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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1929-03-01 · 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
2 (1929). Bestand LBI
Issue
1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
Date
1929-03-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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I stärker an jene jüdischen Institutionen zu binden sein, die sich arbeits. sürsorgerifchen Aufgaben widmen. Der erfreuliche Beginn einer Produkltuierung der Wanderfürsorge ist in den letzten Jahren zu beobachten. Die in Aussicht genommene jüdische Arbeiterkolonie kann allerdings nur ein Anfang sein. All die angedeuteien Tatsachen, Institutionen und Möglichkeiten dürfen nicht darüber hinwegtauschen, daß es sich erst um den Beginn einer jüdischen Entwicklung in Deutschland handelt. Sie dürfen insbescndere dar. über nicht hinwegtäuschen, daß der allgemeine Strukturwandel der Wohl, fahrtspflcge die jüdische Wohlfahrtspflege noch kaum berührt hat. Klar muß aber insbesondere für diesen Kreis sein, daß alle wohlfahrtspflegerischen Unternehmungen, und seien sie noch so vollkommen, nur Aushilssmittel sind und bleiben werden. Eine wirtliche Änderung und ein durchgreifender Um. bau der soziale, Situation ist nur möglich im Zuammenhang mit einem Umbau der gegenwärtigen Wirtschaftsform. Solange die gegenwärtige Wirt. ,'chaftsform. Erneuerungsbestrebungen und Möglichkeiten im jüdischen Heimwesen Referat Dr. Paula Kronheimer. Daß sich die Jugend, daß sich vor allem weite Kreise der Jugendbewegung mit den Fragen der Fürsorgeerziehung beschäftigen, ist deshalb so außerordentlich wichtig, weil einmal kaum ein anderes Gebiet der Wohl, fahrtspflege gegenwärtig so stark im Zeichen einer a lgemeinen Krisis steht und weil es außerdem kaum ein Gebiet der Wohlfahrtspflege gibt, an dem flch die Generationen so scheiden, wie in der Fürsorgeerziehung. Es ist höchste Zeit, daß man sich in diesem Kreise dessen bewußt wird, welche Verpflichtung gerade unsere Generation hat, auf eine Umgestaltung der F.E. im Sinne der Ergebnisse der neuzeitlichen Forschung, sowie im Sinne der gesamten Haltung der heutigen Jugend hinzuwtrken. Die Regenerationsbedürftigkeit der F.E. ist eine so besonders dringliche Forderung, weil sich auf keinem Gebiete die Fehler so heillos auswirken können wie hier. Während wir annehmen können, daß Fehler, die am gesunden Jugendlichen, am gesunden Erwachsenen begangen werden, durch die Kraft und gesunde Veranlagung des normalen Menschen ausgeglichen werden, muß man sich dessen bewußt sein, daß man den sogenannten „gefährdeten" Jugendlichen häufig als einen Menschen mit psychopathischer Konstitution oder als einen Menschen, der durch Erziehungsfehler seelisch geschädigt ist, anzusehen hat, und daß sich der gefährdete Jugendliche auf Grund dieser Bedingungen nicht in dem Maße, wie der gesunde gegen ,'alsche Eingriffe wehren kann. 10

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