Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 7 (7.1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Monatschrift der Oesterreichisch - Israelitischen Union, Nr. 7. Wien, Mitte Juli 1903 15. Jahrgang. Der Patron der deutschen Gemeinbürgschaft. Das Deutschtum in Oesterreich ist wieder einmal „railiiert", wie die massvoll Begeisterten sagen, oder gar „einheitlich organisiert", wie sich die masslos Begeisterten ausdrücken. In pathetischen Leitartikeln, in schwungvollen Resolutionen fortschrittlicher Vereine und Gemeindevorstellungen wird das grosse Ereignis begrüsst und die Allianz der Herren B a e r n r e i t h e r, Gross mit den Herren L u e g e r, G e s s m a n n etc. gefeiert. Dass die Grossgrundbesitzer, die Deutschfortschrittler, die Deutsche Volkspartei und die Christlich-Sozialen sich zusammengetan und ein weiteres und engeres Komitee eingesetzt haben, um ein geeinigtes Vorgehen in „nationalen Fragen" zu sichern, — wer darin eine weltbewegende Tatsache erblicken will und nun die Zukunft Deutsch-Oesterreichs für besser assekuriert hält als zuvor, der kann um seiner glücklichen Naivetät willen nur beneidet werden. Auch der Humor kommt dabei nicht zu kurz, wenn man daran denkt, dass der liberale Deutsche in Hinkunft vom Quartals-Obmann Dr. L u e g e r Weisungen entgegennehmen wird, und wenn man das Fortblühen menschlicher Vertrauensseligkeit konstatiert, die an die „nationale" Gesinnung des Wiener Bürgermeisters und seiner Clique glaubt. Karl L u e g e r, jene Karrikatur Alexander Bach's, hat nämlich aus seiner demokratischen Vorvergangenheit, die dann von einer regierungsfreundlichen Vergangenheit, einem reaktionären Imperfectum und einer kompleten Höflingsgegenwart abgelöst wurde, gerade eine einzige Eigenschaft treu bewahrt: Eine völlige Gleich giltigkeit in nationalen Dingen. Und noch anlässlich der letzten Landtags wählen konnte man von den Führern und in den Pressorganen der Deutschen Volkspartei hundertmal hören und lesen, dass Dr. Lueger und seine Getreuen in nationaler Hinsicht nicht nur unverlässlich, sondern selbst zum „Verrat" geneigt seien. Das hat aber die Herren von der Deutschen Volkspartei nicht gehindert, in den jüngsten Tagen wieder an die „Verräter" heranzutreten und sie höflichst einzuladen, als wertvolles Glied sich der nationalen Organisation des österreichischen Deutschtums einzufügen. Und nur an der Ablehnung der Alldeutschen lag es, dass wir nicht auch die Herren Herzog, Stein etc. in der