Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 12 (12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 11 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Triest ein, wo in jüngster Zeit eine sehr gehässige antisemitische Agitation um sich greift, als deren Organ insbesondere das Tagesjournal „II Sole" anzusehen ist. Berücksichtigt man, welche hervorragende Bedeutung die Triestiner Judenschaft für die Entwicklung des Handels und des Verkehrswesens der gesamten Monarchie besitzt, so wird man die wirtschaftliche Schädlichkeit dieser Hetze in ihrem vollen Masse zu würdigen wissen. Es ist überaus befremdlich, dass die Triestiner politischen und Gerichtsbehörden diese auf die Untergrabung des Wohlstandes der Stadt und auf die Vernichtung der wichtigsten ökonomischen Interessen gerichtete Bewegung nicht nur dulden, sondern ihr sogar vielfach konivent gegenüberstehen. Es gelang unserem Delegierten in eingehenden Konferenzen mit den führenden Persönlichkeiten der Triestiner Judenschaft, sowie der Spitzen der dortigen, Handelsinstitute, die Herren von der Notwendigkeit »iner energischen Gegenaktion zu überzeugen, und wir hoffen, dass die persönliche Aussprache und der engere Kontakt, in welchen nunmehr die ,.Oesterreichisch-Isiaelitische Union" zu den Glaubensgenossen unseres grössten Handelsemporiums getreten ist, sich für beide Teile als nützlich erweisen werde. Wir nehmen die Gelegenheit wahr, um an dieser Stelle allen Herren, mit welchen unser Delegierter in Berührung trat, für den freundlichen Empfang und für das weitgehende Entgegenkommen unseren herzlichsten Dank auszusprechen. Den Abend des 14. November verbrachte Herr Sekretär Fleischer im Kreise unserer zahlreichen Grazer Mitglieder, die unser dortiger Vertrauensmann, Herr David Stern, zu einer Versammlung eingeladen hatte. Kurz nach Eröffnung dieser Versammlung erschien ein Polizeikommissär und untersagte die Abhaltung derselben, weil in der Anmeldung ein Formfehler unterlaufen war. Der Einberufer begab sich gemeinsam mit unserem Delegierten zum Polizeidirektor und es gelang den beiden Herren, noch in später Abendstunde die Bewilligung zur Abhaltung der Versammlung zu bewirken. Die versammelten Damen und Herren harrten geduldig aus, bis gegen 10 Uhr Abends der Vortrag unseres Delegierten beginnen konnte. Herr Fleischer bot einen Rückblick über die Tätigkeit der „Union" seit seiner letzten Anwesenheit in Graz, und an sein Referat schloss sich eine höchst interessante Diskussion, an welcher auch die zahlreich erschienenen Zionisten teilnahmen. Aus den Auseinandersetzungen der verschiedenen Redner ergab sich das erfreuliche Resultat, dass die Verteidigung der staatsbürgerlichen Rechte der österreichischen Juden mit den ueSunqej^sQg der Zionisten auf die Schaltung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte wohl zu vereinbaren seien und dass es im Interesse beider Teile liege, ihre gegenseitigen Bestrebungen zu unterstützen. Zu den ca. 100 Mitgliedern, welche