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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-04-01 · 4 (4.1903) · p. Seite 29

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
4 (4.1903)
Date
1903-04-01
Page
Seite 29 (sequence 32)
Language
German
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29 Während nach der vorstehenden Tabelle bei der Gesamtbevölkerung im Jahre 1900 der Sterblichkeits-Koeffizient 25,19% beträgt, stellt sich dieser bei den Juden nur auf 18,37%i daher um 6,76% günstiger. Dies ist einerseits auf die allgemein relativ längere Lebensdauer der jüdischen Rasse, andererseits auf den geringeren Konsum an geistigen Getränken, auf ein geringeres Auftreten von den mit Alkoholexzessen zusammenhängenden geschlechtlichen Erkrankungen, besonders aber auf die weit geringere Sterblichkeit der Kinder, speziell der Säuglinge, infolge ihrer besseren Pflege zurückzuführen. Sehr lehrreich sind speziell für Wien folgende Vergleichsziffern; Es standen im Jahre 1901: unter den Verstorbenen sämtlicher Konfessionen laut „Wien im Lichte iler Zahlen" Frey tag & ß erndt, Wien, 1903 unter den verstorbenen Juden laut Bericht des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde pro 1900/1 im Alter bis zu 1 Ja! von 1—5 Jahren . , 1-10 . „ 10-"20 n , 20— 30 „ , 30-50 , , 50-60 „ . 60-70 „ » 70-80 „ . über 80 Jahre . . 26,8 10,5 12,6 3,8 7.8 16,4 10 10,4 8,6 3,6 Vo, von 1 — 6 Jahren 18, 7,5 8,4 4,1 7,5 18 13 13 12 6 % Aus den vorstehenden Tabellen ergibt sich, dass auch hier die von Dr. Arthur Ruppin (siehe Conrad*sche Jahrbücher, 1902) in seiner Statistik der deutschen Juden gezogenen Konklusionen zutreffen, wonach die früher bestandene grosse Kinderzahl in den jüdischen Familien infolge des allgemein gestiegenen Wohlstandes und Bildungsgrades (trotz des unverhältnismässig grossen Anteils der galizischen Juden) immer mehr abnimmt, so dass die jüdische GeburtszifTer bereits unter die christliche Geburtsziffer gesunken ist. Infolge des geringeren Sterblichkeits-Koeffizienten ist aber die Zunahmsziffer in der jüdischen Bevölkerung laut Tabelle auf pag. 14 noch immer um 2,45 per Mille grösser wie bei der Gesamtbevölkerung, woraus klar ersichtlich ist, dass von einem „Niedergang der jüdischen Rasse" keine Rede sein kann. Denn nur darauf kommt es an, ob sich eine Zunahmsziffer per Saldo ergibt, und dies ist, wie wir sehen, bei der jüdischen Bevölkerung in einem höheren Masse der Fall wie bei der christlichen. Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien. Die Erfolge dieses Vereines in der Bekämpfung der Erwerblosigkeit in den ärmsten Orten Galiziens haben ihm zahlreiche Mitglieder in vielen Provinzstädten gewonnen, wo sich auch bei entsprechender Mitgliederzahl neue Ortsgruppen bildeten.

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