Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 5/6 (Mai/Juni 1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Unsere Bemühungen, die beiden Herren zur Beibehaltung ihres Mandates, beziehungsweise zu neuer Candidatur zu bestimmen, waren erfolglos. Der Verein ist beiden Herren für ihre unermüdliche, erfolgreiche, langjährige Thätigkeit zu besonderem Danke verpflichtet, und der Vorstand stellt die Bitte, dieser dankbaren Anerkennung durch die General-Versammlung Ausdruck zu geben. (Die Anwesenden erheben sich von den Sitzen.) Als neue Beiräthe haben uns ihre schätzenswerte Mitwirkung im abgelaufenen Jahre gewidmet die Herren kais. Rath Wilhelm Anninger, unser Ehrenmitglied, Dr. Oscar Hein, Hof- und Gerichtsadvocat, Isidor Popper, Sachverständiger und Schätzmeister des Handelsgerichtes, Josef Fuch s, Ortsschulrath. Diesen Herren, ebenso wie allen anderen Beiräthen, obenan Herrn Dr. Josef Bloch, der in selten anhänglicher Weise mit uns gearbeitet und für unsere Zwecke gewirkt hat, sei der herzlichste Dank abgestattet. Für die Förderung unserer Zwecke sind wir gleichfalls der gesammten freisinnigen |J Presse, der „Oesterreichischen Wochenschrift'', der „Neuzeit" und der „Wahrheit" zu Dank verpflichtet. Ein seltenes Pflichtbewusstsein beherrscht unser Bureau. Obenan steht Herr Siegfried Fleischer, der mit seinen starken Talenten unermüdlichen Fleiss entwickelt, der die „Oesterreichischisraelitische Union" würdig überall repräsentiert, der, des Wortes mächtig, unsere Ideen begeistert und begeisternd hinausträgt und nicht allein um unseren Verein, sondern um das gesammte Judenthum die grössten Verdienste sich erworben hat. (Beifall.) Der allgemeine Bericht ist damit zu Ende; wir haben ein Jahr mühseliger Arbeit hinter uns, ungleich grössere Arbeit harrt unser. Hat das abgelaufene Jahr uns auch einige Erfolge gebracht, sie sind winzig klein gegenüber jenen, die wir erreichen müssen, wenn wir den grossen Aufgaben gerecht werden sollen, die schliesslich und endlich die gesammte Judenschaft auf den Plan fordern, für ihre guten Rechte einzutreten. Wir haben es erreicht, dass man uns zu verstehen beginnt, versteht, dass wir nicht um eine Ehrenstelle buhlen, sondern vielmehr uns einer Arbeit weihen, die keinen Dank jemals bringt, die Opfer fordert, in der man auf exponierten Punkten steht und kämpft, und nicht selten auch im Kampfe Besudelungen erfährt. Muthig und unverdrossen harren wir aus, suchen Mitstreiter, warten auf Unterstützung aus unseren eigenen Reihen, welche in unsagbarer Indolenz abseits promenieren. Wir rufen alle Glaubensgenossen auf zur Mitarbeit an der Festigung unserer staatsbürgerlichen Rechte, zur Mitarbeit an der Abwehr bei Verletzung grundlegender Menschenrechte. Möge dieser Ruf nicht verhallen! In Erinnerung an die Schmach, an die erlittenen Unbilden, die unsere Vorfahren durch die Treue an ihrem Glauben ertragen mussten, seien wir einig! In der Einigkeit liegt die Macht und in der Macht der endliche Sieg, den wir für die gesammte Menschheit und nicht für uns allein erstreben. (Anhaltender lebhafter Beifall.)