Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Bergbau und Industrie Wichtigstes Landesprodukt ist Petroleum. Die Oelfelder befinden sich auf einem schmalen Küstenstreifen südlich der ecuadorianischen Grenze. Drei Gesellschaften sind an der Ausbeute beteiligt. Große pipe-lines (Röhrenleitungen) wurden zum Transport des Oels angelegt. Zwei Raffinerien sorgen für die Verarbeitung im Lande. Insgesamt wurden 1936 2,4 Millionen Tonnen gefördert; exportiert wurde 1936 Petroleum im Werte von 77,7 Millionen Soles, ferner Petroleumderivate im Werte von 41,1 Millionen Soles. Von großer Bedeutung sind Perus Kupferminen. Zwar hat sich die Kupferförderung in den letzten Jahren schon vervielfacht, doch liegen noch große Reserven unausgebeutet. Der Fall der Kupferpreise macht sich in der Abnahme der Exportwertsumme bemerkbar; in den letzten Jahren erholte sich jedoch wieder der Exportwert des Kupfers. Die Kupferproduktion betrug 1936 33 350 t, der Exportwert wurde 1936 auf 43,1 Millionen Soles geschätzt. Als Silberversorger der Welt steht Peru an dritter Stelle. In der Kolonialzeit war Silber das Hauptprodukt Perus. 1936 betrug Perus Silbererzeugung mit 619 000 kg noch etwa 7,5 v. H. der Weltproduktion. Die Silberproduktion Perus hat sich seit 1934 — hauptsächlich infolge der US.-amerikanischen Silberankäufe für monetäre Zwecke —■ nahezu verdoppelt. Gold, das im ganzen Land gefunden wird, hat infolge der ungünstigen Verkehrslage der Minen wenig Bedeutung für das Land. Nur, wo es als Nebenprodukt der Kupferförderung auftritt, lohnt sich eine Auswertung der Fundstätten. 1936 wurden 4740 kg im Werte von etwa 21,4 Millionen Soles produziert. Von anderen Mineralien wird in Peru Blei, Zink, Antimon, Vanadium, Quecksilber, Wismut und Eisen gefördert. Einheimische Kohle wird im Verhüttungsprozeß verwandt. Der Ausnutzung der reichen peruanischen Erzläger schließt sich eine nicht allzu weit fortgeschrittene einheimische Verhüttungsindustrie an. Der Bergbau liegt zum größeren Teil in US.-amerikanischen Händen. Der Gesamtwert der mineralischen Produktion wird für 1936 auf 265 Millionen Soles geschätzt; es wurden 19 000 Arbeiter beschäftigt. Peru ist in erster Linie ein Rohstoffland. Sein industrieller Markt ist stark vom Auslande abhängig. Die einheimische Industrie beschränkte sich zunächst auf die Verarbeitung der Landesurprodukte, zum Beispiel Baumwolle und Erze. Es wurden dann Industrien von Massengebrauchsartikeln, Lebensmitteln und Getränken aufgebaut. In den letzten Jahren nahm die Industrialisierung einen großen Aufschwung. Großzügig gewährte Schutzzölle und eine Währungsabwertung erleichterten diesen Prozeß. Die Industrie ist zumeist mit englischem und US.-amerikanischem Kapital aufgebaut. „Die peruanische Baumwollindustrie, die Waren grober und mittlerer Qualität produziert, hat alle anderen, japanische und hochqualitative ausgenommen, vom Markte verdrängt. 11 Fabriken bestehen im Lande mit einem "Kapital von 35 000 000 Soles; sie haben etwa 100 000 Spindeln und 4500 Webstühle. Sieben von ihnen sind in Lima. Der jährliche Baumwollverbrauch übersteigt 5000 t. Die Fabrikation von Wollartikeln macht rasche Fortschritte. Fünf große Spinnereien bestehen in Lima, Cuzco und anderen Städten der Sierra. Der Wollverbrauch wird auf 3000 Ballen pro Jahr geschätzt. In Lima bestehen 22 große Strickereien, deren Produkte — Trikotagen, Jumper, Unterwäsche usw. — den Vergleich mit importierten Produkten erfolgreich bestehen. Gutes Schuhwerk wird durch die Gerb- und Schuhindustrie zu sehr billigen Preisen auf den Markt gebracht. Die peruanische Portland C e m e n t - Company verfügt über Anlagen mit einer Kapazität von 700 000 barreis pro Jahr; tatsächlich werden jetzt über 60 000 t erzeugt. Fabriken von Emaille- und Aluminium-Küchengeschirr machen gute Geschäfte. Vorzügliche leichte Biere (10 Millionen Liter) und Mineralwässer (700 000 Liter) werden produziert. Peruanisches Mehl hat den Mehlimport ausgeschaltet. Süßigkeiten, Biskuits und Schokoladen werden erfolgreich in Lima produziert. Die Fabrikation von Seife, Toiletteartikeln und Medizinen macht ebenfalls große Fortschritte. Zündhölzer sind Regierungsmonopol. In Callao gibt es eine moderne Fleisch-Konserven-Fabrik. Der Import von Gefrierfleisch hat aufgehört und der von Büchsennahrungsmitteln stark abgenommen. Von anderen Industrien seien genannt: Mauer- und Dachziegel; Nägel, Schrauben; Eisenkurzwaren; Schminken, Farben und Firnisse; Betten, Bettstellen, Möbel; Glaswaren, Flaschen; industrielle und Speiseöle; Kerzen; chemische und pharmazeutische Produkte; Papier und Kartonagen; Spielwaren; Parfüme; Konserven; Kolonialwaren und Lebensmittel, Molkereiprodukte; Büchsenfleisch und -früchte; Geflügelfutter; Filz-, Stroh- und Panamahüte; Leder- und Modenartikel und viele andere." (South American Handbook 1938) Eine Industriezählung im Jahre 1935 ergab, daß in Peru 625 Betriebe bestanden, deren Produktion wertmäßig auf 158 Millionen Soles geschätzt wurde. 18 508 Arbeitnehmer waren in ihnen beschäftigt, deren Löhne und Gehälter sich insgesamt auf 15 281 808 Soles beliefen. Die industrielle Entwicklung wird durch billige Versorgung mit elektrischem Strom begünstigt. Es existieren 65 Elektrizitätswerke in Peru, von denen 33 durch Wasserkraft betrieben werden. Die industrielle Ausnützung dieser Kräfte wie der natürlichen Bodenschätze des Landes ist ein Verkehrsproblem. In Huancayo, das seit einiger Zeit durch neue Autostraßen erschlossen worden ist, bildet sich ein neues Industriezentrum. Dieser Ort besitzt Perus größtes wollverarbeitendes Werk mit einer Belegschaft von über 500 Arbeitern in Tag- und Nachtschicht. Diese Fabrik, die von italienischem Kapital gegründet und von italienischen Fachleuten geleitet wird, stellt aus einer Million Kilogramm ungewaschener Wolle rund 400 000 Kilogramm Garne und 500 000 Yards Gewebe her. 3. Außenhandel Die Einfuhr Perus hatte 1937 den Wert von 235,2 Millionen Soles, die Ausfuhr von 365,4 Millionen Soles. Da Perus Wirtschaft nicht auf einer Monokultur beruht, ist die Zusammensetzung seines Außenhandels vielseitig; die Bedeutung der wichtigsten Erzeugnisse für die Ausfuhr ist aus den Ausführungen über die Landwirtschaft und den Bergbau zu entnehmen. Die wichtigsten Einfuhrwaren sind Maschinen, Werkzeuge, überhaupt Eisen- und Metallfabrikate, Textilien, Chemikalien. Etwa zwei Drittel des Außenhandelsumsatzes entfielen auf das Deutsche Reich, Großbritannien, die Vereinigten Staaten von Amerika. Der Außenhandelsumsatz mit Deutschland ist in den letzten Jahren — wohl infolge des Aski-Systems — absolut und anteilsmäßig bedeutend gestiegen. Deutschland bezieht aus Peru vor allem Baumwolle, Wolle, Petroleum. Im einzelnen umfaßte Deutschlands Ausfuhr im Jahre 1937 folgende wichtige Warengruppen: Mi Konen RM Insgesamt 32,2 Darin Stickstoffdüngemittel 1,6 Gewebe aller Art 3,0 Papier usw. 1,6 Farben, Lacke usw. 1,3 Chemische Erzeugnisse 3,3 Eisenhalbwaren 2,4 Fertige Kleidung 1,4 Eisenwaren 4,2 Maschinen aller Art 2,8 Fahrzeuge aller Art 1,8 Elektrotechnische und feinmechanische Erzeugnisse 2,2 Laut Angabe der Deutsch-Südamerikanischen Bank A.-G. besteht nach folgenden deutschen Erzeugnissen Nachfrage: Werkzeuge, Baumaterial, Fensterglas, Eisen- und Stahlwaren, Maschinen für Landesindustrie (Einfuhr von gewissen Textilmaschinen auf ein Jahr verboten), Chemikalien, pharmazeutische Produkte, Glas-, Porzellan- und Steingutwaren, Papier und Papierwaren, Leder für Schuhe und Handschuhe. 4. Währung Währungseinheit ist der Sol (Mehrzahl: Soles); 1 Sol 100 Centavos. Die Goldparität in Reichsmark beträgt 100 Soles 117,53 RM., jedoch notiert der Sol gegenwärtig 100 Soles 5 0 RM. Die „freie" Reichsmark notiert zur Zeit 2,00 Soles, die Aski-Mark 1,32 Soles. Es ergeben sich durch die starke Unternotierung der 78