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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-02-07 · 6 (7.2.1902) · p. Seite 95

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
Seite 95 (sequence 15)
Language
German
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*%&***<*£ ■ r Nr. 6 Israelitische Wochenschrift. Seite 96. diesen Verbeugungen Beachtung zu schenken, ritt er weiter. Am Thor wendete er den Kops nach links und sah die Enkelin des Rabbiners, die ihn händeklatschend begrüßte. Ein freudiges Lächeln umspielte seinen Mund und voller Bewunderung hefteten sich seine Blicke aus das liebreizende Gesicht Esthers. Dieser einen zärtlichen Handkuß zuwersend, gab Chmielnicki dem Pferd die Sporen, setzte in vollem Galopp auf den Hof und hielt unmittelbar vor dem Balkon. Allgemeines Händeklatschen und wiederholte Bravorufe empfingen den kühnen Reiter. „Bogdan!" sagte Potocki laut, „du hast meinen Konrad besiegt. Der Besiegte muß der Sklave seines Besiegers sein — Pan Potocki liebt Gerechtigkeit.— Konrad ist dein!" „Hoch, Pan Potocki! Hoch der kühne Reiter!" rief Pan Bolepolski. _ Viertes Kapitel. Adlige Justiz. Der durch die beschriebenen Szenen unterbrochene Schmaus wurde wieder ausgenommen. Die Mundschenke vermochten kaum die Wünsche des Hausherrn und der Gäste zu befriedigen. Es schien, als habe ein unlöschbarer Durst der ganzen Gesellschaft, die mit besonderer Gier Krug um Krug leerte, sich bemächtigt, als lodere in allen eine innere Glut, die nur durch Wein und Meth sich löschen ließ. Kaum eine halbe Stunde war vergangen, seitdem der schmeichelhafte Toast aus den kühnen Reiter ausgebracht wurde, als der Ausdruck der Gesichter, unter der Wirkung des feurigen Weins, sich gänzlich veränderte. Die Gruppen mengten sich durcheinander; Neid, Haß, Bosheit, Eifersucht entschwanden und machten liebenswürdigem Lächeln, Gönnermienen, freundschaftlichen Händedrücken, ja zärtlichen Umarmungen Platz. Mit Hilfe ihres Komplicen, Pater Benediktus, gelang es der gewandtenZPanna Oda, die trüben Wolken von dem Gesicht des Hausherrn zu verscheuchen, und nicht eine Sekunde wendete sie ihre liebeglühenden Blicke von dem Gesicht desselben ab. Panna Wanda hörte huldvollft dem überglücklichen jungen Potocki aufmerksam zu. Pan Bolepolski und auch die Freunde des jungen Potocki, die eben erst über den Stallmeister sich so abfällig geäußert, unterhielten sich jetzt mit ihm über Pferderassen und Reitkunst. Die „schwarze Katze", die vor kaum einer Stunde über den Balkon gelaufen war, schien für immer verschwunden. Mit dem Stimmungswechsel der Gesellschaft blies auch das Lüftchen frischer, spendeten die Blumen einen größer« Wohlgeruch, ertönten die Klänge der Orchester und Chöre Heller, melodischer, ja die ganze Natur schien mit der vornehmen Gesellschaft zu jubeln, zu jauchzen. Der trunkene, schläfrige Pan Wirginski war, nachdem er mehrere Becher geleert, nicht zum Wiedererkennen Seine schwülstigen Wangen röteten sich, in seinen Augen leuchtete jugendliches Feuer, ja sogar seine Beine schienen den „verdammten Ungar" abgeschüttelt zu haben, und unter den Klängen eines muntern Krakoviak begann er, Durnjewitsch vi8-a-vi8, komische Pas zu machen, daß die Gesellschaft sich in die Seiten hielt. „Pan Stephan", rief er, mit zwei gefüllten Bechern an den Hausherrn herantretend, „so lieb ich dich! Jetzt siehst du dir ähnlich, aber vorhin . . . weiß der Teufel, was mit euch allen oorgegangen ist . . . ausgeblasen wie die Puten . . . und da legte ich mich schlafen . . . Aus dein Wohl, Pan Stephan! Komm, laß uns umarmen und küssen nach'unserer Väter Brauch." Der Hausherr lachte und küßte sich mit Wirginski. „Wer mich liebt, halte die Lippen her. wer nicht — komme mir nicht zu nah." „Den verwegenen Pan Wirginski nicht lieben, ist unmöglich!" rief es von allen Seiten lachend. Alle drängten sich um ihn. „Danke, meine Herren, haltet die Lippen bereit. Erst muß ich aber den Zoll der Verehrung und Anbetung dem schönen Geschlecht entrichten. Ihre reizenden Händchen, Panna Oda, Panna Wanda, Panna . . „Halt, Wirginski! Dir müssen alle den Mund Hinhalten, ob Damen oder Herren," rief Potocki. „Weise gesprochen. Pan Stephan. Gilts?" „Warum ihm dieses Glück?" protestierten einige. „Weil er ein — alter Kerl ist," entschuldigte sich Potocki. „Ich — ich alt? Hoho! Ich will noch euch alle in den Sack stecken, ihr alten Grünschnabel, ihr!" „Bravo, Pan Wirginski! Fangen Sie mit dem Küssen an," drängte Oda. „Göttliche Panna Oda! Sie allein vermögen die ritterlichen Eigenschaften Ihrer Anbeter zu würdigen. Ihre Rosenlippen . . .!" Schäkernd und witzelnd nahm das schöne Geschlecht die saftigen Küsse des dicken Trunkenboldes entgegen. Dann kamen die Herren an die Reihe. „Du, Kosak! Warum kommst du nicht her, um dich mit Pan Wirginski zu küssen?" schrie Wirginski den abseits stehenden Chmielnicki an. „Bitte", sagte dieser lachend, „Hab solche Ehre gar nicht erwartet." „Pan Wirginski ist nicht so, du Thor. Im Freudentaumel küßt oder — haut er alle. Narr, küsse mich!" (Fortsetzung folgt.) Brief- und Lragekaften. Herrn Dr. M. in N. Sie werden schon in der nächsten Nummer das Gewünschte sehen. Ich bitte um Ihre genaue Adresse. Gruß. — Herrn M. G. in A. Wollen Sie damit noch einige Zeit warten. Sie erfahren nächstens, was inzwischen geschehen ist. Gekonnte Koffccs ln Preislagen von Mk. 1,80, 1,40, 1,50, 1,60, 1,70, 1,80, 1,90, 2,00 per V* Ko. Allen Freunden eines guten Getränkes als vorzügliche Marke empfohlen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: I. Burkhardt in Berlin.

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