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Jüdische Auswanderung · 1939-04-01 · April 1939 · p. Seite 30

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
April 1939
Date
1939-04-01
Page
Seite 30 (sequence 30)
Language
German
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und der Preise für Produktionsmittel (landwirtschaftliche Maschinen usw.!) die Gestehungskosten der australischen Urproduktion erheblich erhöht. Es ist daher etwas mehr als ein Scherz, wenn man von „dem Schaf, das alles zahlt", gesprochen hat. Nur die außerordentliche Gunst der Produktionsbedingungen der australischen Schafzucht und einiger anderer Zweige der Urproduktion (wie des Weizenbaues und der Goldgewinnung) ermöglicht auch heute noch das hohe Lohn- und Preisniveau der australischen Fertigwaren-Industrie und all jene sozialpolitischen Experimente, von denen später noch die Rede sein wird. Wäre die Politik der Staatseingriffe in Australien weniger stark betont, so würde zweifellos die Fertigwarenindustrie sehr viel weniger entwickelt, dagegen würden verschiedene Zweige der Urproduktion — wie vor allem auch der Bergbau — wesentlich stärker vertreten sein. Denn es liegt auf der Hand, daß in den Produktionszweigen, die im wesentlichen auf den Absatz im Auslande angewiesen sind und daher durch keine Zollpolitik gefördert werden können, die hohen Löhne ein außerordentlich schweres Hemmnis bedeuten, da sie die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt erschweren oder selbst vernichten. So kommt es, daß in Australien Produktionsmöglichkeiten, die zum Teil sehr viel günstiger sind als die anderer Länder, ungenutzt bleiben, weil sie durch die hohen Lohnkosten keine Rentabilität versprechen. Vorläufig, d. h. unter günstigen weltwirtschaftlichen Voraussetzungen, ermöglicht die bevorzugte Stellung, die Australien bei der Produktion einzelner Standardprodukte einnimmt, trotz einer verhältnismäßig geringen Produktivität in anderen Wirtschaftszweigen die Aufrechterhaltung, ja allmähliche Steigerung des hohen Lebenshaltungsniveaus der Gesamtheit. 2. Die Landwirtschaft A. Allgemeiner Ueberblick Auch heute noch bildet die landwirtschaftliche Urproduktion die Grundlage und den gesündesten Teil der australischen Volkswirtschaft. Dies geht deutlich genug aus folgenden Zahlen hervor: Während der Gesamtwert der australischen Industrieproduktion (manufacturing) nach Abzug des Werts der Rohstoffe im Jahre 1935/36 rund 176 Millionen £ betrug, erzeugte der Ackerbau Produkte im Wert von 75,4 Millionen £; die Erzeugnisse der Weidewirtschaft (pastoral products) erreichten einen Wert von 91,3 Millionen £ (einige Jahre vorher sogar 95,6 Millionen £), und andere Zweige der australischen Viehzucht, nämlich Milchwirtschaft, Geflügel- und Bienenzucht brachten zusammen 47,5 Millionen £ ein. Nimmt man noch hinzu, daß Waldwirtschaft und Fischerei zusammen Erträgnisse von 11,6 Millionen £ ergaben, und der Bergbau solche von 23,2 Millionen £, so folgt aus diesen Zahlen, wie sehr Australien trotz seiner mit allen Mitteln künstlich hochgezüchteten Industrie selbst heute noch vorwiegend von der Urproduktion lebt. Von den beiden Hauptzweigen der australischen Landwirtschaft, Ackerbau und Viehzucht, besitzt die letztgenannte die weit größere Bedeutung. Für beide aber bestehen noch ungemein große Ausdehnungsmöglichkeiten, so daß ein Kampfumden Boden, im Sinne der Verdrängung eines Wirtschaftszweiges durch den anderen, im ganzen kaum stattfindet, wenn dies auch in einzelnen Gegenden zuweilen der Fall ist. Nach Angaben von Hermann Lufft sind etwa 21 o/0 Australiens Wüste, also landwirtschaftlich nicht nutzbar. Auf einem etwa ebenso großen Gebiet kann Viehzucht nur mit einem sehr großen Risiko betrieben werden wegen der Unsicherheit der jährlichen Niederschläge. Dagegen sind etwa 34 o/0 — d. h. etwa 2,46 Millionen Quadratkilometer oder eine Fläche von der fünffachen Größe Deutschlands — gutes Weideland und 1,62 Millionen Quadratkilometer gutes Farmland in der gemäßigten Zone, wenn auch teilweise recht bergig; dazu kommt dann noch Ackerbauland in den Tropen. Von der Gesamtfläche Australiens ist aber nur etwa 1 o/0 unter intensiver ackerwirtschaftlicher Nutzung. Von dieser Anbaufläche nimmt der Weizen allein etwa zwei Drittel für sich in Anspruch. An zweiter Stelle folgen dann Futtergräser, vor allem Luzerne, während die übrigen Getreidearten, wie Hafer, Gerste, Mais zusammen nur etwa 9 °/o ausmachen. Auf Zuckerrohr und Obstgärten entfallen je etwa lVa o/o. Die folgende Tabelle zeigt eine Uebersicht über Anbauflächen und Ernteerträgnisse der wichtigsten Zweige des Ackerbaus 1936/37 Fruchtart Gesamtfläche in Gesamtertrag in 1000 acres 1 000 000 busheli (1 acre 0,4 ha) 1 bushel 36,35 \\ Weizen 12 317 151,4 Hafer 1 525 16,7 Gerste (1935/36) 565 9,6 Mais 318 7,2 in 10C0 tons Heu 3 101 3 448 Kartoffeln (1935/36) 125 323 Zuckerrohr 359 5 446 Außerdem dienten etwa 271 000 acres dem Obstbau und führten 1935/36 zu einer Erzeugung im Werte von 7,7 MiLL £, und 120 000 acres waren mit Wein bepflanzt; die Erzeugung betrug hier 364 000 tons Weintrauben und 17,7 Mill. gafions Wein. Insgesamt waren im Jahre 1935/36 etwa 20,0 Mill. acres mit den verschiedenen Fruchtarten bestellt, wovon nicht weniger als 12,0 Millionen unter Weizen standen. Betrachten wir nun die Verteilung der wichtigsten Produkte der australischen Landwirtschaft auf die verschiedenen Staaten bzw. Anbauzonen, so ergibt sich folgendes BÜd: Die australische Landwirtschaft unterscheidet sich von der europäischen u. a. darin, daß in den verschiedenen Gebieten im allgemeinen Monokultur herrscht, d. h. es wird vorwiegend oder ausschließlich ein Produkt angebaut. So gibt es reine Weizen-Gegenden und andere Gebiete, wo etwa nur Zuckerrohr oder nur Mais angebaut wird. Den Anteil der verschiedenen Einzelstaaten an der Erzeugung des wichtigsten australischen Ackerbäu-Produkts, des Weizens, zeigt folgende Tabelle: Weizen-Erzeugung nach Staaten 1937/38 Staat Ertrag in 1000 bushels Neu-Südwales 56 000 Victoria 48 173 Queensland 43 428 Südaustralien 36 091 Westaustralien 3 749 Tasmanien 570 Bundesbezirk (1935/36) 31 Insgesamt 188 042 Aus diesen Zahlen geht hervor, daß der Schwerpunkt der Weizenerzeugung auch heute noch im wesentlichen im Südosten liegt; es ist aber kein Zweifel daran, daß gerade in Westaustralien und in Queensland die Anbaufläche noch außerordentlich steigerungsfähig ist. Dies ist freilich auch in Neu-Südwales der Fall, während in Victoria nur noch minderwertiges Land ungenutzt ist. Die Nordgrenze des Weizenbaus reicht, ebenso wie die des Weinbaus, bis in die Gegend von Roma; im Westen findet der Anbau von Weizen seine Grenze bei Geraldton beim 28. Grad südlicher Breite, während dieselbe Grenze im Osten beim 26. Grad liegt. Diese beiden Anbaugebiete sind jedoch durch die berüchtigte Nullarbor-Ebene von einander völlig, getrennt. Alle übrigen europäischen Getreidearten reichen nicht so weit nach Norden; Gerste und Hafer, die überwiegend als Futtermittel angepflanzt werden, werden in sämtlichen Staaten angebaut, vor allem in Victoria, Westaustralien und Tasmanien. Bezüglich der Anbauzonen anderer Pflanzen ist vor allem auf folgendes hinzuweisen: An der Ostküste reicht die Zone des Zuckerrohrs etwa bis Graf ton in Neu-Südwales, also nicht ganz bis zum 30. Grad südlicher Breite. Der Anbau von Mais hat keine Südgrenze, doch liegt das Hauptanbaugebiet an der mittleren Ostküste, also im südlichen Queensland und im nördlichen Neu-Südwales. Tropische Früchte (wie Ananas, Bananen usw.) reifen bis zur südlichen Grenze von Queensland; subtropische gedeihen auf dem ganzen Kontinent mit Ausnahme einiger Teile von Victoria. Betrachten wir nun in großen Zügen die Viehzucht, so ergibt sich folgendes Bild: Im Jahre 1936 waren in Australien nicht weniger als 110 Millionen Schafe, 13,5 Millionen Stück Rindvieh, 1,8 Millionen Pferde und 1,2 Millionen Schweine vorhanden. Aus diesen Zahlen geht die 30

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