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Jeschurun · 1896-08-27 · 13 (27.8.1896) · p. [Seite]

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Journal
Jeschurun
Volume
1896
Issue
13 (27.8.1896)
Date
1896-08-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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J <» * c* Ii ii r Ii ii. Halbmonatsschrift für Pädagogik, Homiletik und Litteratur. (Beilage zur Allgemeinen Israelitischen Wochenschrift.) Xo. 13. Berlin, 27. August. 1896. Inhalt: Predigt zum Versölmungsfeste Von Dr. J. Niemirower. Gebete zur Seelenfeier und beim Eingang des Sukkotfestes. Konferenzbericht. (Fortsetzung.) Predigt. Am Vorabend des Versöhn ungslestes. Von Dr. J. Niemiro wer. Text: Schloscho deworim zo'rich odom lomar bessoch besso erew schabbos im chaschecho: Issartem, erawtem, haddliku es hanner. (Sabb. 2.) „Am Vorabend des Sabbats soll der Mensch in seinem Hause folgende drei Aussprüche thun: Habt ihr gezehntet? habt ihr den Eruw besorgt? stecket das Sabbatlicht an." M. A. Nach jüdischer Zeitauffassung geht die Nacht dem Tage voraus. Während die anderen Völker mit dem Tage beginnen und auf denselben die Nacht folgen lassen, beginnt für uns der Jörn ha-Kippurim schon in dieser Stunde, mit Anbruch der Nacht. Die Nacht der Leiden muss auch im Leben der Menschen dem Tage der Freuden voraufgehen, die Nacht eines finstern Aberglaubens dem Tage eines hellen und lichten Glaubens, die Nacht des Hasses und der Verfolgung dem Tage der Gerechtigkeit und Liebe! Aut die Nacht der egyptischen Sklaverei folgte für Israel der Morgen der Erlösung und Befreiung, auf die Nacüt der Wüstenwanderung der Morgen eines glänzenden Staatslebens, auf die Nacht des Mittelalters der Morgen der Neuzeit. Die Nacht ist daher für Israel nicht nur der Ausdruck der Finsternis, sondern auch der eines eigentümlichen Lichtes — eines Lichtes in der Dunkelheit, ist ja Israel selbst ein Licht in und trotz der Dunkelheit seiner Verhältnisse! Wurde es doch mit dem Monde, mit der Königin der Nacht, und mit ihrem Here, mit den Sternen, verglichen. Die Sterne seines Glaubens winken ihm auch zumeist dann, wenn der Himmel seines sozialen Lebens bewölkt ist, wenn seine Feinde gegen ihn alle Schrecken der Nacht heraufbeschwören möchten. Israel fühlt sich daher vom Reize der Nachtzeit angezogen und stattet so manche Nacht mit seiner Poesie aus. Wer von uns, meine Andächtigen, kennt nicht den Zauber der Freitagabende, in denen sich der ganze Reichtum jüdischen i Empfindens offenbart und der Glanz israelitischen Familienglückes jedes Antlitz umstrahlt. Wer kennt nicht die Freitagabende, die gleichsam Pforten der Ruhe bilden, durch welche der Jude nach der Arbeit der Woche den Tempel des Sabbat betritt. Der heutige Abend nun, der Kol Niedre-Abend, ist ein solcher, ja ein noch höherer Sabbatabend, der Vorabend des Sabbats der Sabbate, (Schabbat schabbathon) an dem sich die grosse Fülle jüdischer Glaubensinnigkeit kundgiebt und das ganze Haus Israel in erhabener Eintracht eine Familie bildet. Dieser Abend ist das Thor des Friedens, durch welches der Israelite nach der Mühsal des Jahres das Allerheiligste des Versöhnungsfestes mit innerer Weihe betritt, um Schutz und Hilfe in seinem Kampfe gegen die bösen Mächte der Sünde zu suchen und Ruhe für seine Seele zu finden. Wir müssen uns aber in dieser Stunde zum Empfange des Sabbats der Sabbate rüsten — im Sinne der Mischna die da lehrt: — (Text.) Diese Fragen möge jeder von uns (bessoch besso) in seinem Innern, nicht m halacheschem, sondern in ethischem Sinne an sich richten. M. A. „Habt ihr gezehntet?" Haben wir einen Teil unseres Besitzes in den Dienst der Wohlthätigkeit gestellt? Haben wir unsere irdischen Güter geadelt, in geistige und himmlische umgesetzt, indem wir sie der Menschenliebe geweihet? Ist Israel noch immer das Volk des Zedaka einer gerechten Wohlthätigkeit und wohlthätigen Gerechtigkeit? Am Jörn Kippur sprechen wir von der Wohlthätigkeit, welche das böse Schicksal des Menschen in ein gutes verwandelt, während im verflossenen Jahre unsere Milde und Barmherzigkeit das traurige Los, das bittere Schicksal unserer unglücklichen Mitmenschen nur selten zu lindern gesucht hat. Am Tage des Gerichts erbebt der Reiche, der Liebling des Glückes, bei dem blossen Gedanken, dass er im kommenden Jahre ein Opfer der Armut werden könnte, während er sonst im Leben den Jammer der Armut kaum gefühlt und diesem Gefühl nur selten thätigen Ausdruck verliehen. Wir, die wir am Versöhnungsfeste das leuchtende Antlitz der göttlichen Huld erflehen, zeigten den Bedrängten und Bedrückten nicht immer ein freundliches und friedliches, leuchtendes und liebevolles Antlitz. Während wir uns heut in Ehrfurcht vor der Thora erheben, vergassen wir gar oft die „Levitenspende:" die Unterstützung der Anstalten und Vereinigungen, die den Geist des Judentums verbreiten und befördern, vergassen wir die modernen Leviten, die Träger der Bundeslade, die Säulen und Stützen des Judentums. M. A. Die Frage, ob wir gezehntet, gik auch in anderer Beziehung, ob wir nämlich auf so manche Post.

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