Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 10 (10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Nr. 10 Wien, October 1901 13. Jahrgang **M**^^*M^^^**^^M*V^*^^^%M^^*^*^Vm*******^^W*****i^N^^M*^^*M* Die Wahlen in Böhmen. Jubelnd nehmen die antisemitischen Organe von der Thatsache Notiz, dass die Deutsche Fortschrittspartei in Böhmen in ihrem diesmaligen „Aufruf an das deutsche Volk" jene Stellen gegen den Antisemitismus weglässt, die man bisher zum eisernen Bestände jedes liberalen Wahlaufrufes rechnen konnte, und triumphierend verkündet der Wiener christlich-sociale Moniteur, dass die Wiener Bewegung den Antisemitismus in Oesterreich, speciell aber in Böhmen, unter Deutschen und Czechen so populär gemacht habe, dass er thatsächlich die Wahlbewegung beherrscht. Das „Deutsche Volksblatt" spricht da ausnahmsweise einmal die volle Wahrheit. In allen früheren Wahlkämpfen hat doch die eine oder die andere Partei die Nacktheit ihrer Gesinnungen hinter einem Feigenblatte versteckt, weil sie wohl oder übel der Stimmen der jüdischen Wähler nicht entrathen mochte. Auch diese Phase der Heuchelei ist nun überwunden, und es ist vielleicht gut, dass endlich im Judenpunkte auf allen Seiten volle Offenheit herrscht. Längst haben ja die Deutsch-Fortschrittlichen im Wahlbezirke H erbst's den Zwang mit Unbehagen ertragen und die Maske in vertraulichen Versammlungen gelüftet. In Tetschen und Bodenbach ist denn auch zuerst das vom Jesuitenpater Badeni für Galizien erfundene Schlagwort des „Asemitismus" für Böhmen ausgegeben worden, ein Schlagwort, das ins Populär-Politische übersetzt, nichts anderes bedeutet, als: „Los von den Juden!" Die Situation ist heute rechts und links, auf deutscher wie auf czechischer Seite so klar, als man nur wünschen kann Auf deutscher Seite bekämpfen sich Fortschrittliche, Volkliche und Völkische mit einer wahren Berserkerwuth, aber gemeinsam hauen sie alle auf die Juden los. Die Czechen, von jeher disciplinierter als die Deutschen, lassen ihre kleinen Parteizwistigkeiten beiseite und ralliiren sich, aber den Preis des Compromisses, das die jungczechischen Führer mit Herrn Baxa abgeschlossen haben, müssen wieder die Juden zahlen. „Es ist kein Zweifel," heisst es in einer Prager antisemitischen Gorrespondenz, „dass die bisherigen jüdischen Abgeordneten Dr. Schar f und Dr. Z a 1 u d von der Wählerschaft in