Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 10 (10.1908)
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 11 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Volke wirklich helfen wollen, denen es um die politische, nationale, wirtschaftliche Wiedergeburt des christlichen Volkes ernst ist." Weiter: „Denn der Lehrer gehört zum Volke, er kennt und fühlt seine Schmerzen, er weiss, dass die Juden die Christen politisch, national und wirtschaftlich ausnützen und ausbeuten, korrumpieren und demoralisieren, und deshalb muss gegen diese Parasiten, die sich auf Kosten der Anderen bereichern, in der energischesten Weise Stellung genommen werden." Ferner: „Der Jude ist ein Unglück für das Land; diese Pestbeule muss mit einem kräftigen Schnitt aus dem Leben der christlichen Nationen entfernt werden. Da wird den Juden auch das Vernadern der christlichsozialen Parteien nichts helfen, sie sind dem Untergange geweiht, sie müssen, je eher desto lieber, aus dem Lande verschwinde n." Vor den Augen von Regierung, Staatsanwaltschaft und Polizei werden die Juden in ihrer Gesamtheit Mädchenhändler, Zutreiber, Wucherer und gemeine Gauner genannt, weiters als ein Volk, bei dem jede Moral im Schwinden begriffen ist, beschimpft. Unter Duldung aller staatlichen Behörden werden Massnahmen aus Russland, die G e s a m t h e i t der Juden als eine Bande von Verbrechern zu entmannen und ihre Vermehrung hintanzuhalten, als leuchtendes Beispiel hingestellt und wird gleichzeitig die christliche Bevölkerung der Bukowina zu gleicher Betätigung von menschlicher Verrohung und Zynismus angeeifert! Gleicher Verhetzungen, Aufreizungen und Verleumdungen machen sich — wie bereits erwähnt — die rumänischen Zeitungsblätter: „Vointa Poporului", ,.Apararea Neamului" — „Apararea Nationala", ja auch die bekannte „Neue Freie Lehrerzeitung" und die „Wahrheit" schuldig. Ohne dass Polizei und Staatsanwaltschaft dagegen einschreiten, bezeichnet das „Bukowinaer Volksblatt" die Judenschaft generalisierend als eine jüdische Schlange und fordert die christliche Bevölkerung zu deren Ausrottung auf. Bedeuten alle diese Artikel und Handlungen keine Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen die Juden als Volksstamm, gegen die Juden als Religionsgesellschaft? Das „Bukowinaer Volksblatt" darf ungestraft die Juden trotz ihrer staatsgrundgesetzlich anerkannten Gleichberechtigung mit den übrigen Völkern der österreichischen Monarchie eine ausserhalb von Gesetz, Recht und Sitte stehende Sekte nennen und mit brutalem, wilden, gehässigen Fanatismus ihre Ausrottung verlangen! Wir fragen: Ist das geschilderte Vorgehen eine vom Strafgesetz verpönte „Feindseligkeit wider Nationalitäten, Religions¬ und andere Gesellschaften des Staates", oder nicht? Bedeutet eine