Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 10 (7.3.1902)
- Date
- 1902-03-07
- Page
- Seite 159 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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) Nr. 10. Israelitische Wochenschrift. Seite 169. Henkers nicht bringen. Hau zu!" ries er, sein Haupt und seinen Rücken Woickowski zuwendend. „Hau, Henker!" Die Peitsche schwang sich über dem Haupt des unschuldigen Dulders ... In demselben Augenblick ertönte ein durchdringender Schrei ... es flimmerte etwas, zwischen dem ^Henker und seinem Opfer und flog an den Hals des geschlossenen Auges dastehenden Rabbiners . . . Doch die Hand des Henkers konnte sich nicht mehr halten; die Peitsche sauste durch die Lust und fiel schwer, heftig nieder . . . Ein dumpfer Schall ... auf die Erde .stürzte rücklings ein Mädchenkörper . . . Es ist unmöglich, den traurigen, erschütternden Effekt dieses Moments zu schildern . . . Mit ausgebreiteten Armen und geschloffenen Augen lag ein Mädchen, schön wie ein Engel, leblos, tot am Boden. Das unglückliche Mädchen brachte man jetzt in ein helles, luxuriöses Divanzimmer des Pan Potocki, das ganz nach türkischem Muster ausgestattet war. Ringsum liefen breite, niedere Divans, die aus übereinander geschichteten weichen -Matratzen gebildet und mit silberdurchwirktem Brokat bedeckt waren. Der Fußboden war ganz mit persischen Teppichen ausgebettet. Ein eigenartiges Schauspiel bot sich der Gesellschaft dar; vor einer Viertelstunde noch sorglos heiter, jetzt ernst, abgespannt, unhörbar und stumm sich be- ' wegend, wie Schatten der Nacht, wie eine Leichenprozession aus weichen Teppichen hinter den Trägern der Kindesleiche. Panna Wanda setzte sich aus einen der Divane; Daniello ließ den kindlichen Körper neben Wanda behutsam nieder, diese rückte dem Kind näher, hob das liebreizende Köpfchen des Kindes hoch und legte es auf ihren Schoß. Einige Minuten herrschte tiefes, lautloses Schweigen. „Wo bleibt Don Pedro?! unterbrach Potocki das allgemeine Schweigen, ungeduldig mit dem Fuß stampfend. „Er wird noch im Hinterhos sein, bei den verunglückten Pferdeknechten", antwortete Chmielnicki, sich der Thür zuwendend. „Hol' sie der Teufel! Daß er sofort herkommt!" befahl Potocki ärgerlich. Der Stallmeister lief nach dem Doktor, während die Frauen dem Kind die Jacke aufmachten und Panna Oda nach ihrem Flacon eilte. Und zu derselben Zeit trat der Rabbi, gestützt auf den Narren, in das Vorzimmer. „Setze dich, Alterchen! Ruhe ein wenig aus; ich werde inzwischen nach deinem Kind sehen und dir dann Bescheid sagen. Setz dich." „Wo ist mein Kind?" srug der Rabbiner scharf. „Es ist dort in einem der Gemächer." „Ich gehe selbst hin." „Du darfst es nicht, Alterchen. Man muß erst um Erlaubnis fragen ... Ich . . ." „Aus dem Weg!" schrie der Rabbi, stieß den Narren heftig zur Seite und drang in die inneren Gemächer ein. Im Divanzimmer angelangt, versenkte er seinen feurigen Blick in das liebliche Antlitz seiner unbeweglich daliegenden Enkelin. Er schien niemand und nichts um sich zu bemerken. Die ganze Seele, die ganze Empfindung, das ganze Sein des Greises konzentrierten sich in diesem einen Blick. „Alles verloren ... sie ist ermordet . . . meine Letzte, meine Letzte!" stöhnte der Greis. „Alter! verzage nicht und verzweifle nicht", sagte Potocki beruhigend, seine Hand aus die Schulter des Greises legend. „Dein Mädchen ist nur ohnmächtig. Mein Arzt muß diesen Augenblick erscheinen und wird die Kleine bald munter machen." Der Rabbi ließ das Haupt auf die Brust sinken und weinte still vor sich hin. „Natürlich ohnmächtig", ließ sich Wirginskis tiefe Stimme vernehmen. „Ein Peitschenhieb tötet nicht." „Armer Greis!" bedauerte ihn schließlich auch Pan Potocki. „Was ist zu machen? Es ist ein unglücklicher Zufall; hier ist niemand schuld." „Ach, ich bin schuld", sagte der Rabbi, fromm seinen Blick erhebend. „Ich selbst bin schuld, sonst würde der Allgerechte mich nicht so hart strafen. Sein Wille geschehe, ich murre nicht, nein, ich murre nicht über dich, o Gott!" Don Pedro erschien und blieb in der Thür stehen angesichts der vor seinen Augen sich abspielenden Szene. Die letzten Worte des Greises vernehmend, die mit gebrochener, krankhafter Stimme hervorgestoßen wurden, erblaßte Don Pedro und bewegte seine Lippen. Als Potocki den Arzt sah, ging er ihm entgegen. „Mein guter Pedro! Hilf diesem reizenden Kind und dem unglücklichen Greis. Hilf!" „Es ist das dritte Menschenleben ... an Ihrem Geburtstag", zischte Don Pedro. (Fortsetzung folgt.) Brief- und Lragekaslen. Herrn A. M. G. in B. Ich kann ihren Wunsch nicht erfüllen. — Herrn H. M. in B. Erst in nächster Woche möglich. Gruß. — Herrn L. in F. a. M. Geben Sie der Expedition Ihre Adresse an. bebramite Hdffccs ln Preislagen von Mk. 1,80, 1,40, 1,50, 1,60, 1,70, 1,80, 1,90, 2,00 per V2 Ko. Allen Freunden eines guten Getränkes als vorzögliche Marke empfohlen. „Meine Mutter lehrte mich: „Die Liebe geht durch den Magen“, scherzt die junge Frau Assessor, „das habe ich mir gemerkt und verbessere stets meine Suppen, Saucen, Gemüse und Salate beim Anrichten mit einigen Tropfen Maggi-Würze. Dabei spare ich Zeit und Arbeit und mein Gatte hält meine Kochkunst hoch.“ Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: I. Burkhardt in Berlin.