B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 10 (12.1925)
- Date
- 1925-12-01
- Page
- Seite 273 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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273 Aus den weiteren Verhandlungen ersahen wir, daß in Deutschland fast jede Loge ihre Frauenvereinigung hat; die Vereinigungen sind zu Distrikten zusammengeschlossen und die Distrikte bilden vereinigt den Verband. Seit der letzten Tagung ist die Zahl dieser Distrikte von 6 auf 14 -angewachsen. Dieser Zusammenschluß ermöglicht erst die großzügige Arbeit, die wir nach den Berichten bewundern konnten. In der Zentral- und Auskunftstelle laufen alle Fäden zusammen. Da gibt es eine Austauschstelle, die den Zweck hat, Studierenden und Kaufleuten (Söhnen und Töchtern von Brüdern), die ihren Wohnort verändern wollen, diese Möglichkeit in Brüderkreisen zu schaffen. Diese Austauschstelle hat sich jedoch mit der Zeit zu einer Stellen- und Wohnungsvermittlung für Logenkinder in ganz Deutschland entwickelt. Die Presseleitung berichtet, daß keine Nummer der Ordenszeitung ohne Frauenmitarbeit erscheint. Die Art der Mitglieder auf nähme ist noch nicht einheitlich; während in einigen Vereinigungen eine Auslese wie bei den Brüdern getroffen wird, ist es in den meisten ähnlich wie bei uns, daß eine einfache Anmeldung zur Frauenvereinigung genügt; nur noch in sehr wenigen Städten werden alle Frauen der Brüder automatisch als Mitglieder der Frauenvereinigung betrachtet. Hingegen wurde zum Beschluß erhoben, kulturell hochwertige alleinstehende Frauen als Mitglieder der Frauenvereinigungen aufzunehmen, auch wenn sie kein verwandtschaftliches Band mit einem Logenbruder verbindet; tatsächlich geschieht dies schon in vielen Vereinigungen und diese Frauen zählen oft zu den wertvollsten. Auch wird die feierliche Einführung jeder neuen Schwester empfohlen. Damit sich aber diese neuen Mitglieder leichter im Schwesterkreise einleben, soll jeder neueintretenden eine Protektorin beigegeben werden. Über Witwen- und Waisenfürsorge, Witwen- und Waisenschutz finden ernste und anregende Verhandlungen statt. In den meisten reichsdeutschen Logen wird die Betreuung der Hinterbliebenen nach Logenbrüdern einem gemeinsamen Komitee, dem auch Schwestern angehören, anvertraut und dieses Komitee arbeitet überall ersprießlich. Es wird der Antrag gestellt, dieses Recht auf Mitarbeit bei allen Logen zu fordern. Ganz besondere Sorgfalt wird der Altersfüsorge gewidmet. Wir hörten von den bestehenden Alters- und Wohnungsheimen für Logenangehörige in Berlin-Groß-Lichterfelde, Bremen, Ober-Rochwitz bei Dresden, die alle den Zweck verfolgen, den älteren Brüdern und Schwestern ein sorgenloses Alter zu bereiten. Daß fast in allen Distrikten ähnliche Heime in Gründung sind oder die Vergrößerung der bestehenden geplant wird, zeugt dafür, wie groß das Bedürfnis nach derartigen Institutionen ist. Auch mit der Jugendfürsorge befassen sich die Frauenvereinigungen in Deutschland. So hat die Frauenvereinigung Görlitz in Agnetendorf ein Heim, in welchem Kinder unentgeltlich aufgenommen werden; die Frauenvereinigung Stuttgart hat im Schwarzwalde ein Mädchenheim, ausschließlich für Logenkinder; in Norderney besteht ein schönes, großes Heim, das Otto- Haus, das 90 Kinder aufnimmt; gleichzeitig werden dort 12 junge Mädchen in die Hauswirtschaft eingeführt. Das Kinderheim in Wolfratshausen bei München, das an eine Haushaltungsschule angegliedert ist, soll zu einer landwirtschaftlichen Haushaltungsschule erweitert werden. Neben diesen Berichten über die vorbildlichen sozialen Arbeiten der Frauenvereinigungen hörten wir eine Reihe hervorragender Vorträge, die Zeugnis von dem hohen geistigen Niveau unserer Schwestern in Deutschland ablegten. Die Vortragenden befaßten sich hauptsächlich mit der Vertiefung des Schwesterngedankens, mit Erziehungsproblemen, mit den Zielen der Schwesternvereinigung; aus allen sprach die Überzeugung, daß eines der Hauptziele die Hebung der Persönlichkeit sei. Vor und nach der Tagung hatten wir Gelegenheit, einige der ausgezeichneten Institutionen der Frankfurter Frauenverenigung zu besichtigen, so die ganz moderne, verstaatlichte Haushaltungsschule mit angegliedertem Seminar für Anstaltsbeamtinnen, ein sehr schönes Heim für alleinstehende junge erwerbende Mädchen und ein Heim in Isenburg bei Frankfurt für sittlich gefährdete jüdische Mädchen.