B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 4 (4.1925)
- Date
- 1925-04-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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88 Die im vorigen Vereinsjahre ausgegebene Propagand schrift unseres verewigten Großsekretärs Br. Dr. Emil Spieg haben wir ins Cechische übersetzen lassen; die Übersetzung bef det sich bereits in den Händen der Logen. Die Neuauflage des Distriktsadreßbuches ist in Yorb reitung und wird voraussichtlich im Laufe des nächsten Monates z Versendung gelangen. Die Frage der Unterstützung der Logenangehörigen und ihrer Hinterbliebenen bildete auch im Vorjahre den Gegenstand der Beratung sowohl der Großloge als auch der einzelnen Logen. Im Sinne der bei der letzten Großlogentagung beschlossenen Normen wurde das Unterstützungswesen bei den meisten Logen neu ausgebaut. Bezüglich der Verpflichtung der Logen gegenüber Brüdern, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind, hat unser Generalkomitee folgende Normen aufgestellt: a) es besteht keine Pflicht der Logen, ihren Mitgliedern zur Bezahlung von Schulden Geldmittel zu Verfügung zu stellen; b) kein Bruder hat, wenn er in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist, einen Anspruch darauf, die Hilfe seiner Loge zu beanspruchen; c) unter allen Umständen ist vor jeder Aktion der Loge festzustellen, ob nicht ein unkorrektes Vorgehen vorliege; d) empfohlen wird, es mögen nach Tunlichkeit die einzelnen Brüder in einem solchen Falle ihre guten Dienste anbieten; e) es bleibt den Logen anheimgestellt, nach Beendigung der Ausgleichsverhandlungen dem betreffenden Bruder bei der Gründung einer Existenz behilflich zu sein. Falls die Großloge hiegegen keinen Einwand erheben wird, sollen dies© Grundsätze bis auf weiteres allgemeine Gültigkeit haben. Viel beschäftigt hat uns im letzten Jahre das Verhältnis zwischen unserem Orden und Organisationen ähnlicher Tendenz. Das letztere Generalkomitee hat in dieser Frage keine völlige Klärung der Sachlage gebracht. Sie werden Gelegenheit haben, sich auf Grund eines Antrages der Loge „Praga" neuerlich mit dieser Frage zu befassen. An der Begrüßung des Präsidenten Chaim Weizmann hat unsere Großloge, wenn auch nur mittelbar, den der Bedeutung dieses hervorragenden Mannes entsprechenden Anteil genommen. In Prag gehörten dem aus sieben Personen bestehenden Begrüßungskomitee außer mir noch drei Brüder an, und zwar die Expr. Dr. Otto Freund, Adolf Glaser und Dr. Emil Wiesmeyer. Vor dem Vortrage, welchen Präs. Weizmann im Sitzungssaale der Prager Logen hielt, begrüßte ich ihn mit folgender Ansprache: „In diesen Hallen kennt man Politik nicht. Hier kennt man Begeisterungfür Menschheitsideale, werktätige Arbeit für das Judentum, sozialethische Betätigung von Juden im Dienste der Menschheit. Wenn sich trotzdem diese Pforten einer Veranstaltung geöffnet haben, die als eminent politisch zu werten ist, so liegt die Ursache dafür darin, daß der Aufbau Palästinas aufgehört hat, eine Parteisache zu sein, daß der Aufbau Palästinas heute eine Angelegenheit geworden ist, die das ganze Judentum im höchsten Maße interessiert. Die kulturelle und wirtschaftliche Hebung breiter jüdischer Massen ist ein Problem von mehr als