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B'nai B'rith · 1924-04-01 · 4 (4.1924) · p. Seite 116

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
3 (1924)
Issue
4 (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 116 (sequence 30)
Language
German
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116 tenen Konzertes durchaus gerecht. Es berücksichtigte gleich liebevoll Instrumental- und Gesangsmusik, ja, das Konzert für Klarinette und Klavier von Karl Maria v. Weber, dem man im Konzertsaal nicht oft begegnet, war ein Leckerbissen, der auch musikalische Feinschmecker aufs höchste befriedigen mußte. Als Sängerin begrüßten wir Frau Tilly de Garmo, das beliebte Mitglied des deutschen Theaters. Frau Garmo, die sich in der kurzen Zeit ihrer Prager künstlerischen Wirksamkeit die ungeteilten Sympathien des Theaterpublikums im Fluge erobert hat, schlug auch den engern und gesellschaftlich einheitlichem Kreis der Brüder und ihrer nächsten Angehörigen in den Bann ihrer Kunst. Frau Garmo hat überdies an diesem Abend zum erstenmale in Prag Lieder gesungen. Daß ihre Wahl auf Schubert fiel, verrät ihren gesiebten Geschmack. Mit einer Anmut, die bezauberte, sang sie „Frühlingsglaube", „Auf dem Wasser zu singen", „Der Musensohn" und schließlich das „Heidenröslein". Als der Beifall der dankbaren Zuhörer kein Ende nehmen wollte, gab sie „Die Forelle" zu. In der zweiten Abteilung ihrer Vorträge sang sie einige Arien ihres Repertoirs, wie die Pagenarie aus den „Hugenotten", die Arie der Madame Butterfly von Puccini und die Arie der Karoline aus den „Zwei Witwen" von Smetana. Auch hier war ihr Erfolg wieder so durchschlagend, daß sie das Wiegenlied aus Smetanas Oper „Der Kuß" zugab. Auch Alice Herz, die junge Künstlerin aus der Schule Conrad Ansorges, Heß in ihren Klaviervorträgen die Erinnerung an Smetanas hundertsten Geburtstag nicht vorübergehen. Sie spielte aus Smetanas „Tschechischen Tänzen" den „Oves" und die Konzertetüde „Am Seegestade". Gerade diese Etüde, die Smetana für den eigenen Gebrauch geschrieben und auf seiner Konzertreise durch Deutschland und Holland im Jahre 1861 wiederholt öffentlich mit großem Erfolg gespielt hat, gibt klaren Aufschluß über die speziellen Züge der Virtuosität des Schöpfers der tschechischen Nationalmusik. Fräulein Alice Herz spielte diese Kompositionen mit tiefem Eindringen in ihren geistigen Gehalt. In der Konzertetüde und insbesondere in der anschließenden Dante-Phantasie Liszts hatte sie außerdem Gelegenheit, ihre stupende Technik, ihren modulationsfähigen Anschlag und den Farbenreichtum ihres feinnüancierten Spiels zu zeigen. Reichster Beifall lohnte auch ihre künstlerische Leistung, und erst nach einer Zugabe geben sich die Zuhörer zufrieden. Von apartem Reiz war der Vortrag des ersten Klarinettenkonzertes von Weber (F-moll) durch Prof. Jirtschak. Unter den zahlreichen Konzerten für einzelne Instrumente haben nur die Klarinettenkonzerte, die aus dem Jahre 1811 stammen, hohe künstlerische Bedeutung. Weber hat an ihnen die spezielle Eigenart der Instrumente studiert und aus diesen Vorstudien jene tiefe Kenntnis der Orchesterwirkung jedes einzelnen Instrumentes geschöpft, die dem Weberschen Orchester den von den Klassikern deutlich zu unterscheidenden Klangreiz gegeben hat. Die Klarinettenkonzerte sind für einen Meister dieses Instrumentes, Webers Freund Bärmann, geschrieben, und nur ein Meister dieses Instrumentes kann ihnen gerecht werden. Willy Jirtschak, der Soloklarinettist des deutschen Theaters und Professor für Klarinette an der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst, ist ein solcher anerkannter Meister. Er zieht aus der Klarinette, die so leicht vulgär klingen kann. Töne, die wirklich singen, in denen Adel und Seele liegt. Seine Atemtechnik überwindet alle Schwierigkeiten, die dem konzertierenden Soloinstrument auferlegt sind. Man vergißt bei seinem prächtigen Spiel ganz der Widerstände der Materie und nimmt das von jeder Erdenschwere befreite Geistige der Komposition in sich auf. Daß auch dieser Künstler den wohlverdienten herzlichsten Beifall fand, ist selbstverständlich. Schließlich darf auch der Klavierbegleitung der Schw. Frau Olga G r atum nicht vergessen werden. Sie begleitete Frau Garmos Lieder und Arien und Jirtschak im Klarinettenkonzert und hat ihre durchaus nicht leichte Aufgabe mit einem Feinsinn gelöst, daß ihr die uneingeschränkte Anerkennung nicht vorenthalten werden darf. E. R.

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