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Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1898-03-01 · 102 (3.1898) · p. Seite 11

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Journal
Mittheilungen der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
10 (1898)
Issue
102 (3.1898)
Date
1898-03-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 102. Mittheilungen der Oesterr.-Israel. Union. 11 Fünftel der verausgabten Summen, also Investitionen im Werthe von circa 16 Millionen Gulden durch den Zeitraum von 4 bis 24 Jahren unbenützt bleiben und dadurch ein V e r 1 u s t an Intercalar-Zinsen erwachsen, welchen die Stadt nicht zu tragen vermöchte. Und das Alles aus purer Bosheit gegen die englische Gasgesellschaft und gegen die frühere liberale Maj orität. Den einzigen Nutzen aus dieser Sache ziehen sodann einige grosse Bauunternehmer und Grossindustrielle, wie die Wittkowitzer Gewerkschaft, die Stettiner Chamottewaarenfabrik (siehe die Fürsprecher der kleinen Unternehmer und der heimischen Arbeit) und endlich der Mechaniker Schneider, welcher bereits im Hinblick auf die von ihm zu übernehmende Lieferung von Gasmessern im Werthe von mehr als 2 Millionen Gulden ein eigenes Fabriksiocale für diesen Zweck errichtet hat. Geldbeschaffung: Der Vortragende erwähnt nun der wiederholten Eingriffe in die städtischen Sparcassen, welchen die JBaarbestände bis auf geringe Beträge entzogen wurden. Er führt als Beispiel die Aufnahme eines Darlehens von n. 500.000 in 4°/0igen Pfandbriefen der öst.-ung. Bank an, welches bei der Rudolfsheimer Sparcassa zum Zwecke der Verpfändung dieser Effecten und Erlangung eines Barbetrages von fl. 400.000 erfolgt ist. Er erwähnt die Hinausschieb ung fälliger Za hlungen angesichts der Unmöglichkeit weiterer Geldbeschaffung und fährt fort; Am 25. Jänner wurde der Bevölkerung und in erster Linie dem Wiener Gemeinderathe unter Aufwendung eines selbst bei diesem Präsidium ungewöhnlichen theatralischenEffectes die Mittheilung von dem Abschlüsse des Gasanlehens gemacht. Bekanntlich wurde das 60 Millionen Kronen-Anlehen an die deutsche Bank in Berlin unter zahlreichen bekannten und noch zahlreicheren unbekannten Bedingungen übertragen. Zu den ersteren zählt ein Uebernahmscurs von 98 für 100, wobei allerdings die Gemeinde Wien die Rentensteuer zur Zahlung übernimmt. Sie erinnern sich vielleicht noch, mit -welcher Schärfe und Heftigkeit im Jahre 1894 der damalige Stadtrath Dr. Lueger gegen dieBegebungvon städtischen Anlehen an Banken aufgetreten ist. Zu seinem grossen Schmerze musste er erleben, dass die liberale Majorität unter dem Bürgermeister Dr. Grübl in Wirklichkeit eine öffentliche Subscription auf das 35 Millionen Wasseranlehen eröffnete und glänzend durchführte. Jetzt aber wurde die öffentliche Subscription auch nicht mit einem Worte erwähnt, und dies mit vollem Rechte, denn sie hätte zu einem lächerlichen Fiasco geführt.

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