Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 33 (1921)
- Issue
- 4 (6.1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 <* toren verkünden [eis' (täglich' und stündlich in 'allen Zeitungen und Versammlungen, daß (an allem Unheil nur die Juden schuld s'eien. Die Juden haben den Krieg gemacht, die Juden haben den „Siegfrieden“ diktieren wellen, die Juden haben den Krieg (verloren, die Juden (stecken hinter den schmachvollen, vernichtenden F ri edehs Verträgen .von St. Gennain, - Versailles ~ und Trianon, (die Juden haben das Geld entwertet, die Juden halten die (Notenpresse jim Gange, die Juden essen den Christen das karge Brot {weg,, die Juden Steigern die Teuerung zu schwindelnder Höhe, (die Juden, die Juden uud immer wieder die Juden! Es tut nichts1, daß tausendfältige Erscheinungen bekunden, daß (Kriegsgewinn (und Skrupelloser. Erwerb in der Nachkriegszeit, d,aß (Wucher und Ausbeutung, Betrug, Einbruch und Diebstahl durchaus interkonfessioneller Natur sind, daß die Schwankungen des' Waren- und Geldmarktes auch von Christen (weidlich aüsgenüfezt werden. Des römischen Kaisers übel duftendes „Non ölet“ (das Geld riecht nicht) und des alten Guizot frivoler Zuruf: „EnrichisSez-vousI“ (Bereichert' Euch!) an Seinen Anhang waren Ausbrüche arischer Korruption, wie ja Zu allen Zeiten sozialen Verfalles und der Auflösung staatlicher Ordnung die Wogen brutalster Gewinnsucht über jedem Volke zusiammOns'chlugen. Aber es ist so leicht, so einfach, so gemeinverständlich, der türteilslbsen und gedankenträgen Menge vorzugaukeln, daß alles Uebel dieser Welt semitischen Ursprunges [ist und daß all die stolzen und großen Arier, welche den Krieg und seine entsetzlichen Folgen verschuldet haben, die (Wilhelm und Nikolaus1, die ßerchtold und Stürgkh, die Poincarre und Clemenceau, die Ludendorf und Tirpitz, nur Hampelmänner in den Händen der Juden waren.' Da kommen nun die kleinen Gernegroße des' AriertumS und wollen an idem künstlich angeschürten Judenhasse ihr S.üpplein kochen. Hinaus mit den Juden! Das Wort hallt und dröhnt und pflanzt sich fort wie Feuerruf. Zwar braucht man sie noch zu Steuern und Abgaben, Zu Kredithilfe' und sozialer Fürsorge, aber man kann doch vorläufig eine gieselTsdhäffliehe „Reinigung“ vollziehen. In den Vereinen, die fortab auf die Beiträge jüdischer Mitglieder nicht mehr angewiesen zu sein glauben, in den Sport-, Tum- und Wandervereinen wird der Anfang jge-' * macht. Mit ieohtdeutscher Treue werden wohlerworbene Rechte mit Füßen getreten, wird die gelbe Fahne des: Rassenhasses auf den Höhen der Berge aufgepflanzt, werden die Freudenfeuer des1 ReinheitsdJünkels1 auf allen Hochgipfeln entzündet. „Hinaus mit den Juden!“ Im Alpenverein und Touristenklub ist es gelungen. Freilich nicht ganz. Unmittelbar nach der Schmählichen Annahme des Arierparagraphen in der Sektion „Austria“ des Alpenvereines hat Sich eine neue, unpolitische Sektion „Donauland“ gebildet, welcher auch zahlreiche,* (über die konfessionelle