, auf welcher der Sonnengott zur Zeit der Frühlingsgleiche nach ihrer Rechnung emporsteigt, um allen Menschen das Leben zu fristen. Anmutig zu leben, so heisst diese seine Wohnstätte. ״Die beiden Quelllöcher, also heisst das Gewässer. Das sind die Brüste, welche Allem Gedeihen schenken. Sie sind das Ruhebett für den Nil.“ Nach einer weiteren Schilderung fährt er fort, um die Natur des Niles und des Schutzgottes Chnubis weiter auszumalen: ״Er steigt (bei Elephantine) 28 Ellen empor und er sinkt bei Diospolis in Unteregypten bis auf 7 Ellen. Die Sonne der Frühlingsgleiche erscheint dort als Gott Chnubis. Er schlägt den Boden mit seinen Fusssohlen und es mehrt sich die Fülle. Er öffnet den Riegel des Thores mit eigener Hand und die Thüren seines Wasserspundes thun sich weit auf.“ In der weiteren Fortsetzung seines Berichtes, der sich zunächt noch mit dem Wesen des Gottes beschäftigt, ergeht sich der Berichterstatter über die Insel und die Reichtümer der natürlichen Produkte in ihrer Umgebung. Vor allem sind es die Edelsteine und das zum Bauen verwendbare Material in den Gebirgen, welchen die Beschreibung gewidmet wird. Jedes Erzeugnis wird mit botanischer und zoologischer Genauigkeit geschildert und jede einzelne Pflanze und Steinart ihrem Namen nach aufgeführt, Der König ist entzückt von der Darstellung und fühlte sich für die Zukunft beruhigt, ״Meine Seele ist froh“, so drückte er sich wörtlich aus, ״seitdem ich solches gehört habe.“ Er begiebt sich nach Elephantine, um den! ihm bis dahin unbekannten Gotte durch Opfer und Gebete seine Huldigung zu bezeugen, und der Gott ist nicht unempfänglich für diese königliche Verehrung. Der König erzählte: ״Ich fand den Gott vor mir stehen, und ich betete ihn in Demut an. Sein Auge that sich auf, sein Herz ward gerührt, und also erscholl seine Stimme: ״Ich bin der göttliche Baumeister (Ohnum), der dich erschaffen hat. Meine Hände ruhten auf dir, um deinen Körper zu fügen und deinem Leibe Gesundheit zu verleihen. Ich flösste dir deine Seele ein.“ Der Gott erleuchtete den Pharao über sein Wesen in längerer Rede und fährt darauf fort: ״Ich werde für dich die Nilflut ohne Fehl alljährlich eintreten lassen, und sie soll sich niederlassen auf alles Land. Es soll sprossen der Pflanzenwuchs, und sich beugen, was da Mehl trägt. Der göttliche Segen soll auf allen Dingen ruhen und alles millionenfach nach der Elle des Jahres sich mehren. Voll sollen haben die Untergebenen und die Zuversicht in ihrer Seele samt ihrem Herrn aufleben. Vorübergehen soll das Elend. War der Mangel bisher in den Vorratskammern, so soll nun das Egyptervolk auf das Feld gehen. Die Auen werden strahlen und das Getreide soll auserlesen sein. Grünen (d. h. erfreut sein) sollen ihre Herzen mehr als je vorher.“ Einem solchen Versprechen gegenüber gewinnt der König seinen ganzen Mut wieder. Seine Worte, die sich den vorangehenden unmittelbar anschliessen, sagen dies auf das Klarste, geben aber auch zugleich seinen Entschluss kund, sich dem Gotte für alle Zukunft hin dankbar zu erweisen. Und das war,